Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 9 (1932)
- Issue
- Heft 17 (17.9.1932)
- Date
- 1932-09-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jfitiisatoe Arbeiter SdfcS durch' erscheint ihr Verhältnis zur zionistischen Organisation geklärt und den zipnistischen Organen! ob^ liegt es nun, darnach zu handeln. Aber auch die Bundesgenossen der Revisionisten aus den Lagern des ' Allgemeinen Zionismus und des „Misrachi", die erst vor 'kurzem für die bedingungslose Anerkennung des revisionistischen Sonderverbandes, gestimmt hatten, werden von den Zertrümmerern der Zionistischen .Weltorganisation merklich abrücken müssen. M. Henisch Gruß an unsere Olim In den nächsten Tagen verabschieden wir gegen zwanzig Arbeiterpiortiere, Chälu'ziim, die nach1 Palästina) jgehen. Unsere Genossen und Freunde haben das' 'Glück ins Land zu kommen in einem Zegtpunjk'te,; inj welchem dort ein wundervoller Aufstieg wah'r-J zunehmen ist. Sie verlassen ihr Geburtsland in einemi Zustande würgender Arbeitslosigkeit, trostlosen wirtschaftlichen Verfalls lund steigen im das jüdische Land auf im Zeitpunkte ununterbrochenen Aufbaues. "Wir wollen; dessen froh sein, aber-man1 darf tnötzH dem nicht vergessen, daß der Weg zur Regenerationl unseres Volkes 'dornenvoll'ist daß, auf diesem Wege viele Gefahren, lauern. Von .Rechts und Links, Revisionisten wie Kommunisten1, versuchen die Schwierigkeiten des Aufbaues auszunützen, um die jungen'! jüdischen Arbeiter vom Wege der klassenbewußten! jüdischen Arbeiterschaft im Lande abzulenken. Dagegen müssen sich unsere Rreunde wappnen. . Wir wünschen unseren1 Genossen und Freundem, daß es ihnen beschieden sein möge, im Lande rasch1 Fuß zu fassen1, daß sie sich reibungslos im das großer Heer unserer Arbeiter-Brüder einfügen. Sie sollen« aber dem zionistisch-Sozlialistischen Ideale, das sie nach Palästina führt, treu bleiben'. Genossen und Freunde, viel Erfolg! Auf Wiedersehen in unserem Lande! Unsere Generalversammlung Nach fast einem Jahre der Tätigkeit der vereinigten Organisation schreiten wir zum Rechenschaftsbericht und .zur Wahl einer meuem Lei tunig: Im den . ersten Monaten unserer. Tätigjkeit .galt es zunächst das gegenseitige Mißtrauen zu überwinden,' beide Heile der vereinigten Organisation! eiriamdeii näher zu bringen. Wir glauben behaupten zu dürfen^ daß diese Aufgabe erfüllt wurde. Alle Mitglieder um-,. ..serer Organisation fühlen sich1 als Gleichgesinnte ini unseren Reihern. Auch auftauchende Meinungsverschiedenheiten werden .nicht mehr auf der Linie den, .früheren Zugehörigkeit zur Poale Zion oder zur Hin tachduth erörtert und aufgeklärt.! Die'General Versammlung steht heuer im Zeichen der Vereinigung in der Weltbewegung und deri, Wiener Kultuswahlen. Beide Ereignisse legen: uns| große Verpflichtungen auf. Die Vereinigung verpflichtet uns zur Intensivierung unserer Tätigkeit, um[ das eigentliche Ziel — die Stärkung der sozialistisichn .zionistischen Armee zu erreichen. Der Kampf im die (Kultusgemeinde soll die Vertreter der jüdischen Pl'uto- .kratie zurückdrängen und dem Sozialismus im jüdischen Leben neue Positionen erobern». Die Generalversammlünig wird sachliche Arbeit leisten müssen, wenn sie diesen wichtigem Aufgaben: gerecht werden soll. - Antisemitische Pöbeiei im „Kleinen Blatt" Im „Kleinen Blatt" vom 13. September 1932 lesen wir tt. ä. folgende Zeilen: „Nach etwa vierzig Minuten eröffnete Göring die Sitzung und nun führte er ein Schwindelmanöver auf, wie es hinterlistiger und verdrehter kein Tarnopoler Jude zuwege gebracht hätte." Wir wollen nicht untersuchen, pb es journalistÜ1sehe Fahrlässigkeit, oder bewußtes Treiben eines Journalisten ist, der eine sozialistische Zeitung durch antisemitische Pöbeleien entwürdigt. Wir haben wiederholt auf die Gefahr des Antisemittelris in; sozialistischen Zeitungen hingewiesen! und halten es .für zwecklos, nochmals darauf einzugehen. Eine sozialistische Tageszeitung muß, sich ihrer Verantwortung bewußt sein, sonst 'verwirkt sie das Recht, als solche behandelt zu werden. , Wir machen die Leitung 'des Blattes darauf aufmerksam und verlangen, daß sie solche antisemitische Ausschreitungen ihrer Mitarbeiter verhindere. Jiichak Grünbaum in Wien Iii den letzten Tagen hielt skh Jizchak Grünbaum in Wien auf. Grünhaum zählt zu den schönsten Gestalten in der zionistischen Weltbewegung. Er ist ein Mann, der nicht den „Strömungen der Zeit" nachläuft, er bleibt sich und seinen Grundsätzen treu. Er leidet für seine Ueberzeugungen. Es ist geradezu tragisch zu beobachten, wie isoliert der konsequente Demokrat Grünbaum im jüdischen Bürgertum Polens ist. Das jüdische Bürgertum in Polen ist kampfmüde, sehnt silch nach Burgfrieden. Grünbaum weiß, daß nationale Rechte erkämpft werden müssen, nicht erbettelt. Grünbaum weicht aus, er üb er siedelt nach Paris, aber er bleibt seiner Ueberzeugung treu. In Wien sprach Grünbaum, in einer Versammlung über den jüdischen Weltkongreß. Seine Ausführungen brachten wohl nicht viel Neues, sie bekräftigten aber die Feststellung, daß Grünbaum mit seinen wahrhaft demokratischen, arbeiterfreundlichen Anschauungen auch unter den Radikalen Ziomisten ziemlich isoliert dasteht. , Im zweiten Vortrag setzte sich Grünbaum mit den Revisionisten auseinander. Auch hier war Grünbaum eindeutig und klar. Er verurteilte die Zerstörungsarbeit der „Hundertprozentigen". Die Gairde des Herrn Stricker versuchte die Versammlung zu stören,- sie wurden aber aus dem Saale entfernt. , der Arbeiterschaft (Histadnith) zumindest 7000 Einteise- Zertifikate für dem bevorstehenden Zeitabschnitt anzufordern. Die Zuweisung der Arbeifestelteti. Den Informationen der Einwanderungszentrale entspre* chend, dürfte die Zahl der auf Grund der Zertifikate April* Oktober eintreffenden Chaluzim 1000 erreichen. Es kommen noch hinzu gegen 400 Chaluzim, die von ihren Verwandten ins Land gebracht werden, und'gegen 90 Chaluzim, die sich bereits im Lande befinden und auf die Zuweisung einer Arbeitsstelle warten. Diese Chaluzim werden wie folgt eingeordnet werden: Kibuz Hameuchad 475 Mann, Haschomer Hazair 320, Gördohia 120, Andere Kwuzoth 90, gegeni 500 werden einzeln eingeordnet werden, Sollte auch die Zahl der Arbeitsuchendem größer sein, wird sie auch keine Schwierigkeiten bereiten*, da gegenwärtig eine ausgesprochen günstige Konjunktur vorherrscht. Die Bodenreserve des Nationalfonds. In der letzten Zeit wurde wiederholt die Frage aufgeworfen, ob es zweckmäßig sei, daß der Nationalfonds mit Rücksicht auf die Bodenreseirven, über die er verfügt, die Bodenkäufe fortsetzen, soll. Aus dem Kreise der „Histadruth" wird darauf hingewiesen., daß in dar, nächsten Zeit der größte Teil der anbaufähigen Bodenflächen des Nationalfond9 bestellt werden soll. Das Tempo dier Ansiedlung im letzten Jahre berechtigt die Befürchtung, daß wir in kurzem unter Mangel an anbaufähigem Boden, insbesondere in der Pflanzungszone, zu leiden haben werden. Die Intensivierung derTätigkeit für den N a tio n al f o n d s ist gegenwärtig dringender denn je. Die „Histadruth" erwirbt ein großes Haus*. Das Haus, welches die „Histadruth" in. Tel-Aviv besitzt, reicht schon lange für die Unterbringung ihrer wichtig-! sten Institutionen nicht aus. Nunmehr hat sie an der Ecke der Alenby und Jehuda-Halewistraße in Tel-Aviv das große Hau« des einstigen Hotels „Herzliah" käuflich erworben. Das Haus 'hat 40 Räume. Durch Zubauten wird man in der Lage sein, die. meisten Institutionen der „Histadruth" in diesem Hause unterzubringen. | Mosche Lejb Halpern | Aus New York kam die erschütternde Nachricht^ vom plötzlichen 'Ableben des Dichters Mosch'e Lejb Halpern. Halpern stand im 46. Lebensjahre, sein Ge-, burtsort ist Zloczowy Ostgalizien. Er war einer delr begabtesten und originellsten Dichter cFer jiddischen Literatur. Er war einer der ersten, der sich1 von dein Schablone süßlicher Lyrik emanzipierte. Er verfaßite „Songs, die mit der Prokiamationsdich'tung, die seit einigen Jahren in allen Literaturen grassiert, nichts! gemein: hat. Er war ein echter Dichter. Die Lücke,*, die Mosche Lejb' Halpern in der jiddischen Literatur hinterläßt, wird nicht leicht auszufüllen sein. äms Palästina 7000 Zertifikate werden angefordert. Mit Rücksicht auf die außerordentlich günstige Lage des gegenwärtigen Arbeiitsmarktes in Palästina und im Hinblick auf die neuen großem Arbeiten,' die . in den nächsten Monaten durchgeführt wardein sollen, gedenkt die Leitung Aus der Tätigkeit des „Jachin" Als Resultat der Werbetätigkeit der Vertreter des „Jachin" Koller und Zwi Jehudiai sind heuer in Amerika zwei neue Gruppen von Pflanzen auf privatem Boden organisiert worden unter dem Namen: Gan Hadar Bejs und Gan Hadar Gimel. Für diese beiden Gruppen sind in der Nähe von Nawah 350 Dunam Orangenpflanzungen angelegt worden. Die Gruppe: Gan Hadar Alief legte ilm Jahre 1931 .Pflanzungen _. auf einer Fläche von .300 Dunam am. Heuer ist auch in Amerika eine zweite Gruppe von Ansiedlern aus Mitgliedern der Poale Zion mit dem Namen: Cheruth Bejs zustande gekommen. Eine Pflanzungsanlage im Umfang von 400 Dunam auf dem Boden* des Nationalfonds für diese Gruppe-steht unmittelbar vor ihrer Beendigung. Die Gruppe Cheruth Alef legte bereits Am Jahre 1931 in der. Nähe von Kfar Saba Pflanzungen auf einer Fläche von 200 Dunam an. Die Bemühungen der Vertreter des „Jachin" in Europa brachten noch keine greifbaren' Resultate. In der nächsten Zeit aber dürfte eine Gruppe aus Damzig 250 Dunam privaten Bodens für Pflanzungen erwerben. Im Anfangsstadium befindet sich die Aktion einer Siedlungsgesellschaft in Litauen und des Genossen Ben-Aharon, welcher in der Tschechoslowakei für „Jachin" wirkt. Auch aus Polen unterhandeln 5 Familien, die sich ansiedeln wollen, über Pflänzlings an lag eh. ' ' ...,> Der „jachin" erhielt heuer insgesamt Pflanzungsaufträge für eine Fläche von 960 Dunam. Einschließlich der Aufträge der vorhergehenden Jahre erreicht. die Fläche der durch den „Jachin" angelegtem* Pflanzungen einen Umfang von fast 3000 Dunam. Mehr als 1900 Dunam Pflanzungsanlagen hat der „Jachin" bereits seinen Auftraggebern übergeben. Es soll festgestellt werden, daß mehr als 90 Prozent der Auftraggeber des Jachin aus Pflanzerfamilien.' bestehen, schichte einer bestimmten wohlhabenden, oftmals kultivierten, jüdischen Oberschicht kennen gelernt, einer Schicht, die einstmals bestimmend im, deutschen Judentum war. Auch Professor Franz Oppenheimers Erinnerungen geben einen interessanten Einblick in das' Berliner Judentum zu Ende des vorigen und Anfang dieses Jahrhunderts. In Berlin ist auch der bekannte amerikanische jüdische ■Schriftsteller Ludwig Lewisohn geboren. Das amerikanische .Judentum zählt drei Einwanderungsschichten. Die ursprünglichen jüdischen Einwanderer waren. Sefardim, die nach der Vertreibung aus Spanien und später aus Portugal in die Neue Welt übersetzten. Im 19. Jahrhundert bildeten die deutschen Juden, besonders aus Bayern und Ostdeutschland, das wichtigste jüdische Einwandeirerelement. Die Verfolgungen im Osten führten dann zur gewaJtigsten jüdischen Wanderbewegung seit Jahrhunderten und weisen Amerika heute die Rolle zu, die Babylonien und später Spanien nach der Zerstörung des Tempels für die Fortexistenz der jüdischen Gemeinschaft gewonnen hatten. „Gegen den Strom" und „Erbe im Blut" sind zwei Bekenntnisse eines am Amerikanertum irregewordenen jüdischen Menschen, der zurückfindet zu seinem Volke, nachdem die puritanisch-christliche Unduldsamkeit und die amerikanisch-nordische Rassehpolitik in Lewisohn den sozialistischen Rebellen geweckt hatten. Immer wieder erfüllt uns das Gefühl des Staunens darüber, wie .ähnlich sich trotz der lokalen und kulturellen Verschiedenheiten das Schicksal der jüdischen Gemeinschaft abspielt. Welcher Unterschied zwischen einem in Amerika aufgewachsenen assimilierten deutschen Juden wie Lewisohn . und dem ganz im jüdischen Volkstum wurzelnden Schalom Asch! Und doch, nian spürt, wie hier ein gleiches Schicksal gleiche oder ähnliche geistige Folgen nach sich zieht. Schaiom Asch ist der Vertreter des demokratisch und sozialfortschrittlich gerichteten, durch und durch nationalen Ostjudentums, ein Mann, der nicht nur durch seine New-Yorker jüdischen Arbeiterromane wie „Onkel Moses", „Die Mutter", „Die Kindßr Abrahams", uns von dem Leben, dem Hunger, den Streiks, der gesellschaftlichen Entwicklung des jüdischen. Proletariers aus der Damenmäntelfabrikssklaverei hin in die Berufe des Rechtsanwalts, des Versicherungsvertreters, des deutschen Juden, erzählt, sondern der auch durch sein historisches Gerechtigkeitsgefühl („Von den Vätern") und durch die Schilderung der jüdischen Frau („Die Gefangene Gattes") dem deutschen Leser einen tiefen Eindruck seiner Persönlichkeit vermittelt. - Berühmt und gerühmt ist AschV Trillogie: Petersburg, Warschau, Moskau. Dieses Werk führt uns zurück in die eigentliche Heimat Schalom Asch's, Rußland. Petersburg, die Stadt, in der nur jüdische Kaufleute der ersten Gilde wohnen durften, ist die. Heimatstadt des Heldens der Erzählung. Er wächst in einer seichten, traditions- und Hebelosen, großbürgerlichen jüdischen Umgebung auf, sucht den Weg. der Lösung, den eine Frau, eine mütterliche Frau, jüdische Soziailistin, ihm weist. Diese Bindung bringt ihn nach Warschau, in den Hexenkessel der jüdischen Revolutionäre der zaristischen Zeit. Jüdische Lehrer, polnische Patioten, streif kende jüdische Weber, Gefängnisse, alles zieht an ihm vorhei, aber im Grunde: bleibt er doch fremd, eine Handbreite trennt ihn immer wieder vom Volke, trotz seiner Liebe'und seiner politischen Hingabei. Der Konflikt wird ganz stark und offenbar bei der russischem Revolution, die ihn nach Moskau bringt. Er, der Intellektuelle, macht die Revolution nicht nur mit dem Herzen mit, sondern auch mit dem Verstände. So schließt er 'sich den Sozialisten an, während die bolschewistische Revolution siegreich wird. Dieser Roman ist, mehr noch als die anderen ein persönliches, philosophisch gefaßtes Werk Asch's. Bim änderer russischer jüdischer Roman: Die seltsamen Erlebnisse des Lasik Roitschwantz, entstammt der Feder Iljai Ehrenburgs. Mit unendlich viel Humor wird der Leidensweg eines im Grunde unpolitischen jüdischen Schneiders geschildert, ein jüdischer Don Quichotte, jedoch ohne dessen Ritter-Bewußtsein. Wie Roitschwantz in Rußland wegen „konterrevolutionärer Seufzer" ins Gefängnis wandert, in Polen als Bolschewist verfolgt wird, in Deutschland von einem Nazi-Apotheker als Reklamebild gebraucht wird, .in Frankfurt von der deutschein Orthodoxie als frommer Rabbiner behandelt wird, bis man ihn wegen seines Gutachtens, Schinken wäre koscher, wegjagt, das ist unbeschreiblich komisch geschildert,' und auch die manchmal durch groteske Uebertreibungen entstehenden Bilder von der „verfaulenden Bourgeoisie" mindern den Wert dieses Romanes nicht. Schließlich gibt Mejr Ben-Gawriel (Eugen Höflich) in seinem ins Deutsche übersetzten „Füchse" in Jerusalem" (Orientabteil'ung III) den ersten palästinensischen Kriminalroman von erstaunlicher, auch politischer Aktualität. Das* unterirdische Wirken schurkischer Waffenhändler, die im Zusammenstoß der jüdischem und arabischem Welt ihren Vorteil suchen, wird neben recht reizvollen Liebesgeschichten geschildert, und in diesem Sinne kann man das Werk einen jüdischen pazifistischen Roman nennen, wobei das palästinensische Lokalkolorit uns ein neuartiges Bild des jüdischen Palästina vermittelt. . ,