Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 8 (1931)
- Issue
- Heft 12 (24.7.1931)
- Date
- 1931-07-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Arbeiter Seite 3. Jede Versicherung durch die Wien, I., Tuchlauben 8 Tel. U-27-5-40 ihnen andere, gesündere, in der Wirtschaft verwur zelte einzuräumen. Von Jahr zu Jahr steigert sieh das Tempo der Umschichtung und Produktivierung. Die Aussichten sind erfreuliche. und Kampf um höheren Lohn organisierte Arbeit. Von Jakob Singer. Vom 6. bis 11. Juni tagte in Tel Aviv die Konferenz der Landarbeiter. Die Landarbeiterorganisation nimmt in der Histadruth eine besondere Stellung) ein, ist sie doch die größte, aller Fachorganisationen (sie zählt mehr als 11.000 Mitglieder, während die stärkste städtische Organisation, die der Bauarbeiter, bloß 1500 Mitglieder hat) und die eigentliche. Verkörperung der chaluzischen Ideale der Histadruth. Die Ergebnisse der Konferenz kommen nicht so sehr in den von ihr gefaßten Beschlüssen zum1 Ausdruck — Beschlüsse, die das ungeheuere Arbeitsgebiet dieser Organisation umfassen, von der Sorge um djte Erschließung neuer Märkte, für ihre eigenen Wirtschaften, bis-zu der Sorge um Wohnung und Arbeitsplatz für den neuen Einwanderer in.der Mosehawah, — als in der neuerlich durchgeführten großen Diskussion über die Möglichkeiten und Grenzen des Lohnkampfcs und des Kampfes um die „Eroberung der Arbeit" in den jüdischen Kolonien^ also des eigentlichen K 1 a s senk a m p f e s des jüdischen Aibeiters in der Mosehawah. Diese Diskussion ist nicht neu und dieser Kampf nicht neu, — 25 Jahre lang ist er geführt worden und nur die berufsmäßigen „Verkleinerer", als die die linke Opposition (Haschomer Hazair und linke Poale Zion) sich gezeigt hat, können sagen, daß er ohne Erfolg geführt wurde. Vor deiri Kriege zählte man 2000 jüdische und 5000 arabische Arbeiter, jetzt sind es 8500 jüdische Arbeiter, die etwa 6000 arabischen gegenüberstehen. Dennoch gibt es natürlich noch1 viel, sehr viel zu erreichen. Und von dem Erfolge dieses1 Kampfes hangt nicht zuletzt die Zukunft unseres ganzen Siedlungswerkes^. jedenfalls aber hängt davon ab, ob wir in der nächsten Zeit wieder eine neue Einwanderung erwarten dürfen, oder nicht. Die Forderung geht dahin: Jüdische Arbeit in der jüdischen Wirtschaft! Solange die arabische Wirtschaft dem jüdischen Arbeiter gänzlich verschlossen bleibt, ist es die jüdische, die einzig und allein die Existenz des jüdischen Arbeiters: gewährleistet. Ist diese Forderung „gerechtfertigt"? Wollen wir damit den arabischen Arbeiter „verdrängen"? Wie wollen wir diese Forderung durchsetzen, solange uns ein Meer unorganisierter billiger arabischer Arbeiter umgibt? Wie wollen wir schließlich die „gemeinsame Organisation" gerade an diesem vordersten Frontabschnitt des palästinensischen Klassenkampfes, in der Mosehawah, verwirklichen? All das bildeten die Punkte der Diskussion, die an Ausdehnung, und innerem Gehalt sich an die schon Tradition gewordenen berühmten Vorbilder palästinensischer Ar,- beiterkonferenzen würdig anreihte. Und es liegt ein« ganz eigenartige Tragik darin, wenn wir die Feststellung machen müssen, daß es in dieser Diskussion nicht darum gegangen! ist, die Wege, die zu gehen sind, konkret aufzuzeigen, das wäre ihr einziges Ziel — statt dessen bewegte sie sich um die Frage der Formulierung. Die „politische Formel" verdrängte alles andere, eine eigenartige uEndzielder batte" entspann sich, die Art, in der die Redner der Opposition aufgetreten sind, verriet einen ((verkehrten Revisionismus", man könnte sagen, einen Unken Revisionismus, wenn man einen der Situation entsprechenden Ausdruck gebrauchen sollte. Der Redner in der Debatte, der dieses/ Wort vom Revisionismus gebrauchte, bezog ihn auf die, die von dem „Rechte auf hundert Prozent" jüdischer Arbeit sprachen und verglich dieses1 „Recht" mit dem, das die Revisionisten in ihrer Forderung nach dem1 Judenstaat anführen, den sie auch mit diesem Rechte begründen. Ich glaube aber, daß der Hinweis nicht stimmt,, es ist eher die von der Opposition zur politischen Parole erhobene Forderung nach dem „I rgun meschutaf" als eine solche revisionistische Anwandlung anzusprechen, natürlich ist es eine Art „verkehrter Revisionismus:". Wenn wir aber davon absehen, ebenso auch außer acht lassen, daß die Diskussion' sich zwischen Mchtheit und Minderheit bewegte, so können wir, doch nicht an der Tatsache vorübergehen, daß die verschiedensten einander entgegengesetzten Meinungen auch in den Aeußerungen der Redner der Mehrheit (der vereinigten Arbeiterpartei) zum' Vorschein gekommen sind. So hat L u b j a n i k e v (Gor donjah) betont, wir müßten das größte Gewicht auf ein „persönliches, psychologisch-menschliches Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer legen, wir müßten den Unternehmer ,objektiv beurteilen' lernen, gegenseitiges Verständnis? zeigen" usw. Der Streik ist abzulehnen. Ihm ist B e n k ower (Kibbuz hamenchad) scharf enfgegeMgetreten, der Streik bleibt auch weiterhin einer unserer wichtigsten Waffen, die Forderung auf 100 Prozent Arbeit kann nicht aufrecht erhalten werden, da wir den ,,ständigen" arabischen Arbeiter in der jüdischen Wirtschaft auch weiter belassen werden, das wird uns aber nicht davon abhalten, ein Maximum an jüdischer Arbeit zu verlangen. Perlmutter (Rechowot) tritt dafür ein, daß wir bestrebt sein müssen, die Spannung zwischen unserer Lohnforderung und dem1 Zugeständnis des Unternehmers auf das größtmögliche Ausmaß zu verringern. Man konnte auch die Meinung hören daß wir ja genug mit unserer eigenen Organisation zu tun haben, als daß wir an eine ,^gemeinsame" Organisation denken könnten. Mag es auch verschiedene Meinungen gegeben haben, mag es gegensätzliche Auffassungen innerhalb der „vereinigten Partei" geben — wir dürfen sie nicht übersehen! der jüdische Arbeiter kämpft allen theoretischen Erwägungen zum' Trotz und trotz gegensätzlicher Auffassungen seinen Kampf um höheren Lohn, Arbeitsverträge und organisierte Arbeit weiter und er wird ihn, der sein Klassenkampf ist, bis zum erfolgreichen Siege durchkämpfen. Die Konferenz beschloß den Anschluß an die L a n d a r b e i t e r i n t e r n at i c n a 1 e. Die Chaiuzim der Alijah 1930. Von Samu Halpern. Einen Querschnitt durch die Chaluzimeinwande rtmg im Laufe des Jahres 1930 liefert uns das vor kurzem erschienene Heft der Statistischen Abteilung der Histadruth. Die allgemeine Einwanderung, der Juden war im Vergleich zu 1929 etwas geringer, 4944 gegen 5237. Auch wenn' man die Rückwanderung aus Palästina berücksichtigt, verbleiben zwar noch immer 3265 Juden von! der Einwanderung 1930, 1929 hingegen waren es 3493 Juden, die im Lande blieben. Interessant ist allerdings bei dieser Gelegenheit zu erfahren, daß von den im'Jahre 1930 eingewanderten Nichtjuden, 1489 an der Zahl, nicht weniger als 1324 rüekwanderten und nur 165 im Lande blieben. Von den 4944 eingewanderten: Juden waren 2013 Chaiuzim, von denen 1285 Männer und 408 Frauen ledig, 179 Männer und 138 Frauen verheiratet waren. Der Rest (3) sind Witwen. Woher kommen die Chaiuzim? Das Hauptkontigeiit liefert natürlich das alte jüdische Zentrum Polen. Polen, einschließlich Galüzien, lieferte nicht weniger als 1266 Chaiuzim zu der Alijah 1930. In; weitem Abstand rangiert Rußland mit 199, was bei den: Schwierigkeiten, die der Chaliizimausreise nach' Palästina im bolschewistischen Rußland gemacht werden, nicht wenig bedeutet, und von dem Idealismus unserer russischen Chaiuzim Zeugnis ablegt. Rumänien stellte 176, Lettland 83, Litauen 57, Deutschland 44, die Tschechoslowakei 42, Oesterreich 33 und die Vereinigten Staaten von Amerika 25 Chaiuzim bei Der Rest verteilt sichväuf die übrigen europäischen! Staaten. Was das Alter betrifft, so waren 1959 im Alter von IS bis 20 Jahren, der Rest bis 35 und 8 mehr ils 35. Für den Aufbau des Landes ist es natürlich von großer Wichtigkeit, daß die Chaiuzim fachlich geschult sind, oder daß sie zumindest eine fachliche Schulung durch eine Hechaluz-Hachscharah durchgemacht haben. Nun, sehr erfreulich sind die Zahlen in dieser Beziehung gerade nicht, wenn wir erfahren, daß von 2013 Chaiuzim nicht weniger als 704 überhaupt nie einen Beruf erlernt haben. Die Mehrheit allerdings kann eine berufliche Ausbildung aufweisen, und zwar 379 im Bekleidungsgewerbe, 202 in der Landwirtschaft, in der Holzindustrie 132, in der Elektrotechnik 220; der Rest verteilt sich auf die sonstigen Berufe. Daß viele von diesen 2013 in einer Hechaluz- Hachscharah umgelernt haben, ersehen wir aus folgenden Zahlen, die die Art der Hachseharah wiedergeben und die in manchen Fällen ziemlich lange dauerte. 961 waren bei landwirtschaftlichen Haehscharah, 185 Holzarbeiter, Bauarbeiter 65 und sonstige Berufe 149. Aber noch immer sind es 653, die überhaupt keine Hachseharah mitgemacht haben. Bekanntlich betreibt der Haschomer Hazair in Palästina eine extravagante Politik, die so notwendig gewordene und tatsächlich vollzogene Einigung der früheren Achduth Haawodah .mit dem Hapoel Hazair machte er nicht mit. Auch in der Kibüabeweguug geht er seine eigenen Wege. Anerkannt soll aber werden, daßder H. H. auf seine Leute einen starken Einfluß ausübt, was wir von unserem Kibuz Hameuchad wenigstens nicht hundertprozentig behaupten können. Es waren organisiert in den Kibuzim: vor nach der Alijah Haschomer Hazair (Kibuz Arzi) 422 422 Kibuz Flameuchat 295. 288 Oordoniah 137 120 Hanoar Haiwri . 35 35 Hechaluz (Zentrale) . 14 8 Menorah 18 16 Awodah 51 43 Hitachduth 10 Verschiedene und Unbekannte 53 254 Einzelne 97g 827 2013 2013 Für uns als Poale Zion ist es nicht erfreulich zu hören, dal) 673 Chaiuzim von 2013 sich als unpolitisch bezeichnen. Sie gehörten einfach i,n ihren Herkunftsländern keiner politischen Organisation an. Dem Haschomer Hazair gehörten 539, Poale Zion- Z. S. 179, Gordoniah 154, Hitachduth 94 und russische Z. S. 65. Die großmäuligen Revisionisten stellten im ganzen 44 Chaiuzim zur Alijah 1930 bei. Hinter der Front ist es bekanntlich sicherer. Der Rest verteilt sich auf kleinere Gruppen. Zum Schlüsse einige Zahlen über den Bildungsstand der Chaiuzim 1930. 870 hatten eine Volksschulbildung aufzuweisen, Mittelschulbildung 861, im Privatunterricht erworbene Bildung 142, Hochschule 42. und fachliche Bildung 82. Die hebräische Sprache beherrschten ganze drei Viertel der Chaiuzim; die überwiegende Mehrheit konnte Lesen1, etwas weniger Schreiben und Reden. Araber und Juden. Von H. N. fcrails'f or d. Brailsford, der bedeutendste Führer des englischen Links'sozialismus, der gründlichste Kenner der kolonialen Probleme des britischen Imperiums — aus' der „Arbeiter- Zeitung" sind unseren Lesern seine Aufsätze über Juden bekannt — hat im „New Leader" eine Artikelreihe über Palästina veröffentlicht. Insbesondere lenkt Genosse Brailsford die Aufmerksamkeit der britischen Öffentlichkeit auf das arabisch-jüdische Problem; die mittelalterlich anmutende arabische und die auf modernster Technik beruhende jüdische Welt sind durch eine tiefe Kluft getrennt. „Ihr könnt einen ganzen Tag in den Straßen Tel-Avivs oder zwischen den Bananenplantagen des Emek spazieren, ohne auch nur einem Araber zu begegnen." Brailsford setzt fort-; Die langsame Eroberung. Man beklagt die Abgeschlossenheit, in welcher die beiden Gemeinschaften leben, erinnert sich aber, daß hier noch schlimmere Dinge möglich waren. Es ist nicht schwer, an die arabische Bevölkerung zu vergessen, wenn man in den jüdischen Kolonien weilt und so lange einem' die Tatsache entgeht, daß ein ganzes Eisenbahnnetz zu ihrer Verteidigung errichtet wurde. Diese jüdischen Kolonien haben ihre eigenen Probleme gelöst. Sie haben bewiesen, daß sie Felsen- und Sandgebiete fruchtbar machen können, daß sie dank ihrer wissenschaftlichen Methode die zur Erhaltung einer Familie notwendige Bodenfläche auf 4 bis 5 Acres verringern können. Es ist eine große Leis'tung, daß dies einem Volk von Städtern gelungen ist. Es bleibt nunmehr die schwierigste Aufgabe zu bewältigen: das Verhältnis zu den Arabern. Selbst unter den günstigsten Bedingungen würde es sich um ein sehr schwieriges Problem handeln. Schlimmer ist, daß der Zionismus in seinen Anfängen seinem Ehrgeiz, eine j üd i s ch e M e h rheitin der Form der Umwandlung Palästina sn einen Judenstaat zu bilden, offen Ausdruck verliehen hat. Welches' Volk würde einen solchen Prozeß der langsamen Eroberung geduldig ertragen? Andererseits war die Errichtung der jüdischen Kolonien nicht immer möglich, ohne daß Felachen bei der Eigentumsübertragung um ihr Pachtland kamen. Dies kam sehr gelten vor, wenn es sich aber ereignete, dann zahlten die Juden nicht nur den Kaufpreis an den Bodeneigentiümern, sondern auch Entschädigungen an die Pächter, die ihnen ermöglich-