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Der Jüdische Arbeiter · 1931-12-04 · Heft 18 (4.12.1931) · page 2

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
8 (1931)
Issue
Heft 18 (4.12.1931)
Date
1931-12-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2. Ott jtdtedK Arbeiter Ali der Palästina-Front. gebildet; sie kann daher offen1 für tife allgemeine Studenteiikammer der gesamten Hoctahulbürgerschaft eintreten; ohne in den: Verdacht zu kommen, daß sie aus assimilatorischen Motiven! für diese Vertretungsart eintritt." Für den Fall, als die Staatsfaktoren, unbekümmert um den Standpunkt der freiheitlichen Studentenschaft, das Prinzip der Studen1tennationen festlegen sollte, wird verlangt, daß das freiwillige Bekenntnis als Grundlage gelten und daß allen Nationen die Voll- und Gleichberechtigung zuerkannt werden soll. Die Revisionisten, unter Führung Strickers treten gleich den Hakenkreuzlern für die Konstituierung der Studentennationen! ein. * Die ähnlichen Vorgänge auf den ' Universitäten in Polen, und in Wien' fordern nur Anstellung von Vergleichen heraus. In Polen gab es fast überall polnische Professoren, die sich' dem pogromierenden Studenten entgegengestellt haben und für die angegriffenen jüdischen riochsehüler eingetreten sind. In! Wien," wo rassenreiner deutscher Geist herrscht, ist natürlich' so etwas nicht möglich. Hier hüllen sich' alle —, auch die jüdischen und sozialistischen1 Professoren — in beharrliches Scirweigen. In Polen: haben sich die bürgerlichen und sozialistischen jüdischen; Hoch'sch'üler zur Wehr gesetzt. Sie 'haben einen Selbstschutz organisiert, der sich' den reaktionären Pogrom heideit gestellt hat. In Wien1 beschränken sich sowöhl die jüdischen als die sozialistischen Hochschüler auf Versammlungen' und Vorsprachen in den' MinisterienL Un'terrichtsminfster Czermak erlaubte sich der Vertretung der Kultusgemein'de gegenüber 'die Hakenkreuzler zu1 loben, da sie die Ordnung auf 'der Universität aufrecht erhalten und verlangte von den' Vertretern der Kultusgemein'de, daß sie auf die .'Juden einwirken1, sie sollen keinen Anlaß zu Unruhen! geben. Aus den Berichten1 in! der Presse ist nicht zü entnehmen, ob!un'd was das Präsidium 'der Kultusgemeinide dem Herrn Minister auf diese Worte geantwortet h'at. Es ist ganz einfach' unerhört, daß ein Unterrichtsminister die Pogrom hei den in Anwesenheit einer jüdischen Vertretung lobt und die Opfer der h'akenkreu'zlerischen! Ueberfälle zur Ruhe auffordert. Die jüdische Oeffentlichkeit bat das Recht, zu erfahren, ob und wie ihre Vertreter die Worte des 'Ministers zurückgewiesen haben. Ein solches Verhalten jüdischer Vertreter wäre in Polen nirgends mö'glich. 1 Die, Verwaltung der Stadt Lodz, die eine sozialistische Mehrheit hat, protestierte gegen' die Judenfeind licft'en! Ausschreitungen der reaktionären Studenten. Es wäre Pflicht der sozialistischen! Verwaltung 'der Stadt Wien gegen die UniversitätssCh'an'de Stellung zu nehmen. WenW es nur eine Angelegenheit der Juden wäre, müßte auch' die Gemein'de dagegen' Stellung nehmen1, es ist aber mehr als das, es ist ein Teil des Kampfes der Reaktion! 'gegen Demokratie un'd Sozialismus, der sich' auf dem1 Bord'en! ti'er Hauptstadt abspielt. Um so dringender ist die Stellungnahme der Wiener Stadtverwaltung. Was in Lodz möglich ist, dürfte auch in Wien erreü'ch'bar sein. Poale Ziön bei den letzten Wahlen in England. Bei den letztem Wahlen in England nahm die Poale Zion einen sehr aktiven Anteil' an der Agitation der Arbeiterpartei. Sie gaben mehrere Aufrufe in jiddischer und englischer Sprache für die Arbeiterkandidaten heraus. Sie traten auch in Versammlungen und in der Presse für die Arbeiterpartei ein1. In einer Vorstadt von1 Manchester kandidierte unser Genosse Josef Kotten' auf der Liste der englischen Arbeiterpartei. Wir bauen . . Ich sprach vor kurzem' einen Palästinenser. Einen Mann, der vor mehr als1 zehn Jahren nach Palästina eingewandert war, dort eine Arbeitsstätte fand, einen Familienstand gründete. Ein noch junger Mensch' .russischer Jude, der viel in der Welt herumgereist, den Krieg mitgemacht, während dessen kriegsgefangen in Oesterreich war und jetzt hier Heilung von irgendeiner Krankheit suchte. Er erzählte mir noch manches von sich und seinem Beruf. Daß er einer Baukooperafion in einer Stadt in Palästina angehöre, daß er dort Häuser baue und was sonst dergleichen ist. Ja, Häuser baue — das gab mir so einen Stoß. — Ich fragte ihn nicht, ob dieser Häuser baue mit hellen Räumen voll Licht und Sonne, mit luftigen Höfen und grünen Rasenplätzen ausgestattet. Aber, Häuser bauen — bauen — du lieber Himmel, wer von uns ats er noch ganz, ganz jung war, ein Kind noch ein dummes), wer von uns baute nicht leidenschaftlich gern: Häuser und Schlösser aus Stein, oder Brücken aus1 Holz, oder Burgen aus Sand . . . Ja, bauen ist schön, wunderbar schön! Und erst in Palästina bauen ... Wir sprachen miteinander wie zwei Leute, die aus verschiedenen Weltteilen zusammenkommen und der eine gerne wissen möchte, was dort im fernen Lande (das ihm besonders am Herzen liegt) denn los sei. Wir besprachen natürlich auch die politische und wirtschaftliche Lage in Palästina — wje sollte man'si denn nicht? Dasl gibt immer Der „Fall Jawneeli". Die Presse des jüdischen Bürgertums in Palästina befaßte sich in letzter Zeit sehr eingehend mit einem' „Fall Jawneejli" und zwang auch dje Arbeiterpresse dazu Stellung ai nehmen. Was ist denn eigentlich vorgefallen? Die reichen Kolonisten führen seit Jahren eine Hetzkampagne gegen das Erziehungs- und Kulturwerk der jüdischen Arbeiterschaft. In einer der letzten Sitzungen des Erziehungsrates * der „Jüdischen Agentur" beantragte ein Vertreter der Organisation der reichen Kolonisten, daß man den Namen der „Erziehungsanstalt für Arbeiterkinder" ändere, da er an — Klassenkampf erinnere. Der Vertreter der Arbeiterschaft Jawneejli verwahrte sich dagegen, daß die reichen Kolonisten diesen frechen Eingriff in die Organisation der Arbeiterschaft wagen. Die bürgerlichen Vertreter beharrten trotzdem auf die Abstimmung, worauf der Vertreter der Arbeiterschaft in großer Erregung erkläfe: „Ihr wollt eine solche Frage durch eine Abstimmung erledigen. Es wird ein Tag kommen und die Arbeiterschaft wird durch eine Abstimmung entscheiden über euer Vermögen, euere Häuser und Plantagen. Sie wird dann im Lande Ordnung machen. Möge dieser Tag recht bald kommen." Darauf eröffneten die Kolonisten, mit dem bekannten Herrn Moses Smiliansky an der Spitze, einen heftigen Angriff auf die Arbeiterschaft: „Kommunisten über die Israel!" Die Arbeiterpresse blieb den Kolonisten die Antwort nicht schuldig. Der „Fall Jawneejli" ist natürlich eine Mache. Wenn vielleicht manche Kolonisten ,vom Sozialismus nichts; wissen, Herrn Smiliansky dürften die Ziele des Sozialismus noch in Erinnerung sein, da er in seiner Jugend einer sozialistischen Partei angehörte. Es! dürfte den Kolonisten auch nicht unbekannt sein, daß die jüdischen Arbeiter Palästinas Sozialisten sind. Oder haben sie sich darüber aufgeregt, daß der Arbeitervertreter in ihrer Mitte das Herbeisehnen des Tages! der Verwirklichung des Sozialismus zum Ausdrucke brachte? Das ist ja nur selbstverständlich. Der Mord an Stahl und Sohar. Gegen fünf Beduinen, die im' Zusammenhang mit der Ermordung von Stahl und Sohar verhaftet wurden, ist formell die Anklage wegen Mordes' und Vergewaltigung erhoben worden. Die Zeitung „Feiestin", Organ der Arabischen Exetive,. äußert sich zu dem Fall wie folgt: „Wenn die Verhafteten für schuldig befunden werden, so mögen die Juden wie überhaupt alle, daran,-»denken, daß es unter allen Völkern Mörder gibt. Wir verabscheuen Gewalttaten und werden nicht um Gnade für die Mörder bitten." De* offizielle Poüzeibericht lautet folgendermaßen: „Die Leichen von Saliah Sohar und Jochanan Stahl, dem jungen jüdischen Paar, das einige Monate vermißt wurde, wurden in den Morgenstunden des Freitag 7—8 km nördlich von Tel-Aviv im Sand vergraben gefunden. Die Leichen wurden durch Polizeiinspektor Goffer gefunden, dem die Stelle durch einen an der Sache interessierten Herrn aus Tel-Awiw, einen Vertreter des „Doar Hajom", angegeben worden war. Es' heißt, daß ein Schäferjunge seinem Herrn, einem reichen Effendi, von dem Verbleib der Leichen erzählt hat und dies: wurde dann Herrn Schapira mitgeteilt, der durch den anderen Herrn der Polizei Nachricht gab. Eö 'heißt, daß Vertreter des1 „Doar Hajom" der Polizei bei ihrer Nachforschung und bei Erlangung der nötigen Informationen erhebliche Hilfe geleistet haben. Soweit gegenwärtig festgestellt werden kann, ist das Paar ermordet worden. Es ist zu hoffen, daß die Untersuchung die Todesursache genau enthüllen wird, obwohl der Zustand der Leichen dies erschwert. Fünf Beschuldigte wurden von der Polizei verhaftet; vier davon haben wichtige Angaben über das! Verbrechen gemacht. Die Nachforschung hat auch' bereits1 verschiedene Stoff genug zum Reden. Wirtschaft, Politik, das sind wichtige und nützliche Dinge und nicht ohne Belang. Gerade in Palästina — nicht wahr? . . . Aber als er davon sprach — vom Häuserbauen — da wurde ich plötzlich sehr aufmerksam und sah den Mann forschend an. Und ich muß euch sagen, ich war sehr betroffen.; Nicht, daß er vom Bauen sprach', vyar es allein. Auch bei uns hier wird gebaut, viel notwendige Dinge — Häuser zum Wohnen fürs Volk und Villen für Reiche, Fabriken mit geräumigen Arbeits'sälen, Garagen für Personen- und Lastkraftwagen und ähnliches mehr. Ohne Zweifel ist das ailes volkswirtschaftlich sehr von Bedeutung, bringt Arbeit und Brot ins Volk, schafft Wöhngelegenheiten für solche, die bedürftig und solche, die es weniger sind. Doch wie er davon sprach, das war das Eigenartige. Ihr meint, vielleicht — so im feierlichen Tone, mit dem Pathos einer symbolischen Handlung, wie mans im Theater oft zu hören bekommt. Zum Beispiel (mit geschwellter Brust und feierlich erhobener Stimme): Wir bauen Häuser der Zukunft . . . wahre Gotteshäuser ... wir sind die Baumeister unseres Vaterlandes . . . Nein, das sagte er nicht und nichts, das ähnlich geklungen hätte. Sondern — er sagte einfach: ich und meine Genossen, wir bauen dort Häuser und was sich sonst gerade trifft.,. Er sprach einfach und schlicht: wir bauen — und dennoch war ich zutiefst erschüttert. Wißt Ihr aber wie er diese Worte sprach: Wir bauen? Gegenstände zutage gefördert, die den Verstorbenen gehören sollen. Die Polizei ist Herrn Schapira, den Vertretern des „Doar Hajom" und der Oeffentlichkeit im' allgemeinen, die bei der Erlangung von Informationen Hilfe leisteten und bei der zur Entdeckung der Körper und zur Aufdeckung des1* Verbrechens führenden Untersuchung teilnahmen, äußerst dankbar." Der „Dawar" erklärt in seinem Leitartikel, der dem tiefen Schmerz über das Unglück Ausdruck gibt, die Sache dürfte nicht zu einer politischen Polemik oder zur Aufstachelung der Gefühle gegen das arabische Volk benützt werden. Das Blatt gibt auch dem Befremden über das: Versagen der Polizei Ausdruck und fordert, daß die Kosten der Nachforschungen von der Regierung getragen werden. Anfragen im Unterhaus!. In der Sitzung des' Unterhauses richtete der Arbeifervertreter Col. Wedgwood an den Kolonienminister die Frage, ob er seine Aufmerksamkeit dem1 Fall der Ermordung: eines" jungen Juden und einer jungen Jüdin an der Küste nördlich von Tel-Awiw sowie auf das1 Versagen der Polizei bei der Ermittlung der Täter zuwenden wolle, und ob er nun den Juden in Palästina das Recht zuzuerkennen! gedenkt, im Hinblick auf die sie umgebenden Gefahren Waffen zur Selbstverteidigung zu tragen. Kolonienminister Sir Philip Cunliffe-Lister erwiderte, er sei auf den Fall durch Presselektüre aufmerksam geworden und habe den High Commissioner ersucht, ihm hierüber Bericht zu erstatten. 1,035.154 Einwohner in Palästina. ' Das Ergebnis der am 19. November durchgeführten Volkszählung in Palästina liegt bereits vor. Danach leben gegenwärtig in Palästina 1,035.154 Seelen. Bei der Volkszählung im Jahre 1922 waren es 775.182 Seelen. In der rein jüdischen Stadt Tel Awiw wurden 46.062 Einwohner gezählt. Ueber die Einteilung der Bevölkerung in Nationen und Konfessionen Hegen offizielle Mitteilungen noch nicht vor. Nu* 350 Arbeiter-Efriwander(ungs'zeftifikate! bewilligt. „Official Gazette", das1 amtliche Organ der Palästina-Regierung, teilt mit, daß der Jcwish Agency für das nächste Halbjahr 350 Arbeiter-Einwanderungszertifikate, und zwar 150 für Männer zwischen 18 und 35 Jahren und 200 für Frauen in dem gleichen Alter, bewilligt wurden. Die Jewish Agency hat für die gleiche Periode 1720 Chaluz- Zertifikate verlangt. ' In einem Gespräch mit Pressevertretern hat der Leiter der Palästina-Exekutive der Jewish Agency Dr. Chaim ^Arjo-... soroff sich scharf gegen die Nichtbewilligung der von der Jewish Agency geforderten Chaluz-Einwanderungsquote ausgesprochen und weitere Schritte in dieser Angelegenheit angekündigt. Dr. Arlosoroff wandte sich auch gegen die von der Regierung aus Sparsamkeitsrücksichten beschlossene Auflösung des Institutes zur Erforschung der Malaria, das in den letzten zehn Jahren vom American Joint Distribution Committee unterstützt wurde, dessen Erhaltung aber in diesem Jahre in das Ausgabenbudget des1 Gesundheitsdepartements der Regierung eingeschlossen war. Die Leitung der „Histadruth" beschloß vorzuschlagen, daß die „Jewish Agency" die von der Palästina-Regierung bewilligten 350 Zertifikate nicht annehmen soll. Die jüdische Arbeiterschaft Palästinas hat dieses Mittel immer abgelehnt, aber in dieser lächerlichen Zahl von Zertifikaten erblickt sie einen Hohn auf die Bedürfnisse des! jüdischen „Jischuw" und auf die berechtigten Forderungen der Leitung der „Jewish Agency". Die unabhängigen Siedlungen. Die landwirtschaftliche Kolonisations-Abteilung der Jewish Agency gibt in Beantwortung einer Anfrage an, daß die folgenden Siedlungen, die vom Keren Hajessod auf Keren-Kajemeth-Land angelegt wurden, keine Unterstützungen mehr erhalten, sondern zu unabhängigen Siedlungen ge- So: mit weicher ruhiger Stimme, und doch klang es1 irgendwie metallen vibrierend aus der Tiefe mit — mit einem milden Glanz in den Augen, dahinter es1 wie Wetterleuchten verborgen lag — mit einem freundlich verbindlichen Lächeln um den Mund, aber seltsam, seltsam ausdrucksvoll war dieses Lächeln ... Es war das Lächeln eines! Menschen, der in weiser Erkenntnis, wie nichtig Worte oft sind, unendlich weniger sagt, als er zu sagen hätte. Und es war das! Lächeln einer anderen, fremden Welt. . . Ich weiß nicht was1 mich tiefer berührte: diese Stimme, die mehr verschwieg als sie sagte, diese Augen, die nur den Abglanz tief verborgener Gluten zeigten, dieses Lächeln voll unergründlicher Eigenart — Ich weiß nur: ich kam mir piöfzüch so gering, so furchtbar armselig diesem Mann aus Palästina gegenüber vor. Es ist ja wahr und es ist recht und billig das zu sagen: Auch wir sind Menschen von hohen Idealen erfüllt, durchdrungen vom Geist der Freiheit, wir haben jederzeit das Wohl der Menschheit im Auge und tun unser Bestes! als gute Sozialisten und selbstbewußte Juden. Das können wir ruhigen Gewissens uns1 selbst bezeugen. Und dennoch — jener Mann aus Palästina sagte ganz beiläufig: wir bauen... und noch einige belanglose Worte dazu (dabei leuchteten seine Augen hinter freundlichem Blick und ein Lächeln umwölbte leicht seine Lippen) — und das alles was uns sonst ganz ausfüllt und mit 'berechtigtem' Stolz erfüllt, war auf einmal verblaßt, unwichtig — ohne rechten Sinn und Inhalt ...

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