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Der Jüdische Arbeiter · 1933-03-03 · Heft 9 (3.3.1933) · page 3

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
10 (1933)
Issue
Heft 9 (3.3.1933)
Date
1933-03-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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3. März 1933 DER JÜDISCHE ARBEITER Seite 3 Dt. FrMt LSwensfeln (Berlin): Die erste Landeskonferenz der Die Vereinigung von Achduth ttaawodah und Hapoel Hazair in Palästina bestätigte im Grunde nur einen in der Wirklichkeit längst vollzogenen Vorgang: Die Parteien waren in der Histadruth. im Waad Leumi, in der Iriah von Tel. Aviv vereinigt, und der formelle Ichud war nur die Legalisierung des bestehenden Zustandes. Anders in den Ländern der Galuth, auch in Deutschland. Die Verschiedenheit von Poale Zion und Hitachduth in den Fragen der Landespolitik, der Gemeindepolitik, des Verhältnisses zu den anderen zionistischen Gruppen bestand noch als idealer Faktor, als die Vereinigung geschlossen wurde. Die Verschmelzung zu einer Gruppe, das Entstehen des Gefühls^ als Chawerim Schulter an Schulter miteinander zu kämpfen und zu leben, kann erst innerhalb der heu geschaffenen Gemeinschaft verwirklicht werden. Es wäre unter diesen Umständen kein Wunder gewesen, wenn die erste Landeskonferenz der Vereinigten Partei in Deutschland im Zeichen heftiger Auseinandersetzungen der Chawerim der beiden früheren Parteien gestanden wäre. Es ist vielleicht das Wichtigste, was sich über diese Konferenz aussagen läßt, daß bei keinem der Gegensätze, die auf der Tagung erörtert wurden, jemals ein Trennungsstrich die ehemaligen Chawerim des Hapoel Hazair auf die eine Seite, die der ehemaligen Poale-Zion auf die andere Seite verwies. Vielmehr ergab sich, daß schon jetzt, nach wehigen Monaten der Vereinigung, die Gruppierungen ganz anders verlaufen und die Vereinigung schon jetzt als auch innerlich gelungen bezeichnet werden kann. Es liegt in der Natur.derartiger Konferenzen, daß bei ihnen die Teilnehmer über die Fragen, in denen keine wesentlichen Meinungsverschiedenheiten bestehen, schnell hinweggehen, umso mehr bei denjenigen verweilen, wo wesentliche Meinungsverschiedenheiten bestehen. So hat denn auch die Aussprache zu dem Referat von Locker nur wenig zu ergänzen gehabt. Daß die Partei in voller Solidarität mit ihren Chawerim in Palästina zusammensteht, daß sie fest entschlossen ist, alles zu tun, um den Block der Arbeiterschaft auf dem kommenden Kongreß so stark wie möglich zu machen, daß sie mit allen Mitteln für eine Erneuerung der nationalen Arbeiterkoloriisation, eine Stärkung der zionistischen Organisation und der nationalen Fonds eintreten wird, ist so selbstverständlich, daß es in der Debatte kaum erwähnt zu werden brauchte und die Annahme der einigen Resolutionen, die einstimmig war, als Ausdruck der Stimmung der Konferenz ausreichte. Die Arbeit der nächsten Monate freilich wird am stärksten von der Vorbereitung zum Kongreß bestimmt sein, und die Verbindung mit dem zentralen Verbandsbüro der Partei in Warschau, die durch die Konferenz gestärkt worden ist, wird zur einheitlichen Führung des Wahlkampfes der Linken beitragen. Auch darüber waren sich alle Teilnehmer der Konferenz einig, daß die Linke versuchen wird, mit denjenigen zionistischen Gruppen, die die Grundsätze der nationalen Kolonisation gleich uns bejahen, taktisch zusammenzugehen. Die Verhinderung einer reaktionären und revisionistischen, arbeiterfeindlichen und organisationsfeindlichen iMehrheit auf dem Kongreß ist die Aufgabe der nächsten Monate, Auch bei der Erörterung anderer zentraler Fragen der Bewegung ergab sich eine weitgehende Einigkeit der Konferenz. Die Proletarisierung des deutschen Judentums, die .wirtschaftliche Not, der steigende politische Druck haben im deutschen Judentum eine Lage geschaffen, auf die die deutschen Zionjsten im allgemeinen und die sozialistischen Zionisten in erster Linie eine Antwort zu geben haben. Mit Einmütigkeit hat deshalb die Konferenz die, Partei auf die Arbeit unter ,den. jüdischen Massen hingewiesen. Es ist zwar nicht anzunehmen, daß d|e sozialistisch-zionistische Bewe* mns in kurzer Zeit in Deutschland zu einer Massenbewegung werden kann; so laicht ist es nicht, Massen, die uns bis- Sild&t* cf©#* Wfoc/ie Täglich neue Arbeiter ins Land! Lager des polnischen Hosehomer Hazair in Rischon le Zion. Die Jewish-Agency hat aus Mitteln des Herrn Hajessod in Palästina Wohnlager für 2.500 Chaluzim { errichtet (Links) Barackenbau im La- Ser der Kwuzah in echoboth. Die Arbeit in der Haifa-Bay. Trockenlegung der Sümpfe durch Legung von Beton-Halbröhren; (Rechts) Anlage eines neuen Brunnens für die Siedlung Wadi Chawarith, südlich von Chedera, wo mehrere Siedlergruppen auf KKL-Boden arbeiten. her nicht verstanden, mit dem Gedankengehalt und der, Anschauungswelt des sozialistischen Zionismus vertraut zu mächen.' Aber es' gilt; die Vorhandenen jüdischen - und sozialistischen Stimmun-1 gen für uns nutzbar zu machen, zu zei- \ gen, daß alle Mittel zur Abhilfe der wirtschaftlichen, sozialen und politischen Judennot in der Gallith nur Paliativmittel. sind, die Lösung nur im Aufbau eines arbeitenden Erez Israel liegt, daß wir uns aber berechtigt und verpflichtet fühlen, mit all unseren Kräften auch an der Linderung der Augenblicksnöte mitzuwir-; ken. In dieser Richtung hat die Konferenz eine große Reihe sozialer und kultureller Vorschläge ausgearbeitet, in denen im Laufe der folgenden Jahre versucht werden soll, die Propaganda des sozialisti- sehen Zionismus an ganz neue Kreise ^heränzutrageh. Ob nicht auch für die Ar- (. beit der Z. V. f. D. im allgemeinen aus der veränderten Struktur des deutschen Judentums gewisse Konsequenzen für Art und Richtung der Arbeit zu ziehen sind, soll jetzt nicht behandelt werden: Die Diskussion über das Verhältnis zur Z. V. f. D. ist insofern mißverstanden worden, als der Eintritt der Vereinigten Partei in die Z. V. f. D. von allen Seiten als nicht mehr zu diskutierende und vollzogene Tatsache angesehen wird. Separatistische Tendenzen im Sinne einer Rückgängigmachung des Eintritts sind nicht zu Tage getreten! Es ist nicht mehr als natürlich, daß für einen Teil des alten Poale Zion der Eintritt, in eine zionistische Landesorganisation ein neuer Ge- , danke ist, mit dem man sich ,erst befreunden muß. Es besteht auch keineswegs ein Interesse daran, diese Frage in erster Linie unter formal organisatorischen Gesichtspunkten zu betrachten, statt einen natürlichen Entwicklungsprozeß ablaufen zu lassen. Viel wesentlicher ist, die Stellung, die die Vereinigte Partei innerhalb der Z. V. f. D. einzunehmen hat. Je größer die Partei ist, je geschlossener sie den Eintritt in die Z. V. f. D. vollzieht, umso stärker wird ihr Gewicht sein, umso stärker wird der D. Ben-Garion: Ans Meer! *) Hier, auf dem - Großen Meere, vermag sich Palästina zu erweitern, zur; Zeit der massenhaften Heimkehr ihrer Söhne, die die Meereswellen genau so wenig wie die Erdscholle scheuen wer-s den. Weit mehr als dem Bodon wurde das' jüdische Volk dem Meere entfremdet. Auch als es noch in seinem Lande lebte, hatte es nur schwachen und unbeständigen Kontakt mit dem Meere. Westlich des Jordans, blieben die Juden hauptsächlich im Gebirge, „Die Völker des Tales vertrieben sie nicht." An das Ufer des Meeres gelangten sie kaum.; Die Hafenstädte: Gaza, Askalon im Süden gehörten den Philistern und im Norden besaßen die Kanaaniten die Orte: Dur, Acko, Achsiw, Sorpat. Sur und Sideon. Sogar Jaffa, der Hafen Jerusalems, war nur kürze Zeit in Händen der Juden. Hirom, der König von Sur, ließ für den König Salorao -am Libanon Bäume fällen, brachte sie nach Jaffa und Salomo beförderte sie nach Jerusalem. Es ist daraus nicht zu ersehen, in wessen besitz Jaffa damals war. Nur zur Zeit des Ghiskijahu ben Anas, der von Assur abfiel und die Städte der Philister bis Gaza unterwarf, gelangte Jaffa in den Besitz der Juden. Der erste Versuch der Juden, an die ♦) Siehe auch Nr, 8 vom 23. Feiber 1933. Weite des Meeres zu gelangen, wurde nicht beim Großen Meere, im Westen, sondern beim Roten Meere im Süden gemacht. Das war unter König Salomo, der „machte auch Schiffe zu Ezeon Geber, dje bei Eloth liegt, am Ufer des Schilfmeeres, im Lande der Edomiter" (Könige 1, Kap. 9, Satz 96), aber die Juden verfügten damals über keine Zeit der massenhaften Heimkehr seiner der Knechte Hiroms bedienen, „die gute Schiffleute und auf dem Meere erfahren waren", um seine Leute in das, Goldland Ophir zu geleiten. Auch König Josaphat versuchte auf den Wegen Salomos in das Land Ophir zu gelangen, aber seine Schiffe wurden in Ezeon- Geber zertrümmert. Die Juden und die Edomiter kämpften einige Male um diese Hafenstadt. Nach dem Tode Josaphats lehnte sich Edom gegen Jehuda auf und Ezeon-Geber wurde von Palästina losgerissen. Nach der Niederringung Edoms bei Sei a durch Amazjah, den Sohn- Joasch, errichtete dessen Sohn Asarjah die Stadt Elath_am Ufer des Roten Meeres, in der Nähe von Ezeon-Geber, Unter der Herrschaft von Anas, dem Sohn Jothams, zog Resin, der König von Syrien, gegen Juda „und stieß die Juden aus Elath: aber die Syrer kamen und wohnten drinnen bis auf diesen Tag" (Könige 2, Kap. 16, Satz 6). Am Ufer des Mittelmeeres befestigten sich die Juden erst zur Zeit des zweiten Tempels, und auch dann nur in Jaffa. Die Eroberung von Jaffa und des Zugangs der Juden zum Meere war eine der großen Taten der Hasmonäer. Seit Alexander dem Großen gehörte Jaffa den Griechen und unter Antiochus Epiphanes ertränkten die Griechen die wenigen Juden, die in dieser Stadt-lebten; darauf drang Juda Makabi in Jaffa ein, rächte'seine Brüder und steckte die griechischen Schiffe in Brand. Nach einiger Zeit eroberte sein Bruder Jonathan die Stadt, Simon organisierte dort eine jüdische Garnison und schuf im Hafen eine jüdische Handelsflotte. Das war der erste und einzige Hafen des befreiten Judäa am Mittelmeer. ' Bis an das Ende des zweiten Tempels blieb dann Jaffa im Besitze der Juden. Die Juden Jaffa's waren mutige Seeleute: Zum Unterschiede von den jüdischen Einwohnern in den anderen Hafenstädten* die unter dem Einfluß d^r Griechen standen, zeichneten sie sich durch" ihren nationalen Patriotismus aus. In der großen Schlacht gegen die Römer leisteten die Seeleute von Jaffa dem Heere Aspasians heldenhaften Widerstand, Infolge'.der wütenden Meeresstürme sind die meisten Schiffe an den Felsenj die sich;am Eingange des Jaffaer Hafens befinden, zerschellt. Die überlebende Mannschaft zog es vor, freiwillig in den Tod zu gehen, als in die Hände des Feindes zu fallen. Der Edomiter Herodes erbaute im Norden von Jaffa die Stadt Caesarea, aber die Juden verachteten diese Stadt, da sie der fremden; Heiligtümer, die Herodes den Herrschern Roms errich- \

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