Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 10 (1933)
- Issue
- Heft 5 (3.2.1933)
- Date
- 1933-02-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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3. Februar 1933 DER JÜDISCHE AEBfclTER Seite 6 Abgeküßte Debatte* Der Abg. der bulg. Arbeiterpartei Fraikoff ist von swei Unbekannten' ermordet worden. Den Tätern gelang es zu entfliehen. Ihre Sorgen. Auf seiner letzten Tagung in Frankfurt a. M. hat der orthodoxe Rabbinerverband Deutschlands ein Verbot der Benützung von Familienbädern beschlossen. Die den Gegenstand betreffende Resolution '" lautet: „Der Orthodoxe Rabbinerverband warnt nachdrücklichst vor der Benützung der sogenannten Familienbäder, die eine glatte Verletzung klarer Religionsgesetze darstellt." Politische Gefangene in Italien. Während sechs Jahren wurde in Italien gegen 10.004 Personen eine Untersuchung geführt. Man weiß aus amtlicher oder fast amtlicher Quelle, daß die Zahl der Verurteilten bis zum Tage der Amnestie 1936 und die Dauer der von ihnen zu verbüßenden Freiheitsstrafen 10.157 Jahre betrug. Zu diesen hundert Jahrhunderten Freiheitsstrafen kommen noch sieben To: desürteile. Unter die Amnestie nicht gefallen sind 337 Häftlinge, die sich noch in den italienischen Gefängnissen befinden und die noch durchschnittlich zehn Jahre dort bleiben müssen. (Fortsetzung von Seite 1) jetzt der politischen Weisheit aller österreichischen Industriellen und Kaufleute letzter Schluß. Es hat des furchtbaren Höhenpunktes der gegenwärtigen Krise bedurft, um die Unternehmer der Finalindustrien zum Widerstand gegen diese selbstmörderische Politik des Industriellenverbandes aufzurütteln, die Auflockerung der so festgefügten Unternehmero r g a n i s a t i o n durch den Austritt der Alpinen Montangesellschaft ist ein Symptom dieser Selbstbesinnung. Allerdings darf dieser Streit im Hause der Industrie nicht überschätzt werden. Jene Wiener bür: gerliche Linkspresse, die bereits die Früchte ihrer Koalitionsträume reifen sieht, ist zu optimistisch, wenn sie an eine endgültige Umkehr der österreichischen Unternehmerpolitik glaubt; wir fürchten, daß sich die feindlichen Brüder in Kürze auf der Linie des entschiedenen Klassenkampfes gegen die Arbeiterschaft finden werden, obzwar ein Eintreten für das sozialdemokratische Arbeitsbeschaffungsprogramm dem Bürgertum keine prinzipiellen Opfer auferlegen würde. Desindustrialisierung Österreichs, Schaffung der sozialwirtschaftlichen Grundlage für die monarchistische Restauration durch möglichst weitgehende Reagrarisierung des Landes, dieser Königsgedanke Seipels ist auch heute in den Tagen des gemeinsamen Ränkeschmiedens der deutschen Reaktion und Otto Habsburgs das leitende Prinzip der Politik der größten bürgerlichen Partei. Bis zur Erreichung dieses „Endzieles" wissen sich die Christlichsozialen im Staate sehr gut einzurichten; die öffentlichen Ämter aller Kategorien betrachtet sie als ihren Monopolbesitz. Was Wunder, daß ihren Anhängern mit dem Essen der Apetit wächst, und sie stets nach der Möglichkeit der Schaffung neuer Posten Ausschau halten. Das ' Streben nach neuen Versorgungsgelegenheiten, das, und nicht der Wille, gewissen volkswirtschaftlichen Notwendigkeiten Rechnung zu tragen, ist die wahre Ursache der plötzlichen Neigung des sonst jeder Verstaatlichung abholden Bürgerblocks, den Radius jeder öffentlichen Wirtschaft durch Schaffung gewisser Handelsmonopolen negativ Stellung Der Plan der Gründung eines staatlichen Kohlenhandelsmonopols scheint allerdings vorläufig aufgegeben zu sein, es tauchen aber immer wieder ähnliche Pläne auf, so z. B. die Schaffung eines Benzinmonopols. Offenbar rechnet man da auf die Mitwirkung der sozialdemokratischen Opposition. Um so wichtiger ist es, daß erst vor kurzem der führende Wirtschaftspolitiker der Wiener Arbeiter- und Angestelltenkammer, Genosse Benedikt Kautsky, zur Frage der Errichtung von staatlichen Handelsmonopole negativ Stellung genommen hat, die in der Hand dieser Regierung, isoliert und ohne Verbindung mit einer gemeinwirtschaftlichen Regelung der inländischen Produktion nur dazu führen würden, die öffentliche Wirtschaft in den Augen der Be- Berichfersfaffer Im Völkerbundraf Genf, 25. Januar (J. T. A.). Dertal, Fürst Brancoveanu, hat die Suspen- Völkerbundrat hat den Bericht der ctierung des angesehenen jüdischen Mandatskommisson über ihre letzte Chefchirurgen Dozent Dr. Ranzer vom Session im November 1932, in der sich Operat'iorisdienste verfügt. Gleichzeitig die Kommission mit der Verwaltung hat der Leiter der Klinik Danielopol der verschiedenen Mandatsländer bean einem anderen Bukarester Hospital, faßt hat, zur Kenntnis genommen. der „Philanthropia", die Gesuche dreier Hinsichtlich der Verwaltung Palä- Ärzte, die als einzige Juden unter zahls ti n a s im Jahre 1931 betonte der Berichterstatter im Völkerbundsrat, der tschechoslowakische Außenminister Dr. reichen nichtjüdischen Kollegen sich um ein unentgeltliches Hospit i u m an dieser Klinik beworben hatabschlägig Eduard Benesch, in seinem mündlichen ten, abschlägig beschieden, wahrend Bericht vor dem Rat, daß' die Mandats- * 11 e übrigen Gesuche beruckkommission der Ansicht, sei, daß die sichtigt wurden. Vorbereitungsperiode für die Ausarbei- - tung eines Programms konstruktiver Politik in Palästina noch nicht ganz beendet sei; deswegen habe es die Kommission für verfrüht gehalten, schon 3<e jädiick TVett § Friedhofsschändunff bei Gießen. In Großjetzt ihre Meinung über die Orientierung Linden, bei Gießen wurdfo auf dem jüdischen dieser Politik zum Ausdruck zu bringen. Friedhof eine Schändung von Gräbern ent- TJpnfP könnP dip Kommisdinn IpdiHirh deckt Die Täter sturzten dlß Denkmäler lieute könne me Kommission leaigncn ftuf {ünf Gräbern um und zertrümmerten die feststellen, daß dank den zur Sicher- Gedenkzeichen. Die behördlichen Ermittstellung von Ruhe und Ordnung im hingen verfolgen eine bestimmte Spür. Lande unternommenen Mitteln und dank § Anerkennung des jüdischen Gemeinder günstigen wirtschaftlichen Situation debundes in Rumänien. Das Kultusmiim Lande das Jahr 1931 eine Penisterium hat die Statuten der israeliriode der Ruhe und des Wohltischen Gemeinden spaniolischen Rits Standes für Palästina gewesen zu Bukarest, Ploesti, Turnu-Severin, ist. Hinsichtlich des geplanten Legisla- Silistra, Timisoara, Calarasi, Giurgiu, tive Council begnügt sich die Kommis- Craiova, Constanza und Calafat unter sion festzustellen, daß sie die Erklärung geringfügigen Abänderungen genehdes beglaubigten Vertreters Großbritanmigfc> Damit erhalten diese sephardiniens zur Kenntnis genommen hat, daß schen Gemeinden den Charakter von „Schritte zur Bildung eines Legislative Körperschaften öffentlichen Rechts. Council ergriffen werden würden, sobald Gleichzeitig wurde auch dem Verband die in der Vorbereitung befindliche neue der Israelitischen Gemeinden spaniolilokale Government Ordmance m Gelschen Rits der Charakter einer Körpertung gebracht worden ist. gclmft; öffentlichen Rechts zuerkannt, Dr. Benesch fügte seinerseits hinzu, das Oberrabbinat wurde als zentrale er sei dessen sicher, daß der Völkerreligiöse Behörde des Verbandes bebundsrat an diesen Bericht der Man datskommission den Wunsch knüpfen wird, daß die Bemühungen der .englischen Mandatarmacht, die besonderen stätigt. § Judendebatte im Sejm. In der heutigen Sitzung der Bud|getkommission des Sejm erklärte, der sozialistische Deputierte Szapin- Probleme Palästinas einer Lösung zusky, die jüdischen weltlichen Schulen würzuführen, von Erfolg gekrönt sein ^S^SSTSiX^^ mögen. jüdische Deputierte Dr. Sommerstein schil- Der Völkerbund nahm den Bericht vierte, welchen Schikanen das hebräische vnn -nr -RÖTmaph nriA Aia •RpTYiPrlmTitrPTi Schulwesen seitens der Behörden ausgesetzt von Dr. Benesch und die tfemerKungen jst Von den Schul,verwaltungen angestellte der Mandatskommission zur Kenntnis. -Lehrer'werden von der polnischen Schulbe- Aus dem Protokoll über die Verhandhörde nicht bestätigt; Schulen werden gelungen der Mandatskommission ist zu schlössen uniter dem Vorwande, d^ß die pr^pbPTi rlaR rlaes rlPiitsohp Kmmni^inns- Schullokale den Erfordernissen der Hygiene ersenen, aaia aas aeutscne Kommissionsnicht entsprecheil. Polnische Inspektoren ermitghed Dr. Ruppel sich dagegen ausffehen sich in Gegenwart der Schüler in gesprochen hat, daß die Erklärung Sir höhnischen Auslassungen über das jüdische Arthur Wauchopes betreffend Legisla- Palästina-Ideal. tive Council in die Observations § Jüdischer Oberrichter von Uganda, der Mandatskommission aufgenommen Solomon Abrahams, bisher Oberstaatswerde. anwalt von Uganda und früher ObermT____ ______ _»_,______ a Cnilf9l richter von Zanzibar, ist nun zum ober- NUIIieniS iIäUSU§ IM Spital sten Richter in Uganda, Britisch-Ost- Bukarest, 28. Januar (J. T. A.). Der afrika, ernannt worden. (Wie erinner- Präsident des Kuratoriums für das Bulieh, war Uganda i. J. 1903 vom dakarester staatliche Brancoveanu-Hospimaligen englischen Kolonienminister Hast Du den Beitrag an den Palästina-Arbeiter-Fonds / schon bezahlt? völkerung zu diskreditieren. Uns scheinen aber auch zwei andere Gesichtspunkte für die Beurteilung dieses wirtschaftspolitischen Problems wichtig zu sein: der fiskalische und der sozialpolitische. Einer Regierung, die sich den Weg zur Diktatur offen läßt, die einen Faschisten zu ihren Mitgliedern zählt, dem sie das wichtigste Ressort anvertraut hat, kann und darf , durch Eröffnung neuer Einnahmequellen nicht die Möglichkeit gegeben werden, sich über das Budgetrecht des Parlaments hinwegzusetzen. Sozialpolitisch gesehen, bedeutet die Erweiterung der Wirtschaftstätigkeit des Bundes auf Kosten der Privatwirtschaft Verringerung der Arbeitsmöglichkeit aller Arbeiter und Angestellten, die keine Stützen des christlichsozialen Heimwehrregimes sind. Vor allem also der jüdischen Angestellt e n s chaf t. Es stellt der bürgerlich-zionistischen Presse kein gutes Zeugnis aus, daß sie diesen jüngsten Aspirationen des Bundes keine Aufmerksamkeit geschenkt hat. Nicht nur das tragische Schicksal der jüdischen Tabakarbeiter in Polen nach der Verstaatlichung der polnischen Tabakindustrie, auch die jeder Gerechtigkeit hohnsprechende Benachteiligung der jüdischen. Angestellten der Kreditanstalt, die Märtyrer sowohl ihres Volkstums wie auch ihrer freigewerkschaftlichen Organisation sind, sollten uns eine Warnung sein, diesen wirtschaftspolitischen Tendenzen zu geringe Bedeutung beizumessen. Insbesondere wird es die Aufgabe der jüdischen Gemeinde 'sein, bei allen kommenden Versuchen, die öffentliche Wirtschaft zu erweitern, die Interessen der jüdischen Arbeitnehmer zu vertreten.» Am besten wird sie diesem Ziele dienen, wenn sie sich die auch in den diesmaligen Budgetverhandlungen von der Sozialdemokratie erhobene Forderung nach einem paritätisch e n, obligatorischen Arbeitsnachweis zu eigen machen wird. Eine solche wirklich unparteiische Institution wäre die einzige Garantie, daß die Rechtsgleichheit auf dem Arbeitsmarkt hergestellt werden wird. M. P. An unsere Abnehmer in Palästina* Unsere palästinensischen Abonnenten können die Abonnementsgebühr (15 Shilinsr jährlich, 8 Shiling halbjährlich) bei allen Filialen der Bank Hapoalim in Tel Awiw (oder Jerusalem, Haifa, Petach Tikwah, Chedera, Rechoboth, Kfar Saba und Ness Ziona) auf das Konto- „Der Neue Weg" erlegen. Die Administration. Joseph Chamberlain dem VI. Zionisten- Kongreß als ein Territorium zur Errichtung eines Juden Staates angeboten worden.) § Wiedererscheinen des offiziellen Organs der rumänischen Zionisten. Nach fast zweijähriger Pause hat das offizielle Organ der zionistischen Organisation Altrun>äniens, das Wochenblatt „Stiri din Lumea Evreesca" (Nachrichten aus der jüdischen Welt) unter der Redaktion von Dr. A. Mibashan wieder zu erscheinen begonnen. £c£cn in %läbüna X Die Unterbringung der neuen Alijah. Der Merkas Alijah begann mit einer Propagandaaktion zur Beschaffung von Wohnungen und Einordnungsmöglichkeiten für die neu ankommenden Chaluzim. X Einheitsfront teilweise Wirklichkeit. Die arabischen und jüdischen, beim Orangentransport beschäftigten Arbeiter haben sich dahin geeinigt, daß täglich, je nach der Zahl der verlangten Arbeitskräfte, zur Hälfte Juden, zur Hälfte Araber zu beschäftigen sind. X Arbeiterbank erteilt Kredite. Die Arbeiterbank gewährte im Monat Dezember verschiedenen Arbeiter^Koope1 rativen und anderen Unternehmungen Kredite in der Höhe von 17.000 Pfund. X Autozeichen in Palästina. Die Palästinaregierung hat verfügt, daß alle auf dem Gebiet von Erez Israel gemeldeten Automobile die Bezeichnung „M" zu führen haben. X 70.000 neue Bäume. In der Nähe von Nazareth wurde mit der Pflanzung eines neuen Waldes von etwa 70.000 Bäumen begonnen, u. zw. auf einer Bodenfläche von 300 Dunam. X Sozialistische Literatur Hebräisch. Im palästinensischen Marx-Engels-Verlag erschien dieser Tage der erste Band einer hebräischen Ausgabe von Borochows Werken, der die Arbeiten „Nationale Frage und Klassen" und „Unsere Plattform" enthält. Im gleichen Verlag erschienen bereits: Plechanow, Grundprobleme des Sozialismus, Geschichte der Internationalen Arbeiterbewegung, Die große französische Revolution. X Nichtjüdische Arbeit. Trotz der Proteste von jüdischer Seite sind zahlreiche öffentliche Arbeiten in Haifa und Jerusalem jetzt wiederum an nicht jüdische Arbeiter vergeben worden. X Bialik-Ausstellung. Anläßlich des Bialik-Jubiläums fand in den Räumen der Jüdischen Nationalbibliothek eine Ausstellung der,Werke Bialiks statt.. X Petroleum in Sicht! Die Palästina- Regierung übergab der die Konzession besitzenden Petroleumgesellschaft 2250 Dunam Boden in der Nähe von Haifa. Die technischen Vorbereitungen, die die Gesellschaft treffen muß, ehe mit der eigentlichen Arbeit begonnen werden kann, beschäftigen 1000 Arbeiter auf längere Zeit. X Konferenzen... An einer Tagung der Moschawim (Individualistische Arbeitersiedlungen) nahmen '20 Delegierte in Vertretung von 5000 Arbeitern teil. — Am 26, Jänner tagte der Rat der Jüdischen Arbeiterinnen in Haifa. — An der bevorstehenden Konferenz der Kooperativen werden 65 Delegierte aus dem ganzen Lande teilnehmen, Es wird beantragt werden, einen besonderen Fonds der Kooperativen zu gründen. In Kairo fand ein Kongreß der Eisen-« bahner statt. Viele Delegierte dieser Tagung besuchten nach ihrem Abschluß Palästina.