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Der Jüdische Arbeiter · 1931-04-30 · Heft 7 (30.4.1931) · page 3

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
8 (1931)
Issue
Heft 7 (30.4.1931)
Date
1931-04-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Dtf jfiÄsche Arbait* f Volkes — Pilsudsky, Slawek, .Pristor, Holuvko und andere — sich mit den klerikalen und reaktionären Elementen im: Judentum verbinden. Ihre Hauptstützen sind die Agudah und die demokratisiertesten chassidischen Gruppen. Die jetzigen Wahlen finden nur in Kongreßpolen statt, nicht in Galizien, Schlesien und in dein Randgebieten:. Diel Regierung hat für diese Wahlen solche Vorschriften heraus» gegeben, die es der Agudah erlauben, den Ausgang der Wahlen nach ihrem Willen zu gestalten. Vor allem! wurden die Bezirkshauptmannschaften mit der Beaufsichtigung der Wahlen betraut. Sie haben die Zusammensetzung der Wahlkommissionen zu bestätigen, das heißt, in denselben nur diejenigen Mitglieder zu belassen, die dem faschistischen Regime entsprechen. Das alte Gesetz;, dessen Bestimmungen dahin gingen, daß sich die Wahlkommissionen aus Mitgliedern der wichtigsten politischen Gruppen zusammensetzen sollen, wurde außer Kraft gesetzt und' verordnet, daß Mitglieder dieser Kommissionen die Repräsentanten der „religiösen Richtungen" im Judentum sein sollen; damit ist den Behörden die Handhabe gegeben, nach ihrem1 Gutdünken die Kommissionen zu ernennen. Tatsächlich haben die Behörden Arbeitervertreter aus den Bezirkshauptmannschaften entfernt. Die auf diese Art durch strenge Siebung entstandenen Kommissionen haben die Wählerlisten aufzustellen. Paragraph 20 der Geschäftsordnung dieser Kommissionen gibt ihnen das Recht, jeden ausi der Wählerliste] zu streichen, der einmal gegen die jüdische Religion ausgetreten ist; daß diese verschwommene Bestimmung nur nacktester Willkür die Tür .öffnet», braucht nicht bewiesen zu werden. Tatsächlich sind ,in einer Reihe von Städten einfach die Namen der jüdischen Arbeitervertreter in den jüdischen und nichtjüdischen . Gemeindevertretungen . gestrichen worden, darunter eine Anzahl unserer Genossenj. In einer Reihe von Orten sind auch Genossen', deren sozialistische Gesinnung bekannt war1, ihres Wahlrechts beraubt worden; es waren dies Mitglieder des Bund, der linken Poale-Zion und unserer Partei. . Die Wahlen werden am .27. Mai stattfinden, und selbst die primitivst-demokratische Forderung, sie an einen Sonntag zu verlegen, wurde abgelehnt. Von den drei Arbeiterparteien hat der Bund beschlossen, sich diesmal an den Wahlen nicht zu beteiligen. Der Bund begründet seine Abstinenz damit, daß die Regierung die jüdischen Gemeinden durch Begrenzung ihrer Funktion zu rein religiösen Organisationen degradiert hat. Der wahre Grund dieses ■Schrittes ist aber, daß der Billig unter den jüdischen Arj- [beitern an. Boden verloren hat und eine Niederlage in diesem Augenblick besonders deshalb fürchtet, weil sie ihm bei jden kommenden Stadtratswahlen schaden könnte. Die linke [Poale-Zion und unsere Partei gehen selbständig in den Wahl- Ikampf und stellen fast in allen Orten Listen auf. Auch im "bürgerlichen Lager ist eine große Zersplitterung festzustellen. In Warschau sollen ^z. B. 16 Listen eingereicht worden sein! Djc Hauptgruppen sind: die Agudah, die allgemeinen Zjonisten (Radikale,, At - Leonot und Revisionisten), Misrachi, Handwerkerpartei, Kaufleuteliste; außerdem gibt es jüdische Pilsudsky-Listen und solche lokalen Charakters. Die Hitachdut geht scheinbar nur in ganz wenigen Orten mit eigener Liste, im allgemeinen kandidieren ihre Vertreter auf der bürgerlich-zionistischen Liste. Die Agudah und der Misrachi suchen sich im Wahl'«- kampf zu überbieten, aber auch, die allgemeinen Zionisten buhlen um die Gunst der Klerikalen und versprechen den Wählern besondere Fürsorge für die „Werkzeuge Gottes", die „Rabunim, Schochtirn, Dajenim, Talmud-Toraschulen und Stiblach". Unsere Partei geht mit einem1 klaren Programm in den Wahlkampf: die Unigestaltung der jüdischen Gemeinde in eine weltliche Organisation mit vornehmlich wirtschaftlicher und sozialer Tätigkeit im Interesse der jüdischen Massen ist ihr Ziel. Der Kampf wird sehr scharf geführt werden, leider wird er mit ungleichen Mitteln gejführt werden. Auf der einen Seite ein voller Sack Geld und Unterstützung seitens der Regierung, auf der anderen Seite Feier der Arbeiterschaft in Haifa als eine Gruppe von Demonstranten von der Regierung! verhaftet wurde. Ich; habe ihr Mienenspiel nicht gelesen, noch weniger ihr Fühlen durchschaut, damals im grellen! Lichte des Gefangenenhofes in Akko. Es zu erraten' fällt nicht allzu schwer. Bei der Heimfahrt nach1 Haifa sah ich sie .an1 der Chaussee arbeiten; sie hämmerten' im Takt auf den spröden1 Stein, der zerbröckelte, zerbrach. Ein lebendiger Rhythmus klang im diesem Hämmern! — nicht dumpfe Ergebenheit, nicht Empörung. Wieder blieb mir, so sehr meint Auge ihn gesucht, ihr Ausdruck im'kenntjlich. Aber sicher weißi ich, daß, einer vor sich1 hinsummte. „Vielleicht", sprach ich zul mir, „war er arbeitslos. Vielleicht ist ihm auch) die Zwangsarbeit an der Regierirn'gsstraßie lieber als (das. Ja, — er tut unter Zwang vielleicht das gleiche, was aus freiem' Willen' zu tun die Regierung ihtni früher verwehrte, Als sie keine Arbeit gab." t Doch1 'dann! begegnet uns ein: geschlossener Zug jüdischer Burschen und Mädchen, die unter Polizeikommando :ungeheure Sandsäcke abladen, tief gebeugt, mit matten Gebärden. Ich1 mußte; meine Blicke abwenden, der Anblick tat weh. Ich habe es nicht wieder gesehen', das Gefangenenhäus von Akko, und hätte es nie zu sehen gewünscht. : ,,bloßft ein klares soziales Programm1, das die Nöte der jii- ' dischen Massen zum Ausdruck bringt. Es ist sehr schwer, den Ausgang des! Wahlkampfes: vorauszusagen; leider muß mit dem Sieg der reaktionären Gruppen gerechnet werden. ' Chaim Brenners zehnter Todestag. Zum zehnten Male jährt sich am1 ersten Mai der Tag, an. welchem im Verlauf der blutigen Ereignisse in Jaffa Chaim Brenner ermordet wurde. Aus technischen Gründen können wir heute eine eingehende Darstellung der Bedeutung seines Wirkens nicht bringen; wir wollen hier nur des großen Wahrheitssuchers und Realisten der hebräischen Literatur gedenken, und uns1 in Erinnerung an seinen Märtyrertod geloben, in seinem'Sinne für das arbeitende Palästina und für die Verständigung mit unserem) arabischen Brudervolk zu wirken. Konferenz der jüdischen Landarbeiter in Palästina. In einigen Tagen tritt die Histadruth chaklaith, die Landarbeitergewerkschaft, zu einer Tagung zusammen. Es ist dies eine der wichtigsten Konferenzen im Laufe der letzten Jahre, die grundsätzliche Fragen von großer Bedeutung lösen wird. Um aber diesen ganzen Fragenkomplex1 zu verstehen, bedarf es einer gründlichen Kenntnis und eines entsprechenden Verständnisses der palästinensischen Arbeiterschaft. Vor allem sei 'vorweggenommen, daß die Histadruth chaklaith die Grundlage der Histadruth, der allgemeinen jüdischen Arbeiterorganisation, überhaupt ist. Beinahe die« gesamte Innentätigkeit der, letzteren ist auf die Landarbeiter konzentriert. Dies wird verständlich;! wenn man sich' vergegenwärtigt, daß beinahe die .überwiegende Hälfte aller; Arbeiter in Palästina in der Histadruth1 zur Landarbeiterlorganisation gehören. Insbesondere in den letzten Jahren haben die Landarbeiter einen ungeheuren Aufschwung genommen, es ist dies hauptsächlich1 die Arbeiterschaft in den Kolonien, die sich an Zahl meto, als verdoppelt hat (von 3000 auf 10.000). Es häng* .'dies im wesentlichen mit der, Intensivierung der Landwirtschaft in der Richtung des Ueberganges von der extensiven Getreidewirtschaft zur intensiven Plantagenkultur zusammen. Sind doch auch die Kolonien in Jehuda und Saron in den letzten Jahren hauptsächlich der Teil Palästinas gewesen,, der fast die gesamte Alijah aufnahm1. Auf der kommenden Konferenz wird sich, das Bild der Entwicklung der jüdischen Landwirtschaft und der ganzen Ansiedlung überhaupt widerspiegeln.: Charakteristisch für die letzten Jahre in der Entwicklung der zionistischen Kolonisation in Palästina ist das! Fehlen einer n euen Ansiedlung mit nationalen Mitteln. Seit der großen Tat der Eroberung des Emek und der Besiedlung dieses Landstriches mit jüdisthen Arbeitern ist es bis; jetzt noch nicht zu einem gleichartigen Werke gekommen, nur hie und da, insbesondere durch die Gelder des! „Keren esra" nach 'den unglücklichen Unruhen im August 1929. hat die zionistische Organisation einige kleinere "Erfolge verzeichnen können. Im großen und ganzen kann man die letzten) Jahre als eine Zeit des Stillstandes des nationalen Aufbaues betrachten. Nichtsdestoweniger kann man aber doch behaupten,, daß der Aufbau Palästinas im1 Vorwärtsschreiten begriffen ist. Nur mit eineni Unterschied. Der Charakter des Aufbaues hat sich geändert. Das Privatkapital hat in Palästina derzeit genug Profitmöglichkeiten gefunden um dessen Willen es sich ihm jederzeit lohnt, sich aktiv am Aufbau Palästinas zu beteiligen,. Aus verschiedenen Gründen, die nicht hier erörtert werp den sollen, ist derzeit im Aufbau Palästinas nicht so sehr das Nationalkapital, als das Privätk,äpitä 1 der entscheidende Faktor in der Entwicklung der palästinensischen Wirtschaft. In der Landwirtschaft sehen wir diesen Prozeß in dem rapiden Aufstieg der Plan.tagenwirtschaften mit ihrer an die kolonialen. Methoden erinnernden Ausbeutung. Dieser Prozeß spiegelt sich natürlich auch in den Problemen der Arbeiterschaft wieder und insbesondere in den Lebensfragen der jüdischen Landarbeiter. Wir haben schon eingangs erwähnt, daß sich der Charakter der jüdischen Landarbeiter geändert hat. Wenn vor Jahren die jüdischen Landarbeiterschaft identisch mit dem1 Begriff des sozialen Bauern war, wenn jüd. Landarbeiter identisch mit freien jüdischen Landarbeitern auf eigenem Grund und Boden waren, so ist das heute nicht mehr der Fall. Die Mehrheit der jüdischen Landarbeiter sind die jüdischen Arbeiter in den Kolonien. Das Plantagenkapital hat sich seine Plantagen arbeiterklasse geschaffen. Das sind die wichtigsten Probleme der jüdischen" Landarbeiterschaft in Palästina. Das Problem der nationalen Ansiedlungspolitik in sozialistische Formen zu lenken und auch derzeit in den Zeiten des Stillstandes auf der Hut gegen jeden — von welcher Seite er auch immer kommen mag — Angriff auf die sozialen Grundlagen unserer Ansiedlung zu sein. Dieser Kampf wird hauptsächlich um: die1 Wahrung der Grundlagen der „Chewrath owdim" gehen. Es handelt sich hier hauptsächlich um eine verständliche Erscheinung, die, wie oben bereits gesagt, mit detrti großen Einfluß des Privatkapitals auf die palästinensische Wirtischaft zusammenhängt. Es sind dies Fragen der „Tenuva" und der „Nir", Landwirtschaftl. Kooperation aller Arbeiterwirtschaften (oder besser gesagt der Führung derselben). Kampf und Diskussion über den Cha- Seite 3. rufrriti-rrtniy Praktische ■ Gashaus- I haltgeräte | in den Ausstellungen der Wiener släölisrtien Gaswerbe VIII., Josefstädterstraße 10 XII., Theresienbadgasse 3 XX., Denisgasse 39 18 bis 18 Uhr Teilzahlungen rakter der Kooperative. In der letzten Zeit nämlich mußte man feststellen,, daß die Tenuva nicht immer so sehr auf die sozialistischen Forderungen bestand als auf den momentanen handelsmäßigen Vorteil. Es ist dies eine allgemeine Krisenerscheinung, die einem Bestreben, sich dem Privatkapital anzupassen und mehr auf die Grundlagen des sozialistisch en Aufbaues zu verzichten, entspringt. Zu diesen Fragenkomplex gehört das Problem des Fehlens der Ansi edlung, insbesondere der nationalen. Eine dieser Fragen ist die noch immer nicht verwirklichte „HitjaSdhwuth haelef" (Ansiedlung der Tausend). Das sind Fragen, die hauptsächlich mit den Meschkeowdim und den Ansiedlungskandidaten zusammenhängen. Das zweite grundlegende Problem ist die Lösung der durch die neue Situation der Schaffung der Plantagenarbeiterklasse sich ergebenden Fragen. Leider hat sich! ein Teil der jüdischen Landarbeiter noch nicht mit dem1 neuen Zustand abgefunden. Sie fühlen sich nodi nicht als jene Klasse von Proletariern, die sie, wirtschaftlich gesehen, darstellen. Es entstehen damit Probleme,, deren Lösung das Schicksal der Arbeiterklasse in Palästina überhaupt bestimmen kann.: Die jüdische Arbeiterschaft tritt in ein Stadium der. Klassenkampfpolitik ein, die ihr bisher vollkommen fremd und unverstandlich war. Was verständlicher als! die Tatsache, daß ein großer Teil der Histadruth und der Partei den ganzen Prozeß in seinem klassenmäßigen Charakter nicht erkennt, daß vielfach Begriffsverwirrungen und Unklarheiten vorherrschen, fehlt doch leider der palästinensi* sehen Arbeiterschaft trotz allem sozialistischem Willen die klare theoretische Erkenntnis;, wie sie der Marxismus vermittelt. Nur so ist das Unverständnis der Verhältnisse in den Kolonien leider auch führender Kreise erklärlich'. Die Grundfragen der Koloniearbeiter sind unwesentliche Fragen der Organisierung und der Führung der Klassenkampfpolitik der Arbeiter in den Moschawoth und im Zusammenhang! damit auch die Frage der arabischen Arbeiter in den Kolonien. Ueber all die Vorgänge im letzten Winter ~ der Kampf um den Katif — wjrd gesprochen werden müssen^ Wir haben bereits gesagt, daß die Schaffung! der Koloniearbeiterklasse eine Sache der letzten Jahre ist?.- Bis derzeit hat es aber die Histadruth Chaklaith nicht verstanden, sich dieser neuen entstandenen Gruppe von Arbeitern, die aber numerisch selbst das Uebergewicht in der Landarbeiterorganisation haben, anzupassen. Im organisatorischen Aufbau der Histadruth Chaklaith verspürt man noch1 nicht den Hauch der neuen Zeit. Der organisatorische Aufbau der Histadruth stammt noch aus einer Zeit, in der der Koloniearbeiter nur ein Kandidat für die Ansiedlung war. Die Oiv ganisation war auf eine moderne Lohnarbeiterpolitik nicht eingestellt. Die Koloniearbeiter und die Bauern aus Nahalal,. die Siedler aus Aimland und Daganjah saßen auf einer! Bank zusammen und entschieden über die Fragen verschieß denster Natur. Der damals noch mögliche Rahmen ist heute zu eng. Es ist heute eine Lebensnotwendigkeit der Arbeiter in den Moschawoth, einen entsprechenden organisatorischen Rahmen für ihre Interessen zu finden. Die Koloniearbeiter brauchen innerhalb der Histadruth Chaklaith vollkommene Autonomie und Bewegungsfreiheit für ihr Tun und Handeln, für die Führung einer Klassenkampfpolitik in den Kolonien. Neben dieser Frage der Schaffung einer geeigneten Organisation für die Koloniearbeiter steht eine Frage, die weniger Sache der Verwirklichung als der Stellungnahme ist. Der Komplex von Fragen und Problemen., der sich umi da4 Araberp r ob lern konzentriert. Man muß verstehen, daß die Araberfrage so viele Seiten hat, als es Stände undl. Schichten im arabischen Volke gibt. Das Antlitz der Araberfrage im Emmek ist ein anderes als das in Haifa], die] politische Araberfrage ist Frage des Mufti und der arabischen Großen. Und in Neß-Ziona und Petach-TikwaW steht die Araberfrage wieder in ganz anderer Form! als im Emek Hajarden. In den Kolonien erhält sie Forml und Charakter, der die jüdische Arbeiterbewegung in Palästina zwingt* klare Stellung zu nehmen. Sie wird Sache des alltäglichen Lebens,, sie ist nicht Angelegenheit der hohen Politik, auch' I

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