Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 10 (1933)
- Issue
- Heft 3 (20.1.1933)
- Date
- 1933-01-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Saite .4.* DER JÜDISCHE ARBEITER 2fc Stauet 1ÖS« s Nftme« d^s Zionfemuft ßchüt^fl müsseiif damit sie im Kampfe des jüdischen Arbeiten in Ere* Israel um sein soziales Niveau, nicht ein Instrument der 'Ausbeuter und ein Objekt der Ausbeutung' werdet« Das revisionistische Geschrei zeigt sich da in ganz eigenartigem Lieht Übrigens ist es immer ratsam, dieso genannten politischen Ereignisse -nach inren e o 2 i a l c n M o t i v e n zu prüfen. AuiUitiemSkwegung .0 Lettland« Unsere Partei war in diesem Lande in den letzten Monaten völlig durch den Kampf um das jüdische Schulwesen in Anspruch genommen, das den Inhalt der nationalen Autonomie des lettländiachen Judentums bildet. Es handelte sich um die gesetzliche Festlegung der Frage, in welchen Sprachen Schulen geführt werden "dürfen, die staatliche Unterstützung erhalten sollen. Während von assimilierter Seite versucht wurde, den Begriff der „gesprochenen Sprache" zur Grundlage des Gesetzes, zu machen (was sich auch auf russisch und deutsch bezogen hätte), vertrat die Partei den Stand- Eunkt, daß nur Schulen, mit jiddischer und ebräisCher Unterrichtssprache Institute der nationalen Autonomie sein können. Der Kampf wurde nicht. nur gegen den „Bund", sondern auch gegen den bürgerlichen Zionismus geführt. 0 Belgien. Hier konzentrierte sich die Arbeit der Partei in den vergangenen Monaten auf die Wahlen in die Stadträte. Unsere Genossen, von denen drei auf der Liste der belgischen Arbeiterpartei kandidierten, sprachen;in mehreren Versammlungein dieser Partei, mit der überhaupt in den letzten Wochen die Beziehungen intensiviert wurden. Neben dieser Tätigkeit wurde besonderes Augenmerk der Reorganisierung der Gruppen in Antwerpen und Brüssel, der Sicherung des Budgets für die Arbeit des belgischen Sekretariats und für die Herausgäbe der ausgezeichnet redigierten jiddischen Wochenschrift „Volk und Arbeit" zugewehdeit. Die Partei setzt mit ihrer Tätigkeit jetzt in allen Städten ein, in denen jüdische Arbeiterbevölkerung lebt? Immer neue Mitglieder fließen infolge der verzweifelten Lage in der Diamanten-) Marokin-Industrie, Kleiderkonfektion und Pelzindustrie der Partei zu. Der Sieg der sozialistischen Liste bei dem oberwähnten Wahlen ist nicht zum geringsten Teil auf die Tatsache zurückzuführen, daß 80% aller jüdischen ■ Wähler dieser Liste ihre Stimmen gaben. . 0 Frankreich. Die Vereinigung der Partei in Frankreich ist noch nicht beendet. In einer unter Beteiligung des Sekretärs Gen. Reiss abgehaltenen Beratung wurden die wichtigsten Streitfragen zu einer Klämng gebracht, so daß nur noch formelle Hindernisse bestehen, die aber zweifellos bald überwunden sein werden. Bekannte Qualitäfssehuhe fertig und nach Maft erhalten Sie bei FERRY GRAUMANN, BRUNN, Rennergau» 10 Fahrräder „SPLENDID" Nähmaschlnen.MINERVA Auto-, Moto-, Velo-Bestandtelle Elektromaterial ERWIN BICK, Brunn, Neutorgasse 1 SPEOrAL-llEPAHATURWEKKSTÄTTE FÜR SÄMTLICHE SCHREIB. UND RECHENMASCHINEN OTTO ZAMEÖNIÖEK ' Meobanikermelater BRÜNN, HYBESOVA 9. Telephon Nr. 35.301. — (3 Minuten vou Bahnhof links.) Was isr Poaic-zionlsinus??on Den Locker. Vt ' - x Wir sind Sozialisten, und gefade darum kämpfen wir in Allen Ländern gegen jede Form der Unterdrückung unseres Volkes. Sozialismus vertragt nicht na* tionale Unterdrückung, weil er überhaupt mit keiner Form von Unterdrückung vereinbart ist. Nationale Unterdrückung schafft Verbitterung, Chauvinismus, verwischt die Klassenunterschiede, schwächt die soziale Kampfkraft der Massen. Indem wir den nationalen Kampf der Massen führen, gewinnen wir sie gleich» zeitig für unsere sozialistischen Ideale. Wir sind Sozialisten* und gerade darum sind wir Zionisten, weil der Zionismus : der direkteste Weg für die Herrschaft des Sozialismus im jüdischen Leben ist. Erst durch den Zionismus wird in unserem Volk jener Arbeiter- und Menschentyp geschaffen, der den stärksten Träger sozialistischen Kampfes und sozialistischer Verwirklichung darstellt. Ein Volk, in dem der Händler, Makler und Luftmensch einen so breiten Raum der Berufsskala einnehmen; eine Arbeiterklasse, die klein an Zahl und dazu fast ausschließlich auf Schneiderei, Schusterei, Tischlerei und ähnliche Zweige der „letzten Produktionsstadien" beschränkt ist; ein solches Volk und eine solche Arbeiterklasse können nur einen sehr bescheidenen Beitrag Zum Kampf für den sozialistischen Umbau der Welt beisteuern. Nicht; der Schneider, nicht der Schuster, nicht der Tischler sind die wesentlichen Träger der Arbeitermacht und der sozialen Revolution, sondern der Landarbeiter, der Bergarbeiter, der Maschinenbauer, der Eisenbahner — alles Arbeitszweige, .in denen es in den Ländern der Diaspora fast gar keine jüdische Arbeiter gibt. Diesen Arbeitertyp schafft der Zionismus im Prozesse seiner Verwirklichung. Er hat den jüdischen Landarbeiter, Steinhauer, Chausseen- und Brückenbauer, Eisenbahner, Elektrizitätsarbeiter usw. geschaffen.* Zwei Drittel der mehr als 30.000 Arbeiter in Palästina sind in Berufen beschäftigt, die in der Diaspora fast vollständig fehlen. Nur in dem Verwirklichungsprozeß des Zionismus konnten die kollektivistischen Siedlungen (Kvuzoth) und die auf der Selbstarbeit beruhenden genossenschaftlichen Kolonien (Moschavim), die Kooperationen und Produktionsgenossenschaften, die zentrale Arbeiterorganisation (Histadruth ha ovdim) mit ihrem reich verzweigten Netz von Kampforganen und Aufbauinstituten, mit ihrem gewaltigen geistigen und moralischen Prestige in Palästina und der ganzen jüdischen Welt geboren werden. f Wer hat in kaum zehn Jahren das .. wüste Land in eine Hochburg sozialistischen Schaffens, in ein Experimentierfeld des internationalen Sozialismus verwandelt? Wer hat das spezifische Gewicht des sozialistischen Gedankens in Palästina stärker gemacht, als in irgend einer anderen jüdischen Siedlung der Welt? Die Antwort ist klar: Der Zionismus.;VV-'v.. >VII. - Wir sind Zionisten und gerade darum kämpfen wir für die höchst mögliche Renaissance der jüdischen Volksmassen in den Ländern, der Diaspora. Nicht nur, > weil es uns klar ist, daß ein sehr bedeutender Teil des. Volkes immer außerhalb Palästinas leben wird, und weil uns dessen Schicksal teuer ist. Sondern auch deshalb, weil wir zu tiefst überzeugt sincl und es die bisherige Erfahrung bestätigt hat, daß gerade die national gesündesten Teile des Volkes den Willen zu einem vollen nationalen Leben, die Vision Höchster Freiheit und Schaffensmöglichkeit am stärksten in sich tragen. Man bralicht nur die Rolle des polnischen Judentums im Aufbau Palästinas mit der des englischen oder holländischen zu vergleichen, um die Richtigkeit diesesi Gedankens zu erkennend Wir sind, Zionisten, und gerade darum sind wir Sozialisten. Der richtig verstandene Zionismus ist schon in seinem Wesen tief sozialistisch. Denn er ist nach einem Worte Herzls, die große Arbeitsgelegenheit für das jüdische Volk. Der wahre Sinn, des Zionismus ist, das Volk der Händler, Makler, Doktoren und im besten Falle Schneider in ein Volk produktiver Arbeit zu verwandeln, das in allen vorhandenen und noch zu schaffenden Produktionszweigen des Landes verwurzelt sein soll. Alle anderen Seiten des Zionismus, politische, kulturelle, rassenhygienische u. ä. ergeben sich dann schon;von selbst. Verwirklichung des Zionismus bedeutet nicht einfach Verpflanzung eines Volksteiles nach Palästina, so wie er gerade geht und steht. Sie bedeutet vor allem eine radikale Revolution im Leben dieses Volksteiles, eine vollständige Änderung seiner sozialen Struktur und seiner ganzen Lebensweise. Und das ist gar keine einfache Aufgabe. Jahrhunderte alte Tradition, das physische und psychische Erbe vieler Generationen, muß überwunden werden. Hierzu ist natürlich vor allen Dingen die Jugend berufen. Und es ist klar, daß sie nicht imstande wäre, die gewaltige moralische Kraft, die dazu nötig ist, aufzubringen, wenn damit nicht verbunden wäre die Vision voller jüdischer Freiheit, also Freiheit des Volkes von äußerer Unterdrückung, aber auch innere Freiheit im Volk selbst. Mit anderen Worten: die Vision eines Volkes der freien Arbeit, ohne Ausbeutung, ohne Kapitalisten und Lohnsklaven. t, (Wird fortgesetzt.) Die einfektion beruht stets auf der verminderten r Widerstandsfähigkeit des Or- . ganismus. Stärken Sie . deshalb Uhren Körper durch andauernde Massage. Die Grippe bekämpfen Sie erfolgreich mit Menthol-Franzbranntwein. . Eine.^folgerichtige Desinfektion des Mundes, der Nasenhöhle; und > vder Atmungsorgane mit Alpa ist der beste Schutz gegen Grippe. Das Einatmen von unverdünntem Alpa ist von wohltuender Wirkung. In den Wohnräumen; zerstäubter Alpa desinfiziert die Luft. Beraten Sie sich mit dem Ärzte I CAF-fi DRÄPAIi OLMÜTZ, Ilovliiekgasse 23 In- und ausländische Zeitschriften Gut kaufen Sie . nur beim Erzeuger ANT. KYSELY, OLMÜTZ, Moritzplatz 19 Elegante Anzüge nach Maß verfertigt Tel. 486 JOSEF HAVEL, Olmütz, TÄ1 Große Answabl von inarid ausländischen Stoffen caf£ ESPLANADE BRÜNN Schwedengasse Das vornehme jüdische Familienlokal Tel. 10.417, 10.418 Pas Tempo unserer ZcH Äußert sich auch im Bereiche der Küche* Die Zeiten sind vorüber, da sich unsere Hansfrauen ohnedie Errungenschaften, welche bereits für uns unentbehrlich sind, behelfen konnten. Alles stets ziir Handl Das kann man nur ron Euchen behaupten, in welchen unser neuestes Erzeugnis AMERIKA steht. 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Sie suchten eine Zuflucht in Cayenne, das damals in holländischem Besitz war, aber 1664 von.den Franzosen erobert wurde, worauf die Juden wieder zum * Wanderstabe greifen mußten. Da wurde ihnen endlich eine Zufluchtstätte besohiedeny welche ihnen dauernden Aufenthalt gewähren sollte. Sie zogen nach Surinama, wo schon um 1661/62 eine jüdische Gemeinde gegründet worden war und schufen eine Niederlassung, welche die äjteste jüdische Siedlung in Amerika darr stellt, die ihren Bestand bis auf, den heutigen Tag hat erhalten können. Die erste Niederlassung von Juden in Surinama muß um das Jahr 1639 herum stattgefunden haben, denn es existiert heute noch eine Ketuba, der zufolge am 14. Ellul des Jahres 5403 (also 1643) eine Ehe nach jüdischem Kitus in Surinama geschlossen . wurde. Die jüdische Siedlung wurde durch den Zuzug englischer Juden etwa im Jahre 1659 verstärkt und schließlich durch die oben, erwähnten Juden aus Cayenne. ' Die jüdische Siedlung konnte natürlich nur gedeihen, wenn von den Machthabers der nötige Schutz und genügend Freiheit gewährt wurde. Beides wurde den Juden in diesem, für damalige Verhältnisse soweit abgelegenem Teil der Erde, in vollem Maße zuteil. Schon im Jahre 1659 wurde zu Händen von David Nassy (die Familie der Nassy spielte eine lange Zeit eine bedeutende Rolle) ein „Reglement von Freiheiten" erteilt, in weichem es unter anderem heißt: : '..... " „Die Juden sollen ferner genießen: Freiheit des Gewissens, mit öffentlicher Ausübung in Synagoge und Schule, wie es bei ihren, Leuten in der Stadt Amsterdam üblich ist, zufolge der Lehre ihrer Vorfahren, ohne irgendwelche Behinderung, sowohl innerhalb des Distrikts dieser, Kolonie, als auch ah anderen Plätzen unserer Domänen und das mit allem' Rechtsschutz und allen Freiheiten, welehe unsere eingeborenen Bürger genießen." Diese Privilegien wurden von der Holländischen Westindischen Compagnie erteilt, als .sie die Herrschaft über Cayenine innehatte. Diese Urkunde muß als die Verfassungs-Grundlage für die jüdische Siedlung in Surinama angesehen werden. Als. die Engländer später von Surinama Besitz ergriffen, erneuertem sie die Privilegien, worüber eine Urkunde aus dem Jahre 1665 existiert. Darin wird den Juden außer der allgemeinen Religionsfreiheit Schutz für das Feiern des Sabbaths und der jüdischen Feiertage zugesichert. Ferner durften Juden Zahlungstermine, Termine des Gerichtes und des Magistrats ohne jeden Rechtsnachteil am Sabbath und an Festtagen versäumen. Sie erhielten das Recht, eigene Synagogen und Schulen zu errichten, sowie kleinere Recbtsstreitigkeiten von einem selbstgewählten Senat in rechtsbindender Form entscheiden zu lassen. Im Genuße solcher Freiheiten entwickelte sich ein reges jüdisches Leben in diesem amerikanischen Kolonialland. Schon umi 1670 h,erum wurde die erste jüdische Synagoge errichtet, von der jedoch keine Spuren mehr zu finden sind. Dagegen hat die zweite Synagoge eine längere Lebensdauer gehabt. Sie wurde 1685 unter dem Namen;,Berachach [ weschalom" eingeweiht und 180 Jahre lang, bis 1865 benutzt. Ihre, allerdings baufälligen, Reste stehen noch heute und ein Komitee bemüht sich, dieses eigenartige jüdische Kulturdenkmal zu erhalten. . Die jüdische Siedlung lag in der sogenannten „Juden-Savanne", die sehr günstig gelegen war. Dort betrieben die Kolonisten vor allem den Zuckeraubau, damals der Haupterwerbszweig jener Gegend. Die Siedlung war ggeeh Einfälle durch einen Schutzkordon gesichert, der ständig von einer eigenen militärisch gut ausgebildeten jüdischen Wache beaufsichtigt wurde. Das alles weist schon darauf hin, daß die jüdische Kolonialtätigkeit durchaus erfolg-' reich war, und die Kolonisten sich wirtschaflich gut durchgesetzt hatten. Im Jahre 1694 bestand die jüdische Gemeinde in Surinama aus 92 Familien) und ungefähr 50 Ledigen. Sie besassen 40 eigene Plantagen und verfügten über nicht weniger als 9000 schwarze Sklaven. Die Vorstellung, dass Juden Herren über Negersklaven waren, mag' uns vielleicht heute grotesk anmuten, entsprang aber der Tatsache, daß sich die Juden dort vollkommen dem Kolonistenleben angepaßt hatten. Auch in anderer Hinsicht bildeten die Juden keineswegs^ Mne Ausnahme von den übrigen Kölonistei:. Auch ihnen gefielen die Söhne und Töchter der schwarzen Stämme so gilt, daß' sie mit ihnen Kinder zeugten., Aus solchen Verbindungen von Juden mit Schwarzen gingen Mischlinge hervor, die sich zumeist durch-