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Der Jüdische Arbeiter · 1931-12-18 · Heft 19 (18.12.1931) · page 3

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
8 (1931)
Issue
Heft 19 (18.12.1931)
Date
1931-12-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Der jadische Arbeiter Seite & 5 Jahre Jüd. soz. Arbeiterjugend. Was sind unsere wichtigsten gegenwärtigen Aufgaben? Fünf Jahre sind seit der Gründung der« Jüdisch-sozialistischen Arbeiterjugend, der ersten bewußt sozialistisch eingestellten Jugendorganisation in Wien verflossen: Es waren jähre der Schwierigkeiten und des eifrigen Bemühens, unser Programm in sozialistischer und zionistischer Hinsicht zu erfüllen. \ , Fünf Jähre, scheinbar eine kurze Zeitspanne, sind seit der Gründung unserer Organisation verflossen. In' dieser Zeit hat die allgemeine Weltlage gewaltige Veränderungen erfahren, die mit einer in der bisherigen Geschichte der Menschheit nocli nicht dagewesenen Schnelligkeit vor sich gegangen sind und das Weltbild vollkommen' umgestaltet haben. 1926: Der Weltkapitalismus hatte sich wieder „stabilisiert". Er hatte die Erschütterungen, die er durch den Weltkrieg erfahren, überwunden und ging nun daran, den Produktion-sapparat den geänderten Bedürfnissen des Marktes anzupassen. Der Kapitalismus rationalisiert und mechanisiert, gründet Truste und Kartelle. Die Arbeiterschaft kämpft um ihren Anteil am gesteigerten Einkommen. Sie befindet sich im wirtschaftlichen und politischen Aufstieg. Auf der anderen Seite sehen wir die Sowjet-Union, das einzige von Arbeitern regierte Gebiet der Erde, das sich unter ungeheuren Schwierigkeiten, langsam aber stetig den Weg aufwärts1 bahnt. Gegenüber dem Kapitalismus in der Konjunktur besitzt sie noch keine genügende Propagandatätigkeit. 1931: Wir sehen den Kapitalismus von einer schweren Krise ergriffen; 'der schwersten seit seinem Bestände. Die durch den Rationalisierungsprozeß gesteigerten Produktivkräfte der gesellschaftlichen Arbeit drohen nun das' ganze kapitalistische System, in die Luft zu1 sprengen. Moralis'ch st es bereits .vollkommen zusammengebrochen. Wirfschaftich wurstelt es sidh noch fort. Politisch hält es sich1 noch an der Macht. Die werktätige Bevölkerung aller Länder befindet sich in einem Zustande größter Verelendung und kämpft einen erbitterten Kampf um' ihre Positionen. Der Faschismus droht. Auf der anderen Seite sehen wir Sowjetrußland, das planmäßig und mit ungeheurer Schnelligkeit seine Industrie aufbaut, das rationalisiert, .mechanisiert und alle Errungenschaften der Wissenschaft und Technik in den Dienst der Gesellschaft stellt. Ein erfreulicher Gegnsatz', der alle wahren Sozialisten begeistert und der auf die Dauer seine Wirkung auf die indifferenten Massen des Proletariats' und der' Bauern in der ganzen Welt nicht verfehlen wird. 1926: Die Wirtschaftslage der Juden in der ganzen Welt ist " nach den einzelnen Gebieten verschieden. Die Juden Amerikas nehmen im vollen Ausmaß an der Prosperität Anteil. Die Juden Westeuropas machen einen gesunden Proletarisierungsprozeß durch. Die Juden in Polen, Rumänien usw. verelenden in langsamem Tempo. Die Juden Sowjet- Rußlands reihen sich, langsam in den Produktionsprozeß ein. 1931: Die Weltwirtschaftskrise hat automatisch1 die Situation der Juden in der ganzen kapitalistischen Welt in ungeheurem Maße verschlechtert. Ihre Positionen in der Verteilung, in der Vermittlung zwischen Stadt und La"nd sind den Stürmen der Krise ganz besonders stark ausgesetzt. Riesige Arbeitslosigkeit unter den Wes^tjuden, gesteigerte Verelendung der Ostjuden, Rückgang der finanziellen Kräfte der amerikanischen Juden. Dazu die neuerdings ansteigende Kurve des- Antisemitismus', der die physische Existenz des- Judentums in den meisten kapitalistischen Ländern Mittel- und Osteuropas bedroht. Demgegenüber rapider wirtschaftlicher Aufstieg der russischen Juden in Stadt und Land. 1926:* Palästina steht im Zeichen der Krise, welche der vierten Alijäh gefolgt war. Doch hofft man auf eine schnelle Lösung, das Einsetzen einer starken neuen Einwanderung und auf das Zustandekommen der Jcwish Agency. Die finanziellen Aufwendungen der Juden für Palästina sind im Ansteigen. Das Araberproblem ist noch nicht in seiner ganzen Härte zum Vorschein gekommen. 1931: Die durch die Weltwirtschaftskrise verschlechterte Lage der Judenheit in den kapitalistischen Staaten der Erde wirkt sich auch auf Palästina aus : Rückgang der Einnahmen der zionistischen Fonds', Einstellung der Investitionen, daher,Drosselung 'der Einwanderung usw. Die durch die Augustereigniss'e 1929 ins hellste Licht gerückte Araberfrage steht noch vollkommen ungelöst da. Der Revisionismus hat seit 1926 Raum gewonnen und kompliziert diese Frage noch mehr. - Dies wären die allgemeinen Aenderungen in der Weltläge. Wie steht's in Oesterreich damit? Die Lage in Oesterreich ist ein genauer Abklatsch der Verhältnisse^ wie wir s{e in den anderen kapitalistischen Ländern sehen. Audi hier Wirtschaftskrise, Verschärfung4 der Klassengegensätze, drohender Faschismus. Auch hier gesteigerte Arbeitslosigkeit unter den jüdischen Arbeitern und Angestellten, Verelendung des Mittelstandes, wirtschaftlicher und handgreiflicher Antisemitismus1. Welche Aufgaben stellen uns diese Verhältnisse? Im Kampfe gegen das kapitalistische System, das die Welt in dieses Elend gestürzt und das nun selbst gestürzt werden soll, müssen wir uns diszipliniert d e m *k ä m p f e nden Heere der österreichischen Arbeiters ch a f t c in i ü g e.n. E s, g e h t j e t z t ums Ganze! In der Zeit der ungeheuerlichsten Verschärfung der Klassengegensätze, des drohenden Faschismus1, des handgreiflichen Antisemitismus ist es unsere Aufgabe, starke Wehr» spür tg rupp en zu bilden. Es gilt die jüdische proletari- Genossen und Genossinnen! Vor 5 Jahren wurde unser Verband, der Verband der jüdisch-sozialistischen Arbeiterjugend, gegründet. . In den Tagen der größten Krise, der Zeit der ungeheuren Massenverelendung, kämpfen wir für unsere Bewegung und ihre Parolen. Die J. S. A. J. wurde gegründet von der Erkenntnis ausgehend, daß die heutige Gesellschaft gebaut und geführt wird von politischen Parteien, daß die politische Partei der gemeinsame Ausdruck vieler gleichgesinnter und gleichstrebender Menschen ist, um in organisierter Form für ihre Ideale und für ihre Anschauungen zu kämpfen. Wir stehen mitten im Daseinskampf, kennen die Wider-, Sprüche der heutigen Gesellschaftsordnung: Sie zu beseitigen, gilt unser Kampf. Wir wollen nicht länger die zweifach Unterdrückten sein, unterdrückt als Arbeiter, verachtet als Juden. „ Wir machen uns frei. Wir kämpfen für den Sozialismus. Wir kämpfen für ein jüdisches Palästina, als die nächstliegende Lösung der Juden frage und Judennot. sehe Jugend zu Disziplin und P f 1 i c h t b e w u ß t se i n zu erziehen. Die Weltwirtschaftskrise beweist kraß die Unfähigkeit der Bourgeoisie, die Produktion zu regeln. Das Proletariat kämpft um die Uebernahme. der Wirtschaftsfunktionen durch das werktätige Volk. Es ist unsere Aufgabe, uns in das Gefüge der Wirtschaft Einsicht zu verschaffen, ihre wirkenden Kräfte kennenzulernen, um so mit Sicherheit zu erkennen, was der Erneuerung', der Aenderung bedarf. In der kapitalistischen Gesellschaft ist die menschliche Arbeitskraft ein Ausbeutungsobjekt, in der sozialistischen wird sie die wissende Triebkraft im Produktionsprozeß sein. Die jüdische Arbeiterjugend Arbeiterjugend muß sich mit Fragen der Wirtschaft befassen. Der Kapitaiismus stürzt die ganze Welt ins Chaos. Von Monat zu Monat sinkt die Produktion, steigt die Verelendung der Massen. In S o w j e t r u ß 1 a n d gehen sozialistische Kräfte daran, die Wirtschaft planmäßig im! Dienste der Gesellschaft auszubauen. Wir müssen dieses Werk mit Anteilnahme und Aufmerksamkeit beobachten,. Lehren daraus'ziehen, Erfahrungen sammeln, denn die erkannten Fehler, welche die Russen auf ihrem Wege zum Sozialismus machen, werden wir uns ersparen. ' ■ . Die Wirtschaftskrise hat die proletarischen und kleinbürgerlichen Schichten der jüdischen Bevölkerung Oesterreichs ganz besonders hart angepackt. Insbesondere die Jugend leidet . schwer unter Arbeitslosigkeit mit .allen ihren schädlichen Folgen. Mit kurzer Praxis in irgend einem Fache aus 4er Arbeit gestoßenf findet der jüdischer Jugendliche schwer wieder Arbeit. Dauert die Arbeitslosigkeit längere Zeit, vergißt er auch noch das wenige, was1 er gelernt. Er verliert jede Qualifizierung, wird zum Schwarzarbeiter. In der Zeit der ungeheuren Belastung des Arbeits'marktes und des wirtschaftlichen Antisemitismus jedoch, kann der jüdische Proletarier nur Arbeit finden,, wenn er gut qualifiziert ist. Wir sehen also, ein verhängnisvoller Kreislauf! Hier nun haben wir eine unserer - wichtigsten Aufgaben zu leisten. Wir müssen mehr denn je Gewicht darauf legen, daß unsere Jugendlichen möglichst produktive B e - rufe ergreifen, daß sie mit allen Mitteln bemühen sich zu qualifizieren. Leichter gesagt, denn getan. Wir, müssen die jüdische Gemeinde durch unsere Vertreter der Poale Zion dazu bringen, diesen lebenswichtigen tagtäglichen Fra: gen der jüdischen Jugend Oesterreichs mehr Aufmerksamkeit zuzuwenden. Durch den Rückgang der Einkünfte der zionistischen Fonds wird die Kolonisation in Palästina schwer gehemmt. Unsere Aufgabe ist es, mit verdoppelter Anstrengung für die zionistischen Fonds, insbesondere für den Paläsitina- Arbeiter-Fonds zu arbeiten. ' Die Weltwirtschaftskrise hat alle Einwanderungsländer gezwungen, ihre Tore zu schließen. Auch die Einwanderung nach Palästina wird gedrosselt. Der Großteil unserer Chaluzirn, die sich jahrelang für Palästina vorbereitet haben, wartet vergeblich auf Einwanderungszertifikate. Sie müssen nun diese Zeit des Wartens dazu benutzen, um sich nicht nur qualifizierte Fachkenntnisse für Palästina anzueignen, sondern auch tatkräftigst in unserer Bewegung mitzuarbeiten. Die Ereignisse der letzten Jahre haben bewiesen, daß das jüdische nationale Heim in Palästina n u r mit den Arabern, nicht gegen sie verwirklicht werden kann, Die wichtigste Aufgabe des Zionismus in den nächsten Jahren ist es, mit den arabischen Massen in freundschaftliche Beziehungen zu treten. Unsere Chaluzim müssen schon mit dem Bewußtsein nach Palästina gehen, daß es* auch von ihnen abhängt, ob diese Aufgabe bewältigt werden wird. Die politischen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Zionismus in den letzten Jahren haben die Bewegung desi R e vis ioiiisraus' gestärkt. Unsere Aufgabe ist es, dieser Bewegung, die Katastrophenpolitik treibt, innerhalb der jüdischen Jugend entgegenzutreten und sie mit allen Kräften zu bekämpfen. Dies sind, kurz dargestellt, die wichtigsten Aufgaben unserer Organisation in der gegenwärtigen schicksalsschweren Zeit. Ihre Reihenfolge soll nicht den Grad ihrer Wichtigkeif bestimmen. Unsere jüdisch-sozialistische Erziehungsarbeit und Werbetätigkeit muß natürlich auch weiterhin mit erhöhter Energie durchgeführt werden. Wir waren vor 5 Jahren und sind noch heute die einzige klassenbewußte jüdische Arbeiterjugend Mitteleuropas. Wir haben gezeigt, daß wir für die Idee des arbeitenden Palästina und der Chaluziuth werben und gleichzeitig im Dienste des internationalen Sozialismüs unseren Mann stellen können. Genossen und ^Genossinnen! 5 Jahre sind zwar eine kurze Zeit. Uns sind sie trotz- •dem Beweis unserer Lebensfähigkeit, unserer Lebensnotwendigkeit. * Kämpft weiter in unseren Reihen «* für den internationalen Sozialismus, für das arbeitende Palästina! Es lebe die sozialistische Jugendinternationale. Es lebe der Verband der jüdisch sozialistischen Arbeiterjugend. Die Verbandsleitung der J. S. A. J. Gelingt es uns, unserer Aufgaben gerecht zu werden, so schaffen wir dadurch eine Organisation junger jüdischer Sozialisten, die aufrecht und zielbewußt im Kampfe um die Verwirklichung des internationalen Sozialismus steht und zugleich den Weg des jüdischen Volkes1 zu seiner nationalen und sozialen Befreiung geht. . I. Imber. Wie es zur Gründung der J. S. A. J. kam. Zwei Faktoren .waren , es, die sich jahrelang suchten und im geeigneten Momente fanden, um1' den Verband 'der jüdisch-sozialistischen Arbeiterjugend zu gründen. Auf der einen Seite die Wiener Poale Zion, der Rest einer einst mächtigen Organisation, die infolge des völligen Mangels eines jugendlichen Nachwuchses bange in die Zukunft sah. Auf der anderen Seite« eine ziemlich' starke jüdische Jugehdbewegung, .die trotz ihrer poale-zionistis'ch.en Tendenz den Weg zur P. Z. nicht finden konnte. Es sind nun schon fünf Jahre, daß diese beiden Richtungen sich fanden und mit mehr oder minderen Erfolgen zusammen wirken. Sicherlich Zeit genüge um bei der Hast des heutigen Lebens an die Beweggründe und Lehren dieser Vereinigung zu vergessen. Man nimrmt heute die J. S. A. J. als'etwas Selbstverständliches hin. Nicht nur die jüngeren Mitglieder, die erst zu einem späteren Zeitpunkte in die Organisation kamen und von der Entstehungsgeschichte nicht\ viel wissen. Auch viele ältere, die zur Zeitder Gründung noch' unsere größten Gegner waren und heute als* stramme Genossen und unentwegte Vorkämpfer in unseren Reihen marschieren, auch' sie haben an vieles vergessen und betrachten den Rahmen ihres heutigen Wirkens als' selbstverstäindlich. Für die tägliche Arbeit mag dies vorteilhaft und nützlich sein. In Momenten des Jubilierens aber ist es gut, sich nochmals alles ins Gedächtnis zu rufen, um1 dann zu . sehen, wie weit man dem damals gestellten Ziele nähergekommen' ist. ' .... * Von der. stattlichen Fülle der Wiener jüdischen Jügendbünde, die sich weniger duren Ideologien, als durch die Farben ihrer Wanderhemden differenzierten, löste sich schon vor mehr als acht Jahren der jüdische Jugendbund „Menorah" ab, der, zuerst eine Jugendgruppe der zionistischen Sektion für den 6. Bezirk, sich mit seinem' bürgerlichen Gönner bald entzweite und eine linke Richtung einschlug. Von den bürgerlichen Zionisten als Kommunisten verschrien, hatte die Menorah in Wirklichkeit noch lange nicht den Weg zum Sozialismus gefunden. Ihre Ideologie entsprach dieser berühmten Eigenart noch heute bestehender Jugendbünde, die mit einem Fuße im radikalsten Kommunismus1, mit .dem anderen im chauvinistischen Nationalismus stecken und vor allem keinerlei Bindung eingehen wollen. Die Politik wird DIE STBWE Prüf- und Beratungsstelle zeigt in ihrer Ausstellung Wien, IX., Marianneng. 4 Elektro - Heißwasserspeicher für Küche, Brause und Bad Die Ausführung von Speicheranlagen auch gegen Teilzahlungen übernehmen die für die Errichtung solcher Anlagen ermächtigen Installationsf innen sowie auch die Direktion der städtischen Elektrizitätswerke

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