Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 8 (1931)
- Issue
- Heft 17 (20.11.1931)
- Date
- 1931-11-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Arbeiter Seite 3. ternommen zu haben, die Bestrebungen des Zionismus in Palästina im Verhältnis zu der arabischen Umgebung darzustellen. Sein Buch zeigt die Gefahr für den Zionismus auf, wenn er es nicht verstehen sollte, das jüdische Palastina dem arabischen Vorderen Orient organisch einzuverleiben. Die Lösung der Araberffage ist das wichtigste und schwerste Problem des Zionismus. Jedoch nur auf Grund von Gleichberechtigung und Freundschaft beider Völker kann die Lösung gebracht werden. Und gerade darin sehen wir eine der wichtigsten Aufgaben unserer Partei, der zionistisch-sozialistischen Arbeiterpartei. Unserer Partei war es', die seit ihrem Bestand auf die Wichtigkeit und Schwere dieser Aufgabe hingewiesen hat, ohne bis vor kurzem das1 richtige Verständnis in der zionistischen Oef fentlichkeit gefunden zu haben. Unsere Partei in Palästina war Hie erste und einzige, die praktisch versucht hat, mit den arabischen Fellachen und Arbeitern in Kontakt zu treten. Josua Imber. Palästina. Radikaler Abbau unter der' Beamtenschaft der Jewish Agency. ' Jerusalem. (J. T. A.) Der Abbau unter der Beamtenschaft der Jewish Agency ist ein sehr radikaler. Nachdem heute der Abbau von weiteren 30 Beamten erfolgt ist,, hat sich1 der Beamtenstab, der i. J. 1929 noch 130 Personen betrug, auf 60 vermindert. Industrie-Zensus. Bei dem durch di «statistische Abteilung der Jewish Agency vor einem Jahre .durchgeführten. Industrie-Zensus wurde die Industrie in den Städten und den hauptsächlichsten Dörfern gezählt. Die 625 gezählten industriellen Unternehmungen beschäftigten 7500 Personen und gaben im Jahre 1929 Pfund 600.000 für Löhne und Pfund 900.000 für Rohmaterialien aus und produzierten Waren im Werte von ca. Pfund 1,500.000. Das investierte Kapital betrug nahezu Pfund 3,000.000 und die Pferdekraft der Maschinen über 10.000. Diese Zahlen enthalten nicht den Bau der elektrischen Kraftstation in der Jordanebene, die noch, nicht fertiggestellt ist und die ein beträchtliches Kapital darstellt. Ein Vergleich mit den Zahlen früherer Statistiken zeigt einen auffallenden Fortschritt in der Entwicklung der jüdischen Industrie in den letzten 7 Jahren; die Zahlen haben sich seit 1923 verdoppelt und verdreifacht. Kapital Pferdekraft 966.000 1380 1,516.000 5730 3,000.000 10200 Fabriken Personal .1923 279 2330 1925 536 4890 ' 1929 625 7500 Die wichtigste Industriegruppe ist die der Lebensniittelproduzenten, bestehend aus 163 Unternehmungen mit einem Personal von 1472 Personen und einer jährlichen Produktion von Pfund 657.000. Dieser Gruppe folgen in größerem Abstand Fabriken zur Herstellung von Metallarbeiten, Lederverarbeitung, Textilwaren und Druckereien, von der jede Gruppe ca. 10 Prozent der Gesamtsumme des Personals und der Produktion für sich in Anspruch nimmt. Die hauptsächlichsten Unternehmungen, die Waren im Werte von ca. Pfund 50.000 und mehr herstellen/ sind folgende: Zahl der P rsonal Eigen¬ Produk¬ Kapital Unternehmungen tum u. Arb. tion Brot u. Backwerk 70 355 193.809 54.294 Mühienprodukte 13 108 146.162 89.300 Weine und Liköre 9 104 118.700 194.670 Möbei 44 . . 419 74.321 53.422 Gerbereien 4 58 70.100 57.100 Druckereien 54 521 68.741 92.S32 Strumpffabriken 5 220 49.680 56.048 lieber 70 Prozent der Unternehmungen besaßen ein Kapital von weniger als) Pfund 1000. Ihre Gesamtinvestition macht jedoch nur 5 Prozent des Gesamtkapitals der jüdischen Industrie aus. Andererseits gab es 25 Fabriken, die 'mehr als Pfund 10.000 besaßen und über ein Kapital von Pfund 1,500.000 oder die Hälfte des Gesamtkapitals verfügten. Die Tätigkeit des „Central Hamaschbir" iml August. Im August hat der „Central Hamaschbir" Cooperative Ltd., die Engros'-Konsumgenossenschaft der Arbeiter, die organisierten Körperschaften wie folgt beliefert: Kooperative Siedlungen und Abteilungen für land Pfund wirtschaftliche Versorgung 2216.— Kooperative Konsumenten-Organisationen 1217.— Kooperative Gruppen und Organisationen in den Dörfern 495.— Landwirtschaftliche Schulen und Versuchsstationen 290 — Arbeiterinnenfarmen 173.—r Kooperative Küchen 61 — Institute "* 77.— Kleinbauersiedlungen, in denen noch keine Konsumenten-Kooperativen bestehen 346.— Verschiedene 569,— Summe 5444.—* Lokale Produkte wurden im Betrage von Pfund 2587 verkauft. * In Verbindung mit der neuen Einführung des Kartoffelanbaues in den Siedlungen hat der „Central Hamaschbir" auf Anweisung der Versuchsstation der Jewish Agency die Sied-- hingen mit Saatkartoffeln aus4 Cyprus versorgt und bemüht sich augenblicklich um die Einfuhr von Kartoffeln aus England für den Anbau im Winter. Der „Central Hamaschbir" hat kürzlich der ersten Kon* sumentenkooperative der Arbeiter des Dorfes' Benjamina die offizielle Bestätigung durch den Registrätor der Kooperativgesellschaffen überreicht. Diese Gruppe besteht seit fast einem Jahr und hat in dieser Zeit ein Kapital und Einnahmen im Betrage von Pfund 130— zurückgelegt, die von den 57 verheirateten Arbeltern, welche zu der Gesellschaft gehören, eingezahlt wurden. Der „Central Hamaschbir" hat einen Plan für die Gründung solcher Gesellschaften in den größeren Dörfern ausgearbeitet, um die Lebenskosten der dortigen Arbeiter herabzusetzen. Die Konsum-Kooperative in Nahalal, die anstelle - des gemeinsamen Lagerhauses tritt, das) bisher dort bestand, ist ebenfalls offiziell bestätigt worden. Jüdische Handelsstatistik. Die Statistische Abteilung der Exekutive der Jewish Agency führt zurzeit eine statistische Erhebung über den jüdischen Handel in Palästina durch. Tel-Aviv und Jerusalem sind bereits bearbeitet worden und die übrigen Städte und größeren Siedlungen werden in Bälde bearbeitet werden. In Tel-Aviv wurden 1200 Engros- und Detail-Unternehmungen und Restaurants aufgenommen. Der Umfang des inländischen Geschäftes, zu dem auch Geschäftsabschlüsse zwischen den verschiedenen Kaufleuten des* Landes (zwischen Grossisten etc.) gehören, betrug im Jahre annähernd 3 Millionen Pfund. In Jerusalem wurden 800 Geschäfte mit einem gemeinsamen jährlichen Umsatz von annähernd 1.500.000 Pfund verzeichnet. Aus dem Zensus geht hervor, daß 50—60 Prozent der verkauften Nahrungsmittel im Lande produzier* Werden. Anbau von Kartoffeln. Nach Versuchen zur Bestimmung der besten Bedingungen für Sorten, Zeit der Aussaat, Düngemittel etc. für den Anbau von Kartoffeln im Nuriskomplex und nach einem Besuch des Leiters für Neuanlagen der landwirtschaftlichen Sektion der Jewish Agency in Cyprus, wo er die besten Saatkartoffeln beschaffen sollte, ist der Anbau von Kartoffeln in den Siedlungen der Jewish Agency dieses Jahr eingeführt worden. 400 Dunam werden dieses Jahr mit Kartoffeln bebaut werden, davon 155 Dunam' im Nuriskomplex, 50 in Nahalal und 50 in Baer Tuwia. Wenn die Winterernte günstig ist, wird sie 500—600 Tonnen Kartoffeln oder ca. 10 Prozent der bisher vom Auslande importierten Menge ergeben. Einwanderung und Auswanderung im August. Im Monat August kamen 316 Einwanderer in Palästina an: 210 Juden, 76 Christen und 30 Mohammedaner. Die jüdischen Einwanderer Umfaßten 20 Personen mit einem Kapital von Pfund 1000 und darüber, sowie ihre Familien und 92 Personen, die aus Berufsgründen in das1 Land kamen und 1 Einwanderer mit religiösem Beruf. Unter den christlichen Einwanderern waren 18 Personen, die aus Berufsgründen kamen, 10 Personen mit religiösem Beruf und 7 Personen, die den Bestimmungen des Einwänderungsgesetzes nicht unterlagen. Unter den mohammedanischen Einwanderern waren zwei mit einem Kapital von 1000 Pfun<d unjd darüber. Im Laufe des Monats verließen 115 Personen das Land: 77 Juden, 31 Christen und 7 Mohammedaner. Die Pflanzungen in Beer Tuwia. Die Orangen- und Grape-Frui.t-Pflanzungen, die sich über 352 Dunam erstrecken und teils okkulierte und teils noch unokulierte Räume umfassen, haben sich im Sommer befriedigend entwickelt. Ein Teil der Bäume wird im Herbst veredeit werden. Wiener GasRofts der beliebte Brennstoff für Eiills und Dauerbrandofen Zentralheizungen Gewerbliche Feuerstätten Jüdisches Leben, Ausschreitungen und Wirtsich'aftsfnot im Auslände (Warschau und Wilna). In .Wars'chau haben Studentenaussch reitungen, stattgefunden, die man in früheren Jahren als1 osteuropäisch bezeichnep konnte, die wir aber heute leider als allgemein üblich ansehen müssen. Tagelang stand Warschau unter dem Terror von einigen hundert antisemitischen Studenten, die an Frauen und Kindern ihre Tapferkeit und ihre nationale, Ehre betätigten. Die Regierung hat in einer sehr scharfen Erklärung, die sie vor dem Parlamente abgab, einen deutlichen Trennungsstrich zwischen sich und diesen „Akademikern" gezogen. Trotzdem dauern die Ausschreitungen fort, ohne daß behördlicher Nachdruck in der ihm rhög.- liehen Form in die Erscheinung tritt. Auch in Wilna fanden schwere Studentenunruhen statt. Zwei Personen, ein jüdischer Student und ein Rechtsradikaler, wurden dabei getötet, 29 Personen mehr oder weniger schwer verletzt. Ring des „Jüd. Arbeiter".. Gen. Erni Welt spendet S 2.— und-ruft folgende Genossen und Freunde auf, denselben Betrag zu spenden : Dr. Adolf Bernay, .Dr. Emanuel Hirschhorn, Klara Blum, Ing. Zwi Krämer, Dr. Trude Freund, Chaim Kupfer, Josef Goldsfaub, Dr. Leo Ginsberg, Richard Löwy, Leo Friedmann. Gen. Dr. Martha Hofmann beantwortet die Aufforderung der Gen. Salitry, spendet S 2.— und ruft folgende Genossen und Freunde auf, denselben Betrag zu spenden: Chajuta Bussel, Esther Smoira, Dora Schwarz (Salzburg), Dr. Berthold Hirschl, Dr. Tulo Nussenblatt, Dr. Michael Steinberg. r. ' Herr Direktor G r ü b e 1 beantwortet die Aufforderung der Gen. Salitry und .spendet S 10.—. Gen. Laura Feinberg beantwortet die Aufforderung der Gen. Salitry und spendet S 2.—, Herr Dr. Leo Goldhammer beantwortet die Auf forde, rung des Gen. Singer und spendet 'S 2.—-. Herr Asfiel Fischer beantwortet die Aufforderung des Gen. Herschkowicz und spendet S 2.—. Herr A. Frisch beantwortet die Aufforderung des Gen. Herschkowicz und spendet S 2,—, ) Hungertod unter Warschauer jüdischen Schulkindern. — Joint will helfen. Die wirtschaftliche Not unter der jüdischen Bevölkerung Polens nimmt erschreckende Formen an und prägt sich bereits in dem äußeren Bild aus, das die Klassen der weitlichen Schulen der jiddischen Kulturorganisation, der hebräischen Schulen der Kulturorganisation Tarbuth und der von den religiösen Organisationen unterhaltenen Talmud-Thor a-Schulen bieten. Die Schulkinder sehen ganz so blaß, verhärmt und ausgehungert aus wie-in . den schwersteh Nachkriegsjahren. Häufig kommt es vor, daß Kinder während deä Unterrichts ohnmächtig werden, wobei sich bei der Untersuchung herausstellt, daß das betreffende Kind vom dauernden Hunger vollkommen entkräftet ist. Die Zahl der Sterbefälle unter den vom Hunger entkräfteten Schulkindern ist in ständigem Wachsen begriffen. Die Leitungen der erwähnten Schulen haben an Herrn: Dr. Bernhard Kahn, Direktor des europäischen Büros des! American Joint Distribution Comittee in Berlin, einen dringenden Appell gerichtet, die Schulen durch Bereitstellung von Mitteln in Stand zu setzen, den Kindern die allernofwendigste Nahrung geben zu können. Die Antwort war po- . sitiv, so daß die Hoffnung besteht, daß die Aktion zur Rettung der Schulkinder von Erfolg gekrönt sein wird. Speisung von 10.000 armen jüdischen Familien Warschaus!.. , Warschau. Der stellvertretende Warschauer Wojevvode Olsinsky hat das Präsidium des jüdischen „Rettungskomitees" zu sich eingeladen, um mit ihm die Hilfeleistung an die notleidende jüdische Bevölkerung Warschaus im Rahmen der allgemeinen Winterhilfe der Regierung zu besprechen. Die Regierung hat durch Erhöhung der Post- und Bahntarife, Einführung einer Kinosteuer usw. einen laufenden Fonds für die Winterhilfe geschaffen; für Wars'chau stehen drei Millionen Zloty zur Verfügung. Das jüdische Rettungskomitee fordert eine Million Zloty für das1 jüdische Hilfswerk und weist darauf hin, dflß die jüdische Bevölkerung Warschaus den dritten Teil der Gesamtbevölkerung der polnischen Hauptstadt ausmacht. Im jüdischen Rettungskomitee seien nicht weniger als 10.000. Warschauer jüdische Familien registriert, die dem Hunger preisgegeben sind' und im Verlauf des Winters gespeist werden müssen. Vize-Wojewoide Olsinsky erklärte, daß in erster Linie Kinderspeisungen in Betracht kämen. Es sei ihm nicht unbekannt, daß oft in jüdischen Schulen hungernde Kinder in .Ohnmacht fallen. Daä Präsidium des jüdischen Rettungskomitees übergab Olsinsky das einschlägige Material, sowie die Entschließungen "der verantwortlichen jüdischen Körperschaften betreffend die Regierungshilfe für die jüdischen Notleidenden. Die Juden in Ostdeutschland!. * Der schwere wirtschaftliche Druck, der über Deutschland lastet, macht sich in den iVorwiegend agrarischen Gebieten östlich der Oder ganz besonders bemerkbar; Auch der jüdische Mittelstand in den größeren und kleineren Städten der Provinzen Ostpreußen, Posen-Westpreußen, Schlesien und Pommern, dessen Hauptkundschaft die Landbevölkerung bildete, verarmt mehr und mehr. Denn zu dem wirtschaftlichen Druck, der über allen Teilen der Bevölkerung lastet, kommt die gewissenlose Hetze jener Politiker, die die Not des! Volkes durch Agitation gegen die jüdischen Kaufleute, Handwerker und Akademiker betreiben. Die Fälle sind immer häufiger, in denen wirtschaftliche und gesellschaftliche Aechtung Existenzen vernichtet. Die Osthilfe, die die Regierungen vor Monaten schon begonnen haben, kommt in erster Linie der Landwirt* schaft und den Industrieunternehmungen, zugute, ihre Auswirkung auf andere Bevölkerungsschichten, zumal auf den gewerblichen Mittelstand, ist noch nicht spürbar. Die Not der jüdischen Kaufmannschaft im Osten steigt ständig. Insolvenzen und Konkurse mehren sich in erschreckender Zahl. Wer heute in einer Zeitung Ostdeutschlands die traurige Liste der Zahlungseinstellungen liest, erkennt mit Entsetzen den unverhältnismäßig höhen Anteil jüdischer Namen. Dieser Niedergang des jüdischen Mittelstandesl ist aber weit über die Grenzen der Ostseeproyinzen einer besonderen Betracht