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Der Jüdische Arbeiter · 1932-11-07 · Heft 20 (7.11.1932) · page 2

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
9 (1932)
Issue
Heft 20 (7.11.1932)
Date
1932-11-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
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f; gtt'tt g 0er ßdtem ÄrStffefl Als vor acht Jahren zum ersten Male to der Geschichte der Juden Wiens untef Hen wahlwerbenden Oruppen für die Kultusgemeinde auch eine sozialistische Gruppe Auftrat, erschöllen aus den Lagern aller Gegner Alarms'gnäle: Die Roten wollen die Kultusgemeinde erobern! Die Sozialdemokraten wollen die Jüdische öerneinde zerstören! Unbekümmert um die irreführende Alarmicrung der jüdischen Wähler, haben wir Unser Programm entwickelt und tausende jüdischer Wähler haben die Vertreter der sozialistischen Gruppe mit ihrem Vertrauen beehrt. Auch vier Jahre später gelang es der" sozialistischen Gruppe, die errungene, Position zu halten und mit 5 Vertretern in die KuWusstube einzuziehen. > * > Was haben die Sozialisten für die Wiener Kultusgemeinde gefordert? " tr Die Zentralisierung' und "zeitgemäße Umgestaltung" desi Fürsorgewesens, bei Verwendung ■ gewählter -Fürsorgeräte in den einzelnen Bezirken. , : 2.f Die Schaffung efnei der Lage der Juden Rechnung tragenden Wanderfürsorge. -' ^'Schaffung eines leistungsfähigen Kreditinstitutes für den Mittelstand. 1 A» Ein .besonderes T Augenmerk soll der Jugendfürsorge ..zugewendet, die Bestrebungen '.der berutochcWS Umschichtung innerhalb1 der^ jüdischeh Bevölkerung sollen geförr dert werden. ■ 4 "■';> : ~ . .5. Die Ausgestaltung des Religionsunterrichtes in einem nach moderner Methode geführten Unterricht jüdischer Volks- und Gegenwartskunde im Einvernehmen mit den * zum Religionsunterricht berufenen Lehrpereonen.. .• •••', ."'6.-' Die •' Herstellung: deines freundlichen Verhältnisses zwischen den Angestellten und - , 1 , dem Vorstände . der Kultusgemeinde,die Annahme einer progressiven Dienstpragmatik. 7. Zwecks Ueberwachung der Wahrung der vollen bürgerlichen Rechte der Juden soll von der Kültusgemeinde ein eigener' Ausschuß eingesetzt werden und man soll an . .... die Schaffung eines Bundes aller jüdischen Gemeinden Oesterreichs herantreten. 8. Die moralische und materielle Förderung des Palästinaaufbauwerkes durch die -Kultus- _______gemeinde soll ^vertreten ,,werden; auch sollen ,wii . eine ..tatkräftige Unterstützung, der, Institutionen der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas durch die Kultusgemeinde anstreben. Als Voraussetzung für die Umgestaltung der Kültusgemeinde in diesem Sinne forderten wir die Einführung des allgemeinen,? gleichen, direkten und geheimen Wahlrechtes für alle jüdischen Männer und Frauen, die das 21. Lebensjahr vollendet haben; die Gewährung des passiven Wahlrechtes an Frauen und an Angestellte der Kültusgemeinde. In den; .abgelaufenen acht Jahren haben die sozialistischen Vertreter im Kultus- Vorstände unablässig, für die* Erfüllung dieser Forderungen gewirkt. J 1; ' *- Was haben wir erreiclit? ' ' Der alte.beschämende -Zustand im Fürsorgewesen Jst beseitigt, die Zentralisierung ist durchgeführt, worden, gewählte Fürsorgeräte haben, die-.Möglichkeit auf die Erledigung der Fürsorgefälle , Einfluß zu' nehmen^-wenn auch"; ihre-.» Machtbefugnis' der Bürokratie gegenüber. 2Ü ,gering .ist; die Wanderfürsorge ist in zeitgemäße Bahnen gelenkt worden: V der von Stadt zu Stadt..und von Land zu Land, wandernde,; Beschäftigung suchende Jude, der Wien berührt/ muß sich . nicht mehr, der alten Tradition gemäß, von Gemeinde zu Gemeinde fortschleppen; sich selbst und seinen Mitmenschen. zur Last, er kann rascher und. zweckmäßiger als; früher sem Arbeitsziel errejjcJjen..ifV,! Die ' Gemeinde hat sich wohl für die jüdische Mittelstaridsbank mehr als früher interessiert, aber .nicht 'in jenem .Maße, um sie in die Läge zu setzen, der Notlage des jüdischen Mittelstandes gerecht .werden zu können; * | , , Die Anwesenheit einer sozialistischen Vertretung' im Kultüsvorstande hat wohl dazu beigetragen, das. Verhältnis zu den Angestellten freundlicher zu gestalten, aber noch, immer besitzen '.die. höchsten Beamten eine derartige Uebermächt, daß die. gesamte, Beamtenschaft ,nicht; in der Lage ist, sachlich und verantwortungsvoll in der Verwaltung der Gemeinde mitzuwirken. Diese, rückständige Verwaltungsmethode hat der jüdischen Gemeinde schwere moralische und materielle Einbuße verursacht. Der Jugendfürsorge ist wohl mehr Aufmerksamkeit geschenkt worden; wir haben Jahre hindurch auf die Schaffung eigener Institutionen gedrängt und die Kültusgemeinde sah sich aüch gezwungen, ein viel versprechendes Jugendferienheim in Kottingbrunn zu schaffeni .aber noch immer blieb die KuHusgemeinde untätig gegenüber der besonders furchtbaren Arbeitsnot unter der jüdischen Jugend. Der Boykott jüdischer Arbeiter und Angestellten hat unerträgliche Formen und ungeheuren Umfang angenommen; die Einführung einer jüdidlschen Berufsberatung ist zu einer brennenden Notweneigkeit geworden. Wir konnten aber der bürgerlichen Mehrheit im Kultusvorstande kein Verständnis für diese Aufgaben beibringen Das Palästinaaufbauwerk ist wohl durch die Kultusgemeinde gefördert worden,, auch die Institutionen der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina wurden mit einem kleinen! Betrage bedacht, aber das war immer nur das Resultat langwieriger Verhandlungen unter den Parteien des Kultusvorstandes, aber nicht der Ausfluß der Erkenntnis, daß das! Palästfnaaufbauwerk keine Parteiangelegenheit, sondern ein zentrales Problem des" ge*' samten Weltjudentums und aller jüdischen Gemeinden ist.! Warum konnten nicht die sozialistischen Vertreter im Kultüsvorstande mefif) erreichen? ' > Warum, konnten wir nicht die Wiener Jüdische Gemeinde bewegen, daß si« energische Versuche, zur Linderung der furchtbaren Wirtschaftsnot unter den Juden] einleite?' - ■ * Well die sozialistischen Vertreter an Zahl zu schwach waren, um den beharrliche* Widerstand der bürgerlichen Vertreter, insbesondere der stärksten Gruppe, der reaktionären; {Vertretung der Geldjuden, der „Union Österreichischer Juden", zu überwinden. Warum ist die „Union".' trotz" ihrer'' volksfeindlichen Poetik bis jetzt noch tarnet so starrk an Zahl im Kultüsvorstandegewesen? Weil es ihr gelang, beim größten Teile der judischen Wählerschaft jedes Interesse für die Jüdische Gemeinde niederzuhalten, und weil sie sich beharrlich weigerte, durch/ die Einführung; desJ; allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechtes;. für alle jüdischen Männer und Frauen, die das 21. Le- > bensjahr vollendet haben, die Tore der Jüdischen Gemeinde allen Juden, die sich zu ihr zählen, zu öffnen. ' ,,v- Dank dem Wirken der in allen jüdischen Fragen positiv eingestellten Gruppen * im * Kultusvorstande hat aber die Zähl der Wahlberechtigten doch gegen 52.000 erreicht} Vor der Entscheidung dieser großen Zahl jüdischer WaWer gerieten die für die unzulängji ' liehen Leistungen der jüdischen Gemeinde Hauptverantwortlichen — die „Union", — bt große Angst. Vorerst versuchten sie die Wahl hinauszuschieben, da dieser Versuch aaj dem entschlossenen Widerstand der sozialistischen Vertreter scheiterte, gingen sie auf die Suche nach Bundesgenossen, die sie vor einer vernichtenden Niederlage bei den bevor« stehenden Kultuswahlen schützen könnten. Sie fanden sie . auch bald in den sogenannten] „Werktätigen Juden", deren t 2 Vertreter im Kultüsvorstande den sozialistischen Klub) längst verlassen haben, und, im letzten Jahre im Vorstande eine klägliche Rolle spieften^ ■ Für den Preis-der Zusicherung von Mandaten seitens der „Union" gaben sich diel „Werktätigen" dazu her, den Sozialisten in den Rücken zu fallen und der reaktionären , plutokratischen „Union';* . Schützenhilfe zu. leisten. -r" I Wir betrachten es als unerhörte Irreführung, wenn die Maadatschacherw'alilvereinl«? gung,: die: sich ^Nichtnationale Liste" nennt, der jüdischen und sozialistischen Oeffentlieh^' .keit;einre.den will, sie wird -.fftr, dasallgenjeine- Wahlrecht, für die demokratische Und sozial« Ausgestaltung , der Kültusgemeinde eintreten. Wenn das wahr^ wäre, wer iiindert sie denn jetzt daran, dieses Pipogram'in der kultusgemeinde zu verwirklichen, da mit ihren Stimmen ein einhelliger Beschluß in diesen Fragen zu erzielen wäre? . . ,Die Herren der ,^ichtriaitionalen Liste" glauben wohl, daß die jüdische Wähler^ Schaft noch.so unreif1 ist, i^ß^sie^diese Irreführung nicht durchschauen wird, daß sie dieser Gesellschaft' zur gegenseitigen;rSiefierung der gefährdeten Mandate noch Vertrauen sehen ken wird. Der 4. Dezember soll die Herren der „Nichtnationaleti Liste" belehren, daß sie die Reife der jüdischen Bevölkerung Wiens unterschätzt haben. An der Niederlage, die ihnen die jüdische Wählerschaft bereiten wird, sollen sie es erkennen! Jüdische Wählerl Wir haben kein neues Programm; Wir bleiben unseren Forderungen, die sieh fafj Laufe der letzten acht Jahre; unserer Tätigkeit in der Kultusgemeinde bewährt haben, tre .Die „Vereinigte Poale Ziön-Hitachduth" und der, „Verband sozialistischer Juden deren Vertreter bis jetzt im Kultüsvorstande im Interesse der sozialen und demokratische; Ausgestaltung der Kultusgemeinde gewirkt haben, wollen diese für die arbeitende jüdische Bevölkerung Wiens fruchtbare Tätigkeit konsequent fortsetzen. Wer also von unserer Jüdischen Gemeinde verlangt, daß sie die Schmach des Rückstandes abwälze und das allgemeine Wahlrecht einführe; das sie das Fürsorgewesen im sozialen Geiste umgestalte und die jüdische Wirtschaftsnot lindere; < ,':v ,■:>-.; / ■ ' ' ■ ■ \ daß Sie unserer Jugend in ihrem Kampfe um Arbeit und jüdisches Wissens helfe; daß sie die Juden Oesterreichs zur Abwehr gegen die feindlichen Angriffe organisiere und den lebendigen Kontakt unserer Gemeinschaft mit den Juden alier Länder und mit dem Palästinaaufbauwerk aufrecht erhalte; wer unsere Jüdische Gemeinde von Verrat und Mandatschacher säubern will, werbe und stimme für die einzige („Pbale Zion? Hitachduth" und „Verband sozialistischer Juden")

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