Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 9 (1932)
- Issue
- Heft 20 (7.11.1932)
- Date
- 1932-11-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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* UaiToroitiitBbibliothek . *i«a,l. V. b. b. Organ der Vereinigten zionistisch-sozialistischen Arbeiterorganisation Poale Zion—Hitachduth in Osterreich Erscheint jeden zweiten Freitag Redaktion und Administration: Wien, II., Blumauorgasse 1 — Postscheckkonto Nr. 17.878. Bezugspreis: ganzjährig S 4.80, halbjährig S 2.50 Einzelne Nummer 2Ö Groschen Nr. 20. Wien, 7. November 1932. 9. Jahrgang. Donnerstag, den 10. November 1932, 8 Uhr abends, Hotel Continental, II., Taborstraße 2 Die Kultuswahlen und die Läge der jüdischen Bevölkerung Referent«!: Dr. 8. 6isnz / Dr. fieo öolOhimmer I H. Singer / Dr. Cd. Tartabower Partei und Kultusioahlen Hodiverrät ier „WefWäligen" an Sozialismus nnO DenoKrafle Seit Wochen hat man durch alle jüdischen bürgerlichen: Zeitungen die sozialdemokratische Partei und •ihre führenden Männer geschleift. Alle wollten wissen; daß führende Genössen der Partei den schändlichen Pakt,,, der,»Werktätigen Juden" mit .deV^i^afe^SreS' „Union'' angeregt :ünd zustande gebracht. Haben, daß die Partei hinter dieser Aktion steht und sie' auch 'finanziert; Verantwortlich für diesen1 Mißbrauch der sozialdemokratischen Partei für diese schmachvolle Sache sind in erster Re\he die „Werktätigen" selbst tund einige jüdische Funktionäre und Mandatare der Partei, die in aller Oeffentlichkeit, auch unter Gegnern, diese unwahren Behauptungen verbreiteten. - Diese lügenhaften Gerüchte wurden endgültig erledigt durch die Noüz über die Kultuswahlen, welche in der „Arbeiter- /.eitung'' vom 1. November veröffentlicht wurde, und deren zweiter teil wörtlich wie folgt lauwt: Et Ut selbstverständlich, daß die'sozlaldemokratitische Partei mit dic:::n Wahlkampf nichts zu tun hat. So wie gem.lß unserem Programm Religion Privatsache Ut, Ut auch die Beteiligung an Wahlen in einer Religionsgc&elUchaft Privatangelegenheit der Genossen, die die «ich von irgendeinem Gesichtspunkt aus dafür Interessieren. Die Partei selbst lehnt grundsätzlich jede Beeinflussung konfessioneller Wahlen ab. Es hat daher niemand das Recht, in diesem Wahlkampf im Namen der Partei für seine Liste zu werben. Es ist auch selbstverständlich eine Verleumdung, wenn behauptet wird, daß die Partei in diesem Wahlkampf mit materieller l'nlertfQtrung irgendwelcher Art für die Nichtnationale LUtv eingreife, 'l 1 Wir hoffen, daß diese eindeutigen, klaren Worte genügen werden, um den „Werktätigen" das unsaubere Handwerk des Mißbrauchs der sozialdemokratischen Partei zu legen. fm ersten Teil der erwähnten Notiz in der „Arbeiter-Zeitung" aber sind Behauptungen enthalten, die zum Teile auf - ungenügende Information, aber auch' auf lügenhafte Mitteilungen an die Partei seitens der „Werktätigen" zurückzuführen sind. ,, Wenn in der Notiz behauptet wird, daß auf deir sogenannten „Nichtnationalen Liste" auch sozialdemokratische Parteimitglieder als Wahlwerber auftreten, wird leider verschwiegen, daß diese „Sozialdemokraten" mit den Banklind Börsejuden, unter denen auch ein Vertreter des Hauses Rothschild figuriert, gemeinsam auf dieser „Nichtnationaien Liste" kandidieren. . Wenn' es aber 'dort heißt; „auch1 auf! anderen Listen erscheinen; Sozialisten", wollen wir es dahin berichtigen/ daß auf der einzigen „Sozia listis c he n; tel&i&i&ifoir; Sozia läemnkiia*, ten karididierew.;'- ." Schließlich, wird noch1 in dieser No.tiz den „Werfe tätigen" das lobende Zeugnis, ausgestellt, daß sie bei politischen Wählen für die Sozialdemokratie Propaganda machen. Demgegenüber, wollen wir feststellen, daß die Poale-Ziön in. Wien seit mehr als zwanzig Jahren, aber insbesondere seit dem Bestände der Republik .für den Sozialismus und für die sozialdemokratische Partei, und zwar nicht nur bei politisch e n W a h l en,! w i r b t, während die „W. J[." nur einige Jahre bestehen.: Äüch der ^Verband sozialistischer Juden", mit"welchem wir gemeinsam die „Sozialistische Liste" bilden,, wirbt unablässig für die sozialdemokratische Partei. Die lügenhafte Informierung 'der Par^ tei durch die „Werktätigen" tritt aber am deutlichsten zutage in der Behauptung der „Arbeiter: Zeitung", .'daß die „Nichtnationale Liste" für die Einführung des allgemeinen Wahlrechtes eintritt. Die Mandatsjäger der „Werktätigen" haben' der „Arbeiter-Zeitung" nicht nur den Inhalt ihres geheimen Paktes mit der plutokratischen „Union", sondern auch •das veröffentlichte Wahlprogramm der „Nichtnatioralert Liste" vorenthalten, denn sonst könnten ja die Genossen nachlesen, daß die „Union" — sie ist in diesem Falle charakterfester und ehrlicher als ihre Partner, die „Werktätigen" — nur für eine verschwommene „Demokratisierung des Wahlrechtes auf breitester Grundlage", aber keinesfalls für das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht eintritt. Es ist völlig belanglos, daß die „Werktätigen" für das Wahlrecht zu kämpfen versprechen, da sie ja innerhalb der „Nichtnationalen" eine verschwindende Minderheit bilden'. Da9 ist Augenauswischerei! Dieser Schwindel mit demEfnrrefert der „NtcMnaüonälen", also auch der „Union" für das allgemeine Wahlrecht, müßte aber auch für die Genossen der „Arbeiter-Zeitung" trotz der lügenhaften Informationen durch die Werktätigen durchsichtig sein, dehn, wen« das wahr wäre/ wer hindert die „Union?' daran, das allgemeine Wahlrecht jetzt einzuführen? Mit den Stimmen der „Union" kannte ja in dieser Frage ein einhelliger Beschluß erzielt werden, Was aber unter, „Dernokranslerunp des MM rechtes" nach Auffassung! der reaktionären „Union' zu verstehen ist, haben wir im Laufe der letzten! Fühl^nsperio^ erfahren. Nach* vier Jahrenkönnte man der „Unioninidn:^mehr als die. ,,TdIreform" abrln-gjen, daß jeriä Mitglieder der Kultusgeniieihde, . 'die Jahrzehnte hinH durch Steuern geleistet häbeny und1 nur; infolge deti •Wirtschaftskrise mit ihren Steuern im Rückstände sitfcfj des Wahlrechtes nicht verlustig werden. / Bis hieher und1 nicht weiter' reichte 'die ,/demör kratische" Gesinnung der p-lütokratischen „Union"!! Kann es einen krasserenV errat an denj primitivsten Grundsätzen der Demokrat tie geben, wie 'd-env den die IWerktätigeänj begangen haben? .-/ Wir billigen vollkommen den S!atfdpunkf det| Partei, daß niemand das Recht hat, „in diesem Wah^| kämpf im Namen der sozialdemokratischen Partei i zu sprechen und im Namen der Partei für/seine Liste zu werben", wir wollen. nur die Frage aufwerfen: Darf es der Partei gleichgültig sein, da'ß politische Mandatare und Funktionäre der Partei auch in eine konfessionelle Körperschaft (diei Wiener Kultusgemeinde ist viel mehr als das, nur ein kleiner Prozentsatz ihres Budgets entfällt fütfreligiöse Zwecke); auf einer gemeinsamen Liste mit der reaktionären Plütökrätie kandidieren? Ist es. mit sozialistischer Gesinnung überhaupt vereinbar, Schützenhilfe einer re* aktipriären Gruppe * zu leisten, die die primitivste} Voraussetzung jeder Demokratie, das allgemeine WahW recht, welches in einer Republik eine Selbstverständ^ lichkeit sein sollte, ablehnt? ■.' Ist das nicht Hochverrat an sozialistischer UeberzeugungJi Darf ein Sozialdemokrat in irgendeiner öffentlich-rechtlichen Körperschaft diesen Verrat begehen, ohne daß ihn die sozialdemokratisch« Partei zurechtweist? ' Wir und viele sozialdemolo^tische Juden mit unsj würden eine Bejahung dieser Fragen unbegreifiic finden, i Alle geslnnungstreuen, ehrlichen sozialdemokratischen Juden werden auf diesen schändlichen Verrat am 4. Dezember ihre Antwort erteilen mit der Abgabe ihrer Stimme für die •t Sozialistische Liste Als Antwort auf den schändlichen Verrät der „Werktätigen"* Werbet und stimmet für die einzige Demokratische Juden! ntiipiüipiJU^WPlii iiyipppH „Sozialistische Liste"