Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 9 (1932)
- Issue
- Heft 6 (18.3.1932)
- Date
- 1932-03-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Öitf |&d^ftt '^tidKfir J 'SäiS- 50 Jähre Pälästinabewegung, 30 Jahre Jüdischer Nationalfonds. Volkes. Palastina, das Land, in denf heut« sdfoon die zahlenmäßig und taffüreehöpfefisdf' s&ktk&te jödiädie Minorität lebt ist der Ort, Von tfo atii dutdt Aufbau und Arbeif die Fortdauer unseres Volkstums! gesichert werden kann. Die neue Agrarpolitik des Bolschewismus!, die Errichtung von Sovchosen, in welchen Juden und Russen vereinigt sind, hat die nationalen Illusionen, die an das russische Kolonisationswerk geknöpft wurden, zerstört. Nicht nur sozialpolitische Motive sind es1 also, die uns heute das hesthalteti am Zionismus diktieren, vielmehr auch unsere Bejahung des jüdischen Volkstums?, die weit entfernt ist von jedem nationalen Chhauvinismus und ihren schönsten Ausdruck in den Dichterworten Beer^Hofmanns gefunden hat: Ufer nur sind wir und tief in uns rinnt Blut von Gewesenenen, zu Kommenden rollt's, Blut unsrer Väter, voll Unruh und Stolz, In uns sind Alle, wer fühlt sich allein? Du bist ihr Leben, ihr Leben ist dein. Die zionistische Exekutive über aktuelle zionistische Problemeunter Vorsitz des Gen. Berl Locker fand eine Pressekonferenz der Exekutive! statt. Prof. Brodietzk'y referierte über die politische Lage, wandte sich1 schaff .gegen die Revisionisten, die die falschen1 Gerüchte 'um die Round-Table-Konferenz verbreitet!en,. „Die Exekutive", sagt er, „hat kategorisch erklärt, daß diese Gerüchte unbegründet sind, daß maß weder offiziell, woCh inoffiziell, weder direkt noch' indirekt, einer) Round-Table-Konferenz mit den Arabern ncähergetreten ist; daß die britische Regierung jede Kenntnis eines solchen Vorschlages abgeleugnet hat. Diie im Auftrage der Exekutive abgegebene Erklärung, daß auf keinen Fall Entscheidungen, in Dingen dieser Art, ohne die höchsten Instanzen der Zion. Organisation und der jewish Agency getroffen werden würden1, ist als das Gegenteil dessen, was sie wirklich besagt, gedeutet worden1. Landentwicklungsplan. Das wirklich' wichtige Problem — führte Brodetzky weiter aus — ist momentan das des Landentwicklungsplanes und der, Bodenpolitik. Herr French1 arbeitet zurzeit am seinem zweiten: Bericht, in; dem ■er ein. definitives Programm der Entwicklungsarbeit vorschlagen! soll. Die Untersuchungen! des Herrn) Fren'ch' sind noch nicht abgeschlossen: und es1 wird noch' einige Zeit verstreichen, bis die Jewish Agency ht den Besitz der beiden Berichte gelangen wird. Gemäß fder Regierungserklärung vom Juli 1931 muß; der Bericht des Lanidentwicklungsdirektors zuerst der jewish1 Agency und der arabischen Exekutive im Palästina unterbreitet werden, ehe er, zusammen mit dem jüdischen: und arabischem Bemerkungen und denen des High Com missioners, von diesem am dem Staatssekretär 'nach London gesandt wird. Die Mehrzahl der Exekutivmitglieder wird beim Eintreffen: der Berichte m! Palästina seim, um dieselben diskutieren zu 'kommen. Außerdem sind Vorkehrungen getroffem, um die höherem Organe der Zionistischen: Organisation iund der Jewish1 Agency ohne Verzögerung zu1 Rate .ziehten! zu können, falls dies eirforderlich seim solltje.- Das Verhältem! der Exekutive gegenüber den: Problemen der Entwicklung] und Landesgesetzgeb'ung) steht im'voller Uebereinstimmung mit dem Instruktionen des Kongresses und des Council der jewish' Agency. * v \ , Gen. Berl Locker über Organisation Im der Pressekonferenz teilte ferner Gen'. Berl Locker über die Aufgaben!, das Arbeitsgebiet und 4ie Erfolge des Organiisations-Departements u. a. folgendes mit: , j Daß es 'gelungen1 ist, während der vergangenen | Monate einer umglaublichienj wirtschaftlichen Depression' iund politischem Unruhe dem bisherigen Stand aufrecht zu erhalten und gewisse, nicht unbeträchtliche! Fortschritte zu machen, ist nur einer stillem und unauffälligen1, aber intensivem und aufreibendem Arbeit #er Exekutive umd ihrer Mitarbeiter im allem Ländern! zu verdanken. ' Die ungestörte Fortführung der normalem Arbeit sumd die Deckung des Budgets im Palästina; und in .London war nur durch1 gleichzeitige' drastische Einschränkung der Ausgaben möglich'. So hatte der Keren! Hajessod in der Zeit von Oktober bis Dezember 1931 56.000 Pfund eingenommen, darunter 16.600 Pfund im Amerika, .10.700 Pfund im England, 3400 Pfund im Südafrika und 4000 Pfund in Polen1. Die Eingänge waren trotz' aller Schwierigkeiten: höher als im Jahre 1930. ... .. Die Exekutive hat die Budgets im Palästina, wie auch im London, soweit es möglich war, gekürzt und ihrem administrativen Apparat bis aufs äußerste eingeschränkt. Es ist in Palästina der Beamtenapparat vom 118 auf 56 und in London von 39 auf 24 reduziert worden. Vom besonderer Bedeutung sind die Bemühungen', die jetzt gemacht werden, um die gegenseitige Isolierung der zionistischem Parteien' zui beseitigtem iund die Territorialverbände zwecks einer Kooperation! mrid Konzentration sämtlicher zionistischer Energie« immerhalb eines jeden Landes zu schaffen. Diesem Konsolidierungstendenzen stehen1 leider die Spaltungsversuche entgegen, die seitens der Revisionisten in die Bewegung hineingetragen! wunden. Es war eine glückliche Idee, dieses Doppeljubifäum im* Zeichen einer intensiven Tätigkeit für die Erlösung de$ Bodens Palästinas aus den Händen der Effendis, die ihn seit Jahrzehnten unbebaut und brach liegen lassen und ihn in den Besitz des jüdischen Volkes überführen, um Kultur an Stelle von öden Flächen entstehen zu lassen. Dieses Doppeljubiläum kennzeichnet die wichtigsten Meilensteine in der Entwicklung der Regeneration des jüdischen Volkes. .\ * >■ Vor fünfzig Jahren schickten sich einige Gruppen von Juden aus Osteuropa an, um der Sehnsucht ihres Volkes nach der Rückkehr zu selbständigem jüdischen Leben* in Palästina realen Ausdruck zu verleihen. Sie verließen ihre Wohnorte, gaben das „Kulturleben" in den - Städten auf, zogen nach Palästina, um dort auf dem verwahrlosten Boden als Bauern zu leben. Wer vermag zu ermessen, welche innere Kraft, welcher Mut und welche Begeisterung notwendig waren, um diesen Entschluß in Taten umzusetzen! Nur eine große Idee konnte den Gruppen der „Chowewe Zion" Mut und Ausdauer, verleihen, um unter den ungünstigsten Bedingungen die Grundlagen für neues jüdisches Leben zu, schaffen. Nur die historische Notwendigkeit einer gründlichen Umgestaltung der Struktur unseres Volkes konnte diesen „Liebhaber Zions" Kraft verleihen, noch nie Dagewesenes zu schaffen. Allein, dieses Streben hatte seine Grenzen und Schattenseiten. Die „Chowewe Zion" waren wohl getragen und be- ^^«ni^n Karmal mit dem Beiwort Original Bekommt man heut' schon überall Doch, ist's nur dann kein Schwindel Wenn Sie ihn bestellen bei N» Splnc8@B Alleinverkauf für Österreich Wien» I.9 Laurenierberg 3 Telephon R-29-7-34 MmBMmBMsamnBmammmmmmmmmwmmammmBm seelt von einer in den Tiefen unseres Volkes schlummernden Sehnsucht nach einem schöneren und würdigeren jüdischen Leben, sie fanden. aber nicht den, Weg und die Mittel (oder war es noch nicht an der Zeit?), um die Idee, die sie beseelt, auf die jüdischen Volksmassen zu übertragen. Sie blieben deshalb isoliert. Sie machten wohl mit ihrem persönlichen Leben ernst, aber sie konnten das jüdische Leben nicht genügend befruchten. Da eine intensive Wechselwirkung zwischen den ersten jüdischen Siedlern in Palästina und den Massen unseres Volkes nicht bestand, sind die „Chowewe Zion" jüdische Grundbesitzer geworden, die Aus Palästina, Tagung der Assefath Haniwctiarim (Jüdische Nationalversammlung) Palästinas. Die II. Vollversammlung der Assefath1 Haniweh'arim Qüd. Nationalversammlung) wurde am 29. v. M. in. Tel- Awiw mit einer großen Rede des Vorsitzenden' der -Versammlung, des Gem. Ben Zwi, eröffnet, in der dieser die Organisation der jüdischen Gier meinden im Rahmen1 der Knesseth Jisrael eingehend' besprach, sich1 dann der Erörterung der britischen] Politik in Palästina' zuwandte. und feststellte, daß; die im Brief des Premierministers MacDonald an Doktor, Weizmann gegebenen, Versprechungen nicht erfüllt wurden, die in1 dem Brief angekündigte neue Politik Großbritanniens in Palästina nicht zur DurchberatuWg gelangt, ist, und daß, die seither verstrichen^ Zeit den Juden nur Enttäuschungen gebracht hat. Ben Zwi wies auch' auf politische Gefahren hini, denlen der 'Jisch'uw im! Palästina begegnet, und forderte dringend den gesamten Jisch'uw auf, sichl auf die Aufgaben der Einwanderung und der Arb'eitsfbeschäffumg für die Einwanderer zu konzentrieren, damit der Aufbau des jüdischen Nationalheims nicht iw Stagnation gerate. Ben' Zwi gedachte der jüdischen Opfer der arabischen Schießerei in Jad Jur und der auf einer Wandertour getöteten Heinrich' Stahl und Frl. Zohär-Goldstein. Er beglückwünschte den Reiter des jüdischenNationalfönds, M. M. UssisCh'ki'ri, "zu seiner 50jährigen Arbeit in der zionistischen! Bewegung. Di^( Versammlung bereitete Us- Der 17. Kongreß' hat die Einsetzung einer ständigen) Kommission beschlossen, die sich1 mit Fragen der Organisation und Propaganda befassen soll. Die Exekutive hat gemeinsam mit dem Präsidium des Aktionskomitees die Besetzung dieser Kommission1 vorgenommen. Sie wird gemeinsam mit dieser Kommission bald über die aktuellen inneren Probleme der Organisation beraten. Die Sch'ekel-Arbeit geht in normaler Weise vor sich. Es sind * bisher von den üblichen 700.000 Sch'ek^l-Quittungen 400.000 verteilt worden; worunter Amerika, Kanada und Polen1 noch nicht einbezogen sind. dem Gedanken, der sie in das Land gebracht hat, entfremdet wurden und heutzutage rtUr noch eines der wichtigsten Hindernisse für die ungestörte Entwicklung des jüdischen Palästina bilden. Sie lassen die unorganisierten, billigen arabischen Arbeiter aus den Nachbarländern kommen und verrammeln so die Tore Palästinas vor den Zehntausenden unserer jungen Arbeiterpioniere, die darnach lechzen, ihr Leben und das ihres Volkes mit produktiver Arbeit, mit eigenen Schöpfungen zu verbinden. „Wer kann uns dazu bestimmen argumentieren die „Chowewe Zion'< von gestern — den jüdischen Arbeitern höhere Löhne zu zahlen?" Der Privatbesitz wird zu einem Hemmnis für die nationale Regeneration des jüdischen Volkes... * t- Aber die Idee, die die „Chowewe Zion" ins Land gebracht hat, die historische Notwendigkeit der Umgestaltung des jüdischen Lebens ist unvergänglich, sie erzeugt daher aus sich das Gegengift, das die Gefahr, das Hemmnis für die jüdische Regeneration paralysiert. Zwanzig Jahre nach dem Versuche der Heimkehr ins Land wird der „Jüdische Nationalfonds" (Keren Kajemeth V jisrael oder kurz K. K. L. genannt) ins Leben gerufen. Der K. K. L. setzt sich zur Aufgabe, den Boden Palästinas; in den Besitz des jüdischen Volkes zu -überführen. Selbstarbeit und nicht Ausbeutung fremder Arbeit wird zur Grundlage des K. K. L., also Ausschaltung des Privatbesitzes und der Nutznießung fremder Arbeit. Der Boden, der dem jüdischen Volke gehört, soll auch von Juden bestellt werden, sonst ist der. Besitz nicht gesichert. Der Boden gehört auf die Dauer nicht jenen, die ihn um Geld erwerben, sondern jenen, die ihn bebauen, ihn für die Menschen und die Kultur fruchtbar machen. > Hier wird die nationale Idee mit der Arbeit der jüdischen Massen unmittelbar verbunden, hier ist die Wechselwirkung zwischen Idee und Volk in vollem Ausmaße gegeben, hier, erscheint das Nationale mit dem Sozialen harmonisch vereinigt. Die „Chowewe Zion" haben wohl "den ersten Schritt: von der Idee zur persönlichen Tat gesetzt, aber erst der K. K. L. hat den Zionismus, zu einer s o zia 1 e n Volksbewegung gemacht. Alles Wertvolle im neuen Palästina ist direkt oder indirekt auf den Nationalfonds zurückzuführen. Ohne den K. K. L. wären die Versuche der „Chowewe Zion" vielleicht ein Gegenstand der Bewunderung des persönlichen Mutes Einze 1 ner geblieben, der Nationalfonds hat erst die Grundlage für die Realisierung des Zionismus als Idee der Befreiung unseres Volkes, geschaffen. . Der Weg, den wir zurückgelegt, haben, ist von menschlichem Fortschritt und sozialem Geist gekennzeichnet. Auf diesem Wege allein können wir auch unser Endziel erreichen. Menachem. sischkin eine begeisterte Ovation. Bern Zwi verlas1 zum Schluß eine vom High Commissiorier General Sir Arthur WauChope gesandte Botschaft, in1 der die-' ser die Versammlung 'begrüßte und der Hoffnung Ausdruck gibt,' daß sich ihre Arbeit fruchtbar für das jüdische Werk in Palästina und für das ganze - Läh'd auswirken wird. Bei den Wahlen in das Präsidium1 lehnten! die Revisionisten es ab, aus ihrer Mitte eintenl Vertreter zu nominieren. : In der Abendsitzung hielt der Leiter der zionistischen Exekutive in Palästina, Gen. Dr. Ch'aim1 Arlosoroff, ein zweistündiges Referat über die politische Lage des Zionismus. Er warf der Regierung! vor, daß sie gegenüber dem jüdischen Jisch'uw eime Art Non-cooperation zur Anwendung bringt. Die Irs' dem Brief des Premierministers MacDonald an Doktor Weizmanin Angekündigte Politik wird nicht durchgeführt, die Einwanderung von Judeni wird in einer Weise beschränkt, daß sie einer Einwanderungssjjjerrei gleichkommt. Die Bewerbungen' von: Juden um die Teilnahme an den öffentlichen Arbeiten der Regierung Josef M. Horowitz IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIHIIIIIIIIIIUIIIIIIIII Atelier füi* aljerfeinste Herrengarderobe Wien, l„ Graben Nr. 20 (Eingang» I«, Naglergasse 1) Telephon U-26-3-94 ESX§3 Reichhaltiges Lager in original englischen Stoffen. Sohnltt und Bearbeitung sind Individuell auf die Persönlichkeit jeder Kunde abgestimmt.