Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 10 (1933)
- Issue
- Heft 27 (4.7.1933)
- Date
- 1933-07-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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.................................. DER JÜDISCHE I Erscheint jeden Freitag Organ der Vereinigten zsonistisdissozialisfisdien Arbeiterorganisation Poalc Zion-Hifadiöüfh in Oesferreifh Redaktion und Administration: Wien, II., Blumauergasse 1 — Postscheckkonto Nr. 17.878 Bezugspreis: ganzjährig S 12.—, halbjährig S 6.- 10. Jahrgang. 4. Juli 1933 Nr. 27 Ml -fOtt* jüdische Aufbauarbeit f MB* freie Einwanderung WWW jüdisch-arabischeVerständigung f Ufl° die Stärkung der zionistischen Weitorganisation gegen die Verunglimpfung des Zionismus durch den revisionistischen Faschismus gegen Militarisierung, Terror und Mord gegen soziale Reaktion! Wählet am 6. Juli nur die CSsic J Leitendem Salaslt Soale Zsen — Hiiadidullt) Listenführer: Mendel Dingel Arlosoroffs Vermächtnis Kurz vor seinem Tode, vom Schiffe aus, in welchem er die Rückreise nach Palästina angetreten hat, hat Chaim Arlosoroff einen Aufruf erlassen, dem wir folgende Worte entnehmen: Im Kampf um die Entscheidung in diesen. Fragen gilt es vor allem, den Angriff der zionistischen Reaktion zurückzuweisen, die heute aus der Welle des antisemitischfaschistischen Triumphes ihre seelische Nahrung und ihre psychologische Wirkung schöpft. Nachdem sich ihr politisches Programm, hin und her taumelnd zwischen Siebentem Dominion und Non-Cooperation, zwischen der Suche nach einer neuen Mandatarmacht und einem verhüllten militärischen Bündnisangebot an die alte, Punkt für Punkt von selbst erledigt hat; nachdem ihre organisatorische Desperado-Politik in . der Tragikomödie der Duce-Diktatur im. Revisionismus geendet hat, holt sie sich heute aus dem Arsenal der Todfeinide aller jüdischen Würde und Freiheit die Waffen, mit denen sie noch einmal versuchen wiLl, die fortschrittlichen und freiheitlichen Kräfte im Zionismus zum Stehen zu bringen, und vor allem die Positionen der jüdischen Arbeiterschaft in Palästdna zu vernichten. Diesen Versuch endgültig zurückweisen können wir nur durch eine Politik der Sammlung aller gesunden Elemente im Zionismus, in deren Kernposition die zionistische Arbeiterbewegung selbst steht, die mit ihr zusammen, die Zukunft unseres Werkes sicherstellen wollen. Ich habe von meinem Besuch den Eindruck davongetragen, daß die reaktionär-revisionistische Welle sich schon überschlagen hat und daß es überall genug Kräfte im Zionismus gibt, die bereit sind, sich um uns zu sammeln. Ich wende mich daher nicht nur an meine Parteigenossen und -genossinnen, an die Chawerim der zionistisch-sozialistischen Arbeitsgemeinschaft und die wahlberechtigten Mitglieder aller unserer Jugendbünide, sondern auch an alle Freunde des arbeitenden Palästina im allgemein-zionistischen Lager und anderen Gruppen. Ich sage ihnen, daß — wenn es möglich wäre — ein Sieg der revisioniatisch-reaktionären Partei im Zionismus mit all ihrem krypto-, pseudo-, halb- und dreiviertel-revisionistischen Anhang, im letzten Ende bedeuten würde: die endgültige Spaltung der Zionistischen Organisation, den Aufmarsch brauner Stoßtrupps in den Straßen von Palästina und die notwendige Gefahr immer wiederkehrender Zusammenstöße zwischen ihnen und der organisierten Arbeiterschaft, die gewaltsame Verdrängung aller Einflüsse und Traditionen des arbeitenden Palästina und den Versuch einer Zerstörung der Fundamente, auf deren Festigkeit und Stärke Leben und Wachstum der Juden bisher beruht hat. Ich weiß, daß unsere Bewegung stark genug ist, diese Gefahren abzuwenden, wenn sie in Treue, Wachsamkeit und Pflichterfüllung für die Ideale des arbeitenden Palästina einsteht. Palästina*-Anleihe und french-Bericht (Am 7. Juli begibt sich' der Schatzmeister der Palästina-Regierung Johnson nach London im Zusammenhang! mit der geplanten 2 Millionem-Anleih« der Paiastinä^Regierüng, bei deren! Verwehdung Forderungen des Frenchberichts teilweise berücksichtigt werden sollen'. Die Bemühungen der Jewish Agency, durchzusetzen!, daß der amtlichen! Publikation des Frenchberichtes die vom jüdischer Seite erhobenen Einwände beigefügt werden, hätten keinen' Erfolg. Es wird nunmehr damit gerechnet; daß die Jewish1 Agency ihre Einwände gegen den French-Bericht in einer eigenen Publikation darlegen wird, die gleichzeitig mit dem French-Bericht erscheinen! soll. Ob auch1 die arabische Exekutive ihre Einwände vieröff entliehen wird, ist noch nicht bekannt. Der Zionistenkongreß in Prag Wie muni mitgeteilt wird, findet der XVIII. Ziomstenkongreß: nicht in Karlsbad, sondern in Prag statt. Antwort an Jabofinsby £i4kllai!*amn;i Von D. Ben Gurion (Warschau). Wladimir Jabotinsky veröffentlicht in der jüdischen Presse ein Manifest. Der revisionistische Führer erklärt kategorisch und endgültig, daß Stavsky unschuldig ist; daß er sich an die Seite des unschuldigen Mannes stellen wird; daß der Verdacht gegen seinen Partedigenossen nichts anderes ist als ein neues Blutmärchen, ähnlich der Rituälmordbeschukugung, die von der russischen Regierung gegen Beilis erhoben wurde; daß „ein großer Teil des Judentums gegenwärtig in unverantwortlicher Weise die unumstößlichen Prinzipien des Strafgerichtsverfahrens vergewaltigt"; daß „die zionistische Arbeiterbewegung einen „niederträchtigen Verteumdungs- und Pogrornfeldzug führt"; Jabotinsky ruft die Revisionisten und die Betarim der ganzen Welt, den Kongreß-Wahlkampf mit allen Mitteln zu führen und ohne Rücksicht auf jede Gefahr, und es zu verhindern, daß bei den zionistisch-sozialistischen Versammlung frei — ohne Rücksicht auf Jabotinskys Zensur — gesprochen wird. Schließlich legt er dem toten Arlosoroff eine erdichtete Erklärung in den Mund, daß der Mörder kein Jude gewesen sei. Als naher MitarbeiteT, Freund und Genosse Chaim Arlosoroffs, als Abgesandter der jüdischen Arbeiterbewegung Palästinas, erkläre ich hiemit feierlichst: Wir lasseh uns nicht einschüchtern! Das Manifest des revisionistischen Bankrotteurs und verzweifelten Führers hat das eine Ziel, die Wahlen zum Kongreß unmöglich zu machen. Das Manifest ist ein offener Aufruf zum Bürgerkrieg innerhalb des Judentums. Wir lässen uns nicht provozieren. Wenn Jabotinskys Ruf gehört werden wird, wird es wieder, wie immer bisher im Palästina* unser Blut sein, das vergossen werden wird. Wir sind stolz auf die heroische Disziplin, die Tausende unserer Genossen in Palästina und im Galut in diesen Tagen schwerster Prüfung bewiesen haben. Wir sind stolz darauf, daß sie wie ein Mann dem Rufe der jüdischen Äribeiterorgahisätiort gefolgt sind. Auf Stavski lastet ein schwerer Verdacht Genossin Arlosoroff erklärt, daß sie in ihm einen der Mörder erkennt. Jeder Mensch kann irren. Wir warten geduldig, bis das Geheimnis dieses schrecklichen Verbrechens, dem der Führer der jüdischen Arbeiterorganisation und der Vertreter der Arbeiter in der zionistischen Exekutive zum Opfer gefallen ist, aufgeklart werden wird. Wir fordern eine restlose Aufklärung, wer auch der Mörder sein möge! Wh* haben mit Verachtung die schmutzigen Gerüchte gebraridmarkt, welche die Revisionisten Polchs am Tage nach dem Mord in Polen verbreitet 'haben-, nach, welchen der Mord erotische Wurzeln habe. Wir werden jene, deren direkte oder indirekte Mitschuld an der Ermordung Arlosoroffs erwiesen werden wird, für immer mit dem Kainszeichen dies Brudermordes stempeln. Wir werden nunmehr mit verstärkter Kraft unseren Kampf fortsetzen gegen dÜe Gefahr und Schande des verfälschten Zionismus, der einen feil unserer Jugend zu Arbeiterhäß, Streikbruch-, nationalem Chauvinismus, Kriegsgesinnung und Gewalttaten erzieht. Wir werden diesen Kampf wie bisher mit geistigen Waffen führen. Wir werden unseren achtündzwarizigjährigen Kämpf für jüdische Arbeit, menschliche Arbeitsbedingungen, für Arbeiterrechte, soziale Gerechtigkeit und Frieden mit unserem Nachbarvolke in Palästina fortsetzen. Wir werden weiter für die Idee des chaluzischen Zionismus werben, und sie zum Siege führen. Wir lassen uns von niemandem einschüchtern oder provozieren. Ich hatte schon vor 28 Jahren das Glück, das Gewehr in der Hand, auf einsamer Wacht in einer jüdischen Kolonie Galiläas zu stehen. Ich habe das Glück gehabt zu sehen, wie die besten und treuesten Chaluzim ihr Leben für die Erlösung unseres Volkes in Palästina opferten. Es war mir vergönnt mitzuerleben, wie wir jüdischen Arbeiter Palästinas aus einem Häuflein ausgelachter, nichtverständerier Phantasten zu einer 40.000 Menschen zählenden Massenorganisation von Chaluzim, Bauern, Arbeitern, Kämpfern für das jüdische Arbeitsvolk in Palästina geworden sind. Es war mir das Glück beschieden zu sehen, wie Zehntausende der jüdischen Jugend und Arbeiterschaft aller Länder, sich um unsere Fahne scharten, um unser Werk, für welches unser großer und treuer Genosse und Führer gelebt hat und gestorben ist. Im Namen unseres Märtyrers, im Namen der jüdischen Arbeiterschaft und Chaluzim Palästinas und der Galütländer erkläre ich: Mit dieser reinen Fahne in der Hand werden wir unsere Arbeit und unseren Kampf fortsetzen. Wer für deini Aufbau eines für die breitem jüdischen Massen reifen) Palästina ist, stimme am 6. Juli für die Liste Oes arbeitenden Palästina (Poale Zion-Hitachduth)