Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 10 (1933)
- Issue
- Heft 4 (27.1.1933)
- Date
- 1933-01-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2641551-2641667-2641671--627-2642632- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
27 . Jänner 1933 DER JÜDISCHE ARBEITER Seite 5 rer gerieten in einen Machtrausch, sie wähnten min, das Bürgertum für alle Zeit niedergerungen zu haben und meinten, es könne der Sache des Proletariats nur nützen, wenn wir an der Seite des Bürgertums mitregieren. Eine neue Variation des Bürgfriedens. Da kam Max Adler und wies auf den Unterschied zwischen politischer und sozialer Demokratie hin, und warnte vor einer Überschätzung unserer politischen Macht im Staate, solange der Kapitalismus seine Grundlage bildet. Auch die Einstellung Max Adlers zu Sowjetrußland, mit welcher er noch vor einigen Jahren völlig vereinsamt dastand, wird nach und nach Gemeingut aller denkenden Sozialisten. Daran kann natürlich der Umstand, daß einige kommunistische Journalisten es als ihre Pflicht erachten mit besonderer Vehemenz über Max, Adler herzufallen, auch nichts ändern. Wir sind darauf stolz, daß dieser selbständig denkende sozialistische Lehrer unseren Bestrebungen so freundlich gegenübersteht. In der Sympathie Max Adlers für den sozialistischen Zionismus erblicken wir die Hoffnung, daß unsere Bestrebungen die Sympathie und die Unterstützung aller wahrhaft sozialistischen Menschen erobern werden. Möge es dem beliebten sozialistischen Lehrer beschieden sein, recht viele Jahre mit unverminderter Kraft und Ausdauer der Idee des Sozialismus den Weg zur Verwirklichung zu bahnen. Möge es ihm und uns beschieden sein, die Vollendung unseres Aufbauwerkes, des arbeitenden Palästina, für welches auch Max Adler so viel Liebe und/Interesse bekundet, zu erleben. M. S. Letzte Nachrichten Rand am Transjordanien Jerusalem, 24. Januar. (J.T.A.) Die hebräische Presse Palästinas bezeichnet es heute zum ersten Mal als eine feststehende Tätsache, daß von jüdischer Seite ein bindendes Abkommen mit dem Emir Abdullah von Transjordanien betreffend Pacht von 70.000 Dun am Boden in Transjordanien für eine Dauer von 99 Jahren getroffen worden ist. Seitens der Jewish Agency in Palästina wird erklärt, daß diese Meldung der hebräischen Presse unrichtig sei; die Jewish Agency werde in diesen Tagen zu dieser ganzen Angelegenheit in einem Kommunique Stellung nehmen. „AI Jamea el Arabia", das Organ des Mufti von Jerusalem Haj Amin el Husselni, hält an der Richtigkeit der Mitteilung über ein Bodenpacht-Abkommen zwischen einer jüdischen Gesellschaft und Emir Abdullah fest und erklärt, dieses Abkommen sei eine „zweite Balfour-Deklaration". 8819 Juden sind 1932 in Palästina eingewandert Jerusalem, 24. Januar. (J. T. A.) Wie das Einwanderungsbüro der Jewish Agency mitteilt, sind i. J. 1932 8819 Juden in Palästina eingewandert, unter ihnen 3339, die als Touristen ins Land kamen und nachträglich von der Regierung die Erlaubnis erwirkten, dauernd im Lande zu verbleiben. Unter den jüdischen 'Einwanderern von 1932 befanden sich auch 892 Personen, die sich über den Besitz privater Mittel ausweisen konnten; 491 davon stammen aus den Vereinigten Staaten von Amerika, Zentrales jüdisches JugenderöHnet Berlin, 24. Januar. (J.T.A.) In der Oranienburgerstraße hat die Jüdische Gemeinde zu Berlin das erste zentrale jüdische Jugendheim eröffnet. Es umfaßt 12 verschieden große, schön ausgestattete Räume, eine Kinderlesestube, in der eine Hortnerin beschäftigt sein wird, ein Musikzimmer und eine Badeeinrichtung für Hortkinder. Der Selbstverwaltung der Jugend unter Führung* des aus der Jugendbewegung hervorgeganen Heimleiters ist weiter Spielraum gewährt. Eine Unverfrorenheit Jerusalem, 24. Januar. (J.T.A.) Die Palästina-Regierung teilte dem Waad Leumi mit, daß sie die Gehälter, die den Lehrern an den hebräischen Schulen in Palästina gezahlt werden, für „zu hoch" hält und daß sie deswegen einen Teil der Subventionssumme, die sie dem hebräischen Schulsystem gewärt, zurückbehalten und zur Beschaffung zusätzlichen Inventars für die jüdischen Schulen verwenden wolle. In der letzten Sitzung des Waad Leumi fand über diese Ankündigung der Palästinaregierung eine Aussprache statt. Der Zuschuß der Palästina-Regierung zum hebräischen Schulsystem beläuft sich auf jährlich über 20.000 Pfund; das Gesamtbudget des hehr£'sehen fMHs^ßtciPS, für <*^s .f^^fc der Waad Leumi verantwortlich ist, betrifft über 100.000 Pfund. Minister Derer zur Wahlrelorm Prag, 24. Jänner. Nach einer Rede des Abg. Dr. Goldstein in Budgetausschuß, in der die jüdischen Schulforderungen an die Regierung formuliert wurden, erklärte der Unterrichtsminister Gen. Derer, daß er für eine Demokratisierung des Wahlrechtes in den Kultusgemeinden Sorge tragen und sich persönlich auch für die weitere Entwicklung des hebräischen Schulwerkes einsetzen werde. Wiener Polizei wird von Nazis gereinigt Wien, 22. Januar. (J.T.A.) Polizeipräsident Dr. Brandl veröffentlicht in der „Reichspost" eine scharfe Warnung an jene Polizisten, die sich nationalsozialistisch betätigen, und kündigte ihre Entlassung aus dem Polizeidienst an. In einer Partei, schreibt Brandl, die Gewältakte gegen Staatsbürger billigt und entschuldigt', hat kein Polizist etwas zu suchen. Der Wiener Gauleiter der Nationalsozialisten, Frauenfeld, kündigt nun dem Polizeipräsidium offenen.. Kampf an. Man erwartet drastische Maßnahmen zur Wiederherstellung der inneren Geschlossenheit des Wiener Polizei- Korps. An unsere Abonnenten In Deutschland Unserer heutigen Deutschland-Auflage liegen Zahlkarten bei. (Postscheckkonto 109.937 M, Neustadt, Poale Zion, Berlin C 2.) Wir ersuchen, sie zur Überweisung der Abonnementsgebühr zu benützen. Sie beträgt RM 750 jährlich, RM 4*— halbjährlich. kennung der Bestrebungen der Poale Zion ausklang. Die Rede erregte allgemeines Aufsehen und rief lebhafte Begeisterung hervor. Wir werden über diese Veranstaltung noch genauer berichten. * Die Wiener „Arbeiterzeitung" schreibt zum Jubiläum unseres Verbarides: Die Organisation des der Sozialistischen Arbeiter - Internationale angeschlossenen jüdisch-sozialistischen Weltvevbandes Poa 1 e Zion feiern den fünfundzwanzigjährigen Bestand ihres Verbandes. In den Jahren 1907/08 wurde der Weltverband Poale Zion gegründet. Bis. zu diesem Zeitpunkt bestand kein organisatorischer Kontakt zwischen den Poale Zion der verschiedenen Länder, obwohl sie alle dem gleichen Ziel zustrebten, der Anerkennung des Rechtes der jüdischen Massen auf ihr Eigenleben und der Umgestaltung der Struktur des jüdischen Volkes, indem es in Palästina in ein Volk schöpferischer Arbeit verwandelt werden soll. Unter dem Eindruck der Reaktion, die im zaristischen Rußland auf die Revolution des Jahres 1905 folgte, wuchs der Strom der jüdischen Wanderung na Palästina aber insbesondere über den Ozlfan ungeheuer an. Die Wanderbewegung brachte die Poale Zion. der verschiedenen Länder einander näher. 'Der Weltverband Poale Zion strebte gleich nach seiner Gründung die Aufnahme in die Internationale an. Durch diej Ereignisse des Weltkrieges auf dem Kriegsschauplatz im Osten wurde di^e Jiidenfrage vor aller Welt aufgerollt,, un'd auch die' sozialistischen Parteien beschäftigten sich mit ihr. Schön bei' deW ersten Versuchen nach dem Krieg,5 die sozialistische Internationale wieder-: auszurichten, wirkte der Weltverband Pqale Zion mit. Seit ihrer Gründung gehört er auch der Sozialistischen Arbeiter-Internationale an, •■ Mitteilungen aus dein Leserkreise Zahnarzt Dr. O. SCHICK, Brünn, KoliätS IT, ord. 9—12, 14—18. Tel. 35.402» Dr. K. HUTH, Fächarzt für Häuts Ge? schlechtskrankheiten und Kosmetik, Brünn, Beethovengasse 4 (Böhm. Unionbahk). OftL 9—1. M3—ya6. Tel. 34.505. MUDr. ERNEST SPITZ, Facharzt für inner* Medizin, Herz- und Gefäßkrankheiten, Brünn, Öesika 1. Telephon 34.183. Gewesener Externarzt der Klinik Wenckebach, Wien, gewesener Vorstand der Herzstation des Prießnitz-Sanatoriums in Gräfenbsrg. Haut-, Geschlechtskrankheiten, Kosmetik. DR. GEORG SCHALLINGER, (langj. klin. Arzt d. I. Univ.-Hautklinik in Wien.) Ord. 8--76, Palackystr. 22, gegenüber Bahnhof, neben Grand-Hotel. Kampf gegen die Grippe! Bester Grippesehutz durch gründliche Desinfektion der Mund- und Nasenhöhle, der Kehle, sowie aller Atmungsorgane durch Mentholfranzbranntwein Alpa. Gurgeln Sie und spülen Sie den Mund mit verdünntem Alpa. Einige Tropfen genügen für ein Wasserglas. Das Einatmen des unverdünnten Alpa wirkt ausgezeichnet. Zerstäuben Sie Alpa in Wohn- und Gesellschafträumen. Hiedurch gründliche. Luftdesinfektipn. caf£ ESPLANADE BRUNN Schwedengasse Das vornehme jüdische Familienlokal Tel. 10.417, 10.418 Herren'Kleiderhaus Johann Dostäl,; Brünn-Schimitz, U stavu 31 Rudolf Lachowitzer, Brünn, Neutorg. 14 Füllfedern — Reparaturen aller Systeme Aut> det X Sokolow ehrt Melchett. Zu Ehren von Lord Melchett fand am 17. Januar in Jeru- •saileni; ein Bankett statt, dem Beamte der Regierung und Mitglieder der Jewish Agency beiwohnten. Nahum .Sokolow, Dr. Ghaim Arlosoroff und Dr. David1 YeJÜn rühmten Lord MeUßhetts Hinsrabe mi die jüdische Sache. X Iiidustrie-Zonne in Tel Awiw. Der Bürgermeister von Tel Awiw Meyer Dizemgoff ibegibt sich demnächst nach England. Sein Besuch steht in Zusammenhang mit dem Plan der Schaffung einer Industrie-Zone in Tel AAviw; die den wachsenden Bedürfnissen dieser Stadt entsprechen soll. Heute befinden sich mehrere Fabriken im Herzen der Stadt, was dem Stadtbild Abbruch tut. Diese Fabriken, sollen in die neue Zone verlegt werden, die außerhalb der Stadt angelegt wer- > den soll. Eine Verwirklichung dieses Planes wird auch eine Entspannung in den Bodenpreisen mit sich bringen. Grandiose Kundgebung der Wiener Poale zion Max Adler spricht mit Begeisterung über den Poalezionismus. Im Festsaale der gastgewerblichen Arbeiter in Wien fand Sonntag den 22. Jänner eine große Feier statt, die dem 25 jährigen Jubiläum des Weltverbandes Poale Zion und dem Andenken Her Borochows gewidmet war. Diese Feier gestaltete sich zu einer grandiosen Kundgebung für die zionistischsozialistische Idee und Bewegung. Unter den zahlreichen Anwesenden, die den Saal bis auf den letzten Platz füllten, sah man auch in "Vertretung der Wiener Kultusgemeiride Herrn Präsidenten Dr. Friedmann und Herrn Vizepräsidenten Dr. Löwenstein, in Vertretung der soz.- dem. Partei und des Wiener Vorstandes Nationalrat Gen. Pölzer, Max Adler hielt eine große Rede über den Sinn der sozialistischen Internationale, welcho 'in einer roRrlojwn Aner- Belcannfe Qualitäfsschuhe fertig und nach Mafj ©mallen Sie bei FERRY GRAUMANN, BRUNN, Rennergasse 10 Bialik und das arbeitende Palästina -Es soll vorweggenommen werden: der Dichter Bialik hat kein Ohrfür die sozialen Leiden und Hoffnungen des jüdischen Arbeiters, er ist der große prophetische Dichter, des nationalen Erwachens,. welchem die sozialen Differenzierungen innerhalb dieses historischen Prozesses nicht sichtbar waren. Dennoch ist Bialik bei aller unpolitischen Einstellung dem arbeitenden Palästina am nächsten. Und zwar nicht zufällig*, sondern folgerichtig. Der Träger der von Bialik ersehnten Wiedergeburt des jüdischen Volkes in seinem Lande ist , die jüdische Arbeiterschaft. Sie verwirklicht durch ihr Leben jenes hohe Ziel, welches Bialik vor Jahrzehnten mit Seherblick geahnt hat. Die organisierte jüdische Arbeiterschaft im Lande hat auch in ihrem Aufgabenkreis die Eroberung der geistigen nationalen Güter für die Masseh der jüdischen .Bevölkerung, und das Schaffen Bialiks bildet einen wesentlichen Teil dieses nationalen Kulturschatzes. Es ist deshalb nur natürlich, daß in der großen Tagung der „Histadruth" (Allg. Jüd. Arbeiterorganisation in Palästina) ein Tag dem Jubiläum Bialiks eingeräumt wurde; es ist gewiß kein Zufall, daß Bialiks „Techsaknah" ein Lied des arbeitenden Palästina geworden ist, und die Revisionisten es als Klassenkampflied bezeichnen. Der Prophet des nationalen Erwachens unseres Volkes mußte den Weg zur Arbeiterschaft, zum wichtigsten Trp's'pr diop^r Idee finden. "Wtgfic* Ütganrntien Gesprochene Zeitung. Die Verlesung dernächsten Nummer der „Gesprochenen Zeitung" findet Donnerstag, den 2, Feber, um 8 lihi statt. Die Nummer ist dem Bialik-Jubiläum. gewidmet. Arbeitsgemeinschaft für Probleme des so-' zialistischen Zionismus. Die Zusammenkünfte 'findet fortab jeden Mittwoch statt. Die Arbeitsgemeinechaft ist- «jedem-'fnei zugänglich. Kreis, für Hebräisch sprechende (Chug Iwri). Die erste Zusammenkunft dieses, Kreises findet Siamstag, den 28. Jänner,' um 8 Uhr Statt. ' '• - : , '. - : :.. ." . Schachklub „Hapoel". Spielzeiten: Sonnitag vormittag und Donnerstag abend. Für warm: geheizten Kaum im Heim 2, Blumauergaese Ii ist gesorgt. ' Mitteilungen des Verbandes sozialistischer Juden . Konstituierung des Klubs der Mandatare. r Sonntag den 21. Jänner fand! die ^konstituierende'Sitzung des Klubs der sozialistischen; Mandatare m der Wiener Kultusgemeiride statt. Nach Berichten der Gen. Maier, Dr;. Glanz und Lustig fand eine eingehende -Debatte übeakünftige Arbeitsgebiete und Auf-, gaben des Klubs statt. Gen. Dr. Glanz wurde' zum Obmann, Dr. Spitzer zum . Vizeobmann des isoz. ,Ma.ncliutai'Jdubs gewählt. . . ..• Delegierten ta g. Der Vorhand der „Sozialistischen Juden", beruft seinen diesjährigen Delegiertentag für. den 4.' und 5. Feber 1933 ein. Die Tagesordnung lautet: ' ' 1; Eröffnung und Begrüßungen, ' 2. D r. Sokial: Die Aufgaben. des. VerV band es. 3. Berichte. ' '. 3. Vorschläge und Anträge. 5. Neuwahlen. . 6. Eventualis-. Ort und Stunde wird) den Bezirksgenotesen - schriftlich mitgeteilt. Ortsgruppe VI—VII. Dienstlag, den 31. Jänner, 8 Uhr Abend im . Cafe Kancllhof, VII., Kaiserstraße 61 . Vollversammlung. Tagesordnung: 1. Tätigkeitsbericht. 2. Neuwahl der Ortsgruppenleitung. . 3. Allfälliges..... Referenten: Dr. Fritz Spitzer und Mendel Singer. \ 0 Organisationsgründling in Baden bei Wien. Samstag, deoi 14. Jänner sprach Gen. Mendel Singer auf Einladung des ..Jüdischen Klub" in Baden bei Wien über „Sozialismus und Zionismus". Vor einem überfüllten Saal entwickelte der Referent die thearetisohen und praktischen. Forderungen des soziolisti--. sehen Zionismus und den reaktionären lind antinationalen Charakter des Revisionismus.' In der Debatte sprach dn Mißrachist. und ein. Revisionist, welche vom Referenten, die gebührende Abfuhr erhielten.. ..... Dem Vortrage ging; eine Besprechung des Genossen Singer mit ©mein Kreise unserer An*: hänger voran. Es ist zu erwarten, daß in den nächsten Tagen die Gründung einor Ortsgruppe w prrr Or^Tin'.- vtion e^-h'^n \v'v1,