Mannheim
Compact Memory

Der Jüdische Arbeiter · 1933-02-03 · Heft 5 (3.2.1933) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
10 (1933)
Issue
Heft 5 (3.2.1933)
Date
1933-02-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2641551-2641667-2641672--631-2642637
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

•&ät*3 DER JÜDISCHE ARBEITER 3. Februar 193a Noch niclif mrtöeöeDen .. Jerusalem, 29. Januar (J» T. A.). Das vom Emir Abdullah von Transjordanien herausgegebene offizielle ftommuniquee über die Annullierung des Bodenpachtabkommens mit einer jüdischen Gesellschaft lautet: Die über die Verpachtung von Regierungsböden an eine ausländische Gesellschaft oder ausländische Staats-' angehörige verbreiteten Gerüchte werden vom Palast des Emirs als grundlos . erklärt. Der Emir . zieht das betreffend die Pacht der erwähnten Böden gemachte Angebot zurück. Von heute ab sind diese Böden nicht zu verkaufen. Einer Abordnung palästinensischer Araber gegenüber, die ihn am 25. Januar in Amman besuchte, erklärte der Emir Abdullah, er habe bis jetzt keinen Boden an Juden verkauft und auch kein definitives Abkommen über Bodenpacht unterzeichnet. Er habe lediglich eine Option über Pacht eines bestimmten Bodenareals vergeben, habe aber nachträglich beschlossen, diesen Boden an Ausländer nicht zu verpachten. Der Emir, ermächtigte die arabische Presse, mitzuteilen, daß er jeden Gedanken an eine Verpachtung von transjordanischem Boden an Ausländer fallen gelassen habe. In Jerusalemer jüdischen Kreisen glaubt man trotz all dieser Versicherungen des Emirs Abdullah nicht, daß der Plan einer Pacht oder eines Kaufs von Boden in T r a n s j o r d a n i e n durch Juden definitiv e r 1 e d i g t i s i Man weist darauf hin, daß zahlreiche Oberhäupter "transjordanischer Stämme Bodenkaufangebote an Juden gemacht haben und an dem Abschluß der Bodentransaktionen außerordentlich stark interessiert sind. Die Option auf Bodenpacht mit Vorkaufsrecht, die der Emir an eine jüdische Gesellschaft , vergeben hat, läuft erst in sechs1 Monaten ab, bis dahin könne eine Lage eintreten, die dem Abschlüsse des Geschäftes günstiger ist. Die wirtschaftliche Lage in Tran s j o f d a n i e n v e r s c h 1 i mmer t sich zusehends un d eine Aussicht auf Besserung sei in absehbar e r Zeit nicht z u erwarten. Die Jerusalemer jüdischen Kreise erwarten, daß der Plan, einen Teil Transjordaniens durch jüdische Arbeit zu entwickeln, wozu ein langfristiger Bodenp.acht- oder ein Bodenkauf-Vertrag Voraussetzung ist, bald wieder aktuell werden und schließlich zu einem Resultat führen wird. Weil ere Komentare Jerusalem, 29. Januar. (J. T. A.) Das vom Emir Abdullah von Transjordanien der Presse . übergebene Kommunique, daß er die einer jüdischen Gesellschaft gegebene Option auf Boden in Transjordanien zurückzieht, wird von der arabischen Presse mit Genugtuung verzeichnet. Einzig „Falastin", das Organ der Arabischen, Exekutive, scheint noch •einen Rest von Mißtrauen in die Absichten des Emirs zu hegen, denn die Zeitung bemerkt in ihrem der Transjordanien-Angßlegenheit gewidmeten Leitartikel, es wäre zu wünschen, daß der Emir seine Erklärung wirklich wahr macht, man habe das Gefühl, daß das Kommunique hauptsächlich darauf abzielt, die Gemüter zu beruhigon. Die jüdische Presse gibt das Kommunique ohne Kommentare wieder. Die letzten Tage brachten eine Reihe von Meldithgen übet jüdische Bodenkäufe und Pachtungen in Transjordanien und .den bevorstehönd|en Beginn einer jüdischen" Siedlurigstätigkeit in jenem Gebiet. Die Nachrichten lös%n eine ganze Menge verschiedenster Empfindungen und Überlegungen aus, denen Ausdruck1 au geben aber mitelos wäre, solange weder über die gemeldeten Bodentransaktionen selbst, noch über Träger, Art und Planung der sich daraus ergebenden Siedlungsarbeit etwas sicheres bekannt ist. Jedenfalls aber wird) die folgende, schon vor einiger Zeit geschriebene Schilderung Transjordaniens von unserem geschätzten Mitarbeiter, der das Land vor kurzem besuchte, heute doppeltes Interesse erwecken. ■ Dr. Hugo Herr mann: Über den Jordan TELE FUNKEN 250 KZ 1.395- Der Empfänger, den sich jeder leisten kann. Unver- .feindliche Vorführung bei RADIO- DIENST -£VIHALEK Brftnii'Sebrowtfe Masarykstr. 35 a Tel. 35.838 Das untere Jordantal, von Jericho am westlichen bis Teil Nimrin am östlichen Berghang, ist etwa zwanzig Kilometer breit, das Auto würde es; in zwanzig Minuten durcheilen; 1 aber ge* nau in der Mitte fließt nicht nur der Jordan, den die Straße auf der Allenby-Brücke durchquert, soiidern eben* dieser Jordan bildet auch .die Grenze zwischen dem westlichen und dem Östlichen Teil des britischen Mandatsgebiets, offiziell „Palestine and Trans¬ Jordan" genannt — und warum soll dich diese Grenze minderen Aufenthalt uncl Zeitverlust kosten als diezwischen Deutschland und Frankreich oder Österreich und Jugoslavien? Es ist aber nicht nur der Aufenthalt bei den Wachthäusern, deren Besatzung erstaunlich lange braucht, um unsere Namen in arabischer Schrift zu verzeichnen, auch sonst empfindest du diese Grenze stärker als jene binneneuropäischen. Palästina ist Mandatsgebiet unter Kolonialregime, der britische High Commissioner hat alle legislative und exekutive Gewalt — Transjordanien hat eine Verfassung, ein (sehr Meines) Parlament, eine Regierimg und einen Herrscher, Emir Abdallah; Palästina ist ein hochentwickeltes Kulturland — Transjordanien ist Wüste und Wüstenrand. In Palästina ist das Waffentragen verboten; es gibt trotzdem versteckte Waffen, aber zu sehen sind sie nur bei Polizei, Gendarmerie und Militär — in , Trans jordanien trägt Jeder Mann, dem du außerhalb 'der Cjw schatten und ihrer unmittelbarsten Nähe begegnest, das Gewehr über der Schulter oder, wenn er reitet, was die meisten tun, über den Knien. Transjordanien hat immer zum historischen Palästina gehört; das Gebiet der Stämme Rüben, Gad und halb. Menasche, die Landschaften Golan, Baschan, Hauran und Gilead, die Provinzen Peräa, Auranitis, Batanäa der herodianischen Zeit waren unzweifelhaft Bestandteile des jüdischen Reichs. Die arabischen Mohammedaner erst trennten die Bezirke westlich des Jordan (Filastin-Palästina) von jenen östlich des Flusses (Urdunn-Jordan) und legten damit den Grund zu der weiterhin so verschiedenen Entwicklung beider Landesteile. Die Türken trieben diese Teilung noch weiter und führten die nordsüdliche Grenzlinie die ganze syrische Küste entlang; westlich vom Jordan und vom Libanon lag das Wilajet Beirut (dessen südlicher Teil als Mutessariflik Jerusalem administrativ selbständig war), östlich davon das Wilajet Damaskus. Als nach dem Kriege die Engländer in Palästina ein „nationales Heim für das jüdische Volk" zu schaffen beschlossen, nahmen sie von den darauf zielenden Bestimmungen Transjordanien ausdrücklich aus, wohl weil sie gegenüber den arabischen Nationalisten und insbesondere ihrer, damals führenden Dynastie, den Haschimiten von Hedschas, ein recht schlechtes Gewissen hatten; hatten sie denen doch auch weitgehende Versprechungen gemacht. Um sie wenigstens zum Teil einzulösen, machten sie zwei Prinzen jener Dynastie, Söhne des alten Königs Hussein, der jetzt innerhalb des Tempelplatzes in Jerusalem begraben liegt, zu Herrschern: den älteren, Abdallah, in Transjordanien mit dem Titel Emir, den jüngeren und fähigeren, Feisal, in Irak (Mesopotamien) gar mit dem Königstitel. Inzwischen ist Irak selbständig und Mitglied des Völkerbunds geworden; Trans jordanien befindet sich in einem Mittelzustand, der in Jerusalem residierende High Gommissioner übt nur eine höfliche Oberaufsicht über den sonst recht freien Emir; und nur Palästina und Syrien stehen noch unter vollgültigem Mandat, jenes ohne, dieses,mit einer demokratischen Verfassung. Trans jordanien ist fast doppelt so groß wie das westjordanische P'alästinay hat aber kaum ein Viertel seiner Bevölkerung; beträgt die Bevölkerungsdichte im letzteren 40 auf den Quadratkilometer (also, etwa soviel wie in Spanien oder Griechenland, ein Viertel derjenigen in England), so zählt Transjordanien nur 6. Dies sagt die Statistik: aber auch ohne sie kann niemand, der Transjordanien bereist, die elementare Tatsache übersehen: Transjordanien ist ein leeres Land. Um es nur auf die sehr bescheidene Bevölkerungsdichte Westpalästinas zu bringen, müßten mehr als 1,300.000 Menschen einwandern. Aber Transjordanien ist für jegliche jüdische Einwanderung gesperrt... Dieses Nachbarland, das wir heute nur als harmlose Touristen betreten dürfen, bietet dir so viel des Bedeutungsvollen wie kaum ein anderes Gebiet. Die machtvollen Ruinen der alten Zeit, von der Felsenstadt Petra im Süden bis Bosra im Norden, Philadelphia- Amman und dem unvergleichlichen Gerasa; solch einzigartige Stätten religiöser Erinnerung, wie der Gipfel des Nebo, wo Gott , Moses zu sich nahm, . nachdem er ihm in einem Blick das verheißene Land gezeigt hatte, oder die Jabbok-Furt, wo Jakob mit Gott kämpfte, oder die Niederung am Südende des Salzmeeres, wo Sodom und Gomorrha standen, bis sie um ihrer Sünden - willen zugrundegingen; und neben diesem allen, neben Burgen, Amphietheatern, Triumphtoren, Tempeln und Säulen, die allein genügen sollten, um eine reiche Fremdenindustrie hervorzurufen, die Wüste, die wirkliche, echte Wüste mit ihren Beduinen, die zeltenwandern, streifen und kämpfen wie zu Abrahams oder Mohammeds Zeiten. Es ist ganz sonderbar: Du hast deinen Lunch noch bequem im Hotel zu Jerusalem verzehrt, mitten in dem Getriebe europäischer Technik, Politik und Wirtschaft, und dein Abendbrot nimmst du in einer anderen Welt, zwischen dem von Säulenhallen umgebenen Forum von Philadelphia und El Hamad, der Steppe der Arab Beni Sachr. Und ehe du zu Bett gehst, brummt das große Flugzeug der Imperial Airways (Jerusalem—Bagdad—Indien) über deinen Kopf hin. Dieses Land ist schön. \ Die. Felsgebirge des Südens mit ihrem röten und gelben und braunen Farbenspiel — .Lawrence hat im „Aufstand in der Wüste" eine prächtige Schilderung davon gegeben — und die weiten Steppen des Ostens; die sanften und doch ernsten Hügel Gileads, noch reichlich bewaldet, und die Lavawüsten des Hauran; es ist eine höchst wechselvolle, bunte Szenerie, und immer ganz unvergleichbar, immer einzigartig. Und dieses Land ist fruchtbar und könnte reich sein. Hier hat sich nichts geändert, seit Fischer in seiner Wirtschaftsgeographie von Syrien (1919) schrieb: „Die .fruchtbare Lavadecke, die in verschiedenen Teilen Galiläas auftritt, gewinnt nach Osten hin an Breite und nimmt fast den ganzen Dscholan und Hauran, sowie Teile des nördlichsten AdschJun ein. Fast ganz ohne Anbau, aber dafür sehr geeignet ist die Terrasse von el-Medscbamia; hier in der Ebene el-Ebteha am Nordostufer des Tiberiassees könnte ein höchst fruchtbares Gebiet von über 80 km2 de^r Kultur erschlossen werden. Den Vorzug des steinigen Dscholan bilden die üppigen Weidegründe. Der südliche Dscholan ist eben und nicht so steinig, der Lavabodeh überaus fruchtbar; und ertragreich an Weizen, Gerste, Mais und Sesam. Im Adschlun liegen die Gebiete des Getreidebaus im Osten. Der beträchtliche Weinbau im westlichen Teil dient der Rosinenhersteilung; Kafrindschi allein erzeugt jährlich 50.000 kg Rosinen. In der ganzen, Hauran-Ebene ist die Lavadecke tiefgründig verwittert, der schwere und überaus fruchtbare Boden vor, allem für Weizen geeignet. Ruppin schätzt . die Weizenproduktion des Hauran und seiner Nachbargebiete auf etwa 150.000 Tonnen. Ohne Mühe erzielt man einen zwanzigfachen, in besonders günstigen Jahren sogar 40—50 fachen Ertrag. Erst von Herodes dem Großen unter den Pflug gebracht, wurde der Hauran die Kornkammer Syriens, verödete aber später vollständig durch die Muslimen. Mit der Ebene wetteifert an Fruchtbarkeit das Hauran-Gebirge. In der Belka finden „wir blühenden Acker- und Weinbau; durch die südliche Belka und weiterhin durch ganz Moab erstreckt sich ein großes, fast lückenloses Ackerbaugebiet." Du bist von der Jordansenke die wilde Gebirgsstraße lä!ngs des von üppig blühendem Oleander strotzenden Wadi Nimrin nach der weiß auf der Bergkuppe horstenden Stadt Es Salt gefahren, von 400 Meter unter bis 800 über dem Meeresspiegel; du fährst die gute Chaussee über rollende Hügelketten, meist unbebaut, bis zu dem Tscherkessendorf Es-Suelih, dessen blonde Bauern die Umgegend fleißig bearbeiten, und nordwärts den steilen Bergsturz hinab in die Ebene Bukea, von wenigen Gehöften aus spärlich bebaut, a,ber äußerst fruchtbar; wenn du nun bis an die Furt des Jabbok gelangen willst, stürzt du' dich in die Engschluchten schmaler Wildbäche und überschreitest dann, hoch über der. abgründigen Klamm des' Wadi Er-Rumemin das breitkuppige Gebirge der nördlichen Belka. Du passierst ein einziges Dorf, Er-Rumman, und siehst ein zweites, ganz kleines, in der Ferne; rings um das Dorf liegen sorgsam bebaute Felder, aber das übrige Land, soweit dein Blick von der luftigen Höhe über Täler und Hügel reicht, ist leer, unbebaut. Gerade in den Tagen, da ich dies schreibe, lese ich, daß die Palästina- Regierung transjordanischen Beduinen den Übertritt auf westpalästinensisches- Gebiet gestattet, da die Trockenheit dieses Jahres die Weidegründe jenseits des Flusses fast vernichtet hat. Es ist. nicht heuchlerische Phrase, wenn ich sage, daß ich die Verpflichtung, jenen Hirten zu helfen, tief fühle, aber zwei Gedanken kann ich nicht unterdrücken. Sechs Menschen siedeln auf dem Quadratkilometer dieses fruchtbaren, ungenutzten, von möglichem Reichtum strotzenden Landes — und seine Regierung ist nicht einmal fähig, es> soweit zu entwickeln, daß es diese wenigen Menschen ernähren kann, imd das Nachbarland, dessen Verwaltung über BodenmangeL jammert, muß die Hilfesuchenden aufnehmen. Und ein zweites: Trans jordanien sperrt sich restlos für jüdische Einwanderung; aber auch die Regierung Westpalästinas, die doch dort die Errichtung eines „nationalen Heims" für das jüdische Volk zu fördern beschlossen und sich verpflichtet' hat, diese Regierung prüft jeden jüdischen Touristen, der sein Visum nach strengster Untersuchung durch ejn britisches Konsulat erhalten hat, bei der Ankunft in einer erniedrigenden, entwürdigenden, für beide Teile schmählichen Prozedur darauf hin, ob er nicht, Gott behüte,' verdächtig ist der Absicht, sich ständig hier niederzulassen, Kapital, Arbeitskraft und Initiative , ins Land zu bringen und zu der märchenhaften Entwicklung dieser Oase in der Wüsteder Wirtschaftskrise beizutragen; aber von jenen Horden halbverhungerter, zerlumpter Beduinen, ohne Kapital, ohne Arbeitskraft und Willen, ohne Initiative, verlangt sie weder Paß noch Visum...

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.