Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 9 (1932)
- Issue
- Heft 23 (16.12.1932)
- Date
- 1932-12-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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jM^m Ariftäter Seite 3 v- ,1. Prüf- und Beratungsstelle zeigt in ihrer Ausstellung Wien, IX., Marianneng. 4 Elektro - Heißwasserspeicher für Küche, Brause und Bad Die Ausführung von Speicheranlagen auch gegen Teilzahlungen übernehmen die für die Errichtung solcher Anlagen ermächtigten Installationsfirmen sowie auch die Direktion der städtischen Elektrizitätswerke ^^^^E^^gn^ des Kongresses wird die Wahrheit nicht vorenthalten bleiben. Inzwischen aber sollte es allen denkenden Zionisten klar sein, daß eine solche mit Unwahrheit arbeitende Publizistik Teil eines Feldzuges wohlüberlegter Verleumdung und Schmähung gegen die zionistische Arbeiterschaft und ihre Wortführer ist, der darum so giftig und rücksichtslos geführt wird, weil die politische Vertretung in der Executive gegenwärtig einem Mitglied der Arbeiterpartei anvertraut ist." Die Kampfmethoden unserer Gegner Rückblickend soll auch ein Wort über die Methoden unserer Gegner in dem großen Kampfe um die Wiener jüdische Gemeinde gesagt werden. Die; allgemeinen Zionisten verhielten sich uns gegenüber loyal, es gelang ihnen sogar, ihre revisionistischen Partner von jeder Feindseligkeit uns gegenüber abzuhalten. In den Versammlungen der „Radikalen Zionisten" haben sich die führenden Menschen auf den, Kampf gegen die „Union" und die „Allgemeinen Zionisten" beschränkt, es hat sich aber ein „gewesener Poallezionist" gefunden, dem man in den Versammlungen der „Radikalen" mehrmals das Wort, erteilte, um gegen uns aufzutreten. Er tat es in Girier Form,'dLe unserer Werbetätigkeit' nur' förderlich sein konnte. In den Versammlungen des „Misrachi" und der „Unpolitischen" verhielt man sich uns gegenüber neutral, während die „Orthodoxien" des Herrn Halpern, die In diesen Wahlkampf eine heitere Note brachten, auch die „ungläubigen Sozialisten" heftig angriffen. Die sogenannte Liste für Soziale Tätigkeit, die rieben einigen gutmieinenden, aber irregeführten sozialdemokratischen Juden, auch bekannte mandathungrige. Kandidaten hatte, hielt es unhegreifllcherweise für ihre Aufgabe, die Iiauptangrlffe gegen uns zu richten. Das Wahlresultat wird jene irregeführten Genossen hoffentlich belehren, daß der von ihnen eingeschlagene Weg falsch war. Mit den schmutzigsten' Mitteln führten die „Nietn-nationalen" den Kampf gegen uns. In der „Wahrheit" versuchte die „Union" mit Unterstützung des „Genossen" Dr. Feidisberg, das jüdische Bürgertum miit der Behauptung einzuschüchtern — die Poale Zion sind Kommunisten, während ihre „werktätigen" Kompagnons die Aufgabe übernahmen, den sozialdemokratischen Juden einzureden — die Poale Zion seien Nationalisten. Die Antwort; die die Wähler am 4. Dezember auf diese Verleumdungen gaben,' ist so eindeutig, daß wir uns ersparen können, hier darauf einzugehen. Wir wollen nur bei dieser Gelegenheit feststellen, daß Flerr Oskar H i r s c h f e 1, d, Redakteur der „W a h rheit", lügt, wenn er im Artikel, den er der Besprechung , des Wahlresultats widmet, von den „kommunistischen Poale- Zionisten" spricht. Die „Werktätigen" scheuten auch davor nicht zurück, privatgeschäfitliche Angelegenheiten einiger Genossen, die mit der Wahl absolut nichts zutun haben, aufzutischen. .Der Herr Redakteur ihres Blattes, Dr. Josef Löwy,. behauptet,' daß diese persönlichen Angriffe vom verstorbenen Genossen Gustav Moriz stammen,, er hat sie aber für die Veröffentlichung mit seinem Namen nicht gezeichnet. Nun lebt Moriz nicht mehr, seine „Freunde" aber erlauben xsich, seinen Namen unter Artikel zu setzen, obwohl er es bei der ersten Veröffentlichung nicht getan hat. So halten diese „Verräter" das Andenken ihres verstorbenen Führers hoch! ,; Ueber diese Kamipfmethoden werden wir uns noch vor .einem zuständigen Forum auseinandersetzen. Wir haben uns in unserem Aufklärungskampfe mit Erfolg gehütet, auf das Niveau dieser Gegner zu sinken. Wir vertrauten auf unsere moralische Ueberlegenheit, auf die Reife der arbeitenden jüdischen Bevölkerung — und lehnten ■ jedes unsaubere Kampfmittel ab. Das Wahlresultat dient uns als Beweis, daß eine Gruppe, die mit offenem Visier und mit reinen Mitteln kämpft, im jüdischen Wien erfolgreich sein kann, Genossen, Genossinnen unO Ker Kampf um die Wiener Kultusgemeln.de bewies abermals, daß der Kreis d r Juden, cleir unseren Parole 11) F\:Ige leistet, im st:ten Wachsein, begriffen ist. Wir wo.il.enl nun darangehen, unsere' Organisation auszugestalten, die taussnden Menschen, die sich um uns gebammelt ha.be u, organis.vtniisch zu erfnss-cn. Wir erwarten, daß unsere Genossen und V v e u n d e u 11s Iii e b i o n c-, r g i s c h u n t o 1 s t ü t./, e nj w o r d -e n. Als erster* Schutt snll unser Organ „Der Jüdisch» Arbeit er1, ab .Tünner 1933 e in vergrößerten Umfange wöchentlich erscheinen. Im Vertrauen au!: die Unterstützung unser&r (Te:u'assen und Freunde hab'n wir mit unserer Jiniderpartei, in der Tschechoslowakei eine Vcirern.ba.ning getroffen, dia uns ein wöchentliches Ersch:inen unseires .Blattes ermöglicht. Das Wochenblatt ,.J>;r Jüdische Arbeiters", - dessen; Umfang ungefähr doppelt . so. groß als dar5 bisherige sein, wird, wiid im Jahres.ibonncment $ .12 kosten, .halbjährlich 'S (>, die einzelne Nummer 3ö.-Gxosche». Geixssen! Wir freuen uns/ Ihnen . diCi .Botschaft zu überbringen, daß unser Organ im zehnten Jähret seines Bestands in ein Wochenblatt umgewamdeilt wird, und erwart an, da i Ihr Euch 'all:* in den 'Dienst dieser; ' großen: Sache stellen werdet. W e r b e t A b o n n e n tn! W e r b<& fc I n s e r a t e j V e r 1 a n g e t ü.b e r a 11 n n s >? r B 1 a t tl . . :.- -,; ' ,,D e r J ü d i's e h e A r b e i t e r" a 1 s W .<> c h e n b 1 a. 11 s <o 11 d a s w e r t v -o. i I s 1 e J n s t r u in e n i. i n;i K a m pj^- um unsere h-ohen Ziele werde n. % Das liängi n u r v o n d e r M i t. a> r b e i t u n s e r e r Genoss iftirni-ncl F r e u n d e a b. ■ Alle an die Arbeit! Die Leitung der , ';>e -' Zkinistis-.che-.ozialistiycheii Arbeiter-Organisation.. Pr.3le Zion— Ilitiohduth.. : ,:e. Unsere Wählerversammlungen *\ In den W'-ch n 'des Wablkampfes tun die Witiucr Kull.usgemc-iude hatt? die 'Sozialistische! Liste gegen 70 Verj-ammlungou -ibfjreha.ltn, darunter 12 große* Massenver&ammlu ngen in Sälen mil einem FaSMi.ng8ra.iun vmx öOO bis f)00 Personen. Alle Versammlungen en-freut-ehi sich, eines großen -Zustrom & von Wählern. tu dein. Versammlungen herrschte ine begeisterte Stimmu.ung. Unsere Be- |Vr.nten befaßten sich in dein Versammlungen mit unserer grundsätzlichen Auffassung über Inhalt und Aufgabe der jüdischen Gineiudo, sie brandmarkten den Verrat der „Werktätig -n'.' und erörterten insbesondere da-, falästinapr .l.'lem von uns rem Gesichtspunkte, indean sie die Trennung&lieie ' zwisch n uns und den Revisionisten zogan. Wir haben "S erreicht, daf.5 die W'ahkgitatknii iivebt nur. für die .Sozialistisch; J'.iUe, sondei'!) für unsere; y/tonist-is-chzia'listiselie Uebar.rngii ng überha.u.pt warb. Zu einer grandiosen Kundg^bang gestaltete sich die Versammlung vom 10. D.:zemb?r im Festsaalei des Hotel „Cont-mental". Tie großen .Wählermassen, dieden Sa-a.i bis auf den letzten Plate füllten, jubelten, unseren. Mandataren zu, als di die .Bednertribüne, bestiegen. Dr. CAuw, Weirr-b und Mendel Singer analysiieirten die Bedeutung des AValilausgang. s, sie danktfüi den Wählern für das gewählt. Vertrau u und gelobteiu, in der Kultusgeiuein.degetr u .unserem, Pvogramme,, im Jutaresse . der a(rb^tsiiclfen. jüdischen .Bevölkerung, zu. vvirk'Ti. Ünssrei Mandatare erklärten sich bereit, den Kontakt mit den jüdischem Wählerschaft aufrecht zu erhalten und i'iordertein die- Versammelt.n auf, unser.1 .Bestreibungeu zu fördern. „Sozialistische Liste", auf -welcher nur jüdische Sozialdemokraten kandidierten.- ' r ^e-«* Der „Bund" darf auf seine Wiener Genossen stolz sein. Religiöse Heucüiler (Zum Verhalten der Agudah.) Den Herren der Agudaih ist sonst niemand koscher genug. Viele ihrer Führer betreten^ nicht einmal einen Tempel, da die innere Bauart desselben den Auffassungen dieser Orthodoxen widerspricht. Wie oft hat Herr Wolf Pappenheim im Kultusvorstande im Tone eines tiefgläubigen Menschen gegen die Ungläubigen und die Religionsreformler Stellung genommen! Bei den letzten Kultuswahlen hat die „Union" die Agudah delogiert, da sie zur Rettung ihrer Position einer größeren Zugkraft bedurften und diese in den ,;Werktätigen*' zu finden hofften. Die . Agudah wagtee 'aber nicht selbständig zu .kandidieren, da sie mit, Recht befürchtete, daß ihre Unbedeut-endhe.it klar zutagetreten wird. Was wäre mm naheliegender, als daß die Agudah, wenn sie zu den Kulituswahlen überhaupt Stellung nimmt, ihren Anhängern empfehlen. soll, für eine der religiösen Listen zu stimmen? Aber weit gefehlt! - Die „Agudah" trat für die „Nichtnationaie Liste" ein, obwohl doch unter den Herren der „Union*' die extremsten Religionsreformler zu finden sind, auch solche, die an Stelle des Samstag den Sonntag zum Ruhetage machen wollen. So wahrt die Agüdali die Interessen der . strengen Orthodoxie. Ist das nicht Heuchelei? Um aber die Heuchelei zu vervollständigen, war die Aufforderung, für die;„Unj'on"' zu stimmen, nicht mit der Stampiglie der Agudah, sondern mit den Unterschriften ihrer Führer, u. zw.: Wolf Pappenheini, Herr Bondy, Herr K. R. Leitner, versehen. Das ist waschechte — Agudah. Dem „Bund" ins Stammbuch In Wien gibt es wohl' keine Organisation des „Bund", zumindest hat man seit einem Jahrzehnt von seiner Existenz hierzulande, nichts gehört. Bei den letzten Kultuswahlen haben sich aber einige Bun-disten gemeldet. Es gab eine so wunderbare Gelegenheit, gemeinsam, mit dem Vertreter des Hauses Rothschild! und den reaktionärsten, reichsten jüdischen Hausbesitzern gegen die „Gefahr" des „Jüdischen Nationalismus" zu kämpfen. So was läßt sich ein echter Bundist nicht entgehen. Insbesondere, wenn zwei der Kandidaten der „Nichtnationalen" (Leo Rath, und Waldmann) als Mitglieder des „Bund" bezeichnet werden. Wir notieren also in das Stammbuch des „Bund": Schulter an Schulter mit der jüdischen Plutokratie, die die Einführung des allgemeinen Wahlrechtes ablehnt, gegen die Aus der jüdischen Welt Judenboykolt amtlich angeordnet. Der thüringis'che Finanzminister Marschier erklärte in einer Rede, daß in den nächsten Tagen ein Erlaß der Regierung an alle Beamten ergehen wird, in dem sie aufgefordert werden, bei Juden und . in jüdischen Geschäften nicht einzukaufen. Um das Wahlghetto in Saloniki ist es zu einem Konflikt zwischen dem Ministerpräsidenten Tsaldaris und der Partei des früheren Ministerpräsidenten Venizelos gekommen. Tschaldaris gab nämlich zwei jüdischen Abgeordneten das Versprechen, der Kammer, eine Gesetzesvorlage zu unterbreiten, der gemäß der gesonderte jüdische Wahlsektor in Saloniki abgeschafft und die jüdischen mit den nichtjüdischen Wählern an der gleichen Wahlurne erscheinen werden. Die Organe Venizelos erklärten hierauf, .daß die Partei Venizelos, die stärkste Partei der Kammer, entschlossen ist, den Ministerpräsidenten zu stürzen, falls' er dieses -Projekt der Kammer tatsächlich vorlegen wird. .. ' e Lemberg noch imnuer unruhig. Die antisemitische Unruhewelle in Polen, die diurch die bekannten traurigen Ereignisse in Lemberg ausgelöst wurde, flutet fort. Lemberg gleicht einem Heerlager. Polizei aus der ganzen Umgebung wurde in die Stadt beordert. Die jüdische Bevölkerung traut sich kaum auf die Straße hinaus. Wiewohl die Universität wieder eröffnet -ist, trauen sich die jüdischen Studenten nicht zu den Vorlesungen zu - kommen. Der jüdische Pairlamentsklub beschloß, eine. Anfrage an die Regierung in. betreff der Unruhen in Lemberg, Warschau, Czenstechow und in anderen Städten zu richten.- Auch aus den kleineren Städten in der Umgebung von Lemberg laufen, beunruhigende Nachrichten ein. Die Zensur ist sehr scharf und die jüdischen Zeitungen werdensehr häufig beschlagnahmt. Unter den in Lemberg schwer Verletzten befindet sich auch der gewesene jüdische Sejmdeputierte Dr. Insler, Führer der „AI Hamischmar"-(Grünibaurn-)Gruppe in Galizien. Eine Ehrengerlicihtsklage gegen den Landesverband, der Revisionisten und gegen den revisionistischen Vizepräsidehten Dr. Soskin hat der Kongreß an walt Dr. A. Barth beim Vorsitzenden 'des Kongreß-Ehrengerichtes Dr. Gronemann eingereicht. Der zweite Fünf jahresplan der Sowjetregierung; enthält einen speziellen Fünfjahresplan für Biro Bidschan.; Demzufolge soll die allgemeine Bevölkerung, die jetzt 60.UOO Seelen zählt, bis Ende 1937 auf. 300.000 erhöht werden. Für die Landwirtschaft werden 263 Millionen Rubel, für Industrie und Elektrifizierung 647 Millionen Rubel und, für Volksbildung 35 Millionen. Rubel gestellt. 150.000 Neusiedler sollen während der nächsten fünf -Jahre nach Biro Bidschan gebracht werden, davon im kommenden Jahr 25.000. (Interessant, daß in diesem Fünfjahresplan der jüdischen Änsiedlung keine Erwähnung getan wird.) Ueber die JV\'ißler|foIge der jüdischen Ansiedlung in Biro Bidschan schrieb Baris Trotzky, Vizepräsident lind Generalsekretär der „Komset" einen ausführlichen Artikel jm „Erness", in dem er bestätigt, daß 60 Prozent der im laufenden Jahr Eingewanderten, das. Land wieder verlassen haben. Von den 7700 seit 1928 Eingewanderten sind bloß, 4500. geblieben. Die Ursachen der starken Rückwanderung, bildet d.er Mangel an freiem, anbaufähigem Boden, an Wohnungen und Nahrungsmitteln. Er hofft aber, daß. die Einwanderer des nächsten Jahres diesem Mangel nicht mehr ausgesetzt sein werden. Die Fabrik zur Herstellung von Stand/ard- Häusern ist in Tätigkeit. ,. , ■ Beim Moskauer antireligiösen Museum wurde eine spezielle' jüdische Abteilung eröffnet, .deren Aufgabe es sein soll „das ausnützerische Wesen der jüdischen Religion und die ehemaligen nahen Beziehungen .des ,jüdischen Klerus zur zaristischen Polizei den hreiten Massen vor Augen .zu führen". ... .. . ... Die Schandtaten der Revisionisten /in Palästina haben in der gesamten jüdischen Welt eine ungeheure Protestbe" wegung ausgelöst. Aus allen Ländern kommen Nachrichten über Protestversammlungen und Protestresolutionen. . Besonders stark ist diese Bewegung in Polen, wo fast' injeder Stadt Versammlungen stattgefunden haben und Protestresolutionen gefaßt wurden.