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Der Jüdische Arbeiter · 1931-10-17 · Heft 15 (17.10.1931) · page 3

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
8 (1931)
Issue
Heft 15 (17.10.1931)
Date
1931-10-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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^If^^vÄMW, Große Erfolge der Poale Zion bei den Gemeindewahlen in der Tschechoslowakei, Bei den letzten Gemein de wählen in der Ts'chechoslowa* kei haben die P. Z. einen großen Erfolg erzielt In Preßburgi, wo sie zum ersten Male mit einer selbständigen Liste auftraten, haben sie auf Grund einer Koppelung mit den, tschechischen Genossen ein Mandat erkämpft. Auch in Nitra traten die P. Z. zum resten Male selbständig auf. Dort erhielt die Liste der P. Z. 41 Rrozent aller jüdischen Stimmen und 2 Mandate, die „Jüdische Partei" erhielt nur ein Mandat. In Prag wurden zwei Vertreter, der P» Z. in die! Ortsausschüsse'gewählt. Die genauen Resultate aus Karpathorußland liegen noch nicht vor, doch haben auch , dort unsere Genossen große Erfolge erzielt. , ' Antisemitismus in Amerika. , Eixe ungemein werlvolle umfangreiche soziologische Studie über die Judenfrage an deh amerikanischen Hochschulen veröffentlicht in „Harpars Magazine" Harald A, Woodruff. Der christliche Verfasser schildert den allgemeinen^ amerikanischen Antisemitismus, von dem! der akademische nur ein Teil sei, fast, noch düsterer als! Ludwig Lewisohn in seinen bekannten Büchern („Gegen den Strom" usw.). Man könnte heute kaum1 eine Zeitung durchsehein, ohne irgend etwas über jüdische Benachteiligungen durch Christen zu finden: hier versuche ein Krankenhaus, seine jüdischen Aerzte loszuwerden, dort weigere sich1 eine Universität, jüdische Studenten aufzunehmen'; hier veranstalte wieder einmaf ein Seebad einen großen- „Drive" gegen die Juden, •dort rechtfertige ein Grundstücksmakler ,seine überhöhten- Preise damit, daß — „keine Juden in der Gegen*!jwofoten! —- Die akademische Judenfrage habe sich1 erst nach' dem Kriege zugespitzt, als .,(ähnlich wie. in Deutschland) ein unerklärlicher allgemeiner Andrang zu den- Hochschuh len einsetzte Genötigt, diesen Zustrom1 irgendwie einzudämmen, habe-man im1. Lande der „Freiheit und Gleichheit" die Juden auszuschließen begonnen, — allerdings1 fast niemals offen, sondern unter eigens hiezu erklügelten . Vorwänden. Aber bei der Zähigkeit/der Juden und , ihrer Hochwetung, d£s. Wissens sei ihr:'Andrang um so hartnäckiger geworden.-je rr(ehr Schwierigkeiten man ihnen in den Weg legte. Oft ließen sie sich' auch1 taufen oder änderten zumf mindestens* ihren Namen, um aufgenommen zu werden" Den wahren Grund des besonderen Hochschülantisemitismus erblickt Woodruff vor allem in' der Gegensätzlichkeit der •Rassen, während der religiöse Unterschied nur bei. dem-relativ kleinen orthodoxen Teil , der Juden ernstere Schwierigkeiten' mache. Die amerikanischen. Studenten seien von einem fanatischen Drang zur,Gleichmacherei, zur Uniformität, beherrscht; wer sich nicht genau wie die anderen benehme, errege allgemeines Aergernis. Nun machten sich die Juden bei ihnen unbeliebt, einerseits; durch die Geringschätzung der Geselligkeit und vor allem ihre Vernachlässigung des Sports, andererseits durch 'außerordentlichen, Fleiß im1 Lernen. Dem Lehrkörper und der Verwaltung wiederum fiele vor allem ihr überaus enger Zusammenhang mit der Fa^ milie auf die Nerven, welche die erwachsenen Söhne auch noch auf der Universität (die inr Amerika meistens eiin Internat ist) stark „bemutterte". Auch gewisse jüdische .Manieren,., wie . z. B.. die- Neigung^ .Prädikate-.,nicht.., einfalch; hinzunehmen, sondern sie zum1 Gegenstand eines' Handels mit den Lehrern zu machen, verschärften den Gegensatz. Hiezu komme vor allem noch das stärkere und weniger verhüllte Gefühlsleben der Juden und ihr überaus starkes1 Zusammengehörigkeitsgefühl,' das '■.'•zi''B:" bei -Abstimmungen Juden oft blindlings für die Aufnahme anderer Juden einV treten ließe; und der oft ungeheuere jüdische Stolz äuf 'die eigene Rasse und Tradition* — Wenn die Juden durch den starken tatsächlich vorhandenen Antisemitismus und das verletzende Benehmen;..ihrer Kommilitonen in ihrem .Zusammengehörigkeitsgefühl, und ihrem Mißtrauen noch bestärkt würden, so lasse sie andererseits ihr Argwohn oft Antisemitismus sehen, wo man. ihnen wirklich nur wohlwolle. Woodruff, der übrigens selbst Ehrenmitglied des „Menorah- Clubs" ist und dem Hochschulantisemitismus mit' großer Besorgnis gegenübersteht, meint, daß für die. Zukunft viel davon abhängen werde, ob die fertigen* jüdis'chen Akademiker, die vielfach auf den Universitäten nur Unbill und Zurücksetzung erlitten hätten, sich dennochbereit finden würden, diese Hochschulen (die in den USA. meistens von privater Seite finanziert werden!), kräftig mit Geld zu unterstützen (!). Täten sie dies, so würden die Universitäten zu einer stärkeren Berücksichtigung der Juden auch bei cler: Neuaufnahme gezwungen sein; anderenfalls sei eher' eine neue Verschärfung des Hochschulantisemitismus, zu erwarten. — Daß die jüdischen Studenten bisher sfuf das akaidemische Leben teilweise ausgesprochen günstig gewirkt, und insbesondere das Leistungsniveau gehoben hätten, steht für Woodruff außer. Zweifel. Zionistische Kundgebung, Am Dienstag; den 7. d. M. fand eine große zionistische Kundgebung statt, in der Vertreter aller, zionistischen Fraktionen mit Ausnahme der Revisionisten das! Wort ergriffen. Der Redner der Poale Zion, Gen. Singer, führte aus: Der 17. Zionjstenkongreß hat den unglückseligen Kampf gegen die Person Weizmanns beendet; dieser Kampf war ein Hindernis für die Entwicklung des Zionismus. Der Kongreß hat bewiesen, daß im Zionismus die Politik nie/* ihals Selbstzweck werden darf. Keine Analogie mit anderen unterdrückten Völkern wird uns zum' Verständnis unserer Lage führen; wir können nur durch Erkenntnis unserer jüdischen .Wirklichkeit unseren Weg finden. Andere Völker, djejn ihrem Lande lebend gegen Fremdherrschaft kampfeit, können die Methode des5 passiven Widerstandes anwenden; wer. die Non-Cooperafion im Zionismus p#digf treibt, Assimilation im ärgsten Sinne. Gewiß können wir der Politik nicht entbehren: unsere Politik muß in der Stärkung unserer Position im' Lande bestehen. Ohne Aufbau verlieren wir die Möglichkeif, Politik zu treiben. Um' die reale Arbeit müssen sich alle zionistischen Richtungen Scharen j denn ohne diese werden sie ihre Prinzipien durchsetzen können* Wir feiern gerade jetzt ein Ereignis), das von der zionistischen Oeffentlichkeit unbeachtet geblieben ist: das zehnjährige Jubiläum unserer Arbeit im Emek. Was dort die jüdischen Arbeiter mit Blut und Schweiß geschaffen haben, ist bedeutungsvoller als unsere Niederlagen. Man wirffj uns vor, daß wir dieses Werk der Arbeit in den*Vordergrund stellen. Das bedeutet aber, nicht, daß wir gegen den Mittelstand sind, der sich im Land verwurzelt. Wir haen nur vor der Uetfertragung des Galut nach Erez gewarnt.- Palästina kann eine zahl-* reiche Kaufmannschaft nicht vertragen. Wir sind "für jede Arbeit, die die jüdischen Positionen im Lande verstärkt auch der Mittelstand hat das1 Recht auf Förderung. seitens der zionistischen Organisationen. Aber dennochbleibt, wahr: der Zionismus kann nur^verwirklicht werden,,;,wenn die Mehrheit des jüdischen Volkes produktiv tätig ist, Die Lage zwingt uns die Tendenzen des Umschichtungsprozesses zu erkennen, und ihn im Sinne desi Zionismus zu gestalten. Die wirtschaftliche Frage ist die Kernfrage. des Zionismus. Unsere politischen Niederlagen haben den Zionismus nicht umgebracht. Der Zionismus kann nur daran scheitern, daß wir nicht die Voraussetzungen für Alijah1 und Bodenkauf schaffen. Palästina gibt uns heute nicht nur den Sinn unseres Lebens als Juden, es gibt auch die finanziellen Mittel für den. Aufbau; der Galut muß -dasselbe, materiell leisten , wie. Palästina. Wir müssen jener Jugend, die hier von der - Verelendung bedroht ist/; und sich in Erez eine Existenzschaffen will, die Möglichkeit dazu' geben. Eine nichtjüdische Institution,, die Arbeiterkammer, hat in der Erkenntnis, welche Bedeutung die Entlastung des Arbeitsmarktes hat, beschlossen, die Alijah materiell zu' fördern; und vvir sollten für dieses unser Werk kein<e Opfer bringen? Nicht «politische Resolutionen werden die Erlösung bringen; diese wird kommen, wenn wir den Dumam und die Alijah ins Zentrum unseres Denkens) stellen. Stürmischer Beifall dankte dem Redner für seine Ausführungen. . , Palästina. Palästina im Zechen der Währungskrise. Die palästinensische Währung macht gegenwärtig eine Bewegung in dem -gleichen ..Verhältnis, wiedas englische Pfund Sterling durch.KÜas'macht sich gegenüber dem Auslande insofern bemerkbar, - als im Verkehr mit Aegypten und Syrien, "den Ländern, mit denen Palästina in einenu intensiven Handelsverkehr steht, das palästinensische Pfund zu dem gleichen Kurs wie der englische Sterling umgerechnet wird; im Iniande ist die Wirkung die, daß eine starke Nachfrage nach Gold-Sovereigns, besonders unter den Fellachen, die Goldmünzen hamstern, herrscht. Dies hat zunächst zur Folge, daß die Preise für Nahrungsmittel und andere Bedarfsaitikel um 10 Prozent gestiegen sind. Die Großhändler zögern,.Handelsgeschäfte auf Dauer, zu tätigen. Bis 1927 war die palästinensische Währung das.^ägyptische Pfund., das einen Wert von 21 Schillingen, hat. Im April 1924 ernannte die Palästina-Regierung eine Kommission zur Beratung über -die Schaffung einer eigenen Palästina^ Währung. Grund hiefür .war, daß Palästina jährlich - eine großet.Geldsumme rdadutch verlor, daß die Zinsen für die in t Palästina umlaufenden .Noten .der Nationalbank von Aegypten,, nicht aber.,der Palästina-Verwaltung zugute kom- Aegypten, . nicht aber der Palästina-Verwaltung zugute kamen. In einer,offiziellen,,Verlautbarung hieß es, daß .die Palästina- Währung durch . Schaffung, eines Zusammenhangs mit der britischen Währung volle Stabilität, erlangen solle., In einheimischen . Wirtschäftskreis'en wurde die Angleichung der lokalen Währung an die britische Währung kritisiert. Die Jaffaer jüdische Handelskammer lenkte in einem Beschluß die Aufmerksamkeit' des High Commissiöher darauf, „daß das Pfund eine zu hohe Geldeinheit für Palästina ist*'; es wurde um die Einführung einer geringeren. Währungseinheit ersucht. Ungeachtet dieser Opposition wurde die auf MiMWül iiiiiiiih!!;(iimi.i!';.iiiiii.;^ Josef M. H0R0WITZ Atelier für allerfeinste Herrengarderobe WIEN, I. Graben Nr. 20 Wiener Gasftofts der beliebte Brennstoff für '« Hills un9 Dauerbranüöfen Zentralheizungen Gewerbliche Feuerstätten (Eingang Naglergasse Nr. 1) Telephon Nr. U-26-3-94 Anfertigung aus eigenen, wie auch aus mitgebrachten Stoffen. Großes Lager in original engl, Stoffen, /«MiKr,;!1^^^^ MMMMT^^............... dem Pfund basierende Währung am 1. November 1927 durch eine Kabinettsorder eingeführt. Es wurde in , London ein Palestine Currency Board vom Kolonienminister gegründet, der die Lieferung der Stücke der Palästina-Währung. vor-, zunehmen und deren Umlauf zu kontrollieren, auch sonst' die Währungsinteressen Palästinas währzunehmen hat. Die Palästina-Währung-Order sieht für die Pfund-Goldmünze eine Standard-Goldmenge von 123,27447 Gran vor. Die früher in Palästina in Umlauf gewesene ägyptische Währung ist seit Ende März 1928 kein gesetzliches Zahlungsmittel mehr. Die Palästtoieiiwrung gegen Preistreiberei und Münzenhamsterung. :.::<;::-<:' Die Palästinaregierung, hateine Kundgebung veröffentlicht, in .der gesagt wird, daß Papiergeld und Münzen hinsichtlich ihres Wertes in London völlig.gesichert seien, und daß keine Wertdifferenz zwischen Papiergeld und Münzen besteht.. Die Regierung warnt vor jedem-Versuch, in Palästina durch Ausnützung der Situation eine Profitmacherei zu betreiben. In der Erklärung heißt es1, daß, wenn schon eine Preiserhöhung von Waren, die'aus Ländern stammen, in denen die Währung nicht auf dem1 Sterling basiert, zu rechtfertigen sei, doch solche Erwägungen auf lokale landwirtschaftliche Produkte keine Anwendung finden dürfen. Der Emek wächst. Durch die Erwerbung weiteren Landes im Emek Jesreel seitens des Jüdisichen Nationalfonds auf dem Hügel von Kumi werden die umliegenden jüdischen Siedlungen vergrößert. Zu* diesen gehören auch die genossenschaftlichen Siedlungen von En Chärod, Gewa und'Tel Josef und die Siedlung;für Einzelwirtschaften Kfar Jecheskiel. Die neuen hinzukommenden- Ländereien simf von großer wirtschaftlicher Bedeutung für diese Siedlungen.' ■<■■] Arbeit für KKL-Boden. . . ' Auf den Böden des KKL. in Stadt und Land — soweit sie noch, nicht besiedelt sind —- herrsfeht rege Tätigkeit Das. Jemeniten-Viertel > „Tirath Schalom", für welches der Nationalfonds Baden zur. Verfügung gestellt* hat, geht der Vollendung; entgegen. . In der Kolonie; „Ramath David'.'/ die zu Ehren, von).'Lloyd George -erst kürzlich begründet wurde, .ist "der" Wasserturm' soeben fertiggestellt worden." —^ In-' Kfar Ghassidim :WUEden erfolgreiche .Wasserbohrungen vorgenommen. , : v...^ ' LandentuicklunßSianleihe und Waffentajgejr. ( .... Auf eine Frage des-«,; Führers der Unabhängigen ^Arbeiterpartei Englands, Fenner Brockway, ob die Regierung noch immer an dem Plan einer Palästina-Anleihe und an dem Palästina-Landentwicklungsplan; festhalte,! erwiderte der Minister für die Kolonien Thomas, es werde dem Paria-* menc Gelegenheit gegeben werden, die Frage: einr Palästina-Landentwicklungsanleihe rechtzeitig im Lichte.,„der allgemeinen finanziellen Situation, zu , erwägen. Fällsl der ■ Plan vom1 Parlament gebilligt werden wird, werde dessen Durchführung dem Direktor;des Landentwicklungsamtes «iFrench überlassen werden. Minister Thomas! lehnte es ab,* (ml<gegenwärtigen Moment in Details einzugehen und erklärte^'über Einzelheiten werde erst gesprochen werden^ wenn finanzielle Mittel für dje Durchführung des1 Planes, angefordert werden würden.. . .? . In einer weiteren Anfrage befaßte sich Fenn er. Brockway mit den in. den südlichen Kolonien errichteten versiegelten Waffenlagern. In seiner Erwiderung erklärte Mi- Minister Thomas, die Wiedererrichtung der versiegelten Waf* fenlager in den südlichen Kolonien sei schon im April 1930 beschlossen worden.' Im vergangenen Monat seien arabische' Proteste gegen die Errichtung der Waffenlager laut ge» worden. Die Palästinaregierung befasse sieh gegenwärtig mit der Situation, dieals ruhig angesehen wird. Krise des Schulwesens' in Palästina,; Die Eröffnung, des Schulwesens der zion. Organisation hat sich verspätet, da wegen der Herabsetzung .des Budgets der Agency von 77.000 Pfund auf 57.000 Pfund finanzielle Schwierigkeiten eingetreten sind.

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