Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 10 (1933)
- Issue
- Heft 2 (13.1.1933)
- Date
- 1933-01-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2641551-2641667-2641669--612-2642615- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
**V Seite 4 ARBEITER t& Jäüfle* •\ Obwohl dieses Kefefat von Ben Gurion nicht gänzlich ohne Widerspruch blieb, so wurde doch der Grundgedankey der in der gewohnten meisterhaften dialektischen Form vorgebracht wurde, von der Konferenz gebilligt und dient der Bewegung als Richtschnur für die Zukunft. Damit wird auch der Bewegung in der Diaspora die Losung gegeben, in breitem Rahmen den Kampf gögen Reaktion und Verfälschung des größen ziöhislischen Zieles aufzunehmen, um die Fahne der Arbeiterschaft alle demokratischen Elemente zu sammeln und der palästinensischen Arbeiterschaft zu ermöglichen, das nationale Aufbauwerk mit allgemeinen nationalen Mitteln und unter aktiver Mithilfe ihrer'eigenen Fonds vorwärtszutreiben, auf der Grundlage einer breiten Volksbewegung unter der Führung: der Arbeiterschaft und in ihrem Dienste. Walter Preuß. . Das erste Echo ■Aus allen unseren Ortsgruppen, von Seiten des Verbandsbüros und aus dem Auslande, insbesondere von den Parteifreunden in Berlin, Breslau, Leipzig, Danzig und London, sind uns nach dem Erscheinen der ersten Nummer unzählige Begrüßungen zugekommen, für diü wir mit dem Versprechen danken, daß wir uns auch weiter bemühen werden,, unser Blatt, auszugestalten, schlagkräftig zu machen und den Notwendig, keiten unseres vielseitigen Kampfes anzupassen. Wir danken allen unseren "Freunden für die Hilfe, die sie bisher leisteten und die Anregungen, die wir von ihnen erhielten. Die Redaktion. man in ScMUina iftient Tel Aviv, am 29. Dezember 1932. . Das allgemeine Tagesgespräch ist das -Unglück in Nahalal, wo durch einen Bombenwurf ein Siedler und sein neunjähriger Sohn getötet wurden. Der ganze Jischuw ist überzeugt, daß es > sich .hier und bei verschiedenen früheren . Überfällen um die planmäßige Tätigkeit einer Terror Organisation handelt und daß es nur; ungenügender Eifßr -der Polizei ist, wenn die Täter nicht ausgeforscht und gefaßt werden können. Überhaupt läßt die Sicherheit im -Lande sehr viel-zu wünschen übrig. Dieser Tage gab es erst wieder einen Überfall auf die Schafherde von Beth Alpha und am Tage darauf wurde ein -Autoauf der Fahrt von Jerusalem »nach Amman von Banditen angehalten . und drei englische Touristen beraubt. Jn Transjordanien ist man schon so . nervös, daß eine Gruppe jüdischer Pfadfinder, die sich vorige Woche auf einen größeren Ausflug in das Reich Emir ■ Abdallahs begeben hatte, ihren Aufenthalt drüben abkürzen und zurückkehren mußte, da sie in Amman selbst, der - Hauptstadt Transjordaniens, bei jedem * Spaziergang in den Straßen von einer .iPolizeieskorte begleitet wurde und man ' ihr einen Ausflug ins offene Land .überhaupt untersagte, natürlich nur ihrer eigenen Sicherheit wegen.; Demnächst soll wiederum ein pan- . arabischer Kongreß stattfinden. Vorläufig zerbrechen sich die maßgebenden Leute noch die Köpfe darüber, wo die Tagung abgehalten werden könnte, ohne daß die eine oder die andere Persönlichkeit einen allzu überragenden Einfluß gewinnt. Der Großmufti von rJerusalem, der auf dem letzten Kongreß alle Trümpfe in < der Hand hatte, l möchte natürlich auch den diesjährigen : wieder in der Heiligen Stadt begrüßen, i aber die sehr wichtige Gruppe der irakischen Politiker (umso wichtiger, seit l Irak selbständiges Königreich und Miti güed des Völkerbundes geworden . ist) osofelägt natürlich Bagdad vor undgetzt ist auch der .frühere Khedive •. von i Ägypten Abbas Hilmi Pascha in -Haifa angekommen und verfolgt seine besonderen Pläne. :; i In Jaffa sind in der letzen Zeit wiederholt Brände, ausgebrochen,, dif große r Objekte eingeäsehe?t haben-v und: :bei denen es hohe Schadenssummen (bei' Was ist Poale Zionismus? Yon Den Locher. , ' ■ . III. - Wit sind Zionisten. Zunächst üm des Zionismus selbst willen. Freiheit, uneingeschränkte Möglichkeit der Entwicklung aller schöpferischen Kräfte für ein jedesVolk»insbesondere auch für, unser Volk, ist uns Selbstzweck. Stellen wir uns einen Augenblick Vor, der Sozialismus sei schon verwirklicht. Es existiere keine wirtschaftliche Not des arbeitenden Menschen, Der jüdische Mensch sei tatsächlich gleichberechtigter Bürger der neuen Gesellschaft. Auch nationaler Unterdrückung sei er nicht unterworfen. Aber das Volk sei zerstreut, atomisiert geblieben, losgerissen von der Natur, gehemmt in der Entfaltung seiner schöpferischen,kulturellen Energien. Dann erst recht würden wir das Unglück und Unrecht der Heimatlosigkeit fühlen. Und wir würden der sozialistischen Gesellschaft erklären: Wenn der SinU des Sozialismus in der höchsten Entfaltung der Lebenskräfte aller Teile der Menschheit besteht, so ist er solange nicht völlig am Ziel, als das jüdische Volk alsf einziges in der Welt noch heimatlos ist. Gerade in der sozialistischen Gesellschaft kann unser Volk die Heimatlosigkeit nicht vertragen. Jetzt erst recht müssen wir mit allen Kräften danach streben, das nationale Zentrum in Palästina aufzubauen. Mit anderen Worten: Sozialisten brauchten wir nicht mehr zu sein, Zionisten würden wir bleiben.; IV. Wir sind Kämpfer für die menschlichen, bürgerlichen und nationalen Rechte des jüdischen Volkes in den Landern seiner Zerstreuung. Wir streben danach, ihm die höchstmögliche Entwicklung überall zu sichern. Auch dieser Kampf, auch dieses Streben trägt seinen Wert vor allem in sich selbst. Nehmen wir für einen Augenblick den tragischen Fall an, wir seien zu der Überzeugung gelangt, daß der Sozialismus eine Illusion sei und der Zionismus ein leerer Traum. Dann würden wir uns sagen: Wenn das Leben überhaupt noch lebenswert ist, ist es gerade jetzt unsere Pflicht, mit allen Kräften das erreichbare Maximum an Produktivität, Selbständigkeit und Schönheit im Leben unseres Volkes zu erstreben, i r . . . (.v. ■ . Kurz: Wir sind Sozialisten — und 'Sjrir wären Sozialisten auch dann, wenn der Sozialismus für uns nicht d e r Weg Äur Verwirklichung des Zionismus wäre und die einzige Garantie der Gleichberechtigung unseres Volkes in den Ländern der Diaspora.;' :'/■• - Wir sind Zionisten — und wir wären Zionisten auch dann, wenn der Zionismus nicht der Weg der vollkommensten Verwirklichung des Sozialismus im jüdischen Leben wäre und das Grundmittel für. die Gesundung unseres Volkes. Wir sind Kämpfer, für die Emanzipation und nationale Entwicklung in allen Ländern, und wir wären es auch dann, wenn wir nicht überzeugt wären, daß, je gesünder das Volk in den Ländern der, Diaspora, desto fester sein Wille zu vollem nationalen Leben; daß es umso reichlicher die Mittel, umso besser das Menschenmaterial für Palästina; umso würdiger auch die Rolle dieses Volkes im sozialistischen Umbau der Welt. '<• In Wahrheit jedoch-sind-diese drei'Elemente so eng zusammengewachsen, daß es unmöglich ist,, sie voneinander zu trennen und auf. verschiedene: Linien und Flächen zu verteilen. Sie bilden eine 'organische Einheit. Wir sind nicht nur Sozialisten an sich, Zionisten an sich'und Kämpfer für die Diaspora-Emanzipation an sich. Jede dieser drei Bestrebungen wird durch die beidien andern vertieft und vervollkommnet. ■- ,. r' (Wird fortgesetzt.) y-_M - . ' '•' ' _r<i '- . "- ' sehr geringer Versicherung),, gegeben hat. Mitte Dezember wütete ein solcher, Brand mitten im Suk (Bazar) von Jaffa und; verursachte einen Schaden von 10;0Q0' Pfund. Die freiwillige Feuerwehr von Tel Aviv eilte zu Hilfe und wurde für, ihre ausgezeichnete Leistung von dem High Commissioner beglück-, wünscht. •' r' Der,, Direktor, des Departements für Pönologie (Strafvollzügswissenschaft) des Staates Kalifornien und;; frühere Poliz&ichef yon San Franziska, .Mr. Daniel J. O'Brien studierte die :Beälngungen ii m :< den;v Gefängnissen. - Palästinas und drückte sich sehr begeistert darüber aus. i Er sagte unter anderem: „Bei allen meinen Besuchen, in; Qefängnissen in allen Teilen der Welt habe ich niemals eine skrupulösere Beobachtung sanitärer Bedingungen gesehen. Die Sträflinge werden immer beschäftigt un<l die Moral ist dementsprechend vorzüglich;'^ Wir freuen uns natürlich immer, wenn unser-Land in irgendeiner Beziehung einen guten Standard aufweist. .. Der Bürgermeister Dizengoff erstattete Bericht über die Konferenz jüdischer und arabischer Bürgermeister in Jerusalem über die Frage des Lokälyerwaltungsgesetzes, das die Regierung zu erlassen gedenkt. Der Stadtanwalt Dr. Wiesl gab eine ausführliche Analyse des Entwurfs, der, wie er erklärte, zwar in bezug auf sanitäre Vorschriften, die Regelung des öffentlichen Marktwesens und dergleichen einen erfreulichen Fortschritt bedeute, aber in bezug auf die eigentlichen politischen Fragen eher eine Verschlechterung des jetzigen Zustandest sei. Dazu kommt noch, daß die arabischen Bürgermeister und Stadträte solche Forderungen aufstellen wie zum Beispiel den völligen Ausschluß der Frauen vom Wahlrecht und die Beschränkung Obwohl des passiven als auch des aktiven Wahlrechts auf palästinensische Staatsbürger. : ,;;; 1 Die ..palästinensischen Leitungen begrüßen die Ankunft von Jan Kubelik, der hier Konzerte gab, die zu großen Ereignissen für die ganze Bevölkerung wurden. Die Presse weist darauf hin, daß Kubelik, der berühmte ungarische Geiger, aus einem Dorfe bei Prag stammt. Eine besondere Eigentümlichkeit von .Tel Aviv ist seine Fähigkeit, Feste zu organisieren. .Letztens beginnt man auch das Ghanuka-Fest in Tel Aviv als ein öffentliches. Volksfest zu feiern, nicht sehr viel anders als den schon berühmten Purim. Am dritten Chanuka- Abend. fand ein großer Fackelzug der Schulkinder von Tel Aviv zu der großen Synagoge in der Allenbystraße statt, an welchem sich 5000 Kinder beteiligten. Vor einem Publikum von 10.000* Menschen wurde im. Freien die große Menorah, oder, wie man jetzt hier sagt, Ohanukiah entzündet. Die Kinder zogen dann durch die Stadt, begleitet von den Musikkapellen der Feuerwehr, des; Makkabi aus Petach Tikwa, der Arbeiterturnorganisation „Hapoel" und des Gymnasiums Herzlia. Zahlreiche. Gäste sind aus den Kolonien nach Tel Aviv gekommen, überall sieht man Menoroth und über der Synagoge ist eine ungeheuere Menorah mit elektrischer Beleuchtung angebracht, die man von allen Stadtteilen aus sieht. Es gab Konzerte, Vorträge, Theateraufführungen und Tanzunterhaltungen in allen Sälen der Stadt. Im Beth Haam fand eine dramatische Akademie statt, an welcher Mitgliede der Habima, des Arbeitertheaters Ohel, des Kabaretts Matate und der palästinensischen Oper mitwirkten.; Welche kapitalistischen Werte der Palästinaaufbau gajiz unversehens entwickelt, wurde vor einigen Tagen klar,, als vor dem Distriktsgerichtshof, in Jaffa ein Erbschaftsprozeß eingeleitet wurde. Es handelt sich um die Hinterlassenschaft von Menachem Messa-Benin, einem jüdischen Millionär in Aden, der dort, in Port Said und in Tel Aviv erheblichen Realbesitz hatte, Per. Besitz in Tel Aviv, bestehend aus einigen Grundstücken in Hauptstraßen der Kampf gegen die Grippe! Bester Grippeschutz durch gründliche Desinfektion der Mund* üttd Nasenhöhle, der Kehle, sowie aller Atmungsorgane durch Menthol-Franzbranntwein Ä L PA Gurgeln und spülen Sie oft den Mund mit verdünntem Älpa. Einige Tropfen genügen für ein Wasserglas. Auch das Einatmen des unverdünnten Alpa wirkt ausgezeichnet. Zerstäuben Sie Alpa in Wohn- und Gesellschaftsräumen. Hiedurch gründliche Luftdesinfektion. Fragen Sie Ihren Arzt! Stadt, wird auf 40.000 Pfund geschätzt. Der älteste Sohn , des Verstorbenen macht Anspruch auf die gesamte Erbschaft und diesem Anspruch tritt die Witwe Messa-Benins entgegen. In Jaffa wird nur "eine unbedeutende Episode des Prozesses vor sich gehen, dessen eigentliche Austrägung vor den Gerichten in Bombay erfolgt, da'für Aden die indischen Gerichte zuständig sind. Anllsozlallstlsche Tahllh des „Bund', and die merkwürdige Half und der Sozialdemokratie in Lettland. Wie uns aus Lettland mitgeteilt wird, ist es nach 5jährigen«- Anstrengungen dem ,,Bund" gelungen, den Ausschluß der Borochow-Gruppen aus dem Arbeatersportverbarid in' Lettland - durchzusetzen. Der „Bund" ist überall gleich, — oder besser : gesagt, von der Jewsekzia in Rußland und dem „Bund" in Polen und Rumänien bis zum „Bund"! in Lettland gibt .es überall , die.. gleiche. Tak-., tik und die gleichen Mittel: Mit Hilfe •der Landespaei der . soz.-z;ib&. Arbeiterbewegung einen Hieb zu versetze n. Dies könnte die jüdische Arbeiterbewegung schwächen? Das stört den „Bund" nicht. Da die jüdischen Massen dem „Bund" schon längst verloren gegangen sind und1, de* einstige „einzig© Vertreter" des jüdischen Proletariats zu einem, einfluß- und hilfslosen Wiederkäuer seiner Tradition wurde, versucht es; der „Bund" durch! solche „Erfolge" sein armseliges Dasein in Erinnerung zu bringen und seinen endgültigen Niedergang mit ähnlichen ^.revolutionären" Mätzchen zu maskieren. Nichts als bundistische Palästinafeindschaft und bundistische pseudosozaalistische Attrape.' Wohl hat der „Bund" in. der jüdischen Gasse und ' in der jüdischen Welt nichts mehr zu verlieren. Aber die letfil'ändische Sozialdemokratie? Ihre merkwürdige Haltung zu dieser Frage zeigt nur, daß die Sozialdemokratie Lettlands dem JudenprobJeim gerade so fremd gegenübersteht, wie vor 'dem Kriege. Soitft hätte sie dem aus purer Eitelkeit und Erfolgsucht entsprungenen Wunsche des „Bund" nicht nachgegeben. Denn es bleibt unverständlich, wieso man .sich zu dem Ausschlüsse der Borochow-Gruppen entschließen konnte, wenn der ^schwerste" Vorwurf, den man gegen sie erhoben hat, darin bestanden hat, daß sie enge Beziehlingen mit dem „bürgerlichen" Hechaluz aufrecht erhalten hat. Dieser, Ausschluß wird kein Ruihmesiblatt.in der Geschichte des Arbeitersports in Lettland bilden.'Aber auch die Jettländische' Sozialdemokratie kann durch die Sanktion dieser Vorgänge nur verlieren: sie untergräbt selbst ihre Autorität in der jüdischen Gasse. Während die bundistischen Sportgrüppen an'J Schwindsucht 'leiden, die man selbst durch diese antisozialistisohe Tat des „Bund" nicht heilen wird, macht die Entwicklung der Borochow-Gruppen selbst ihre Gegner staunen. . e. .1. tfuUdtiüuhe $toi& A »New Leader", das in New York erscheinende offizielle OrgaA der Sozialistischen Partei in den Vereinigten 'Staaten, berichtet, daß die amtliche Ergebnisse der Präaideatsclwftswahlen, die langsam bekanntgegeben werden, eiae ständige Erhöhung der Gesamtzahl der SMiaUstigfahen! Stimmen, zeigen, Bjs jetzt" beträgt die offizielle Gesamtstimmenzahl der Soraalistischen. Partei 874831, wobei aus Te*as noch; keine, .Meidwgept vorliegen und , in .vielen anderen Staa^ndietStlmmenzäUung noch nicht beendet ist. Pas endgültige ^Ergebnis wird daher sehr wiahrschemlicn etwa 900.WW'betragen gegenüber 267.^0 'im "Jahre