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Der Jüdische Arbeiter · 1933-07-04 · Heft 27 (4.7.1933) · page 2

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
10 (1933)
Issue
Heft 27 (4.7.1933)
Date
1933-07-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2, Der jüdische Arbeiter. Am alle arkctlcnJcti £}«J«n! Genossen und Freunde! 'Auf tiem 17. Zionistön'kongreiß in Basel setzten tiie Revisionisten alle Kräfte an, um die Belegung von der praktischen Aufbauarbeit abzulenken "und sre in einem unfruchtbaren, zerstörenden politischen: Kampf gegen' das arabische Volk und gegen die Mandatarmacht hineinzuhetzen. Die Vertreter der jüdischen Arbeiterschaft setzten diesem Versuche den energischesten Widerstand entgegen und mit Hilfe der demokratischen Teile der Allgemeinen Hornisten gelang es, den Anschlag der Revisionisten auf das Aufbauwerk im Palästina abzuwehren. Als Herr jabotinsky seine Vernichtungspläne gegen die zionistische Weltbewegung gescheitert sah, zerriß er seine Delegiertenkarte und verließ den Kongreß. Ein gehorsamer Diener des revisionistischen Duce riß die blauweiße Fahne im Kongreßsaale herunter. Von der Last des zerstörenden Revisionismus befreit, ging die neugewählte Exekutive, bei hervorragendem Anteil der Arbeiterschaft, daran, das Aufbauwerk im gesteigerten Tempo fortzusetzen, um Palästina für die hunderttausende zerstörter jüdischer Existenzen und für das große Heer unserer arbeitsuchenden Jugend aufnahmsfähig zu machen. iWas taten1 nun die Revisionisten? Sie eröffneten einien systematischen, unverantwortlichen Kampf, der darin gipfelte, das Aufbauwerk in Palästina und die zionistische Weltbewegung zu untergraben. Sie bemüh'teni sich1, den Wert und die Leistungen' der nationalen Fonds (Keren Hajessod und Keren Kajemeth) herabzusetzen. Sie führten eine selbständige politische Tätigkeit, mit der Absicht, die Politik der zionistischen Weltbewegung zu durchkreuzen. Sie provozierten in Palästina die jüdischte Arbeiterschaft und schickten irregeleitete junge jüdische Menschen ins Land', um Streikbrecherdienste zu leistan. Sie militarisierten die judischJe Jugend und hetzten sie gegen die Arbeiterschaft derart auf, daß vor kurzem ein junges Mädel einen Mordversuch1 an einem Führer der jüdischen1 Arbeiterschaft Palästinas Sni Warschau begangen hat und vor kaum 14' Tagen wurde unser Chaim Arlosoroff ermordet — und der schwere Verdacht richtet sich1 auf einen Revisionisten. Der Revisionismus brachte in die Zionistische Weltbewegung und nach Palästina die abscheulichen Methoden des Hitler-Faschismus, die durch Chauvinismus, Zerstörung, Haß und Mord gekennzeichnet sind, sie entweihten die hohe Idee der Befreiung und Erneuerung des jüdischen Volkes, die nur in Freiheit und in sozialem Aufstieg gedeihen kann. Die Voraussetzung für die Fortführung des Aufbauwrkes in Palästina ist daher die Verdrängung der Revisionisten, die Ausrottung des barbarischen Faschismus in der Zionistischen Weltbewegung und in Palästina. Der Körper des jüdischem Volkes blutet aus Alarm Lähmendes Entsetzen hat die gesamte zionistische Oeffeniilichkeit erfaßt. Arlosoroff tot, getroffen von der Hand eines wahnwitzigen Menschen, der ein Mitglied des Brith Trumpeldor seim soll. Kein Araber, kein Kommunist, kein äußerer Feind, sondern ein verhetzter „Betar", hat es über sich gebracht, den Mann zu töten, der in den letzten zwei Jahren mit wunderbar glücklicher Hand die Geschicke des palästinensischen Jischuws leitete. Oroß ist der Schmerz und doppelt schwer zu ertragen, da wir wissen, daß grenzenloser Haß gegen die palästinensische Arbeiterschaft dem feigen Mordbuben die wahnsinnige Tat eingegeben hat. Aber wenn Entsetzen und Verabscheuung alle noch edlen und ethischen, Werten zugänglichen Menschen ob dieser Tat gepackt hat, so können wir in dieser traurigen Stunde, die Mitschuld nicht abwälzen von all den Zionisten, die in wohlwollendem Zusehen und Zuwarten, in dieser faschistischen Bewegung des Revisionismus ein Gegengewicht sahen, dias der ihnen nicht immer genehmen Arbeiterschaft entgegengestellt werden könnte. Diese bürgerlichen Zionisten, die glaubten, im revisionistischen Zionismus schöpferische Kräfte zu finden, auf die man im Zionismus nicht verzichten dürfe. Oh, diese Verblendeten! Wenn schöpferisch — Mord heißt, wegräumen ist, wenn schöpferisch unsinniger Haß gegen die aliterprobte Arbeiterschaft Palästinas ist, wenn schöpferisch — Faschismus ist, wie wir ihn eben jetzt in Deutschbnd! erleben, dann hat der Revisionismus die anderen bürgerlichen Zionisten nicht enttäuscht; dann sind auch diese Zionisten mitverantwortlich am Großwerden dieser Bewegung von Hoolganen, einer irregeleiteten Jugend. Geschichte kennt man bei uns., ohne aus ihr zu lernen. Wir erleben die Schrecken des Dritten Reiches in unserer eigenen Bewegung und wenn jetzt nicht alle konstruktiven Kräfte zusammenstehen werden, um uns selbst von diesen Schreckensfestseln, von, diesen Mordbuben und Wahnsinnigen zu befreien, dann sehen wir mit Bangen unsere wunderbare Bewegung zerbrechen-, zerfallen. Darum müssen alle, denen vielen Wuitdem. in alten Ländern werden durch1 die Wirtschaftskrise die Exisierczmöglichkeiten' der jüdischem Massen völlig untergraben. In Hitler-Deutschland ■werden unsere Brüder von vertierten Banden massakriert. Im keinem Lande der Welt bietet sich1 eine LebensmögHchkeit für die hunderttausende wirtschaftlich entwurzelten und verfolgten Juden. Alle Augem siind auf Palästina gerichtet. jetzt gält es mehr denn je, alle Energien zu sammeln und sie in den Dienst des Aufbauwerkes in Palästina ,der Schaffung eines arbeitenden jüdischem Volkes Sn Palästina zu stellen. Die Gruppen des arbeitenden Palästinas haben kein! neues Programm hiefür, sie, die unablässig für die Erweiterung des Aufbauwerkes in Palästina wirken, fordern: Stärkung der nationalen Fonds und der nationalen Kolonisation; Kampf für die jüdische Arbeit in den jüdischen Kolonien und in allen anderen Unternehmungen; Kampf für unser Recht auf Arbeit In den Unternehmungen der Mandatarmacht; Oeffnen der Tore Palästinas für die arbeitsuchenden jüdischen Massen, die Kontrolle über die Einwanderung soll der Jewish Agency überlassen werden; Unaufhörliches Bemühen um eine friedliche Verständigung mit dem arbeitenden arabischen Volke; Kampf gegen das Spekulation treibende Privatkapital, aber für die erweiterte Einwanderung des arbeitenden jüdischen Mittelstandes iind des Arbeit schaffenden jüdischen Kapitals. Bedingungslose Anerkennung der Hoheit der Zionistischen Weltorganisation und der demokratisch gewählten Vertretungen der Juden in Palästina, und sich ihnen unterordnen. Anerkennung der Organisation der jüdischen Arbeiter. Fort mit dem Faschismus, der das Aufbauwerk und den Zionismus untergräbt! Die Organisationen und Gruppen: P o a 1 e Z i'o w- Hitäch'd uth, jüdische sozialistische Arbeiterjugend, die Jugendsünde: HaschomerHaza ir, Haschomer Hazair-Blauweiß, Oordoniah1 und Mischmar Haowd'im wenden sich' an alle Genossen' und Genossinen' au alle Freunde: des arbeitenden Palästina! mit der Aufforderung: Jeder, der einen Schekel erworben hat, gehe am 6. Juli zur Wahl! Werbet für die Liste des arbeitenden Palästina! Erez Israel, denen die Normalisierung des jüdischen Volkes eine heilig1 ernste Sache ist, sich vereinen, nicht zu antimarxistischen Fronten, sondern zu einer Front von Patrioten, die die gefährdete Heimat schützen wollen vor Einbruch wesensfremder Sitten und Gebräuehe. Rücksichtsloser Kampf und Ausrottung des Revisionismus aus der Gedanken- und Ideenwelt des Zionismus ist jetzt Hauptaufgabe; das Maß ist voll; das edelste Blut hat es gefüllt — nie mehr Brith Trumpeldor in zionistischen Reihen, Ausschluß der revisionistischen Organisation aus der zionistischen Weltbewegung. Das sind die brennendsten Forderungen, die alle verantwortungsvollen Kräfte im Zionismus stellen und erringen müssen. Oh, wir, denen uns Arlosoroff so nahe gestanden ist, wir werden nicht ruhen, noch rasten, bis wir diese Forderungen restlos durchgesetzt haben werden. Dies soll die Sühne sein, die wir fordern. Und dafür werden wir kämpfen, mit einem Fanatismus und einem Eifer, da es um eine große Sache geht: Kein Revisionist soll sich je Zionist nennen dürfen! Kein Faschismus, kein Terror! Das arbeitende Erez Israel, es lebe! Das versprechen wir dir, Chawer Arlosoroff! Dr. W, Schorr. i^ißli!!!:':^ Teilnehmen an der Wahl zum Kongreß ist unbedingte Pflicht! IK lütt 1933, Wie Jcr jttdisdte Afltet* t«r IScilctsliiii« ftiftflmiii Das Arbeitsamt der Hfstadruth. Vom 1. Jänner bis 1. Juni dieses Jahres hat das Arbeitsamt der Histadruth in Tel-Awiw Arbeiten um 40.000 Pal.-Pfund durchgeführt. Am 1. Juni hatte das Amt Verträge über Arbeiten um weitere 40.000 Pal.-Pfund bereits abgeschlossen. Unter diesen Arbeiten sind inbegriffen: Straßenbau in Tel-Awiw 8000 Pfund, Arbeiter-Stadtsiedlungen 10.000 Pfund, private Bauaufträge in Tel-Awiw und Ramath- Gan 20.000 Pfund und ein Schulgebäude in der Schchunath Borochow 2000 Pfund. Bei den Arbeiten des Arbeitsamtes in Tel-Awiw werden gegenwärtig 300 Arbeiter beschäftigt. Das Arbeitsamt in Jerusalem führte in dem gleichen Zeitabschnitte Arbeiten um 10.000 Pal.-Pfund aus, wober Arbeitsaufträge um 16.000 Pfund ihrer Ausführung noch harrten. Gegenwärtig werden durch das Arbeitsamt in Jerusalem 90 Arbeiter beschäftigt, doch dürfte sich ihre Zahl im Laufe dieses Monats auf 150 erhöhen. Mit der Regierung werden Verhandlungen geführt über die Uebernahme von Grabungen, die im Laufe von 3 Monaten 30 Arbeiter und über einen Straßenbau, der ebenfalls 30 Arbeiter beschäftigen wird. In Haifa wird über den Bau von Arbeiter-Stadtsiedlungen verhandelt, der 15.000 bis 20.000 Pfund betragen dürfte. In den Werkstätten des Amtes werden ständig 65 Arbeiter beschäftigt. Grandiose Entwicklung der Arbeiter-Stadtrandsiedlungen. Anfangs Juni ist in Tel-Awiw der Bau von 4 Häusern mit 28 Wohnungen der Arbeiter-Stadtrandsiedlung an der Maseh-Straße beendigt worden. Diese Siedlung besteht zurzeit aus 44 Wohnungen (156 Wohnräume). Investiert wurden in diese Siedlung 17.000 Pfund, darunter 6000 Pfund Eigenkapital der Siedler, der Rest wurde in Form eines Hypothekardarlehens aufgebracht. Die großen Fortschritte, die die Aktion zur Errichtung, von Arbeiiterwohnungen aufweist und das rapide Steigen der Wohnungsmieten in TeUAwiw, die bis zu 40 Prozent des Arbeitslohnes erreichen, erhöhte das Interesse für die Stadtrandsiedlungen. Die Zentrale der Arbeiter-Stadtrandsiedlungen beschloß deshalb ihre Tätigkeit bedeutend zu erweitern. In Tel-Awiw wurde zu ddesem Zwecke eine Flächevon 15.000 Quadratmeter erworben, auf weicher 130 Wohnungen mit 370 Räumen errichtet werden sollen. Für diese Siedlung, die auch eigene Verkaufsräume, eine Filiale der „Tnuwah" (Verkaufsgenossenschaft der landwirtschaftlichen Produkte der Arbeiiterwirtschaften), Kindergärten, Turn- und: Leesesaal usw. haben soll, ist ein Budget von nahezu 45.000 Pfund erforderlich. Der Bau der ersten Häusergruppe von 36 Wohnungen hat bereits begonnen. Mit Errichtung dieser Siedlung, die das Arbeitsamt in Tel-Awiw ausführt, ist die Eröffnung eines neuen Stadtteils von TelrAwiw erfolgt, er soll „Merkas- Tel-Awiw" genannt werden. Die Zentrale der Arbeiter-Stadtrandsiedlungen trifft auch bereits Vorbereitungen für eine neue Siedlung, die weitere 200 Familien umfassen soll. Hiedurch würde skh die Zahl der Familien, für die mit Hilfe der Zentrale Häuschen und Wohnungen in Tel-Awiw bereits errichtet werden konnten, oder für welche in der nächsten Zeit solche errichtet werden, auf 1000 erhöhen. Ein Dokument wahrer Menschlichkeit Der Oberkommissär Palästinas über Arlosoroff. In einem Beileidschreiben an Gen. Ben Zwi äußert sich der Oberkommissär Wauchope über unseren ermordeten. Führer Arlosoroff wie folgt: Ich will nicht Tage verstreichen lassen., ohne Ihnen meinen* tiefem Schmerz über den Tod des Dr. Arlosoroff zum Ausdrucke zu bringen. Ich weiß, wie groß Euere Freundschaft war, aber ich. bin mir nicht gewiß, ob Euch bekannt ist, welche wahrhafte Freundschaft zwischen Dr. Arlosoroff und mir bestand. Gestern richtete ich ein Schreiben an die Jewish Agency, in welchem ich meine Bewunderung über seinen vorzüglichen Charakter und sein umfassendes Wissen aussprach. Ich würde mich aber freuen, wenn auch Sie und) die andern Mitglieder der „Histadruth" (Allgemeine Jüdische Arbeiterorganisation) wüßten, wie tief ich den schweren; Verlust empfinde. Ich hatte wohl zeitweise Differenzen mit Dr. Arlosoroff in politischen und auch in anderen Fragen» aber das beeinträchtigte niemals meine Verehrung für seinen; tadellosen Charakter und seinen erhabenen Verstand. Mit jedem Monat stieg die Achtung und die Liebe, die ich ihm entgegengebracht habe. Ich fühle mich glücklich in der Erinnerung, am letzten Tage seines Lebens mit ihm gespeist und mit ihm nach Ben-Schemen gereist' zu haben. Das Gespräch, das ich mit ihm an diesem Nachmittage führte, hat in mir die Gefühle der Freundschaft und der Verehrung nur noch vertieft. Ich reihe mich Ihnen und den vielen außer uns in; der Trauer über den schweren Verlust an. Glauben Sie es mir, Ihrem in voller Aufrichtigkeit Artur Wauchope. Zentralagitationslokal IL, Biomauergasse 1. Wahlleiter Erni Welt. Die Agitationslokale der einzelnen Bezirke werden iir der nächsten Nummer des „Jüdischen Arbeiters" bekanntgegeben.

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