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Der Jüdische Arbeiter · 1933-04-07 · Heft 14 (7.4.1933) · page 1

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
10 (1933)
Issue
Heft 14 (7.4.1933)
Date
1933-04-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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V. b. b. Erscheint Organ der Vereinigten zionisliscli-sozlaUsUschen ürbeMeroraanlsöilon Poale Zlon-tlHachdutti in Österreich Redaktion und Administration: Wien II., ßlumauergasse l —- Postscheckkonto Nr. 17.878 Tschechosl. Redaktion: Brünn. Koli§t§ 19, Tel. 35.398, Postscheckkonto Brünn Nr. 100.145 Bezugspreis: ganzjährig S 12*—, halbjährig $ 6-- Einzelne Nummer 30 Groschen 10. lahrgang Wien, 7. April 1933 Nr.-14 Gegen rascismns and anlijlidisclieii Terror! Poale Zlon veranstaltet die ersten Protesfknndgeliiiiitfeii In der £. $.». - Massenversammlungen in Bratislava und Prag. Bratislava, 2. April (Eigenbericht). Am 1, April fand eine von der Poale Zion in Bratislava einberufene Kundgebung statt, in der die. Partei zu den Ereignissen in Deutschland Stellung nahm. Die Versammlung im Hotel Hirsch, an der mehr als 400 Personen teilnahmen, ' war die erste Protestversaiiimlung gegen den deutschen faschistischen und antijüdischen Terror, die in unserem Staate veranstaltet worden war. Sie hatte einen außerordentlich eindrucksvollen Yerlauf und dokumentierte in deutlichster Weise unsere^ Stellung zu den Geschehnissen; führende Genossen der cechischen und ungarischen Sozialdemokratie nahmen an ihr teil. ' Die Versammlung "unter dem Vorsitz Wenn es jemals in meinem Leben einen „__n t cj n; n i k n „ „ n ». kr^n Augenblick gab., 4er..nur den Weg wies, dann von Gen. L. Spielber ger wurde von ist^s d|ese* dv Laffe deg deußchen Proleeinem Chor der Jüdisch-Sozialistischen tariates, die Lage des jüdischen Proletariats Jugend eingeleitet. Nach der Begrüin Deutschland. Ich lege' das Bekenntnis ab, Rnntr rW inwpspnrlpTi Vprrr'pfcpT dpr daß ich treu dem .jüdischen Proletariate I3ung der anwesenden Vertreter üer kämpfen werde daß mich auf Grund die. ungarischen sozial - demokratischen ser Vorkommnisse mit Ihnen einig fühle und Partei (Gen. Mäkkay), der tschechi sehen Sozialdemokratie (Gen. Och). daß ich vom heutigen Tage mit Ihnen Hand in Hand den Kampf führen will gegen Reak- „ „^„;„i;„i;„^t,„„ Ar„x™^ Anl tion, Fascismus" und Antisemitismus. Einer der sozialistischen Arzte (Kucera) des ist nichts Ich hof^ daß es mir e. Haschomer Hazair (Pollitzer) und. der gönnt sein wird, jene Stunde zu erleben/ da Vertreter de'r Parteiexekutive nahm in Preßburg die Mehrheit des jüdischen Proais erster Gen. Makkay das Wort, Jj*arJchferS5n^,rdfer Fah"e P°aIe Zi°" der unter begeisterter Zustimmung der marsc ieren w,r , - . _ Anwesenden erklärte, er als Katholik Nachdem noch Gen. Dr. A. Grünfeld von Geburt verurteile mit dem jüdidie Grüsse der' Landesexekutive der sehen: Proletariat aufs. Schärfste - die. Partei, überbracht, hätte, nahm Gen, Greuel in Deutschland und sei bereit, M e n d el S inger das Wort: " mitzuwirken am Kampf gegen den An- Eine der schwierigsten Aufgaben ist tisemitismus. Dann nahm Gen. Eugen es> die Gegenwart richtig zu verstehen. Singer das Wort und führte aus: Weltwirtschaftskrise war eine Fol- Tch bin leider nicht in der angenehmen ge der ungeheueren Zerstörung an, Lage, Ihnen Grüße einer Bruderpartei bringen Gütern im Kriege, die man ersetzen zu können. Ich sa^e dies deshalb, weil'ich wollte durch die Schaffung, einer volvielleicht als liebendes Beispiel dafür dienen iPT1fWpn Tnrhid-viptppl-milr N'noh pitiptyi kann, worin die Verbrechen, die in verschielenüeten müustiietecnniK. JNacli einem denen Arbeiterparteien begangen wurden, H^M^H^BH^^H^^MM^H^^Hn bestehen und" wo die Ursache dafür liegt, daß wir darüber zu sprechen haben, daß in Deutschland die furchtbarste Reaktion die Oberhand gewonnen hat. Eine der Ursachen liegt darin, daß die Einigkeit des Proletariats Resolution: Die am 1. April in Bratislava abgefehlt. Deshalb haben heute tausende von. Prehaltene Kundgebung der jüdischen lers* Fascismus in .24 Stunden die Oberhand cnzialripirinkraticMiPii gewinnen. Wehn uns sozialistische Literatur, sozialdemokratischen Arbeiterpartei gewinnen, yyüuu uns auaicMlöblSCIie JjllüIclluD D „. , , , . «T - . sozialistische Propaganda die Augen nicht. y°31 e fioin. erhebt im Namen zehnöffnen konnte — die Vorgänge in Deutschland tausender jüdischer Proletarier der Tschechoslowakei den schärfsten P r o t est gegen die brutale, Unter¬ Arbeiterklasse in sind eine furchtbare Lehre. Der Kampf Hitlers, der Kampf des Fa- Ä , „ „ w a „ scismus mit dem Judentum ist nicht ein Hriinfrunoh««. Kampf gegen. jüdische Millionäre, sondern "ru~K"nf aer einer gegen jüdische. Angestellte, gegen Be- Deutschland, gegen die hemmungslose amte und kleine .Kaufleute. Der. Fascismus Degradierung der deutschen Juden, trifft am härtesten das proletarisierte »äffen ihre Ausschließuntr an« illon Rp Judentum, Der Augenblick, der uns heute in? ff " 1 AUSjcmie«ung aus allen Beeiner kleinen Anzahl zusammengeführt hat, r«ißn> gegen den tierischen Haß des muß genützt werden. Sie alle haben die Aufdeutschen Fascismus allem Jüdischen gab©, als Pioniere hinauszugehen und' zu gegenüber. trachten, daß die jüdische sozialistische Ben». t»~~i~*_____ T wegung in dieser Stadt und in diesem Lande , Das Ju<»sehe Proletariat dieses Lanzu einer Massenbewegung werde, bevor noch des sendet seine brüderlichen Grüße das Unglück uns. ereilt. Sie sehen^- Reaktion den arbeitenden Juden , und der ge- und'Fascismus machen auch dann nicht-halt, knechteten und entrechteten deutschon wenn sie vor eine ungeheuere Macht des So- ^w£*Z£u*«T enirecnieien ^euiscnen zialismus gestellt sind. In .Wien . marschiert Arbeiterklasse; es wird mit allen seinen eine ungeheuere Masse von Proletariern hin- Lebenskräften, Seite an Seite.-mit den ter der roten. Fahne und die österreichische Proletariern aller anderen Nationen. Regierung hat es gewagt, die Stütze und den den Kamnf für Brot und Freiheit Mph Schutz des Wiener Proletariates aufzulösen, , ÄamPr rur j*r<« u"a f feineit, Menden Schutzbund. Diese Gefahrenmomente senenrechte und die Errichtung einer müssen uns wach halten. Auch wir haben freien arbeitenden Gesellschaft weitereine Bourgeoisie! Auch wir haben einen Kaführen Es ruft i die breite!üHi«ohe p talismus und er schläft in diesem Staate SSw«^ nicht! Hitlers Putsch begann vor 10 Jahren Öffentlichkeit der Tschechoslowakei und wurde in diesem Jahre, beendet. Bei uns auf, Seite an Seite mit dem jüdischen hat Gajda vor einigen Wochen einen Putsch Proletariat gegen die WeltgefaHr der begehen woillen. Halten Sie sich dies vot hlnf5<rpn R#»ak«n« ffaM„ Cac«!™.* Augen! Nehmen Sie sich vor, daß Sie ihre M««gen Reaktion, gegen Fascismus, Pflicht als arbeitende Menschen erfüllen, ihre Antisemitismus und Kriegshetze zu Rechte verteidigen werden! stehen wie ein eiserner Wall. ersten raschen Aufschwung begann die Anhäufung der Erzeugnisse und auf der anderen Seite der Hunger und das •Elend. Das Radhörte auf, zu funktionieren und die Erkenntnis der denkenden Köpfe aller Völker war, daß - der Fehler im System liege. Der Krieg hatte aber auch noch •andere Folgen: Millionen Menschen waren in Bewegimg gesetzt worden, denen man nun den Einfluß auf die Gestaltung der Staaten nicht verweigern konnte. Es kam die Demokratie. Aber die politische Demokratie hat nicht. ausgereicht, das Wirtschaftssystem zu verändern. Hier trat die große und tiefe Enttäuschung ein, die heute noch fortwirkt. Man begann zu fragen: Wozu Demokratie, was haben wir von . unserem Wahlrecht? Der Platz für Mystik war geschaffen. Wir Juden können dies besser ails ändere, denn auch bei uns erhäng in schweren '.Tagender „Ruf nach dem Messias. In allen Ländern kam der Wunsch nach der „starken Hand". Das Parlament wurde zur „Schwatzbude". Im : Zuge dieses Prozesses haben wir erkannt, daß mit dem Sieg der Reaktion in jedem Lande der Welt die Existenz der Juden gefährdet ist. Demokratie kann nur erhalten werden, wenn ihre verläßlichste Stütze, , die Arbeiterklasse, sie hält.. Solange sind auch jüdische Existenz geschütz. Wenn diese Macht verdrängt wird, sind wir in Gefahr. Bei einer normalen wirtschaftlichen Struktur wäre es nicht so gefährlich. Man hätte das deutsche Judentum nicht so leicht aus der deutschen Wirtschaft herausheben können, wenn es nicht im ganzen großen in eins, zwei Wirtschaftsgruppen aufgegangen wäre, wenn es jüdische Metallarbeiter, Eisenbahner, Bauern in Deutschland, gegeben hatte. Die Frage der ökonomischen Struktur bleibt eine Schicksalsfrage für, das. jüdische Vo lk. Sie haben vielleicht gelesen, wie viele Länder den Juden. Deutschlands Asylrecht anboten:, Spanien, Amerika, die Schweiz, vielleicht auch die Tschechoslowakei. — alle wollen . ihnen an,gebr lich die Tore öffnen.. Was bedeutet .dieses Asylrecht? Bedeutet es, daß zu den vielen ze(r st orten Existenzen noch tausende gleiche kommen? Was könntet ihr hier mit Tausenden anderer anfangen? (Zwischenruf: Mithungern!) Was in Deutschland vor sieht geht, verschärft nur die jüdische Situation, aber wenn (Seite 2, Spalte 2.) Achtung, Kurve! Von E Ii s ch a.;.v ....... , Brünn, den 4. April 1933. Zur Zeit* wo diese Zeilen geschrieben werden, ist es noch ungewiß, ob der wiederholt angedrohte Boykott gegen die 600.000 Geiseln in Deutschland durchgeführt werden wird oder nicht. Allem Anschein nach wird er nicht . durchgeführt werden. Zumindest nicht mehr offiziell, von der" Regierung aus. Bestimmend hiefür ist gewiß die Tatsache, daß ' auch da-s. fascistische Deutschland in politischer, aber noch mehr in wirtschaftlicher Hinsicht die Meinung des Auslandes nicht ignorieren kann. Diese Tatsache den Führern der sadistischen, braunen Horden ins Bewußtsein gehämmert zu haben, ist das uneingeschränkte Verdienst der Weltjudenheit. Im Schein des aufflammenden Solidaritätsgefühl aller Juden sah man überall über alle staatlichen Grenzen hinweg die jüdische Ganzheit. Zerstreut, in allen Ecken der Welt, erwies sich im Moment höchster Not ihre Kraft immer noch stark genug, um dem barbarischen Vernichtungskampf gegen einen Teil von ihr Einhalt zu gebieten. Man darf also ohne weiteres feststellen^ daßindiesem-" gigantischen Kampfe momentan die Weltjudenheit einen morali sc h e n Sieg davorige- . tragen hat. Da helfen keine Mätzchen und Verdrehungskünste des Herrn Goebbels, der anscheinend an sich selbst den von ihm konstruierten. Juden demonstrieren will. Genau wie die Bezeichnung der Judenverfolgung als eine Abwehrmaßnahme gegen die Greuelpropaganda eine niederträchtige Verdrehung der Tatsachen ist, ebenso lügenhaft wäre et»^ wenn die Herren am 5. ihren Rückzug damit motivieren wollten, daß die Weltjudenheit Buße täte. Die Judenverfolgungen in Deutschland setzten längst vor den Protestaktionen im Ausland ein, die logischerweise die Verfolgungen zur Voraussetzung haben, und die Aufklärungsaktionen werden auch nach dem. 5. fortgesetzt werden. Denn Wehn auch der Boykott offiziell eingestellt werden wird — die Lebensgrundlage für die hunderttausend jüdischer Arbeiter, Angesteliter, Beamter, Künstler und Kleingewerbetreibender bleibt auch weiter entzogen. Nein, wir werden und dürfen auch weiter nicht schweigen! Es ist notwendig, immer wieder auf das qualvolle Unrecht, das an hunderttausenden unschuldiger Menschen verübt wird, hinzuweisen. Es ist unbedingt notwendig, daß die außerdeutsche Welt erfährt, was in diesem Lande vorgeht. Dazu bedürfen wir aber keiner Übertreibungen, keiner „Greuelpropaganda". Es genügt schon all' das, was die nationalsozialistische Presse selbst zugibt; es genügen die Erklärungen der offiziellen nationalsozialistischen Stellen. Schon die staatlichen Verlautbarungen und Verordnungen allein genügen, um unermüdlich gegen diesen Barbarismus zu kämpfen. Sonntag, den 9. April 8 Uhr abends spricht DAVID BEN GURION Uber das Thema PALÄSTINA - das Land ohne Arbeitslosigkeit Festsaal des Hotel „Continental" Wien IL, Tabetstrasse 4 Eintrittspreis Schilling 0-50 u. V

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