Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 10 (1933)
- Issue
- Heft 7 (17.2.1933)
- Date
- 1933-02-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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.17. Februar 1933 DER: ABBElTER Seit« 8 »r. if < notfmann tt»rmi): Das westfudentum im Spätkapitalismus) In dfeY Epoche des rföchkäpitälisfrhfs zeigte die,söttäie Erttwicklurig dös w«sf- Jüdefriturns 'efte aussteigend Tentferß; der Spätkapitalismus hat diese Enfwick- /uhgslinie gebrochen. Welches sind die Merkmale des Spätkapitalismus? Die Wirtschaft erreicht einen hohen Grad an Könzentration und Organisation; der individuelle Unternehmer wird immer mehr durch die anonyme Gesellschaft verdrängt, seine Selbständigkeit Wird aufgehoben durch diö Eingliederung in Kartelle und Konzerne^ Die kapitalistische Produktion umfaßt bereits den Großteil der Erde, die Expansionsmöglichkeiten werden immer geringer. Diese Entwicklung wurde durch den Weltkrieg, deT die' MötiiäfaMlb AtMUMlM fcrstörte/tröMätiMhte gefördert barum ist die Geschichte, Europas iti der Nachkriegszeit die Gesöhiehte des Kampf es um den Absatz. VerHflgertef Absätz bedeutet verringerte fee'S&haftigufigsmöglichkeüt. Öa§ dritte urid e'ritscbeideride Metkrhal jedöch' Ist ein techflisehess. Aufgepeitscht von dem Drang nach 'Absätz, gefördert durch die höhe OrgariiSätiorisstufe ,der kapitalistischen ^rödükfion, erreicht die teöhfiik eifie üngeä-htite Vö11 endurig. Betrug die Steigerurig der Arbeitspröäükimät per Arbeiter vor dem Welt- Mek fcatitii 2%, jährlich, so beträgt sie jetzt 5—6%,M. Produktivität der Arbeit wird so groß, daß ihr , die fonsumiähig;- keit einer klassehgespaltenen (jesellschait nicht nachkommt, daß die Erweiterung des Wirtschaftsapparates und die Ausdehnung der Absatzgebiete mit ihr nicht Schritt halten kann. Wir erleben1 zutn erstenmal in der Geschichte des Kapitalismus, daß in der Hochkonjunktur die Zahl der in der Industrie urid im Bergbau beschäftigten Personen absolut abflirrirrit; innerhalb der Industrie ergibt sich eine Verlagerung, wonach gerade jene Produktionen relativ viele Arbeiter haben, die weniger dringende Bedürfnisse befriedigen; und ..daher .sehr ., konjunktur-. empfindlich sM ÖiesS Mwiöklürig se* hen wir deutlich in Amerika, Deutschland und England. Ferner bewirkt aber der Spätkapitalismus, daß die Wirtschaftskrisen lang und schwer sind. Sein Hauptmerkmal ist die struktur eile Arbeitslosigkeit. Hingegen beschäftigt der Han. del immer mehr Persönen* und zwar besonders der Kleinhandel, das Ägentenwesen ' und das Versicherungsgewerbe. In der Prosperität war die Einschaltung zahlreicher Zwischenglieder in den Wirtschaftsprozeß möglich, deren Überflüssigkeit.'sich erst in der Krise offenbarte. Vor allem aber ist der Zustrom zum Handel als' Verzw'eiflüngsschritt von Menschen, aufzufassen, die keine andere Existerizmöglichkeit haben. Wieder einmal »werden die Christen zu Juden«, aber diesmal nicht zu Kapitalisten, son-. derh zu Lüftniehschen, wie. es bisher nur die Ostjuderr waren. Was bedeutet diese Wirtschaf,tsentwicklung für die Westjuderi? Der Detail haridel ist stark überdimensioniert; es ist hur. natürlich,' daß sich im verengten Lebehsraum der. Kampf zwischen jüdischen und christlichen Händlern verschärft, daß,. diese bemüht sind, an die Hilfe jhrer Volksgenossen zu appellieren. Man tröste sich nicht damit, daß auch zu Beginn der kapitalistischen Ära der Ruf »Kauft nicht bei Juden« erhoben wurde und daß die Westjuderi dennoch einen wirtschaftlichen Aufschwung zu verzeichnen hatten. Der Trost ist trügerisch. Erstens haben die Juden auch damals eine Reihe von Wirtschaftspositiönen verloren, nur haben sie sie. gegen andere und zum Teil bessere eingetauscht. Wo sind heute jene anderen Positionen? Zweitens handelte es sich därnals um den Kämpfruf eines aufsteigenden Bürgertums, das sich durch ihn den Start erleichtern wollte; war einmal dieser getan, bot der Handel schön beiden Gruppen eine Existenz. Heute ist. es der Angstruf eitles hiedergehe ti16n Bürgertums, Bilder der Woche TechnöUratie In Palästina k »*k^vW > * , * \,^*¥§&1^" " * ^fH|\Vfl|^^{ i " * « *» « * im \ &\ *!^%^ v tv ^H * : ' W.^^k ~ , . frv- 4?« fr * « «p* \ » *^ . — - * U^ f\ T^?r'«r r\ < ' . * ^^v^v, * —*v- ■■ ■' -- ■» *\ W>^it>:l ~ % > * >U H v *tt"mrr,\ < ^-"S1 *v- _ ir - _ , * 'Z*qr*mrrA < -rtt^XiKiÄ ^•••;v--^ ---r . j""^ $ jg^»^ t^sswwFT «x***»«?- >«r r«"' rr k * \^ fK<* °X ^> 'h \ ' * l , ww ~ jg^«^ ^«««5rr füfgv^r |^'««r?W (TT^\'r^^\ \^ k *X ^! »-^1^ 'h Nt ''i^i^t/".^^" ****** §^§r^~- ^T -^,r.r\ ■ * ._■■■} \\-V LL^r"^ ' i ^m\^ fc ^m%^ 7?V - ~ 1 ~ s ^r^^" * ~"~ t » N '-^^ *^V(&& K - * \5f>at\iJ;4 ■vj@;>r;'j^ Afiiaßiicli der Vollendung des Ruthenberg-Werkeä Vöreffentlichen -wir die beiden ausgezeichneten Abbildungen, anf denen oben die Elektrizitätsstadt Tel Or mit dem Blektrizit&tswork, unten das große Jordanwehr zu sehen ist. ^^ais^sSMl^^ii^^^^ ^mWÄ^ , - - -^ßT^^;f f WMä^m^m.^-^'^^mM \ *^ t r pksW.;^?:/ ^.f^»' ~yf^f- 4, jg.f^j^ - * / 'p €<ät§ t » ^^^x*"'^ ^^"^ das im Handel seine letzte Rettung sucht' und sich gegen jeden Wenden muß, der däs Stück Bi-öt mit ihm teilen will. Im ,G r o ß h a h d e 1 War für die Juden vör allem der Getreide- und Textilhandel, in Deutschland auch der Metallhandel von Bedeutung. Die Bedeutung des Getreidehandels nimmt mit der Ausbreitung des landwirtschaftlichen Genossenschaftswesens, die des Textilhandels mit der strukturellen europäischen Textilkrise ab. Die Spätkapitalistische Entwicklung hat überall den Mittelstand pauperisiert, in Deutschland und Österreich durch die- Inflation besonders die Rentner. Breite jüdische Schichten, die vor dem?:Krieg nach Berlin und Wien, gezogen Waren, wurden hievon betroffen. Die Angestellten werden immer mehr proletarisiert. Wohl haben sie im Durchschnitt noch irrjtner eine höhere Lebenshaltung als die Arbeiter, aber der Unterschied verringert sich; sie fühlen sich cjeklassiert und sind deshalb vielfach nationalistischen Schlagwörten zugänglich* Das gilt in noch höherem Maße für die [1 i b er a 1 e n Berufe, das „akademisch^ Proletariat", dessen absolute Verzweiflung es in das Lager des Faschismus .führt. Darum sind gerade die Hochschu en die Brutstätten des rabiatesten Antisemitismus. ,,; ..'•■■•■ .j^ Die Situation ist also so, daß die JVestjuden immer mehr in gefährdete Wirtschaftspositiönen gedrängt werden)- in denen sie einer wachsenden Konkurrenz seitens der Nichtjudert ausgesetzt! sind. Diese Konkurrenz hat naturgemäß ein Wiederaufleben der nationalen Frage, eine Hemmun g der: As simi\ ation zur Folge. Weil die ÄrA des tiochkapitalismus nicht lange genug gedauert hat) lim dje? Assimilation der Westjuden zu yollehden, haben sie sich als Volksgruppe* wenn auch mit schwachen iiüdi'- SQhen Bewußtseinsinhalten, erhalten. ^Veil sie als hatjonale SoiitergfupRe - $ch existie^eli, Verden sie inVKanipf ium Ai-- *) Siehe aueh Nr* 6 vom 9. Feber 1933. beit und Kunden von ihren Konkurrenten •aus dem Mehrheitsvolk angegriffen und eben dieser Angriff läßt sie als ethnische Sondergrüppe nicht untergehen) verhindert ihre'Assimilation. , Auch in Amerika sind die gleichen Erscheiriüngen Währnehrhbar, nur kamen sie infolge der längen Prosperität erst spät zum Vorschein. Es zeigt sich, wie verhärignisvöll für die amerikanischen Juden ihr scheinbarer" Aufstieg in den letzten Jahren, ihre Deproletarisierung war. Mögen auch die Berufe; die der jüdische Arbeiter; iti Amerika innehat, schwache' strategische Punkte im Kampf des Proletariats sein, so bieten sie doch eine weit günstigere Kampfbasis als der Kleinhandel und das Agententum. Das 'gilt in politischer Hinsicht noch stärker als in ökonomischer. Auch Industriezweige sind überfüllt. Aber der arbeitslose Fabriksarbeiter sieht seinen Feind nicht im ■ beschäfti'gten Arbeiter. Seine. Stellung im Beruf hat ihn erkennen gelehrt, daß der einzelne Arbeiter nur ein Rad in der großen Wirtschaftsmaschine ist, daß durch den Kampf des Einzelnen nichts zu erzielen, ist, daß es auf den Kämpf d e s Kollektivs um Änderung der gesamtwirtschaftlichen Zustände ankommt. Der Händler hat dieses Verständnis nicht. Er begreift nicht, daß . auch sein Handeln von ihn beherrschenden ökonomischen Gesetzen diktiert wird.\ Weil er formal sein Geschäft selbst tätigt, hälf er, sich tatsächlich für den Schöpfer seines wirtschaftlichen Schicksals, hä(t;;er den Schein für! Wirklichkeit. Darum sieht er seinen Gegner stets in demjenigen, der ihm das Geschäft wegschnappen konnte, darum kennt er nicht die Kooperation, sondern nur die Konkurrenz. Der Arbeiter weiß, daß seine Arbeitsleistung ohne Einfluß auf die Verwendbarkeit seines Arbeitsproduktes und folglich auch seiner Arbeitskraft ist,1 darum denkt er in sozialen Kateg o r f e n. :Der Händler hätt die Verwertbarkeit 'seines Kapitals für das Produkt seiner kaufmännische» Leistung, darum ^fnington SCHREIBMASCHINEN amerikanische Qnalität - WM* vortäte* * sie hn m MmmtoH mtm o ncciiciittiä^iiiti^ti x Qe^ m. b, Krfltiil Söliämi$öö$sc 5-0. SsJUssb Artrül 55166. Drätf I..Celetnä35. - Anruf 62.871. Verkäüfsstellen iri ^Ößerert Städten. d6nkter ilidlVidtiafiStisöhy antiSö^läK Es ist das Bdhicksa! des Westjtidöfl, daß er irflmer mehr itt jetiö ScHlchM gfeVät, die iiiöht deh Kafntjf gö^eli fein Sie sehä^- digettdes System führen, sofldefti ehifeh Kärriijf gegeil die Sie vetmfeintlich 'Ufr fährdenden Persöneh. Noch irhrrier ist diö duröhschnittliche LebefiShältti«^ des Westjüden beträchtlich höh^r äls m dös Nichtjuderi, abör die Ehtwicklüngsteriden^ geht steil äbwärts. Def rfochkäpltälisrnus hätte die" teftdehz', die Westjüden derh Bür'geftum j^ii integrieren. Der Spätkapitalismus bewirkt dife Atfflöstirtg des Bürgärtürhs und hl diesem, Prozeß die Ausscheidung der Juden äüs dem Wirtschä ftszehtrum. Streik bei froumin beiaeleai Jerusalem, 10; Ffebrttaf (J. t; Ai)." Döt Streik in der Biskuitfdbrik „Frountitt" vvurdfe nach einer Datier von Vier Monaten auf folgender Grundlage beigelegt: L Froumin örkeönt die Histadruth als die Arbeitergewerkschaft an; 2. alle Streikenden werden wieder eingestellt; 3. Froumin verpflichtet sich, in Zukunft mindestens 80 %' Ärbeiterr die in der Histadruth organisiert sind, zu beschäftigen; ,4. von den während des Streiks-eingestellten revisionistischen 25 Arbeitern werden nur 10 und diese nur für die Dauer von acht Monaten beschäftigt. Der Streik in der Biskuitfaijrik Froi*- rniti gab bekanntlich Anlaß zu wiederholten blutigen Zusammenstößen zwäsciieh streikenden Angehörigen der Histadruth und Mitgliedern der revisionistischen, nationalen Gewerkschaft, die während des Ausstandes Streikbrecherdieriste hi der Fabrik getan haben. Neue form <Jer ArbettersteülGiig in Palästina Jerusaleikj 6. Februar («L T. A.)>. Die von der jüdischen Arbeiter-Federation Histadruth begründete Gesellschaft „Nir" hat einen Plan ausgearbeitet, itach dem es Jedem jüdischen Arbeiter und Angestellten Palästinas ermöglicht werden soll, Siedlungsland zu außergewöhnlich günstigen Bedingungen zu erwerben. Jeder siedlungswillige Arbeiter, wird ab Februar d. J. monatlich eine kleine Sparsumme in die Arbeiter-Bank einzahlen; erreicht die Sparsumme die Höhe von n6 Pfund, so übergibt ihm „Nir" eine Bodeiipatzelle Und gewährt ihm andere Erleichterungen zur Ansiedlung. Der Jüdische Nationalf onus unterstützt Warm diesen Plan. Wiener tfuitusgemeinde üegen Hirtenbrief Gföüner Wien, 7.' .F^bcruaa? (J. T.' A1.). Die Wiener Israelitische .Kultusgemiedudie hat in öffentlicher. Sitzung eine scharfe Protestresolution g«giein den antisemitischen Inhalt des Hirtenbdefes des Linzer »ojiofs Dr. 'Gföllner angenoinimen. In einer gleichzeitigen Entschließung wird die Förderung des fblutdürsiigen .Ahtisemitismüs, durch höhte, Behörden, 'der kä'thbHschen, KMie, sowie die Proiria7 ^anda itir bürgerliche Entrechtung der Jüdisfeheii' Bevölkerung .ge'bVälii'dihärkit. Ähnliche KesoJutibrjein faßten zahlreiche aaidere' Gemftoindefi 'Österreichs. j Alle diese Entschließungen wurden der ös-ter^ reiohiabhen Regierung^' vdem Erzbisöhof V6n Wien, sowie anderen weltliehen und kirchlichen Behörden übermittelt.