Mannheim
Compact Memory

Der Jüdische Arbeiter · 1932-12-16 · Heft 23 (16.12.1932) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
9 (1932)
Issue
Heft 23 (16.12.1932)
Date
1932-12-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2641551-2641644-2641666--593-2642595
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Seite 2 Der jüdistüe Arbeiter SgJ'sclje;> kfnWj^erttng-^liÄ^h ^afitet*^^j^^v\Ai|V,^1i "die B'edingnungen des schärfsten Kampfes'Wischen kapital und Arbeit", schrieb Borochow in seinen „Grundlagen desPoale- #oriismus"' irnd behielt Recht .Aber auch das fünfzehnjährige Jubiläum Sowjet-Rußlands beweist, wie Recht der Norochowismus in allen seinen Teilen behalten hat. In 25 jährigem Kampfe gegen „Bund" und später gegen die jüdischen Kommunisten mußten die Gegner des Borochowismus Punkt um Punkt aus dem borochowistischen Programm, übernehmen, von der Forderung nach Produktivierung, wirtschaftlicher Umschichtung, Territorialisierung bis zur völligen .Aufgabe aller Assimilationstheorien und die prinzipielle Anerkennung der wirtschaftlichen Eigenart des jüdischen Volkes und hiemit die Notwendigkeit eigener jüdischer Wirtschaftspolitik. Freilich , hatte der Borochowismus einen Bundesgenossen in diesem Kampfe, einen mächtigen, unerbittlichen Mitstreiter: D i e jüdische Wirklichkeit! Die krampfhaften Versuche, die in Rußland gemacht werden, um die jüdische Lage durch Kolonisierung und Industrialisierung zu bessern; die Etappen: Krim, Südrußland, Biro Bidschan bis zur Proklamierung eines autonomen jüdischen Siedlungsrayons sind Verbeugungen vor dem Genie Borochows. Die nationale Politik der Sowjet-Union, die Anerkennung und Förderung nationaler Eigenarten, das offene Bekenntnis zur nationalen Auffassung von Lenin und Stalin, nachdem sie ihn durch Jahre als antiprolttarisch verurteilt hatten, ist ein weiterer Sieg Borochows und beweist die innere Wahrhaftigkeit der borochowistischen Bewegung. Der Aufschwung Palästinas andererseits, die einzigartige soziale, politische und kulturelle Rolle dieses Landes im jüdischen Leben, die schöpferische Kraft des produktiv gewordenen jüdischen Arbeiters — ist ein weiterer Sieg der im Geiste Borochows wirkenden zionistisch-sozialistischen Bewegung. Die Wiederkehr des Todestages Ber Borochows ist Bekenntnis und Triumph. Beide verpflichten — zur Tat. Der borochowistische Sieg fordert die borochöwistische Tat. ... H. P. C h a j e s: Was bedeutet der Zionismus für die Kultur der Menschheit?*) (Zur Einleitung der Ijar-Aktion in Wi|en.) 15. April 1926. .. Die Zionistische Organisation hat nach dreißig. Jahren das Bedürfnis, einen Monat: 'der Besinnung zu widmen, einen Rückblick zu tun, um zu sehen, was geschehen ist, wie weit wir gekommen sind und was noch zu tun sei. Dieser Rückblick, der ein Mittel zum Zweck ist und der in allen Teilen der Welt von Sihirien, bis Südafrika gehalten werden wird:, solil' dein Fortschritt des jüdischen Gedankens in diesen dreißig Jahren zeigen, den Fortschritt in moralischer, politischer ' und sozialer Beziehung, und daß dieser Fortschritt nur durch den Zusammenschluß des Zionismus möglich geworden ist. Ich habe mir das Thema gestellt, nicht den politischen und sozialen Fortschritt, sondern den, der jüdischen Kultur zu betrachten. Welcher Art ist dieser Fortschritt, den die jüdische Kultur seit dreißig Jahren vom Zionismus erfahren hat? . . Die Geschichte des jüdischen Volkes und der Menschheit wird nach dem Abschluß des Werkes fragen: Was hat der Zionismus für die Kultur der M^schheit bedeutet? Die Frage wird die nach dem geistigen und moralischen Erfolg sein, denn die Zukunfit wird nur solche Fragen kennen. Wir, die Wir ein Stück Zukunft schaffen, müssen uns die Frage., schon mitten in der Arbeit stellen. Dreißig Jahre reichen wohl nicht hin, um eine neue Kultur fertig zu zeigen. Aber sie zeigen die Ausätze einer neuen Kultur, die ausgebaut werden können, wenn uns die Möglichkeit dazu nicht genommen wird. Unsere Kultur ist in einem gewissen Sinne entscheidend für die Kultur der Menschheit. Wenn wir uns. fragen, ob der Zionismus schon Menschen von entscheidender Bedeutung für die Men3chheitskultur geschaffen hat, so werden wir mit Nein antworten müssen; denn dreißig Jahre reichen zur Hervörbringung von Genies nicht hin. Wir könnten auf Theodor Herzl hinweisen, aber Herzl ist kein Produkt des Zionismus, sondern ist zu ihm als fertiger Mensch gestoßen. Einstein ist Zionist. Sigmund Freud steht dem Zionismus nahe, aber nicht der Zionismus hat den ersteren zum Physiker, den letzteren zum Psychoanalytiker gemacht. Auch Bialik, der im Judentum und Zionismus wurzelt, der ein hebräischer Dichter ist und einer' der größten Dichter der Gegenwart überhaupt, läßt sich ohne die dreißig Jahre Zionismus denken. Dreißig Jahre' würden ausreichen, wenn die Kultur schon fertig wäre. Unsere Kultur aber ist erst im Werden Begriffen. Die dreißig Jahre aber machen klar, daß wir neue Wege der Kultur zeigen können. Worin besteht dieses *) Demnächst erscheinen: Band 1. H. P, Chajes, Reden und Vorträge. Herausgegeben von Moritz Rosenfeld. ' Band II. Moritz Rosenfeld, Oberrabiner Hirsch Perez Chajes. Sein Leben und Werk. Mit freundlicher Erlaubnis des Herausgebers, Studienrat Prof. Dr. M. Ros e n f e 1 d, veröffentlichen wir folgenden Aufsatz anläßlich der Wiederkehr des; Todestages Dr. H. P. Chajes!;A-'. VÖ^eiii^tontemus.,^:^ ini'Judetttutn -zwei Methoden dWVBrzierm^ Masserisiedlungqn* des 'Ostens bestand die Tendenz, jedes Kind zum Gelehrten zu machen. Was bei einem andern Volk nur eine kleine Gruppe leistete, sollte \das '; jüdischei V6lk.:'in seiner''Gesamtheit leisten, Dadurch hat tnan die Wissenschaft eigentlich entwürdigt und unfruchtbar gemacht. Man hat von dem Unbegabten und dem Hochstbegabten dasselbe verlangt. Das Wissen wurde zu einem Gebot herabgewürdigt, das doch nur ein Bedürfnis, eine Freude sein kann. Nur.ein Minimum kahn erzwungen werden. Das Bestreben,kann nur dahin gehen, die Resultate der Wissenschaft dem * ganzen Volke zu vermitteln, nicht das ganze Volk zur Wissenschaft heranzuziehen, was die Quellen' der Kultur verschütten muß. Im Westen war bis vor einem Jahrhundert die Erziehung analog der des Ostens; dann bildete sie eine neue noch verderblichere Methode heran. Man richtete eine Mauer zwischen jüdischem und allgemeinem Wissen auif. Das erste nannte man, um uns zu trösten, das heilige, das zweite das profane. Das war eine Falschmeldung. Es gibt kein Wissen, das heilig, kein anderes, das profan ist. Es wurde eine künstliche, krankhafte Scheidung zwischen Jude und Mensch getroffen, ein Judentum konstruiert, das sozusagen im Gegensatz zum Menschentum steht. Das jüdische Wissen ist von der Welt ahgespcirrt, in ein Winkelchen geschoben worden, das man mit der Dekoration der Heiligkeit umgeben, der man im besten Fall ein Hundertstel an Zeit gewidmet hat. Man hat uns gelehrt, daß wir ein auserwähltes Volk sind mit auserwählten Gedanken, worauf wir sitolz zu sein haben, und hat diese Auserwähttheit in ein Winkelchen gesperrt. Eine solche Scheidung ist bei keinem Volk der Erde vorgekommen. Kein Deutscher wird beispielsweise saigen, daß Methematik im Gegensatz zum Deutschtum stehe. Mit diesem unglaublichen Irrtum, der bis vor dreißig Jahren bestand, haben wir gründlich aufgeräumt. Für den Zionismus gibt es nur den einheitlichen jüdischen Menschen, dem nichts fremd ist. Das Kind in Palästina denkt hebräisch, spricht hebräisch, gleichgültig was. Es ist nicht zufällig, daß die alten Juden hebräisch gesprochen haben, daß die Bibel hebräisch ist, daß die Propheten ihren Visionen hebräisch Ausdruck gegeben hatten. Nicht deshalb, weil ihnen diese Sprache aus ästhetischen Gründen gefallen hat, sondern einfach als Naturnotwendigkeit. Die Sprachenverschiedenheit ist ein Produkt des physiologischen Unterschiedes und der logischen Denkungsweise. Die Menschen einer Sprache und eines Landes haben gemeinsame physiologische Eigenschaften, beeinflußt von der Mentalität der Sprache. Die Sprache hat ihre' Mentalität, ihre eigenen Gesetze. Nicht die Grammatiker bestimmen die Gesetze, sondern die Sprache diktiert sie den Grammaifcikern. Es ist die Bedeutung Palästinas, das Wertmaß für die' spezifisch jüdische Begabung zu schaffen, ein Wertmaß, das4 in der Diaspora vollkommen verloren gegangen ist. Kein anderes Volk der Welt hat den Gedanken des Messianismus, die Gedankenwelt der, Propheten, den Gedanken der Sabbatruhe. Das sind Produkte der palästinensischen Natur und der hebräischen Sprache. Das sind Eigentümlichkeiten des Landes und seines Volkes. Ein anderes Volk, ein anderes Land, eine andere Sprache hat andere Produkte. In der letzten Konsequenz wird nur Palästina die Möglichkeit bieten, die spezifisch-jüdische Begabung voll auszuschöpfen und die Wertmaße für sie wieder herzustellen. Es wird wieder ein jüdisches Verhältnis zur Kultur entstehen, die verlorengegangene jüdische Geistigkeit, die infolge des konstanten Einflusses der jüdischen Umgebung während zweitausend Jahre verloren gehen mußte, was die Verschiedenheit der Ghetti beweist. Der Prozeß' des Sichwiederfindens, der Rückkehr zum Status des alten palästinensischen Judentums wird dessen Einheitlichkeit wiederherstellen. Es wird das Fremde wie jedes andere Volk in seinem Geist verarbeiten und mit seinem Geist der Menschheit dienen. Wir sind Zionisten, aitle Mühe unseres Lebens dem Zionismus und dem jüdischen Kulturproblem "widmend, weil wir das Bewußtsein haben, der Menschheit zu dienen, die Menschheitskultur, die eine erzwungene Vermischung nicht wünscht, zu bereichern. Ein Bewußtsein, ohne das man ein armseliger Mensch ist. Wer auch nur im .entferntesten, ahnt, daß der Zionismus der Menschheit dient, möge sich seiner Organisation anschließen, mithelfen an einem Werk für die Menschheit. »aV; £aP5Fr *R? -r M- |h.^ "mV map sm®** Arbeiterschaft? ,„ < ... Ifidische Jtfen! m f mtouft& ,y<wmms<$r Qetaossen ^litfd ße^ossSmnln!Ü Der Kv t* - K> „ \\" - , Vereinigte Weltverbaind der Poale Zion und der Hitachduth erließ einen Aufruf, welchen wir aus Raummange •erst heute gekürzt veröffentlichen können,' '; * ■ r Schwer ringen die jüdischen Massen mit der furchtbaren Not. Nun hat am Horizonte des sonst düsteren jüdischen Arbeiterlebens ein ermutigender Hoffnungsstrahl aufgeleuch tet:. eine neue .Kampfposition wurde errichtet.- An uns liegl es, von dieser Position aus den Vormarsch für die gründliche Umgestaltung des jüdischen: Lebens mit erneuter Kraft aufzunehmen Die Vertreter .von zwei großen Bewegungen, die eine tatenreiche, verdienstvolle Vergangenheit haben, und bis jetzt getrennt marschierten, traten in Danzig zu einer gemeinsamen Konferenz zusammen. Unbeschadet ihrer Meinurngsverschie denheit in einzelnen Fraigen, beschlossen sie eine einheitliche Bewegung mit einheitlichem Programm und einheitlichem Aktiönspian zu bilden. Aus allen Ländern der Welt in denen jüdische Arbeiter wirken und leiden, kamen die Vertreter von nahezu 50.000 jüdischen Arbeitern und jüdischer Jugend, die Delegierten des Jüdischen Sozialistischen Arbeiterweltverbandes Po,alezion und der Zionistischen Arbeitspartei Hitachduth, und haben mit Begeisterung ' und Glauben an ihre Idee beschlossen, einen gemeinsamen Welt verband zu schaffen, um. alle bis jetzt im Kampfe gegen einander vergeudete Energie, in den Dienst der sozialen und nationalen Befreiung, der arbeitenden Juden stellen zu können. Es wurde eine einheitliche Organisation geschaffen auf der Grundlage aufrichtiger sozialistischer Gesinnung und des aktiven Zionismus, wobei die Solidarität des Weltpro letariats und seine Zukunft, wie die Umwandlung der Juden in ein Volk der. Arbeit, getragen von den höchsten Grundsätzen des Sozialismus, zu den Grundpfeilern seiner Tätigkeii gehören. Durch unsere Vereinigung wollen wir den Weg zu einer Aendenung der Lage der jüdischen Arbeiterschaft bahnen. Wir geben die Losung der Sammlung aller Kräfte der jüdischen Arbeiterschaft, der jüdischen Jugend und aller progressiven Elemente aus, wir wollen neue Begei; stenung für den Kampf um unser Recht in aller Welt wachrufen, wir wollen das Feuer zu neuem Streben entfachen, einen erstarkten Willen wecken, die gegenwärtige, furchtbare Lage von Not umd Entartung, Ausbeutung und Erniedrigung zu überwinden. Mit der Macht der Einigkeit wallen wir den Kampf wieder aufnehmen um unser Recht auf Arbeit •um den Aufbau eines Palästina der jüdischen Arbeit, um die nationale und soziale Befreiungder jüdischen Volkemassen für die Verwirklichung des Zionismus, für den Sieg des Sozialismus. Genossen und Genossininen! Schließet euch uns an helfet uns bei der Verwirklichung unserer Aufgaben, reihet euch in die Armee der aufrichtigen, erprobten und opfer: willigen Kämpfer für den proletarischen Zionismus ein, die die sozialistische Fahne der leidenden Menschheit, unserei nationalen und sozialen Befreiung hochhält. Hoch die Vereinigung der Poalezion und der Hitach duth! Hoch wegung! die zionistische Verwirklichungstat unserer Be Hoch die Sozialistische Arbeiter-Internationale! :i **onn1;ig, dca i2. Jänner l'hi' abc'uds, im li'est.^aal der 19Ü3, pünktlich um luüb ü.a,sl<i"Ciwei'bUohctU A r!.)ei t ersehn It, IV.; •TreitlsUaüe 3 (nächst dem Karl.sp.Litz) Fest-Akademie ipwidni'-t dorn fünl'undz wan/.ig jährigeti Bestand« des Welfcv(. rb'indcs Loalo Zion und dem Andenken Ber .Borochows. Redner: Prof. Dr. Max Adler Dr. S. Sokal Reichhaltiges künstlerisches Programm. Karten von S .l.bO bis S 5.—■ sind im Sekretariate, IL, lUiunauergass;! \, und bei den Veitrauensmännem zu haben. „Wohlüberlegte Verleumdung^ Eine Erklärung Arlo&oroffs. Dr. Chaim Arlosoroff, der politische Referent de Palästina-Exekutive, veröffentlicht folgende Erklärung: „Der Warschauer ,Moment', Nr. 265, enthält einen voi Berlow gezeichneten Artikel zur Frage des Legislativ Council, der die Andeutung enthält, der High Commissio ner habe, bevor er nach Genf ging, von mir die Zusicherung erhalten, daß sich die Exekutive dem Plan des Legislativi Council nicht widersetzen werde. Der Artikelschrci ber behauptet, ich hätte eine solche Erklärung als Entgel für Zertifikate und andere praktische Vorteile gegeben, um er stützt diese seine Behauptung, durch den Hinweis au ein ähnliches Versprechen, das angeblich von mir in Betref der Einkommensteuer gegeben worden sei. Es ist dies eine sehr einfache Methode, eine LJ,n vv ,a h r h e i t durch e i n e andere z u stützen. Die y o' mir in der Plenarsitzung des Waad Leumi vorgelegten,.Dokumente haben über jeden Zweifel hinaus die Falschheit, dei Behauptung dargetan, daß die Exekutive sich mit der Ein' fübrung der Einkommensteuer in Palästina einverstandei erklärt hätte. Aus den Dokumenten geht hervor, daß die Exekutive sich in dieser Hinsicht absolut freie Harn gelassen habe und daß ich von Anfang an sowohl den High Commissioner wie dem Schatzmeister unmißverstäudlicl erklärt hatte, daß die Exekutive in dieser Sache kein« Stellung nehmen werde, bis nicht alle jüdischen Interessentei gehört worden sind. Zur Frage des Legislative Council erkläre icl hierdurch, daß die erwähnte Behauptung im. .Moment* unc ähnliche anderswo veröffentlichte Darstellungen glatte Un w a h r h e i t e n sind. Ich bedauere es, daß Rücksichten au die politische Arbeit es mir nicht erlauben, alle Dokument* und Tatsachen der Öffentlichkeit bekanntzugeben, um au diese Weise Verleumder zum Schweigen zu bringen, derei böswillige, ,mit falscher Darstellung arbei tende Kampagne das Ziel verfolgt, die z j" (PVnistische Politik zu stören, deren ergebene Be^üiT worter sie zu sein behaupten. Der Politischen Kommission f 1

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.