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Der Jüdische Arbeiter · 1931-11-06 · Heft 16 (6.11.1931) · page 2

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
8 (1931)
Issue
Heft 16 (6.11.1931)
Date
1931-11-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 1 Der jüdische Arbeiter huschten fragen' im Galut Stellung nehmen, die seine politisch' geschulten erwachsenen Mitglieder interessieren. Bis jetzt versucht aber der Schomer alle diese Fragen aus seiner Bewegung zu eliminieren; das ist ein abnormaler Zustand und steht auch im Widerspruch zu den sozialistischen Prinzipien dieser Jugendbewegung selbst. Der Hasehomer-Hazäir macht gewissermaßen den Versuch, seine Bewegung von dem jüdischen Massenleben zu isolieren; die Bewegung soll im Galuth nicht an den Kämpfen der jüdischen Massen: für Fortschritt und Sozialismus, an ihrer Selbsthilfe, die von ihnen politische Aktivität in höchster Entfaltung fordert, Anteil nehmen. Gewiß ist diese „splendid isolation"d arin begründet, daß der Schomer seine Mitglieder zur Chaluziut verpflichtet. Bewegungen leben aber nicht in Abstraktionen, sie wirken in einer bestimmten Wirklichkeit. .Wenn wir den Prozentsatz der Schomrim in Betracht ziehen, die'nicht nach Palästina gehen konnten, werden! wir den Fehler, der in dieser Isolierung liegt, verstehen, ganz abgesehen davon, daß es gar nicht im Interesse des arbeitendem Palästina liegt, daß die Menschen, die ins Land kommen, sich' im Galuth an den Kämpfen der jüdischen Arbeiterschaft nicht beteiligt haben. Im Gegenteil, die Renaissance der Judenheit in Erez ist bedingt von der höchsten Aktivität der jüdischen Massen auf allen Gebieten. Nur ein nationalstarkes Judentum wird sich' am Palästinaaufbau beteiligen. Die palästinatreuen Gruppen haben alle jüdischen Lebensgebiete mit dem Palästinagedanken zu durchdringen. Wir müssen auch im Interesse Palästinas den Gedanken der Galuthverneinumg, die Interessenlosigkeit den Fragen gegenüber, die Produkt des Lebens der jüdischen Massen sind, beseitigen; es ist ein folgenschwerer Fehler, wenn der Haschomer-Hazair seine Mitglieder dem jüdischen Massenieben entfremdet 'hat. So mit dem realen Leben bloß (abstrakt verbunden, vermeint der Schomer einen Linksstandpunkt vertreten zu können, der, ihn vom der sozialistischen Internationale abgrenzt, gleichzeitig aber verfolgt er eine .Taktik, deren Opportunismus nicht überboten werden kann. Auf der einen Se11e kr 111siert der Schomer die deutsche Sozialdemokratie, die Labourparty und die Internationale wegen ihrer reformistischen Politik, auf der anderen Seite stimmt er bei den Sejmwahlen für den allgemeinen nationalen BI o c k u n d nimmt an allen Paraden der bürgerlichen Z i on i sten teil. Kann eine solche doppelte Buchhaltung dem Geist der Jugend entsprechen? Der Schomer beantwortet diese Kritik, indem1 er sich1 einerseits auf Borochov beruft, andererseits wichtige Gedanken, Borochovs ignoriert; allerdings wird dabei auch' Borochovs Theorie verbogen. Borochbv hat in seiner Begründung des Zionismus! darauf hingewiesen, daß die strategische Klassenkampfbasis des jüdischen Proletariats im Galuth sehr schwach ist; durch1 die Konzentration in Palästina wird der Klassenkampf des jüdischen Proletariats normalisiert. Der Haschomer folgert mm aus dieser These, daß es im Galut überhaupt keine jüdische Arbeiterschaft gebe, daß es außerhalb Palästinas unmölglich ist, eine jüdisch-sozialistische Politik zu führen; hier Tm Galut müsse man mit dem bürgerlichen! Zionismus gehen, ein notwendiges, aber unvermeidliches Uebel. Das ist die offizielle Schomerideologie — eine Neuauflage der längst übenvundenen Galutverneinung. 1 Die Gefahr besteht num darin, daß die Jugend diese eigenartige Theorie weiter entwickeln wird: iWenn die Politik der Parteien der sozialistischen Internationale 'Klassenverrat bedeutet, wenn Zionismus Burgfrieden im Galuth bedeutet, dann1 verlangt doch der Zionismus von mir: Klassenverrat; was bei englischen Arbeitern Verrat ist, kann bei jüdischen Wicht „Sozialismus" sein! Für eine Auserwähltheitsth'eorie — „wir dürfen, sie nicht" —, für eine Idee der nationalen Erneuerung, der das Schicksal von Millionen gleichgültig ist, die keine Beziehung zur Sprache und Kultur des Volkes h'at, wird die Jugend kein Verstandnjis läufbringen1. 1 Diese Probleme lassen sich nicht künstlich' vom Leben eliminieren; die Ideologie des Schomer muß lunter der Jugend Verwirrung stiften, sie muß zu einen Doppelmoral führen, die es zuläßt, daß eine sich' revoLutibnär-sozialfstisch nennende Jugendbewegung ihren Kongreß zwar im Zeichen der „nationalen Einheit" eröffnet, ihre Zugehörigkeit zum Sozialismus nicht einmal mit einem Wort erwähnt. Was bedeutet ein solches Vorgehen? Hat der Schomer sich' den sinngemäß variierten Satz — „Zu Hause Sozialist, in der Oeffentlichkeit Mensch" — zum .Wahlspruch gemacht? Diese doppelte Buchführung muß ihre Konsequenzen zeitigen. Eine solche Haltung des Hasch'omer-Hazair kann dem proletarischen Zionismus nicht gleichgültig sein; der Schomer muß zu klaren Entscheidung gezwungen werden. Bei der letzten Konferenz des Hasch'omer-Hazair waren Symptome einer Aenderung der Haltung in" diesen Fragen festzustellen; die Teilnahme an der Gewerkschaftsbewegung stand zur Diskussion. Allerdings hat man es in der reichlich1 unklaren Resolution vermieden1, zu erklären; mit welchem Teil der 'Arbeiterschaft man im Gewerkschaftskampfe gehen wird; soll der Beschluß nicht Makulatur werden, muß aut diese Frage eine Antwort gegeben werden. Aber auch dieses Sichzuwenden zur Wirklichkeit ist als erster, Schritt zu begrüßen, und wir hoffen, daß es sich um den Beginn der grundsätzlichen Aenderung im Erziehungssystem des Haschomer-Hazair handelt! Der Ichud in Amerika vollzogen! Am 15. Oktober fand in Philadelphia die Konferenz unserer amerikanischen Bruderpartei statt. Den Tätigkeitsbericht hat der Parteisekretär, Genosse Abraham Balfour erstattet. Der Referent hat auf die Fortschritte der Partei seit der letzten Konferenz hingewiesen; die Zahl der Zweigorganisationen ist von 45 aut 60 gestiegen, die Summe der für verschiedene Zwecke aufgebrachten Mittel hat 300.000 Dollar erreicht. Die Partei hat eine intensive Kulturtätigkeit entfaltet und erhält zusammen mit dem nationalen iArbeiterverband 50 Volksschulen, die von 50.000 Kindern besucht werden. Neben« dem Bericht wurden folgende Referate erstattet: 1. Vereinigungsfrage; 2. Intensivierung der Jugendarbeit; 3. Kolonisierung von Mitgliedern in Palästina auf kooperativer Basis; 4. Anfänge der Chaluzbewegung in Amerika; 5. Gewerkschaftsarbeit. Den Höhepunkt der Konferenz bildete Wer historische Augenblick, als der Antrag aut Vereinigung mit der Zeire-Zion einstimmig unter stürmischem Beifall angenommen wurde. Gleichzeitig mit der Konferenz der Poale-Zion tagte in Philadelphia die Zeire- Zion, die auch einstimmig den Vereinigungsantrag akzeptierte. Anschließend an beide Konferenzen hat die konstituierende Versammlung der neuen „Vereinigten Partei Poale-Zion'-Hitachdut in Amerika" stattgefunden; über ihren Verlauf stehen die Berichte noch aus. Die Führer der sozialistischen Arbeiterinternationale an die Vereinigte zionistisch-sozialistische Partei in Amerika. Im Namen des sozialistischen Komitees für das arbeitende Palästina richteten der Präsident der Internationale, Genosse Vandervelde und der Führer des französischen Sozialismus, Genosse Leon Blum, folgendes Begrüßungsschreibeni an die konstituierende Versammlung der Vereinigten Partei: „Liebe Genossen! Mit großer Freude haben! wir von der Vereinigung' der jüdischen Arbeiterorganisationen, der seit langem der Internationale angehörenden Poale-Zion und der zionistischen: Arbeiterorganisation Hitachdut, erfahren; insbesondere freut es uns, daß die Prinzipien der sozialistischen Internationale die Grundlage der Vereinigung bilden. Die Spaltung der Arbeiterklasse ist die wichtigste Ursache ihrer Schwäche; ihre Kraft liegt in ihrer Einigkeit und gerade deshalb begrüßen wir Eure.Vereinigurigskonferen^ 'und wünschen, daß sich' aridere an Euch ein Beispiel nehmen, Eure Vereinigung wird einen doppelten Erfolg zeitigen; sie wird die Kräfte unserer sozialistischen Internationale verstärken, sie wird den sozialistischen Flügel des Zionismus vergrößern, sie wird schließlich das Ziel der Errichtung des jüdischen! Nationalheims •in Palästina aufs Engste mit dem Kampf des Proletariats um Völkerfreiheit und Sozialismus verbinden. Eure Vereinigung wird Euerm Einfluß vergrößern, er wird die Bürgschaft dafür sein, daß das jüdische Heim durch Arbeit und auf dem Wege des Friedens autgebaut werden wird, daß der Friede mit den arbeitenden Massen des arabischen Volkes seine Grundlage bilden wird, daß dieses Nationalheim dank dem Idealismus der Arbeiterorganisation, der Arbeiterpartei und Eurer Chaluzim zum Heim des internationalen Sozialismus in diesem Winkel Asiens werden wird. Es lebe die Einheit der Arbeiter! Es lebe der internationale Soziale Sozialismus! Es lebe die Vereinigte sozialistisch-zionistische Partei! Es lebe das jüdische Arbeiterheim in Palästina! Für das sozialistische Komitee für das ari bettende Palästina: Emil Vandervelde. Leoni Blum'. .Weiters haben an die Vereinigungskonferenz Jean Loriguet und P. Turati Begrüßungen gesandt. Ichudproblem in Po!en. Am 17. Oktober fand eine Sitzung des Parteirates der Poale-Zion statt, in der folgender Beschluß in der Ichudfrage gefaßt wurde:;,Der Parteirat spricht seine Meinung dahin aus, daß die Wiener Plattform von 1925 die Grundlage der Vereinigung bilden soll. Anerkennend die Notwendigkeit der Vereinigung alier zionistisch-sozialistischen Kräfte auch1 in Polen, stellt der Parteirat fest, daß, die Praxis der polnischen Partei nicht im Einklang mit den sozialistischen Prinzipien steht." Wie berichtet wird, hat sich' die Leitung der Hitachduth kategorisch' gegen die Vereinigung ausgesprochen. Die politischen Organisationen der palästinensischen Araber* Wenn die Kenntnis der politischen und sozialen Verhältnisse im Orient heute wohl als wichtigstes Element der allgemeinen politischen Bildung bezeichnet werden darf, so bildet die detailief te Kenntnis der arabischen Nation albewegung in Palästina die wichtigste Voraussetzung für eine sachliche Stellungnahme eines jeden Zionisten zu den wichtigsten außenpolitischen . Fragen unserer .Bewegung. Es wird daher wohl unseren Lesern eine Uebersicht jener politischen Organisationen willkommen sein, die zusammen die Einheit der nationalen Bewegung der palästinensischen Araber bilden und mit welchen die praktische jüdische Politik sich' auseinanderzusetzen! hat. 1) Das arabische Aktionskomitee; es ist das umfassendste Institut der palästinensischen Araber, und erscheint als der kompetente Repräsentant der palästinensischen' Araber. Es besitzt keine panarabischen Aspirationen, ist nur realpolitisch orientiert. 2) Die chnstlich-muselmanischen Vereine. In Jerusalem und Haifa gibt es diese Organisationen nicht. Ein besonderes politisches Programm haben diese Organisationen nicht, sie führen an! ihrerff Sitz nur nationalpolitische Aktionen durch und betrachten sich als Filialen des Aktionskomitees. 3) Die Partei der Medschlesim. Diese ist die Partei des Mufti, sie ist die stärkste im Lande und richtet ihren Extremismus gegen den Zionismus. 4) Der Verein der Wächter der AI-Akza. Zweck: „Schutz! der den Arabern heiligen Stätten". Der Verein soll das Organ sein, welches' 'die paflislamiti,- schen Ziele des Mufti verwirklicht. 5) Verein mohamedanischer Jünglinge; diese Organisationen sind extrem national und fehnem das britische Mandat :und den Zionismus absolut ab. Die Zahl der Mitglieder ist nicht sehr groß. Sie haben auch1 ein Programm der sozialen Arbeit. 6) Die mohämedanfsehe Opposition' Die Mehrheit der Führer dieser Opposition hat ihre politische Karriere vor dem Krieg begonnen. Die Grundlage bilden die bestehenden Familienorganisati'önen. Die Organisation der Opposition, die vor allem' den Mufti bekämpft, ist nlur potentiell; sie fordert Demokratie sierung und Dezentralisation des obersten Rates, Herausnahme desselben aus der Macht emer,'Familie (der Husseine) und neigt zu einem! Kompromiß mit der Mandatregierung. 7) Christliche Organisationen. Die Intelligenz der christlichen und mohamedanischen Religion' sucht den Haß zwischen beiden Religionen abzubauen1 und hat Ansätze zur Zusammenarbeit geschaffen. Die christlichen Organisationen sind kirchlich-gemeindliche. Es bestehen katholische und orthodoxe Organisationen; letztere hat seit dem Untergang der rechtgläubigen Rußlands viel an* Ansehen veirloren1. 8) Arbeiterorganisationen. Im Jänner 1930 wurde in Haifa die Grürtdungskonferenz einer arabischen Arbeiterorganisation! abgehalten; Initiatoren waren Kommunisten und die arabische Exekutive. Die Arbeiterorganisation! fordert ein vollständig, selbständiges Palästina innerhalb einer arabischen Föderation, .indessen führt die Organisation ein Scheindasein lun'd wird von den arabischen Nationalisten als Firma zui Bekämpfung des Zionismus und des arabischjüdischen Arbeiterklubs in Haifa mißbraucht 9) Organisation der arabischen Frauen. Diese ist nach den August-Unruhen entstanden, ihre Führerinnen1 sind die Frauen der Sekretäre der arabischen Exekutive. Vereine gibt es in Jerusalem, Jaffa untl Haifa. Die Organisation hat bisher vornehmlich' füi die verhafteten Pogromisten Hilfsarb'eit geleistet Politisch steht sie ganz im Dienste der arabischen Exekutive. Es sind Anzeichen1 einer Bewegung aui sozialq Tätigkeit. Zusammenfassend kann festgestellt werden, daß die Politisierung der Araber mit Riesenschritten vorwärts geht. Und wenn die moderne Soziologie (Schmitt) festgestellt hat, daß die „Feindschaftsgefühle" die sozialpsychologische Grundlage einer jeden politischen Bewegung bilden, so war hier die Feindschaft zu England und Judentum der psychologische Nährboden der aufsteigenden nationalem Bewegung der. Araber, Steht eine Aenderung der polnischen Sozialdemokratie zui Frage der nationalen Autonomie bevor? Man schreibt uns aus Warschau: Für das jüdische Problem hat die polnische Sozialdemokratie immer nur eine Lösung gewußt: die Assimilation. Diese Lösung wurde vor allem von den jüdischen Führern1 der polnischen Sozialdemokratie vertreten,' so daß man sich in ihren Reihen noch heute vielfach der Illusion hingibt, daß die Assintflation alle Probleme der jüdischen nationalen Minderheit lösen wird. Das erklärt das NiöhtvorhandenL sein jedweden Programms in Bezug auf die Judentrage vollkommen. Nicht weniger unklar war die Stellung der polnischen Sozialdemokratie zur ukrainischen y

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