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Der Jüdische Arbeiter · 1931-12-18 · Heft 19 (18.12.1931) · page 2

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
8 (1931)
Issue
Heft 19 (18.12.1931)
Date
1931-12-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
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<*elto % Oer jüdische Afbeitef Notteen und tohfichten Von der Redaktion. Mit Rücksicht auf die heutige Beilage, die dein fünfjährigen Bestand unserer Jugendorganisation gewidmet ist, ist der allgemeine Teil der heutigen Nummer etwas zur 'kurz gekommen. Wir glauben aber, daß . unsere Genossen und Leser auch Interesse und Verständnis für die Probleme unserer Jugend zeigen und die heutige Beilage begrüßen werden.- r , Auch der „Bund" ist gespalten! In die Diskussion, . die im New-Yorker „Vorwärts" wegen der Stellung des „Bund" auf dem Wiener Sozialistenkongreß abgeführt wurde (wir haben letztens die Aeußeri/ngcn Leschec/.inskys abgedruckt), hat nun auch Ab. K ah an.mit zwei langen prinzipiellen'Artikeln eingegriffen. Wir können auf die Einzelheiten der Diskussion nicht eingehen, die sich in der Hauptsache mit der Haltung des „Bund" zu den politischen Resolutionen, wo der „Bund" mit der , Minderheit gegen die Mehrheit des Kongresses gestimmt hat, Ibjefaßt. Wir wollen nur vermerken,Was wir bei dieser Gelegenheit erfahren, daß die Auslandsvertretung des russischen „Bund" an den Kongreß ein Memorandum gerichtet hat, wonach sie mit der Haltung des polnischen .„Bund" nicht einverstanden ist. Es wird atif der anderen Seite allerdings bestritten, daß es in Rußland den „Bund" noch gibt .Immerhin grenzen sich nun auch die amerikanischen Bundisten streng von den polnischen ab, denen sie starke kommunistische Tendenzen vorwerfen. In der Tat ist mehr als ein Drittel des früheren „Bund" zu den Kommunisten übergetreten. Zum Fall Bentwidi. Norman Bentwich, der oberste Staatsanwalt Palästinas, wurde mit, 1. November d. J. pensioniert. Manerinnert sich noch an die Umstände, unter denen diese Pensionierung erfolgte. Sie haben mit Recht das größte Aufsehen und die größte Empörung hervorgerufen. Man berief sich in der Begründung auf die „nationalen Spannungen" und meinte also damit die Tatsache, daß Bentwich ein Jüde und daher zur Ausübung seines1 Amtes ungeeignet ist" Dabei ist B. nicht etwa als palästinensischer Staatsbürger für dieses' Amt berufen worden, sondern er hat es seit der Okkupation Palästinas durch England als englischer Bürger, also als Glied der englischen Administration, bekleidet. Sein Verbleiben an dieser Stelle hätte aber, wie es heißt, „die Schwierigkeiten der palästinensischen Administration nicht vermindert"'. Ist diese Angelegenheit zweifellos1 ein „politischer Akt ersten Ranges" gewesen, so hat man doch nichts davon gehört, daß die Jewish Agency offiziell beim Kolonialamt dagegen Einspruch erhoben hätte. Und nun erfährt man aus einer neuerlichen Interpellation im' .englischen Unterhaus, bemerkenswerte'rweise Von rechtsradikaler Seite, ob denn nicht andere politische Motive für diese Pensionierung maßgebend waren, etwa '„seine (B.'s) zu enge. Verbindung mit der zerstörenden Propagandatätigkeit der Sowjetunion". Es handelt sich dabei um' eine private Reise, die B. (wahrscheinlich iii seinem Urlaub) nach Rußland gemacht und hiebei selBstverständlich sich für dessen Probleme interessiert hat. Sehr arg muß es um die heutigen Beherrscher der Welt bestellt sein, wenn sie sogar Angst um ihre höchsten Funktionäre haben, wenn diese einmal zu ihrem Privatvergnügen eine Reise nach Rußland unternehmen. Nicht 350, sondern nur 145. Von den 350 Zertifikaten, die die Palästinaregierung für das laufende Halbjahr bewilligt hat, gelangen tafsächlich nur 145 zur Verteilung durch die Jewis'h Agency. In einer Entschließung fordert die Exekutive der Histadruth die J. A. auf, diese kleine Zahl nicht anzunehmen. Die Exekutive der Jewis'h Agency beschloß hingegen, um nicht den Anschein zu erwecken, als ob sie eine Non-cooperation-Politik wolle, die Zertifikate doch anzunehmen, aber in einem Protest auf das Mißverhältnis zwischen der von ihr geforderten und der. bewilligten Anzahl Von Zertifikaten hinzuweisen. Von einer sonderbaren Gründung erfahren wir durch die „Jü,d. Rundschau" (Nr. 93). Da hat sich in Tel Aviv eine deutsch-jüdische Vereinigung („Agudath-liagermanim") gegründet, die „alle in Palästina wohnenden Deutschen und Oesterrcicher" zusammenschließen will ..mit dem Ziel, die Interessen „der Deutschen und Oesterreicher im heiligen'Land auf kulturellem. (!), sozialem und wirtschaftlichem Gebiet zu wahren", insbesondere ist die Beratung der deutschen und österreichischen Einwanderer und Touristen, sowie Berufsberatung und sonstige irgend mögliche Hilfeleistung bei der Landung Aufgabe der sonderbaren Vereinigung. Was zunächst die „Interessen" betrifft, die da gewahrt werden sollen (auf kulturellem, sozialem und wirtschaftlichem Gebiet!), müssen wir uns fragen, gegen wen eigentlich? Ist vielleicht irgendeine „östliche" Gefahr damit gemeint? Was aber die anderen Aufgaben betrifft, so haben wir bisher geglaubt, daß dazu die jewish Agency und einige Institutionen der Histadruth ausreichen, sie zu erfüllen. In Wirklichkeit handelt es sich bei der ganzen Sache um einen Versuch, der widerholt von deutschen bürgerlichen Zionisten gemacht wurde, Teile der jüdischen Jugendbewegung Deutschlands vom Hechaluz abzulenken und die neuen Arbeitereinwanderer vom Eintritt in die Histadjuth, in die bewußte proletarische Klassenfront, abzuhalten. Der neuerliche Versuch wird, ebenso wie die früheren Versuche dieser Art, scheitern. # Presseschau* „Palästina", Zeitschrift für den Aufbau Palästinas, Num> mer 10—11, die kürzlich (64 Seiten stark) erschienen ist, enthält eine Studie von Ing. M. Hecker, Jerusalem, dem früheren Direktor des Technikums in Haifa, über „Die Aussichten der Erbauung der Balm Haifa—Bagdad". — H. Frumkin, Tel-Aviv, bespricht den „Bericht der britischen Regierung an den Völkerbund". In eingehender Darstellung und mit Analyse aller Budgetposten weist er nach, daß die Regierung ihr gutes Budget nur der Aufbauarbeit der Juden verdanke, hingegen bei ihren Aufwendungen diese mehr als stiefmütterlich behandle. — Jacob Singer, Wien, gibt eine Uebersicht über „Organisation, Arbeitsbedingungen, Lohn- und Lebensverhältnisse der jüdischen Arbeiter Palästinas." Er zeigt, daß über die Hälfte der Landarbeiter in kollektiven Betrieben vereinigt sind,- untersucht die Arbeitsbedingungen aufs Eingehendste, ebenso die Lebenskosten u. a. m. — Julius Berger, Berlin, spricht über' die „Möglichkeiten der Privatwirtschaft". — Den künftigen „Hafen von Haifa" zeigt eine Kartenskizze in sehr anschaulicher Weise. — In der „Rundschau" spricht Dr. Robert Wcitsch über „Jewis'h Agency". Er schildert eingehend die neue politische Situation. — a,- b—e, Jerusalem, spricht über „Wirtschaft". Er zeigt, wie sich Palästina inmitten einer Weltkrise gut gehalten hat. — Eine Fülle „Nachrichten und Daten" (15 Seiten), sowie „Bücherbesprechungen" beschließen das Heft. — Jahresbezugspreis1 für Oesterreich 12 Schilling, Ausland 2 Dollar. — Verlag Josef Hajeks! Nachf., Wien, XVII., Kalvarienbergg. 32. * ' L. Spismann führt in einem Artikel über „Perspektiven der jiddischen Sprache" in der „Befraiung" Nr. 29 einige interessante Zahlen an: Im „Jiddischen Wörterbuch" von Spivak und Jchoasch (erschienen 19*14) werden 5500 Wörter angeführt, die der hebräischen Sprache entstammen, die weniger gebräuchlichen nicht eingeschlossen. Aus einer Zusammenstellung der fünf ersten Seiten der fünf Bücher Mosis, die zusammen 2200 Wörterhaben, sind 1100 im Juddischen gebräuchlich und im genannten Wörterbuch angeführt. Demnach ist Hebräisch ein Grundelement des Jiddischen. Es ist auch eine ständige Vermehrung des! hebräischen Elements im modernen Jiddisch festzustellen, interessant ist dabei, daß gerade in der r u s s i s c h - j ü d i - seh en Presse, die Hebräismen viel zahlreicher sind, als in der Presse der übrigen Länder. Im Bewußtsein des Volkes hat sich ebenfalls -eine Wandlung zum Jiddisch hin gezeigt. (Von der Bezeichnung „Teutsch" über „Iwriteutsch" und „jiddisc'h-teutsch" zu „Jiddisch^.) In der jüdischrussischen Enzyklopädie (XVI!" Band) ' werden die Jiddischsprechenden mit 9 Millionen angegeben, nach Guttmann sollen es sogar 12 Millionen. sein. In Amerika erscheinen 9 jiddische Tageszeitungen in einer Auflage von 2 Millionen Exemplaren. Mit Hinweis auf all diese Zahlen wendet sich Spismann scharf gegen alle, iiisbesondere aber gegen Bialik, die den Untergang der jiddischen Sprache voraussagen. det sich an alle sozialistischen Vertreter im Kultusvorstande mit der Aufforderung „einen Brauch im jüdischen Gemeindeleben, den immer größere Teile gerade der positiv-jüdisch eingestellten Bevölkerung und vor aüem der Jugend als s c h m a c h v o 11 für das Wiener Judentum ansehen", abzustellen.) Gemeint ist die Veröffentlichung der Namen der aus der Kultusgemeiride austretenden Mitglieder. Ich stimme mit Genossen M. P. darin überein, daß die Veröffentlichung der Austretenden kein Mittel ist, um die Austrittsbewegung aufzuhalten,, daß für diesen Zweck andere Mittel erforderlich sind. Ich' kann aber mit ihm nicht übereinstimmen, daß in der Publizierung! ..der Austrittsliste ein „Mißbrauch der Familiengefi'mle" erblickt werden kann. Die jüdische Gemeinde ist ja für uns jene Körperschaft, in welcher wir den Kampf für sozialen Fortschritt und soziale Demokratie im jüdischen Leben zu führen haben. Das Fürsorgewerk der jüdischen Gemeinde nehmen viele fausende Juden, Opfer der kapitalistischen Gestellschaftsord» nung, in Anspruch. Tausende jüdischer Kinder, unter ihnen zum großen Teile Kinder arbeitender Juden, sind dem Einflüsse des Kultur- und Erziehungswerkes der Kultusgemeinde unterworfen. Die Leitung der Kultusgemeinde vertritt in der Oeffentlichkeit die gesamte Judenschaft, also die Mehrheit der Juden, die nicht zu den Besitzenden gehört. Diese jüdische Gemeinde befindet sich in ernster Gefahr. Die jüdis'che Gemeinde, das bedeutet für uns — das Interesse'vieler tausender arbeitender Juden, die auf die Leistungen der Gemeinde angewiesen sind. Worin besteht diese Gefahr? Ich wage die Behauptung: Der geringste Teil der Abfallenden' ist auf die Assimilation, d. h. auf die völlige Abstreifung des Jüdischen, auf die Loslösung von der jüdischen Gemeinschaft und das Aufgehen im. Deutschtum zurückzuführen. Auch der Vorwand von der Nichtreligiosität der Austretenden ist eine leere Ausrede. Jedes Mitglied der Kultusgemcinde weiß es, daß die Kultusgemeinde im Laufe ihrer Entwicklung den Rahmen einer aus'schließlichV oder auch nur vorwiegend religiösen Körperschaft längst gesprengt hat. Die Austrittsbewegung aus der Kultusgemeinde ist eine Folge der Demoralisation in gewissen Kreisen der jüdischen Bevölkerung. Bei den Besitzenden — die Flucht vor der Kultus'stcuer; bei den Arbeitenden — Strebertum und ^würdeloses Kriechertum. Iii tieu Austrjttslisten finden wir die Träger dieser Demoralisation mit den notwendigen Daten angeführt. Dort können wir die Häupter jener Menschen zählen, die zum großen Teile aus nichtigen Gründen desertieren. Ich gestehe' es:.ide. arbeitenden Juden, die die Gemeinde verlassen, schmerzen mich besonders, da sie aus kleinlichen Gründen unsere Position in der jüdischen Gemeinde schwächen und die Dauer der Herrschaft der jüdischen Plutokratie über die gesamte jüdische Bevölkerung verlängern. Die Austrittslisten geben uns die Möglichkeif zu erfahren, wer aus den Reihen der jüdischen Gemeinschaft in das Lager der Demoralisatiaon desertiert ist. Es sollte unsere Pflicht sein, jene demoralisierten Deserteure im gesellschaftlichen' Leben entsprechend zu behandeln. Genosse M. P. irrt, wenn er meint, diese Maßnahme bedeutet, daß wir das Niveau unserer Politik „von Lumpen bestimmen lassen". Wir wehren uns nur wie sich eine von Demoralisation bedrohte Gemeinschaft wehren muß, indem wir unserer Oeffentlichkeit die Namen der Träger der Demoralisation zur Kenntnis bringen. Das ist gewiß kein unmoralisches Kampfmittel. , Es mag wohl in einzelnen Fällen vorgekommen sein, daß ein an dieser Demoralisation nicht Beteiligter unter der Veröffentlichung der Austrittslisten zu leiden hatte, aber was bedeutet das im Vergleiche mit der Notwendigkeit der Stigmatisierung der Mehrheit der Austretenden, die aus ethisch verwerflichen Motiven aus den Reihen der jüdischen 'Gemeinschaft desertieren? Erst muß das Für und Wider genau " abgewogen und dann entschieden werden. Dann würde aber der Ruf: Weg mit den ■ Austrittslisten! völlig verhallen. Mendel Singer. Aufforderung des Gen. Singer und' spendet S 2.—. Gen. Dr. Hirschl beantwortet die Aufforderung det Gen. Dr. Martha Hoffmann und spendet S 2.—. Gen. Klara B1 u m beantwortet die Aufforderung des Gen. Weit und spendet S 2.—. Gen. Ing. Krämer beantwortet die Aufforderung des Gen. Welt und spendet S 2.—. Gen. Dr. Leo Günsbcrg beantwortet die Aufforderung des Gen. Welt und spendet S 2.—. Gen. Rich'ard L ö wy beantwortet die Aufforderung des Gen. Welt und spendet S 2.—. Gen. S. Rabinowicz beantwortet die Aufforderung des Gen. Ing. Baumann un'd spendet S 2.—. Gen. Adolf Horowitz beantwortet die Aufforderung des Gen. Ing. Baumann und spendet S 2.—, Gen. Dr. Eduard Bloch beantwortet die Aufforderung des Gen. Dr. Bernay und spendet S 2.—, Gen. Leon Hendler beantwortet die Aufforderung des Gen. Dr. Bernay und spendet S 2.-—, Geht Ihr Mäderl in die Volksschule? Sehr viele von diesen Mäderln, die heute 6 bis 10 Jahre alt sind, werden nie heiraten können. Oenn während das Krieges sind wenig Kinder geboren worden und im Jahre 1945 wird es deshalb in Österreich 290.000 Mädchen im Alter von 19 bis 23 Jahren, aber nur 175.000 Männer im Alter von 25 bis 29 Jahren gebenj Sorgen Sie rechtzeitig dafür, daß Ihr Mäderl eine schöne Aussteuer bekommtj Schließen Sie eine Töchterversicherung beiderLebensvers.-GesellschaftPhönix Aussprache. Antwort an Genossen M. P. Zu der in der "Nummer 17 von Genossen M. P. begonnenen Aussprache über die Austrittslisten erhalten wir die nachstehende Entgegnung. Sie ist natürlich, ebenso wie der Artikel des Gen. M. P., nur die persönliche Meinung des Autors. Wir setzen die Diskussion in der nächsten Numtoer fort. Die Red. Genosse M. P. („Der jüdische Arbeiter" Nr. 17) wen- Ring des „Jüd. Arbeiter". Gen. Dr. L. K a n t o r beantwortet die Aufforderung des Gen. Ing. Baumann, spendet S 2.— und ruft folgende Genossen auf, denselben Betrag zu spenden: Dir. Dr, Johann Hell ni a n n, Moses Horowitz, Alfred B r a u n, Paul K a t z, Otto Menzel, Pinkas Silberherz, Max A p - pen zeller, Moses Schwarz. Gen. D. Rudolf Glanz spendet das Honorar für seinen Vortrag beim Jüdischen Kulturverein Kaiscrmühlcri S 1.2.—. (~\an Pli« Mäiiir!r»li f""f r» I rl c rt'li »n i A + hflon*\i;At«fnf rlm

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