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Der Jüdische Arbeiter · 1933-02-03 · Heft 5 (3.2.1933) · page 4

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
10 (1933)
Issue
Heft 5 (3.2.1933)
Date
1933-02-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 der Jüdische Arbeiter 3. Februar 1933 Arabische Ansprüche abgewiesen Jerusalem, 21 Januar. (J. T. Ä.) Das Berufungsgericht hat heute die arabischen Ansprüche auf Tausend* Dunam Keren Kajemeth-Boden an der Haifa- Bucht endgültig zurückgewiesen. Das Doppelgeslch! Polens In Washington: »Die polnische Regierung wird Cisesse zu vef lilnäern wissen" New York, 24. Januar (J. T. A.). Der neue polnische, Gesandte in den Vereinigten Staaten, Stanislaw Patek, empfing kurz nach seinem Eintreffen in Washington den Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur und sprach ihm gegenüber sein tiefstes Bedauern ÜbeV die letzten antisemitischen Ausschreitungen in mehreren Städten Polensaus. Er gab seiner Überzeugung dahin Ausdruck, daß die polnischen Behörden jede Wiederholung solcher Ausschreitungen zu verhindern wissen werden. Die amerikanischen Juden, fuhr er fort, mögen sich hinsichtlich der Lage ihrer Glaubensbrüder in Polen keiner übertriebenen Sorge hingeben, ihre Lage sei nicht so schlecht, wie man in Amerika annimmt. In Polen: ■ ■ Schließung der einzigen Jüdischen Lehrerbildungsanstalt Warschau, 28. Januar (J. T, A.). Zu Beginn des laufenden Schuljahres hat die Jüdische Gemeinde in. Warschau nach langen Bemühungen eine Konzesr sion zur Eröffnung, eines Pädagogiums, das jüdische Lehrer 'für Staatsschulen ausbilden > sollte, erhalten. Nachträglich aber hat die Regierung der Gemeinde mitgeteilt, daß dem Pädagogium der Jüdischen Gemeinde das Offentlichkeitsrecht entzogen wurde. Dieser Entscheid i der Regierung bedeutet die Liquidierung der. 'einzigen Anstalt, die jüdische Lehrer für Staatsschulen ausbildet. , Jüdische Arbelfer nach 26 tähriger Beschäftigung entlassen Warschau, 28. Januar. In der polnischen Tabakfabrikation, einst eine Domäne'der Juden, wurden nach Einführung des Tabak-Monopols und Verstaatlichung der Tabak-Fabriken viele Tausende jüdische Arbeiter und Angestellte auf die Straße geworfen. In der Fabrik in Grodnö,' wo früher ausschließlich jüdische Arbeiter beschäf- 'tigt waren, waren noch aus der Zeit vor Einführung des Monopols elf jüdische Arbeiter bei ihrer Beschäftigung Verblieben. In den letzten Tagen wurden diese elf Arbeiter nach 26 jähriger Beschäftigung in dieser Fabrik auf die Straße 'gesetzt, dies wenige, Monate, bevor sie die Versprgu!ngsberechtig^mg erlangt haben. Auf die Ausführungen Rosmarins wurde seitens der Regierung vorläufig keine Antwort gegeben. Was ist Poale Zionismus? fort iSerl tocher. (Schluß.} Es ist klar: es ist der kapitalistische Gharakter Petach-Tikwah« und ähnlicher Kolonien, der ihren zionhtischen Wen verkleinert. Im Gegensatz zu Petach-Tikwah ist Nahala) auf dem Prinzip de* Selbstarbeit begründet. Lohnarbeit ist ausgeschaltet. Damit Ist auch die Mögliöhkeii ausgeschlossen, hillige arabische Arbeit auszubeuten, Der Boden von Nahalal, der dem ganzen jüdischen Volk gehört* kann hie eine Quelle privaten Profits werden, der im Gegensatz an den Volkrintereasen steht. Alle Möglichkeiten, die die Erde Nahalals in sich trägt, dienen der Schaffung eines gesunden bäuerlichen Elements. Nahalal ist 100% ig zionistisch. Und es ist klar, daß dieser volle Zionismus ein Resultat jenes Stückes Sozialismus, das in Nahalal verwirklicht ist. Noch klärer wird das in Ejn«Charod. Ejn-Charod ist nicht nur auf dem Prinzip der Selbst arbeit basiert, sondern auch auf dem Prinzip vollkommen kollektiver Arbeit und kollektiver Verwendung der Arbeitsprodukte. Ejn-Charod ist» ebenso wie alle anderen „Kronzoth" eine' sozialistische Kolonie. Gerade dieser sozialistische Charakter macht Ejn-Charod zu einem Muster des vollen hundertprozentigen Zionismus. Das ist keine bloße Abstraktion, nichts Ausgeklügeltes. Das ist ein Beispiel aus der Wirklichkeit, eine Antwort des Lebens selbst. Nur die sozialistischen Kolonien sind, im vollen Sinne des Wortes,, zionistische Kolonien. Volle Verwirklichung des Zionismus ist nur bei Anwendung sozialistischer Kolonisationsmethoden möglich. VIII. Wir kämpfen für möglichst volle nationale Gleichberechtigung und Entwicklung des jüdischen Volkes in allen Ländern Und gerade darum sind wir Sozialisten. Denn die Unterdrückung von Völkern und Rassen im allgemeinen und die Unterdrückung1 der nationalen Minderheiten im besonderen sind eng verbunden mit dem gesamten System kapitalistischer Ausbeutung und Unterdrückung. Noch mehr ist der moderne Antisemitismus in sehr hohem Maße ein legitimes Kind der kapitalistischen Ordnung. Die volle Befreiung aller unterdrückten Völker ist eng verbunden mit dem Siege des Sozialismus in der Welt. Weniger als irdend eine nationale Minderheit können die jüdischen Minoritäten hoffen, ihre volle nationale Gleichberechtigung zu erlangen, solange die kapitalistische Bourgeoisie und ihre Werkzeuge das wirtschaftliche Leben und die öffentliche Meinung in den; verschiedenen Ländern beherrschen. Erst der Sieg des Sozialismus Wird jene Beziehungen der Gerechtigkeit, und der Wahrheit zwischen den Völkern schaffen, von denen die Männer der I. Internationale geträumt haben. Und schließlich: gerade weil wir die' höchstmögliche nationale Entwicklung des jüdischen Volkes und seiner Kultur in allen Ländern seiner Zerstreuung erstreben, sind wir Zionisten. Ein ganzes Volk kann auf die Dauer nicht ohne die volle Möglichkeit der höchsten Entfaltung seiner nationalen Individualität leben. Ein ganzes Volk kann ohne die Aussicht auf vollste Freiheit und Selbständigkeit nicht auskommen. Die maximalen Perspektiven der Freiheit, Selbständigkeit und des nationalen Schaffens, die mit Palästina verbunden sind, sind daher eine wichtige Quelle der Lebenskraft und der schöpferischen Energie auch für die jüdischenMassen in den Ländern der Diaspora. Ihre volle Kraft, ihre Unerschopflichkeit wird diese Quelle erst geigen, wenn das arbeitende Palästina bedeutende Teile des Volkes in sich vereinigt hat, wenn der sozialistische Zionismus verwirklicht sein wird. , 1 ■. 5;ix. Bbrochow sagt: ,;Wenn ihr einen Regenbögen betrachtet, bemerkt ihr keine Grenzen zwischen den verschiedenen (Farben. * Im ersten Augenblick werdet ihr . nicht: einmal erkennen, wieviel und Welche Farben sich im Regenbogen befinden. Nehmt einen durchschnittlichen, in der Physik nicht bewanderten Besucher der Niagarafälle und fragt ihn, aus Welchen Farben die. Hunderte. vpn Regenbogen bestehen, die so schillernd inj, den Strömungen spielen. Wahrscheinlich wird, euch der Gast antworten: drei Farben, rot, gelb und blau; und er wird sich sehr geirrt haben. Denn versucht einmal ein Prisma vors Auge zu halten, und ihr werdet eine Art Regenbogen aus sieben Farben und nicht aus dreien erkennen. Und die gleichen sieben Farben wird' ein geübtes Auge auch am gewöhnlichen Regenbogen unterscheiden können. Der einfache Sonnenstrahl wird durch ein Prisma in sieben Farben zerlegt, aus denen das Sonnenlicht besteht. Ebenso ist es mit dem Licht des sozialistischen' Zionismus. Obwohl* er aus'verschiedenen Gedankengängen besteht, vereinen sich alle seine Elemente zu einem praktischen und politischen Ganzen, zu einem einheitlichen System, das nur durch das Prisma der Analyse in seine einzelnen Bestandteile zergliedert werden kann." „Der sozialistische Zionismus umfaßt alles, was edel, lebensfähig und produktiv im Leben und der Zukunft der jüdischen Arbeitermassen ist..." „Die Wahrheit des Sozialismus, die Wahrheit des Zionismus und die Wahrheit des Galuth —■ Nationalismus — all dies wird vereinigt in unserem Ideal einer freien, kulturellen, gesunden und stolzen Menschheit und Nation." gehalten. Nemo propheta in patria... * Die Zionisten haben Guttmann hart zugesetzt. Sie fürchteten, er werde ifire l(Lee in den Augen der Öffentlichkeit lächerlich machen. Und während Motzkin auf, den ^ionistenkongressen Guttmanns Tikvvostecnende' Figur• suchte, ehe er die traditionellen Bamiherschläge der Eröffnung tat, Wierde Guttmann in Prag, in Brünn und auch überall anderwärts, wo er hinkam, aufgezogen und für, einen 'Narren gehalten. Bayon spricht er nicht ohne Verbitterung; und auch davon, daß man seinen Qpferwülen nicht gewürdigt, seine Anregungen für die Palästina-Arbeit nicht genügen^ beachtet hat, Diese Vorwürfe brechen* das weiß jeder, der je mit ihm Isgmch, errwptiv hervor* aber daneben weiß er auch einzuschätzen, daß viele ihn, für voll nahmen} viele ihm ernsthaft ihr Ohr leihten, wenn er seine Ansichten der, Kunst, den frqvWt der zionistischen Bewegung favlegte* wenner von ■$e$ken Meijm, 4eÜ^$g.m'#<xtt§.er Hotels Wid der schlechten Architektur der Neu« zqii erzählte* " \v . *". ''. .V ^J^.smnem Meinen literarischen Werk, $ipU. Ütßg&w' Jti seiner jourmlißti- Whoft Mrcjtfchritttliqhkqit^ .keineswegs, von älV dem unterscheidet, was wir täglich in den Zeitungen lesen, finden sich Skizzen, über bedeutende Zeitgenossen, Kunstprpbleme, ein Artikel .über Berta von Suitheri Betrachtungen, über die teueren 4leliers. ... Besondere Ehrfurcht hegt Guttmann für Masaryk, den er alljährlich einmal besucht;, am Grabe der Frau des Presidenten legt er in jedem Jahr eine $lumenspende nieder und er erinnert sich deutlich der an „Paroxismus grenzenden Wutanfälle", die er durchlitt, als nian Masatyk wegen seiner Tätigkeit.im 4US~ lande in den ersten Kriegsjahren ^bekämpfte. „Sein warmes Eintreten für,91ns Juden beim Eilsnerprozeß, .sein wütiges Fördern ' der jüdisch-nationalen Uestrebungen, sein heroischer Protest geyen das Beilis-Panama ... erweckten in mir eine unbeschreibliche FeiertäglicfiMnt" * Guttmann wird sehr oft photogvaphiert; es vergeht aüch kein Monat, ohne daß in irgendeiner Zeitung ein Artikel über ihn erscheinen würde, Mit seiner großen-bunten Blume im Knopfloch,,mit der roten Schleife um den Arm und dem Malgerät in 4er Hand, gehört er zu einem unübersehbaren Bestandteil des Prager Straßenbildes und man Jrifft. ihn meist, in Q<$qnüen versunken, über einem Blalt sitzend, radierend und zeichnend>x in einem Kaffeehaus, oder aber mit mächtigen ■ Schritten über den Wenzelsplatz eilend. Als ich das letzte Mal in Prag loar, hatte Giittmann das Atelier in der Wassergasse, nicht iveit vom Wenzelsplatz. Im 4. Stock. Unten wies eine Tafel in die „Akademische Schule des Malers Guttmann". Wo er heute logiert, weiß ich nicht. „Meine Hausfrau möchte mir Würmer aus der Nase ziehen," sagt er, „aber dazu ist sie zu klein gegen mich. Jetzt hat sie mir loieder .zugesetzt und mir einreden ^wollen daß sich ein akademischer Maler um sie bewirbt; ich habe sie aber durchschaut und hab' ihr gesagt, daß. das nur eine Finte, pt^ unt mich wieder zif steigern .\' ■ ■ 1 ■; * Ein ganz besonderes Exemplar Boheme, ein Prachtstück guten jüdischen Gerzens, ein —7. psychopathologisch' gesehen — leiser, aber einnehmender. Irrer mit einer ganz besonderen Einstellung %u den Dingen dieser Welt, den Künsten, dem rqußchehden Zeben und der täglichen .Not —. das ist der. „Fall Guttmann",, wie ihn Hellers Bucjh darstellt, das q\s Beitrag züttylfaßfmng und Verl menschtlichung dieser Qestält. ebenso hiö-' grQpfyisch-dqfa Wert hat, wie es zweifellos, auch eine Meine Fundgrube .' ist für[ /den ' Psycholqgßn^ den Kwistpsychohgeh und^den .Psychiater* ' v " ' "' M.KARB. Der Gripperekonvaleszent verspürt allgemeine Schwäche und Ermüdung. Die Muskeln sind schlaff, die Nerven abgespannt. Massieren Sie, über ärztliche Vorschrift, mit Menthol-Franzbranntwein Diese Massage erhöht den Blutkreislauf, stärkt d. Muskeln, erfrischt die Nerven und hebt die Tatkraft. Zerstäuben Sie ALPA in Wohn- und Gesellschaftsräumen I Hiedurch gründliche Luftdesinfektion. %at$e6kftt du^atoftundtiU Sie fressen einander. Wie Otto Strassers „Schwarze Front" mitteilt, hat Göbbels auf .der nationalsozialistischen Gauführertagung in Weimar in Gegenwart Hitlers erklärt, die „jüdische Abstammung" von Gregor und Otto Strasser sei „einwandfrei erwiesen". Wird sicher helfen... Auf Anordnung der Rabbiner * der Jüdischen Gemeinde Krakau wurde der 26. Januar (28. Tebeth, Jörn Kippur Katan) als Tag des Fastens und der Fürbitte um Linderung der Wirtschaftsnot begangen. In allen Synagogen wurden Gebete um Besserung der- Wirtschaftslage, gesprochen* ( Was unzensuriert durchgeht.;;Der Angriff" versteigt sich nach den Provokationen der Nazi am Bülowplatz zu folgender direkter Aufforderung zum Pogrom: „Die Männer, die am Sonntag auf dem Bülowplatz aufmarschiert waren, sie haben sich diese Bilder genau eingeprägt. Sie werden auch die Gesichter der hinter ihren Fenstern lauernden Juden und Jüdinnen nicht vergessen, und sie werden sich erneut eingeprägt haben, daß dieses Judenvolk die Gegend um den Bülowplatz als Brutstätte für. seine gemeinen Pläne gepachtet glaubte und auf Grund mehrjähriger Praxis sich vermessen, mit typisch jüdischer Frechheit, als die alleinigen Beherrscher dieses 'Stadtviertels ansah. Diese Ansicht haben wir ihnen aber am Sonntag gründlich vernichtet. Wir haben zugleich1 zum Ausdruck gebracht, daß hier am Bülowplatz und im Scheunenviertel endlich einmal mit eisernem Besen gefegt werden muß, und wir haben keinen Zweifel daran gelassen, daß wir diese Gegend einmal in einen jetzt ungewohnten Zustand von Sauberkeit und Ordnung verwandeln werden." Herr Berchtold fühlt sich getroffen, Das historische Drama Duschinskis „Kaiser Franz Josef von Österreich" wurde im Raimund - Theater in Wien aufgeführt. Noch am Vorabende der Premiere legte der ehemalige Außenminister Qraf Berchtold neuerlich Protest gegen dessen Aufführung ein. Graf Bertold fühlt sich am 'meisten durch die Schilderung der Szene betroffen, in der die beim ehemaligen Kaiser versammelten Minister energisch auf die Kriegserklärung an Serbien drängen, während der. Kaiser lange zögert. Weiter protestiert Berchtold ge. gen die Episode des Dramas, in der Berchtold dem Kaiser meldet, daß die Serben bei Thum Severin die Feindseligkeiten gegen' Österreich eröffneten, während gleichzeitig eine Depesche rnit dem Dementi dieser Nachricht einlangt, welche Depesche aber Berehtold vor dem Kaiser verbirgt. Der Protest Berehtölds und'-sein Ersuchen um Streichung respektive um eine Korrektür dieser Szenen hatte keinen Erfolg. (!

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