Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 10 (1933)
- Issue
- Heft 1 (4.1.1933)
- Date
- 1933-01-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2641551-2641667-2641668--602-2642604- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
4, Jänner 1938 DER JÜDISCHE ARBEITER Seite 5 »er Jod ist schuld! Gerichtliches Nachspiel zum Bethatissturm. Die Vorgänge am 2. Oktober 1932, dem ersten Rosen Haschana-Tage, vor dem „Cafe Sperl" in Wien waren Ge- Schon am Anfang des Bucheö seheti wir, mit welchen Mitteln die ÖeseM Ifr Rußland arbeitet, wier ihre' Redner in den Versammlungen den jüdischen Aus- . Wanderern nach Biro-Bidschan „gebrä- Das muß man ihnen lassen: In dei\ Zentralexekutive der Sowjet-Union, M. tene Tauben" versprechen. Von so %k mmUiUtnämftfoZBidtcfam, vor dem Wochenbett der Schlag treffen, wenn du hinfahren wirst!" Aber Meöhel MUfan.ao.oKot a?^h -------; -—; o——- ^.«««6- -----~.oT -------—- redet immer -wieder atif seine-Frau vöiny rlPm FnHfi n^hprtp Ptw5 3^^tioSl 7??Ausdr.U(ik zu verleihen. Ihre Miterhalten'. Eine Erscheinung, die er abmd erzählt ihr alle Versprechungen, Äh^tmiÄm eilungen sind stets Offenbarungen,und sohlt bejaht und ihre Losung als „eine die der Redner auf der Versammlung Sozialisten m Umtorm angesammelt, die ihre Parolen _ Verheißungen! Unbegroße Aufgabe des jüdischen Volkes" ffemacht hat - . - - ■ ■ trafen ""Die NatioSloziLiÄ ^Stf ™ der Notwendigkeit einer lobezeichnet (Siehe Heller, Untergang g „Kajle seufzt ungläubig: ,Gott gebe, d?m^m , . . . , .** wenigstens diefHäiftl davon wW Überfall vorher telephonisch Ingekün- ' digt, so daß die Polizei verstandigt Averden konnte. Währenddessen hatte der , * 6ca"" a \ u m in einem benachbarten Hause wohnende konterrevolutionär verdammt wurde, mit so großem kommunistischen Tarn- Sie fragt noch, die dumme Gans! JonTLeit^ kann heute als Evolutionär und als die 'tam in die Welt hinausposaunt wurde, Jede Kleinigkeit ist fertig." üonaÄ höchste Aufgabe des Proletariats ange. Sowjet-Union, (S 19.) .V ■• * gesehen hat, in seiner Erregung aus P™8en werden. Ist nun ^aber eine die das Signal zu erbitterten Kämpfen Aber schon im Zuge nach Biro-Bi* dem Fenster seiner Wohnung einen Aktl0n einmal als „revolutionär" geinnerhalb des Judentums (insbesondere schan singt der „Kiewer Poet" und-mit Stuhl auf die Stürmenden geworfen stempelt, dann werden alle objektiven > in Amerika) abgegeben hat, geriet in ihm die ganze-Corona: ' - ohne jemanden zu verletzen. Während Hindernisse als konterrevolutionäre Savöllige Versenkung. Der Name Krim „loh war im Theater,..... das gegen die Bethausstürmer beim k°ta£e verdammt und alle subjektiven wurde vergessen und an seine Stelle Dort spielt man Kunst; - ö.^«i,^ .u m..... —^ ^. at—. r>;..~ Und der Poltawer Geserd - « Begaunerte uns..," - (S.; 97;) : •1 _________________________ _ Und in .Biro-Bidschan selbsfr regk Verfügung, lautend auf 30 Schillinge nist gar nicht kennen darf und auch ganda-Maschinerie der Kommunisten striert er resignierend,- daß-man ohne Geldbuße, eventuell drei Tage Arrest, nicht kennt! ein, die durch ihre unermüdliche Tätigein feierliches „Liebe Genossen!'.' oder gegen die er nun Einspruch erhob. Vor Diese Charakterisierung der kommukeit es zustandebrachte, daß dieser „Liebe Bürger!" ihnenganz schlicht Gericht war Leitner geständig, den nistischen Methoden paßt ganz beson- .Völligmneue Name zum populären und sagt: „daß man wohl Kredite gewähren Sessel auf die Straße geworfen zu haders auf das Verhalten der Bolschewigeläufigen Schlagwort wurde. Ein würde, aber nicht so viel, wieman-.urben, er "erklärte jedoch, er habe sich ken zur jüdischen Frage. Erst wurde Kranz von Legenden und Sagen wurde sprünglich geben-zu können, glaubte.'1, nicht anders helfen können, er habe gevon Lenin „die Idee einer jüdischen "-in diesen Namen geschaffen, um ihn in (ß. 117.) -.. ........ < •.......- sehen, wie ein Bethausbesucher von den Nationalität" als „reaktionär"' bezeichden Köpfen und Herzen der Juden a n Ganz meisterhaft sind-auch jene Stel- Nationalsozialisten am Kopf blutig; genet, die „den Interessen des jüdischen die Stelle Palästinas zu setzen, len, wo-Alberton• die naive.Anschauung schlagen wurde, und er fürchtete, daß.^Proletariates widerspricht". (Siehe Le- Zu diesem Zwecke scheute * man ^or«*4er „revolutionären Auswanderer" über die Nationalsozialisten, wenn sie hier nin* Sämtliche Werke,*Bänd*>p/ Seite der waghalsigsten Zahlenakrobatik die^jüdisch-nationale Politik^er ~ Sownicht abgewehrt werden, auch den in . o„i,«„'---- ~-\.~~*~j~+za>~ ninh*. *nr«Mr floin un/i «niio« «mwia 4« ^unx^*. .tv. ct_---i-_r*M-jder. Nähe befindlichen Tempel in der Leopoldgasse überfallen werden. Der Richter verurteilte Leitner „unter Anverurteilt wurde. Mit der fortschreitengeschickter Weise mit dem, was bereits Älejchems Kassrilewke zurückversetzt wendung äußerster Milde" zu einer den Nationalisierung der Judenheit geleistet wurde, verwoben, um so die denken,, wo die „übergescheiten*' Juden Geldstrafe von 5 Schillingen oder 12 konnte zwar die Tatsache. einer „jüdi- .; übertriebenen Hoffnungen zu wecken, über Montefiore und dergleichen phan- Stunden Arrest. So, endete die Affäre sehen Nationalität" nicht mehr geleugals ob Biro-Bidschan, das noch heute tasieren. So erzählt A.j wie Jossi-auf des Wiener Synagogensturms mit der net werden. Doch glaubten die kommu- — kurz vor der Beendigung des Fünfdem Marktplatz stand, und für die-'na* Verurteilung eines Juden ~;^:„^u— -nr^c^..;- j... ioVifoemi««*«» _i. w„« m nnn i«^^^« ^—1~ .ti--i.j..i_ t>Li„,.. .i_ . t*._ nistischen Wortführer, die jüdischejahresplanes — keine 10.000 jüdische tionale Politik der- Bolschewiken PronSo Cnwnon oinno Pnnoi*olo Frage mit dem Versprechen, die jüdi- Arbeiter zählt, die Lösung der. jüdipaganda machte: Ulö oUrdoIl GlllBö UCflbralo. . sehe Nationalität zum Verschwinsehen Frage bedeutet. Sickerten doch „Und dann hob Jossl-den auf kurzem Zu einer Enquete, die -die Zeitschrif tlfde m zubringen., lösen zu können. -(Ver- .adie objektiven Schwierigkeiten, die be| .Hals aufgesetzten, Kopf. und begann,1, ■ ii ■• - s-^ ■. -w-r . i .. . JE: /^.l „: „ 1— j:* T>_j_ _:___ Tv?________i>' lorloi» TTz-vlA-nioof in-n n>i>r\R aimA rJ-1-n.oV4.0A. T>,.-.U«i„i____ ll____ll __.t« _l. .'-j ,Legie", das Organ der „Unabhängigen!) gleiche die Rede von Dimantstein auf je/ier Kolonisation groß sind, durch, sö Buchärin nachzuahmen, wie diesen :deV Vereinigung tschechoslow. Legionäre", der Eröffnungskonferenz der jüdisch- / wurden sie in einer verantwortuiigs- Schreck gepackt, als Lenin, der sein' veranstaltete, stellte auch der aktive Gekommunistischen Sektion „Jewsekzia'jj^Qßen Weise bagatellisiert. Überdies — ganzes Leben unter -Kazaperi -ge'wohntneral der tschechoslow. Armee Rudolf seligen Angedenkens.) Im Verlaufender so verkündet die „Wende", das Organ hat, so, wie jetzt Jossl, ausrief: ,Ge-J Med ek, der als nationaler Schriftweiteren Entwicklung begann es endlich der Geserd in Deutschland — werden nossen! Das ist alles, leeres Geschwätz! steller bekannt ist, einen Beitrag, in auch bei den Bolschewiken zu dämmern^- die revolutionären jüdischen Arbeiter, Die Nationen muß man haben, und der; welchem es u. a. heißt: „Hoffentlich, daß die jüdische Frage nicht durch das i& Erkenntnis ihrer marxistisoh-revolu-. Nationalismus muß. sein!'......... Republik, wird nicht die Herrschaft der Verschwinden, sondern durch die E r^ tionären Mission, dieser Schwierigkeiten Bucharin griff sich erschreckt än' deh'' Phrase, die Finsternis des Sektierer-- haltung der jüdischen Nation gelöst bald Herr werden. Spitzbart: ' -tums, die gewinnsüchtige Gier über Dir werden kann und daß zu ihrer Lösung 'Von dieser Sorte verantwortungsloser »Genosse Lenin! Sie sollen so etwas5walten; laß-Dich nicht van den Deutden spezifisch jüdischen Bedingungen Propaganda.unterscheidet sich das nunsagen?!' hat in allen Kreisen beträchtliches Aufsehen. Frage programmatisch, akzep- (E. Prager-Verlag, Leipzig-Wien, 1932) Antwort: ,Oho! Das war noch auf dem sehen erregt. tierte. Und der erste Vorsitzende der sehr vorteilhaft. - größten Kongreß!'" (S. 211.) Hugo H e r r m a n n: Jtcm odto alte $cxlU$kätl Als ich zuerst löieder nach Jerusalem kam, war ich, warum sollte ich es nicht gestehen, einigermaßen enttäuscht. In der kurzen Zeit von acht Jahren hatte sich die Stadt in; einem erstaunlichen Grade entorientalisiert, europäisiert, banalisiert, trivialisiert. Die Altstadt zioar ist immer noch, wenigstens im Schuh, dem Bazar, ein Stück echter, unverfälschter Orient; aber aus den übrigen Vierteln innerhalb des Mauernrechtecks sind die „besseren" Leute, die früher doch in erheblicher Zahl hier gelebt hatten, anscheinend fast restlos hinausgezogen in die neuen Wohnsiedlungen, und was zurückblieb, ist das ärmste Volk, das diese ehrwürdige Altstadt rasch zu einem richtigen „Slum" stempelt. Die Jaffastraße, vordem nüchtern und unschön, aber einheitlich mit ihren schmucklosen, jeder architektonischen Prätention entbehrenden. Häusern aus den siebziger, achtziger und neunziger Jahren, zeigt jetzt ein schreiendes Durcheinander 'dieser, jetzt fast vornehm wirkenden älteren Bauten und knallprotzi' ger öffentlicher, privater und kommer* zieller Gebäude; die „alte" Vorstadt von Sichron Mosche bis hinunter nach Uea Schßarim md der Bucharia ist von breilen Verbmdungsstraßen aufgerissen und von neuen Sch'chunoth mit modernen, aber ohne Liebe gebauten Miethäusern durchsetzt; und die neuen Wohnviertel, vor allem Uechawja,_ das Zentrum der jüdischen „Bourgeoisie", sind baulich um nichts besser als das Tel Aviv der ersten Jahre, nur daß statt Muthesius und der Millionärsvilla die Vorbilder jetzt Le Corbusier und Bauhaus Dessau heißen. Und am Rande von Rechawja prunkt das amerikanisch-vornehme King David-Hotel mit tausend Fenstern und gegenüber wächst der Alptraum eines Architekturschülers, das Gebäude . der YMGA, in den Himmel; eine unauslöschliche Schande, daß eine Regierung, die Denkmalschutz zu üben geflissentlich vorgibt, diese brutale Vergewaltigung des gesamten Stadtbildes von Jerusalem zuläßt. -H: Und dieser Eindruck schwächt sich nicht sehr ab, wenn man Einblick in das Innere der Häuser erhält. An die Stelle problematischer Wohnkwuzoth, zu denen sich früher ein paar Familien zusammengetan hatten, die neue Wege des gesellschaftlichen Lebens suchten, ist der schrankenlose Wettbewerb um den Ruhm der schönsten und konfortabelsten Wohnung, den am glänzendsten gedeckten Tisch und die am täuschendsten europäisch-bürgerlichen Bewirtung der Gäste getreten. Man läßt ohne Bedenken die „Osereth", die Hausgehilfin, die doch immer noch ungefähr als Familienmitglied gilt, die Schüsseln den Gästen ringsum servierend anbieten,. was dadurch erleichtert wird, daß diese Gäste gern in großer Toilette und Evening dress erscheinen. Das entscheidende Problem scheint jetzt nicht mehr zu lauten: „Wie schaffen loir eine neue Lebensform?" — sondern vielmehr; „Wie imitieren wir hier mit unseren immerhin noch bescheidenen Mitteln am täuschendsten die Lebensform der europäischen Großbourgeoisie?" Es ist eine besonders, ironische Note darin, daß diese europäische Großbourgeoisie bald nur noch in ihren Nachahmern existieren \ Wenn man aus seinem Herzen keine Mördergrube und den selbstzufriedenen Neu - Jerusalemiten sanfte Vorwürfe macht^ werden sie bockig. In Parenthese; Habe ich nicht schon einmal angedeutet,- wie groß in Palästina der LofealpatrioMsmus ist? Wer in Jerusalem wohnt, verachtet das plebejische Tel Äwiw und das „gojische" Haifa; der Tel Awiwer verhöhnt das schläfrige Jerusalem, die „Sommerfrische" Haifa, und der — vielleicht sogar schon drei oder vier Jahre lang — in Haifa Beheimatete dankt täglich Gott, daß er. ihn nicht, nach dem heißen und häßlichen Tel Äwiw oder gar nach dem schmutzigen Jerusalem verschlagen hat, wo es in trockenen Sommern nicht einmal genug Was* ser gibt. Ähnliches gilt von den ländlichen Siedlungen, wo immer ein Siedlungsgebiet gegen das andere, eine Sied- Imgsform md ein Wirtschaftszweig gegen den anderen herausgestrichen-wird., Dieser Patriotismus der neuen Bürger von Jerusalem wird durch jedes noch so behutsame Wort der Kritik geweckt. Ja, ihr habt leicht reden, heißt es da, ihr kommt, von Europa für ein paar Wochen oder höchstens Monate hierher und wollt nun hier für euer Geld Orient, Romantik, Abenteuer erleben, Aber wir bedanken uns für die Rolle der „interessanten Natives", die ihr uns zudenkt. Wir ha-, ben nicht die geringste Lust, um der Befriedigung sentimentaler Touristen willen in malerischem Dreck zu wohnen. Euch ist es auch ganz recht, daß ihr statt der pi'imitiven Herbergen von frü-- her — mittelalterliche. „Chans" waren y noch romantischer; --- gute Hotels und; Pensionen mit W. C, fließendem Wasser,- elektrischem Licht und sogar ganz ohne Wanzen findet. Wir wollen keine, Schauobjekte sein, sondern unser eigenes Leben leben, so gut und schön und bequem wie nur möglich. Wer mit dem Maß Romantik nicht auskommt, das wir zu bieten hohen, findet noch ein weites Feld südlich und östlich von unserem freundlichen . Nachbarn, dem Emir Abdallah, Herrscher von Englands Gnaden über sämtlicfie Beduinenstämme Transjordaniens. Ich kann nicht leugnen, daß die '4rQÜmente dieser Verteidigung nicht gam' von der Hand zu weisen sind. Und doch — ihr gewollt., unpathetisches Pathos überzeugt mich nicht restlos. Dieses:_ schöne, und gute md, bequeme heben —: