Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 8 (1931)
- Issue
- Heft 17 (20.11.1931)
- Date
- 1931-11-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2641551-2641624-2641641--472-2642451- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 4» Def Steche Arbeiter fiing" werfr weil duith die s'dhlecTtte Vermögenslage des einzelnen die jüdischen Gemeinden des Ostens in schwere Bedrängnis geraten. Die Institutionen und Vereine in den größeren und kleineren Gemeinden des' Ostens vermögen heute nur mit größter Mühe die notwendigen Mittel füt die wichtigsten Aufgaben zu erhalten. Das! neue Spanien und dfe sepfaardiscfoen Juden. Der Madrider Korrespondent der Londoner „Times" berichtet, daß in Madrid und Barcelona die Juden sich gegen wartig anschicken, aus der Zurückhaltung herauszutreten die sie Vor dem republikanischen Regime sich haben auf erlegen müssen. Sie hoffen, jetzt eine Synagoge in Barcerlona bauen zu können, ebenso in Toledo die historische kleine Synagoge zurückzuerhalten, die unter dem Namen „Transite" bekannt ist und sich neben dem Haus) EI Greco ^m Ufer des Tajo befindet. Andererseits ist die spanische jRegierung jetzt bemüht, die Beziehungen zu den sephardi sehen Juden, die am Et\de des 15. Jahrhunderts Spanien verlassen mußten, wieder fester zu knüpfen. Schon vorher dachte man in Spanien daran, die kulturellen Zusammen hänge zwischen Spanien und den sephardischen Juden wieder > aufleben zu lassen. Der Senator Pulido hat wiederholt versucht, die Regierung König Alfons XIII. dafür zu inter essjeren, allerdings ohne großen Erfolg. Entgegenkommender zeigte sich der Diktator Marquis De Estella, der einen Rat für kulturelle Beziehungen zum Ausland schuf, um den spanischen geistigen Einfluß zu stärken und dabei auch an 'die sephardischen Juden dachte. Die jetzige republika nische Regierung reorganisierte diesen Rat durch1 ein Dekret vom 9. Juni. Der Rat hat dje Aufgabe, literarische, wissenschaftliche und künstlerische Beziehungen zum Ausland .'zwecks' Ausdehnung der Kenntnis der spanischen Kultur zu pflegen. Don Ernesto Gimenez Caballero, Herausgeber der „Gaceta Literaria", wurde vom' Rat mit einer Studien missjon nach dem europäischen Osten geschickt. Er be buchte Griechenland, die Balkanhalbinsel und die Türkei und stellte fest, daß es ca. 65.000 sephardische Juden in Saloniki, 26.000 in Jugoslawien, 20.000 in Rumänien und 14.000 in Bulgarien gibt. Diese Juden, die spanisch sprechen, zeigten - großes Interesse für spanische Musik, Filme usw. Als Ergebnis dieser Reise werden jetzt spanische Bücher nach diesen Ländern geschickt, in den. größeren Städten werden „spanische Häuser" errichtet, die sephardische Presse wird jetzt veranlaßt, Artikel in der modernen kastilischen Sprache zu drucken. Während die sephardischen Juden seit ihrer Verbannung Spanien als ein ihnen nicht mehr zugängliches Land betrachteten, entstanden bei ihnen nach dem republikanischen Umsturz neue Hoffnung auf Spanien. Ein Jude aus Marokko hat sich an die Spitze .einer Bewegung gestellt, welche von der spanischen Republik . eine moralische Wiedergutmachung des den Juden gegenüber von Ferdinand und Isabella begangenen Unrechts und die formelle Annullierung! des Ausweisungsdekrets vom Jahre 1492 verlangt. Aus unserer Bewegung. Tschechoslowakei.! Sonntag, den 1. d. M. fand in Preßburg der 4.,Parteitag der Poale-Zion in der Tschechoslowakei statt. Es' war eine ausschließliche Arbeitstagung, deren Beschlüsse für die organisatorische Entwicklung der Partei von weittragender Bedeutung sind. " Wien. Trotz der Ungunst der Verhältnisse leistet unsere Organisation überaus rege Arbeit. Gen. Geles leitet eine Arbeitsgemeinschaft, die folgende Referate veranstaltet hat: Dr. Pilzer: Spradhenfrage; Problem! des Westjudentums; Dr. Glanz: Juden in -Karpathorußland;" B. Schnittlich: Lage in Mitteleuropa; Dr. Sokal: Ofganisationsproblem. Jeden zweiten Samsiag führt Gen. Dr. Ludwig Birkenfeld eine Arbeitsgemeinschaft über politische 'Tagesprobleme. Ferner spracht Genossin Schuller über ihre Eindrücke in Sowje'trußtand und Gen. Imber über die nationale Bewegung im vorderen Orient. Am 12. November nahmen wir korporativ am Aufmarsch der Wiener Arbeiterschaft teil. Die glänzend besuchte Republikfeier nahm einen überaus' schönen Verlauf. Auch' "an dieser Stelle sei Frau Maria Beriiay für ihre künstlerischen Darbietungen herzlichst bedankt. Weg Aussprache. mit dem Austrittslisten! Die Aufgaben, vor . welche sich unsere Vertreter in der jüdischen Gemeinde gestellt sehen, sind nicht leicht; in einer Körperschaft, die dank ihrer Entwicklung und der in! ihr bestehenden Machtverhältnisse ein durchaus reaktionäres Gepräge hat, haben men: die Veröffentlichung der Namen jener, d i e dem J u d e n l u m d e n R ü c k e n ke hren. Es ist zwar unsere Ansicht, daß' dieses Mittel, die Zahl der Austritte aus dem Judentumzu verrinn gern, vollkommen aussichtslos ist; aber selbst dann,, wenn die Aussicht bestände, mittels der Namensveröfv fentlichung dem Judentum einige seiner Söhne oder Töchter zu erhalten, scheint uns diese Maßnahme der jüdischen Gemeinschaft unwürdig zu sein. Der Austritt aus dem Judentum ist der deklarative Abschluß der organischen1 Lös* lösung des betreffenden Gemeindemitgliedes; es ist der äußere Ausdruck einen inneren Tatsache. Der Austretende fühlt sich' Geht Ihr Mäderl in die Volksschule? Sehr viele von diesen Mäderln, die heute 6 bis 10 Jahre alt sind, werden nie heiraten können. Denn während des Krieges sind wenig Kinder geboren worden und im Jahre 1945 wird es deshalb in Österreich 290.000 Mädchen im Alter von 19 bis 23 Jahren, aber nur 175.000 Männer im Alter von 25 bis 29 Jahren geben. Sorgen Sie rechtzeitig dafür, daß Ihr Mäderl eine schöne Aussteuer bekommt! Schließen Sie eine Töchterversicherung bei der Lebensvers.-Gesellschaft Phönix! sie für Prinzipien« des Fortschritts zu kämpfen, sie haben die öffentlich-rechtliche Organisation der Wiener' Judenschaft in eine weltliche, den sozialen Interessen der jüdischen Proletarier dienende Körperschaft umzuwandeln. Und wir können feststellen', daß unsere Vertreter dieser ihrer Aufgabe gerecht werden: wenn wir im letzten Jahre Zeugen einer weitgehenden Zentralisierung der sozialpolitischen Tätigkeit waren, wenn wir feststellen konnten, daß die Gemeinde die Wanderfürsorge in ihren Wirkungskreis einbezogen lat, daß sie sich entschlossen hat, diese ihre Tätigkeit in Gemeinschaft mit den anderen jüdischen Gemeinden des In- und Auslandes zu leisten',, wenn schließich die Gemeinde die Herausgabe der „Mitteilungen" beschlossen hat, so sind das alles Maßnahmen, die unsere Vertreter seit ihrem Eintritt in den Kultusvorstand gefordert haben. Die Entwicklung der jüdischen Gemeinde in den letzten Jahren bedeutet , den Sieg unseres poalezionistisc'hen Gemeindeprogramms, den« das soll keine Spitze gegen ^unsere „feindlichen" Brüder von der Organisation der „Werktätigen Juden" sein — das Programm der anderen sozialistischen Fraktion in der Kultusgemeinde ist ja in' entscheidender Weise von unseren Genossen beeinflußt worden. Heute möchten wir alle sozialistischem Vertreter im Kultusvorstand auf eine Angelegenheit aufmerksam machen;, die, wie uns scheint, ires Interesses in hohem Maße wert ist, auf einen Brauch im jüdischen Gemeindeleben, den immer größere Teile gerade der positiv-jüdisch eingestellten Bevölkerung und vor allem der Jugend als schmacho 11 für das Wiener Judentum ansehen. Es handelt sich um die Methode, 'die von der Kultusgemeinde anewendet wird, um die Austrittsbewegunig zu h'emmit dem jüdischen Volke nicht mehr verbunden, die jüdische Sprache, das Gefühl gemeinsamer Abstammung, gemeinsamen Schicksals, ist ihm fremd, die Botschaft einer Erneuerung des jüdischen Volkstums Tat ihn kalt gelassen, die Heilsbotschaft der jüdichen Religion lehnt er ab; j üdisch es Volk und ü d i s c h e Religion s i n d i h m g 1 e i c h g ü 11 i g e B e g r i f f e. Sind wir schon so in unserem Bestände gefährdet, daß wir auf diese Entfremdeten: einen unmoralischen Druck ausüben zu müssen glauben, um sie vor diesem' für sie nur formellem Schritt abzuhalten? Man komme uns nicht mit dem Argument, daß die Austretenden eben dem Mut des öffentlichen Bekenntnisses zu ihrer Tat aufbringen sollen: es geht nicht um: „Bekenntnis" und „Tat", es geht einfach um Rücksicht auf Angehörige. Und es erscheint uns als Mißbrauch der Familiengefühle, wennl sie von irgend einer Gemeinschaft dazu gebraucht werden, um ein wegstrebendes Individuum an sich1 zu fesseln! Und wenn iman. glaubt, daß man Streber durch Veröffentlichung ihrer Namen brandmarken! müsse, so entgegnen wir, daß wir das Niveau unseren .Politik uns nicht von Lumpen bestimmen lassen sollten. — Man mißverstehe uns nicht: wir nehmen! die Austrittsbewegung nicht leicht! Aber nicht das ist der Weg zu ihrer Bekämpfung. Intensivierung der jüdischweltlichen Erziehung, Erfüllung der Jugend mit dem Ideal der sozialen und nationalen Erneuerung des jüdischen Volkes in Palästina, Umwandlung der K u 1tusgemeinde im eine wahre Volksgemeinde, das sind die Mitteln der wirklichen Bekämpfung der Assimilation. Darum fordern wir von der jüdischen Gemeinde die Auflassung der Veröffentlichung der Namen der die jüdischen Gemeinde Verlassenden! M. P. Billige Preise Josef M. H0R0WITZ Atelier für allerfeinste Herrengarderobe WIEN, I. Graben Nr. 20 (Eingang Naglergasse Nr. 1) Telephon Nr. U-26-3-94 Anfertigung aus eigenen, wie auch aus mitgebrachten Stoffen. Großes Lager in original engl. Stoffen. Billige Preise MAYER & ROTTENSTREICH SIND UNO VERKAUFEN ZU ENC3&OS-PRE9SEN IM DETAIL. E8M8GE BEISPIELE AUS UNSERER PREISLISTE: •f r. 3 ÜBERSIEDELT Er Strapaz-Socken Zwirn-Mele-Socken Mode-Socken Prima Jaquärd-Socken, durchwebte Muster Seiden-Socken, platt. Feinste Seidenflorsocken, Modemuster Original-Jäger-Sqcken Winter-Tiger-Socken Winter-Socken, wie Kamelhaar Sie! Es * —.40 Wirtschafts-Strümpfe -.60 Kinderstrümpfe, schw., I, II -.35 -.50 Sport-Mele-Strümpfe —.85 Kinderstrümpfe, alle Farben, I -.48 -.55 Seidengriff-Strümpfe 1.25 Wollgamaschen alle Größen 1.50 -.85 K.-Seiden-Strümpfe 1.40 Winter-Handschuhe 1.20 1.10 Agfa-Feinwaschseide mit Keilferse 1.75 Kinder-Macco-Hoserl, alle Farben —.88 150 Feine Waschseiden-Strümpfe 2.50 Pelz-Anzügerl 1.50 1.— la Seidenflorstrümpfe mit Keilferse 1.75 Gamaschen-Hosserl, Ia 3.50 -.85 Gerippte Sport-Strümpfe -.86 Kinder-Westen, Pullover, >•. 1 — Seiden-Strümpfe mit Flor -.98 verschiedene Größen 4.50 Alle! Sämtlche Winterwäsche, Strickwaren, Handschuhe, Strümpfe für Herren, Damen und Kinder in großer Auswahl! Druck: „Adria",' Wien, II , Tabörstraße 52b. Eigentümer, Verleger, Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Pinkas Kornblüh, Student, Wien, II., Schiffmühlcn strafk 45/8.