Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 8 (1931)
- Issue
- Heft 12 (24.7.1931)
- Date
- 1931-07-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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SeHe 4» Oer jüdische Arbeiter t e n, s i c h anderswo wieder einzukaufen. Trotzdem ist es wahrscheinlich, daß die jüdische Kolonisation die Zahl der landlosen Araber um 1 Prozent vermehrt hat. Unberechenbare Vorteile. Andererseits hat die jüdische Immigration den Arabern große ökonomische Vorteile gebracht. Sie hat den Bau der Straßen und die Nutzung der Elektrizität herbeigeführt; mit den Einwanderern kamen neue Arbeitsmethoden ins Land; sie haben Sümpfe getrocknet und den Kampf gegen die Malaria organisiert; sie haben das allgemeine Lohnniveau erhöht, und das Tempo der Kulturentwicklung erhöht; durch ihren Anteil an den Staatseinnahmen haben sie der Regierung ermöglicht, für die Araber öffentliche Arbeiten in einem Umfang zu organisieren, von welchen man sich vor dem Kriege auch nicht eine Vorstellung machen konnte. Es liegt nicht in der menschlichen Natur, sich für solche indirekte Vorteile dankbar zu erweisen, es ist sogar möglich, daß die E f f e n d i s, O r o ß g r u n d. b e s i t z e r und Unternehmer, gegen die Juden wegen ihres Einflusses auf die Löhne feindlich gestimmt sind. Die arabische Propaganda bedient sich im allgemeinen der Not der Fclachcn als' Argument, wobei die Juden schuldtragcnd hingestellt werden. Ich zweifle, daß die Bauern selbst diese Klagen erhoben hätten. Und es ist charakteristisch, daß die Agitatoren während der blutigen Ereignisse die Felachen nicht mit diesem Schlagwort, sondern mit rel giösen Parolen aufzuhetzen versuchten. (. Das Leben is't leichter. Ich berichte nur mit Vorsicht über die geistige Einstellung der Araber, weil mein Besuch Palästinas zu kurz war, als daß ich mich genügend bei ihnen hätte umsehen können. Ich führte in einem Dorfe lange Gespräche mit zwei Gruppen von Bauern. Sie stellten fest, daß das Leben in den letzten 10 Jahren leichter geworden ist. Sic hatten gelernt, ihre Oelbäume zu beschneiden und ihre Ernten hatten sich gebessert. Manche von ihnen arbeiten beim Bau von Straßen zu einem' Lohnsatz, der ihnen als hoch erscheint. Zu meiner Ueberraschung beklagen sie die Preissenkung der landwirtschaftlichen Produkte nicht, denn nur wenige von ihnen können Getreide verkaufen, während eine gewisse Anzahl sogar gezwungen ist, solches zu kaufen. Die Unterhaltung verlief sehr heiter. Diese Leute gaben den Juden keine Schuld an ihrem Ruin, das schließt aber nicht die Möglichkeit aus, daß man sie aufreizen kann, wenn man sie eine Profanierung ihrer geheiligten Orte seitens der Juden befürchten läßt. Doch diese Bauern waren Grundbesitzer und von einem gewissen Wohlstand im Vergleich zum Durchschnitt. Die Pächter sind viel ärmer, sie wagen weder selbst zu denken, noch selbst zu handeln, sie gehorchen dem Effeudi, welcher oft auch Wucherer ist. Es ist offenbar, daß die Juden verdammt sein werden, in einer ewigen Gefahr zu leben, vor der Zerstörung nur durch die Macht der englischen Waffen geschützt, solan; die beklagenswerte Isolierung dauern wird. Aber wie sie überwinden? Wenige Juden sprechen a r a b i s c h, es gibt keinen Araber, der Hebräisch sprechen kann. Der jüdische Arbeiter ist ein gebildeter Mens'ch des 20. Jahrhunderts, der arabische Arbeiter ist ein Analphabet. Dieser Abgrund kann nur durch einen langsamen Prozeß überbrückt werden. Welches könnten aber die Verbindungen während dieser Zwischenzeit sein? Die zionistische Kolonisation. Die eine der möglichen Antworten adoptiert durch unsere Regierung in dem Weißbuch, erscheint mir vollkommen irrig. Es behauptet, daß die vor dem Kriege gegründeten jüdischen Kolonien, die größtenteils von Rothschild finanziert wurden, das Problem gelöst haben. Sic waren aufgebaut auf arabischer Arbeit. Es scheinen gute Arbeilgeber gewesen zu sein und es kam oft vor, daß die arabischen Arbeiter den progressiven Anbau, welchen sie in den jüdischen Kolonien beobachtet chatten, nachtahmten. Es ist wohl richtig, daß durch diese Verbindung zwischen Unternehmern und Arbeitern die gefährliche Isolierung, welche die zwei Völker in der neuen jüd. Kolonisation trennt, besiegt schien. Aber eine Kolonisation auf dieser Basis hätte keine gesunde nationale Gemeinschaft schaffen können. Die Juden wären eine Herrcnklasse, eine Klasse von Grundbesitzern, von Organisatoren, von Händlern, während die Araber die wirklichen Bebauer des Bodens gewesen wären. Diese alte Auffassung der Kolonisation widersprach aus mehr als einem Grunde der zionistischen Bewegung, in der sozialistische und Arbeitergruppen einen mächtigen Einfluß ausübten. Erstens ist es ein Prinzip, vertreten sowohl seitens der Bauern als auch von den Sozialisten ganz Europas; niemand soll eine größere Fläche Bodens erwerben, als er und seine Familie mit eigenen Händen bearbeiten können, Zweitens waren die Juden Osteuropas1 entschlossen, den physischen Kontakt mit dem Boden wieder aufzunehmen. Sie wareii entschlossen, den Boden des heiligen Landes rtift eigenen Händen zu bearbeiten. Eine gesunde Nation muß von schaffender Arbeit leben. Das sind die Gründe, welche die Einwanderung in die neuen jüd. Kolonien, die irrt Weißbuch kritisiert werden, bestimmt haben. Es1 ist dort festgesetzt, daß die Selbstbcwirtschaftung die Regel sein muß, wenn aber aus irgend einem Grunde ein Lohnarbeiter benötigt werden sollte, müsse ein jüdischer aufgenommen werden. Derjenige, der das Leben dieser Kolonien gesehen hat, wird dem Schreiber dieser Zeilen nicht der Feindseligkeit gegen die Araber beschuldigen können. Diese ungebildeten rückständigen außerordentlich schmutzigen Menschen könnten nicht auf einer Stufe der Gleichheit in das1 Familienleben dieser Kolonien eingereiht werden. Es gibt noch eine Schwierigkeit: die nichtorganisierten arabischen Arbeiter bekommen die Hälfte der Löhne, die die jüdischen Einwanderer mit ihrem europäischen Lebensniveau beziehen. Meiner Meinung nach hatten die Zionisten Recht, wenn sie das System der alten Kolonien fallen ließen. Keine Nation von Arbeitern könnte auf diesem System basiert sein. Es wäre daraus eine Kolonie von afrikanischem Typus entstanden, wo die weißen Wächter die Arbeit der Einheimischen leiten. Eine fruchtbare Zusammenarbeit. Die jüdische Arbeiterpartei hat die Basis für eine mögliche Vereinigung mit den Arabern in der Hilfe gefunden, welche sie ihren zurückgebliebenen Fachverbänden angedeihen läßt. Sie hat einen Streik der-, Tischler in Haifa organisiert, dessen Resultat die Reduzierung der Arbeitszeit von 12 auf 10 Stunden war. Als Folge dieses1 Erifolges hat sie in dieser Stadt einen Arbeiterverband organisiert, welcher vor den Unruhen des vorigen Jahres 500 Mit' glieder und welcher jetzt 150 Mitglieder zählt. Der Obmann, ein christlicher Araber, hat mir sein Programm auseinander gesetzt. Es ist da wenig von Sozialismus die Rede, was er fordert, ist erhöhter Löhntarif, und das Verbot, die Arbeit für Einwanderer aus Syrien und Aegypten, welche für Hungerlöhne arbeiten. Die Gewerkschaft der Eisenbahner hat mit Erfolg ihre Mitglieder unter Arabern und Juden geworben, ein Klub für arabische Arbeiter wurde in Jerusalem gegründet. Es gibt einige arabische Mitglieder in den jüdischen Genossenschaften, welche für Kredit sorgen und Orangen exportieren. Wenn es gelingen sollte, die Mitwirkung der Araber bei diesen starken Organisationen zu vergrößern, dann wäre damit die erste große Bresche in die Mauer gelegt, welche beide Völker trennt. Man fragt sich, ob die gesetzgebende Körperschaft, welche geschaffen werden soll, nicht das Feld liefern könnte für eine weitere und fruchtbarere Zusammenarbeit zwischen beiden Völkern. Die jetzige Tendenz der Juden -- noch nicht erholt von dem? Schlag durch den unglaublichen Taktfeh ler, welchen die Veröffentlichung des Weißbuches von Lord P a s sf i e 1 cl darstellt — geht gegen diese Körperschaft. Eine negative Politik in ähnlichen Fällen kann nur ein Fehler sein. Die U nr s c h i c h t u ng der A r a b e r. Es wird die Frage gestellt, ob die jüdischen Sozialisten, indem sie sich zu Vorkämpfern' arabis'chcr Bauern und Arbeiter machen, hoffen können, sie für ihre Ziele zu gewinnen und Verbündete unid Freunde aus einem Teile dieser rückständigen Bevölkerung zu gewinnen. Man kann nicht mit Sicherheit auf Erfolg rechnen, aber es ist klar, daß das Anwachsen und sogar die Sicherheit des jüdischen Nationalheimes von dem Fortschritt der arabischen Massen abhängt. Sie brauchen Bildung, einen Gesundheitsdienst und gleichzeitig Hilfe aller Art für die Verbreitung einer intensiven Kultur. Das jüdische Heim wird erst gesunden und er. starken, bis die Juden selbst eine Brücke zu den Arabern gebaut haben werden und ihnen geholfen haben werden, ihr Elend zu lindern. ob dem Autor die; Spr.'Hiforni der Prosa unzureichend?chicnp seinem Krleben Ausdruck zu verleihen, und so streut er in die Erzählung lyrische Zeilen von zartester Feinheit ein; und es ist nicht zuletzt dieser Mut zur Lyrik" in dieser so prosaischen Zeit, der einen dieses Buch liebgewinnen und wertschätzenläßt. M. P. Bücher. Leo Oser. Abenteuer im Osten. Wien 1031. Mehr als ein Jahrzehnt hat die Generation der Kriegsteilnehmer gebraucht, um jene Distanz zum Kriegserleben zu gewinnen, die notwendig ist, um es künstlerisch zu gestalten, es zu objektivieren. Das vorliegende Buch eines Wiener Autors repräsentiert diese Kriegsliteratur aufs vorzüglichste: in schlichter und doch wolilgeformler Sprache schildert uns Oser das weehselvolle Schicksal eines österreichischen Soldaten, den Abmarsch ins Feld, das Leben in der russischen Gefangenschaft, insbesondere während des Bürgerkrieges bis zur endlichen Heimkehr; Es ist, als ,(MSnixa4ebensuepfidierangss6erelirifiaff. Sie flc&cnsJueEprfjenuigM^cfci{f{fj.nft ^ftönt£ T;,it Füfjtid). ihre 48. ocbcnttirfjc Ö5eiiei-athet|a.ntmtitrtg! <%e* •haften. .SHtS beut m\x{)ä\mend)t ergibt fiel), baft ber SSer|tcr>eritng,öbcftnnb ®nbe 1930 2558 9)Wtiortett Scl)tfCtruj an bcrfidjmer 8mu:itte m\b 2.1 flMtümcit Scl)iffinri mt [atyttäpn Sei&renten irmfnfjt. Mt %n$aW her im Umtaitf ucftnbtidjttt f ölig 5c» öcträqt mehr ntö 750.000. S.m Saufe >c$ fahre'S 1.930 Xpt füfy &*r SBer* ficrjeam^beftmib um 17 ^vojent an 33erf;Kf>eruuggfa^it!ar imb um 25 ^uogertt an uetficljevter S'-aljrearenie erfühl •Sie $ rü m t eneinna f) mc ipt int Satyre 1930 SctyiTfinfj 130,176.228.— Getrogen; hie ©rträjutifftheu föapttaföaa* tagen TjaBcit ftd) auf 19,345.970 SdllfCi'uct..Detoufen. £*r 3 m 11t o 0 i I i e n & c f t h ber ©efettfrljaft int QJefamtierte öon 64 SR'Lttbiieit ©djitttmaj hefteht amS 88 SReatttctteit in Sefteureirt}, in ber STfd)erfj.of£0irj^atifcf)eit föebitHif, int1 Statt* fefien «Retdjie, in «etajicu, ftramfreid}., Statten, Ungarn, SitflioftaWien, ^oten, iöutajarien, ghtmüniieit unb Siegten. 3>er 2öer t|)apüerbeft|5 öeträ'at 183.6 mtlwnen&fyxU ting, in'oönn 170.6 MCtonen ©dtfflinfl burdf) fefiöeujtit^ ficf)c S&ertotere mit (Mfocfyarafter ober auf mettbeftänbinje Währungen rejntfföttiert ftn&, weiter 3.7 Wxüwimi ©<p> tittf} .auf .Enteile hon ^otmBaufen, 7.9 Mftioncn ©Eitting . auf 5Bctet%mgen an SSec'fttf>criiTtfl"§'g«feüfd>aften unb 1.4 tetioneu ©cfytftiug, auf btüerfe QCftten entfatfen. 'Sie et* teilten § tum t tief a r bar Utjen ifyaGeu fiel) auf 21.1 Millionen ©djättiuej unb bie $ 01 i5 5 c u b ax T c ft en auf Ö8.1 SÖtitttoncu ©cfjittiug erhöht Site g cf a nrten b ä ft r t c i ft u n gi ö ut i 11 c f betragen " 377.6 "TOticTncn ©djitCmg. 9fit Sßerftdj-ertc unb beten §t.ntCfbtie&eiten jSnJb ©Eitting 35,543.734.48 aiuSgejaljtt lu'Otbeu. Sie tri* unb futS'fünbifcfyeit 35erf;t;cf>erantcj^anfta11e 11, mi benen ber Sßljöiiij bittet) Efticttfceflttj uub »Büetftcfyetitug1 heteftitgt tft, weifen (£nbe .1.930 einen ^et|iefjietung:§l)eftaitb beut m'eht al§ 1.2 ^ifliiarben ©eCjittting au3. Tnxd) bie ®j t n pp e n b e t f t* etyciMtugi, bie bont ^pnii* in ®ieutei,rcfcfjta!ft mit bei* Sßietropo'lttan Stfe 3'u|urance eom'ünntj in Wwtyoxt betnebm llntb, ift 7000'Singeftettteu uitb?[r[;eitetn ©erfttfjjecuifg'S* fefjiuh ither 30 Äfl'ioneu ©efjittiug geteiftet luiotben. Site' ^üefbetiMjieritng^berOiubatug mit ber ^rubentiat fntance Gout^ui) Sinti Leb, Sonbon, hat eine w& fcnffidj.c eriüieitetuug erfahren. Set ItcBetfcfjttifii ber ^'af|* teö'tecfj^itugj hetänft fief): nael} 9t6teer)nung bet an bie ÜE'er* |ic^ctten am^gefdj^ttetcu '©.eiuiunanteifc auf 758.508.02 ©djiiTCtng. 3ht§' bent ^eingemiun luerben 340.000 ©ctjitttitg gut Shtdfctjiüttung einet Slibibenbe bon 8.5 ^rogeut (inie im Sßoi'idtjre) auf ba§' botfcinge^afjitte Stfticnfatoitot bon 4,000.000 Bdyitting betmenbet u.nb ber ^eft? mirb ben fta^itaHtcfctbeu zugeführt. ((i'utgctttief}0 Genossen! Verlanget in den Kaffeehäusern und Restaurants den „Jüdischen Arbeiter". Lebensvers icherungs*Ge Seilschaft PHÖNIX Zentrale: Wien, I., Riemergasse Nr. 2 Versicherungabeatand Der Mitte 1930: fl 2,450,000.000* - Gaianilcmitte) Ende 1929: £1 300,000.000 - Prämieo-und Zinsen einnahmen im Jahre 1929: 8 > 2 r.oOO.OÖO ~ Auszahlungen an die Versicherten im Jah'C 192J: S 30,500.000 - TÄTfGSEITSGEBIET: Oesterreich, Deutsches Reich, Frankreich, Belgien, Holland, Italien, Spanien, cechoslov. Republik, Polen, Ungarn, Jugoslavlen, Bulgarien,Griechenland,Türkei, Aegypten, Palästina. Pensions-Versicherung KSU« m^ Kenten an Sammlung (Reutenbezug beim 55., 00. oder 65. Lebensjahr oder bei früherer BERUFS-UNFÄHIGKEIT. Monatliche Prfimie. Sofortige Unveifallbarkeit.) gemeinschaftlich mit der Versicherungs^Akr ien* Gesellschaft früher PENSIONS-VEREIN für Handel, Industrie und Gewerbe Wien, I, Schellinggasse Nr. 1 E^eiitürher, Verleger, Herausgeber u. verantwortl. .Redakteur: Franz Lustig, Elektromonteur, Wien, VI., Stiegeng. 16. - Druck: „Adria", Wien, IL, Taborstr. 52b.