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Der Jüdische Arbeiter · 1931-04-30 · Heft 7 (30.4.1931) · page 2

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
8 (1931)
Issue
Heft 7 (30.4.1931)
Date
1931-04-30
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2. Der jüdische Arbeiter jüdischem Lebens verlangen aber von uns auchdie Eingliederung! in die allweltliche Front desi jüdischen! Proletariats. Man mag noch1 vor einigen Jahren die Richtigkeit unserer poale-zionistischen These von der Schicksalgemeinschaft der jüdischen Proletarier aller Länder belächelt haben, angesichts der heutigen Lage!des Kampfes der jüdischen Arbeiter und Angestellten in Ost und West gegen einen; rücksichtslosen jüdischen una nichtjüdischen Wirtschaftsantisemitismus!um das Recht auf Arbeit, kann) niemand die allwelt- Jiche Einheit des jüdischen Proletariats leugnen. Der Klassenkampf des jüdischen Proletariats hat nicht nur einen wirtschaftlichen Inhält; wie im Bereiche des allgemeinen politischen Lebens sich' heute finstere Mächte zu regen beginnen, um die in schweren Kämpfen errungenen Güter der geistigen Freiheit zu vernichten, sucht auch im jüdischen* Bereiche ein größenwahnsinnig gewordener Klerikalismus die Verweltlichung der jüdischen Kultur zu verhindern. Wir wollen heute, am ersten Mai, dem Festtag des völkerbefreienden Sozialismus geloben, trotz der schweren Last des Alltags, der Notwendigkeit, unsere) Pflichten an der landespolitisdhen Front zu erfüllen, auch im Kampfej ia\n der jüdischen' Front um unser Recht auf Arbeit, um die Befreiung der jüdischen Massen aus (d en Fesseln des fanatischesten Klerikalismus1 wicht zu erlahmen. Wir grüßen heute die jüdischen; Arbeiter aller Länder und aller proletarischen' Parteien, die diesen schweren Kampf mit uns führen. Vor allem aber fühlen wir uns mit der jüdischen' Arbeiterschaft Palästinas verbunden, die ihren Kampf um das Recht' auf Arbeit nicht nur für sich, sondern vor allem für die arbeitshunjgrigen jüdischen Massen der Diaspora führt, die ihre Kulturarbeit in einem Lande führt, wo jüdische Kultur lebendig ist und ihr dauern^ der Bestand möglich1. Euer Kampf, Genossen; in Palästina, istVii-nser Kampf. Ihr führt ihn für uns, wir wollen ihn für Euch' führen, führen; vor allem gegen den offenen und verstecktem Faschismus im'. Zionismus. Was wir für unser gemeinsames Werk leisten, können, istnur mittelbare Arbeit; die schwerste Last der unmittelbaren Verwirklichung bleibt Euch auferlegt! Möge es Euch1 gelingen, alle Hindernisse, die der Entwicklung, unseres Aufbauwerkes entgegenstehen, zu überwinden, möge vor allem,, Freunde, der mächste erste Mai ein Tag der Verbrüderung des jüdischen und arabischen Proletariats sein; das ist unser 'heißester Wunsch an Euch und an die arabischen Arbeiter am Tag der Internationale! Das Budget der jüdischen Gemeinde. Rede des Genossen* Singer. (Schluß,.) In unserem! Kampfe um die soziale und demokratische Ausgestaltung der jüdischen Gemeinde werden wir um so weniger erlahmen, als die Entwicklung der letzten Jahre die Richtigkeit und Berechtigung unserer Forderungen vollauf bestätigt hat. Als zum; ersten Male Sozialisten in die Kultusgemeinde einzogen, setzten sie am die Spitze ihres Programmen Zentralisierung des Fürsorgewesens und Heranziehung von Fürsorgeräten, Herstellung des Kontaktes mit der jüdischen Bevölkerung durch die Herausgabe eines Gemeindeblattes, zweckmäßige Organisierung der jüdischen Wanderfürsorge. Wir haben auch immer verlangt, daßi die Gemeinde sich' nicht beschränken darf auf die Subventionierung privater Institutionen für Fürsorge und Erziehung, sondern daßi sie darangehen muß eigene Institutionen, zu schaffen. Bei der Methode, cUe die Mehrheit der Gemeinde feiner Minderheit gegenüber anwendet,, ist es selbstverständlich1, daßi solche Forderungen nicht beachtet, oder verhöhnt werden. Die No.tid er Zeit 'hat aber die Leitung! der Gemeinde gezwungen, unseren Forderungen Rechnung zu tragen. Die Zentralisierung des Fürsorgewesens, die Organisierung von Bezirksfürsorgeräten, die zweckmäßige Ausgestaltung der Wanderfürsorge sind Tatsachen! geworden. Durch das gelungene Heft über das Fürsorgewerk ist der erste; schüchterne Versuch auf dem; Gebiete der Herstellung} des Kontaktes mit der jüdischem Bevölkerung gemacht worden. Die Ferienkolonie in Kottingbrunn, eine Leistung, auf die wir stolz sein dürfen, ist der erste Schritt auf dem Wege zu seinen selbständigen Fürsorgeinstitutionen, das in Aussicht genommene jüdische Studentenheim soll die würdige Fortsetzung auf diesem Gebiete bilden. Die Feststellung der Tatsache, daßi die Verhältnisse die Mehrheit der Kultusgemeinde gezwungen haben, unseren in der Lage der jüdischen Bevölkerung begründeten Forderungen Rechnung zu tragen, verleiht uns dem Mut auf demj Weg unseres Kampfes um die Ausgestaltung der Gemeinde fortzuschreiten. Ueber die Einstellung der Mehrheit der Gemeinde zum Aufbauwerke i n Palästina soll auch1 einiges gesagt werden. Das Palästinaaufbauwerk ist schon' lange keine Angelegenheit der zionistischen Weltorganisation allein. Sowohl die nichtzionistischen reichen Juden aller Länder als auch die gewerkschaftlich organisierten hunderttausende jüdischen Arbeiter Amerikas bekennen sich zum Aufbauwerke und fördern) es.' Für die Mehrheit der Gemeinde existiert Palästina nur, wenn es sich' um die Höhe unseres Beitrages für das Palästinawerk handelt. Da stürzen sich die Herren der Mehrheit mit aller EnergLqin den Kampf, um diesem großen Werke gewisse Summen abzuringen. Gewiß, verlangen wir, daß das; Interesse der Gemeinde für das Aufbauwerk in Palästina auch1 in der Höhe der Geldbeiträge zum Ausdrucke gelangen soll. Beschämend, ist es aber,, daß auch dieses wichtige Problem bei uns nur im Zusammenhange mit dem Geldbeitrage aufgeworfen wird. Unsere Gemeinde sollte, ohne den Zusammenhang mit den Geldbeiträgen1, das Problem des Palästinaaufbaues behandeln, es würde derm Ansehen unserer; .großen Judengemeinde (gewiß keinen Abbruch tun, wenn wir unsere berufene Seite über die Leistungen und die Schwierigkeiten' in Palästina informieren! ließen. Warum soll es die Mehrheit, wemnl schon unbedingt am den Geldbeitrag für Palästina gedacht werden muß, nicht interessieren, zu welchen Zwecken das Geld verwendet wird. Warumsoll es, z. B. fast völlig unbekannt sein, daß, unsere österreichischen: Chaluzim im Palästina an der Schaffung einer österreichischem Arbeiter-Siedlung arbeiten.. Ein1 engerer Kontakt zwischen dem Aufbauwerk in Palästina und unserer großen jüdischen Gemeinde ist unbedingt notwendig. Wir verkennen die Leistungen und Schwierigkeiten der jüdischem Gemeinde nicht, win stellen auch mit Genugtuung fest, daß: die Mehrheit dieser Gemeinde, nicht aus freien Stücken, sondern, gezwungen, unseren Forderungen Rechnung tragen muß. Das System der Mehrheit dieser Gemeinde, ihn Geist bei der Geschäftsführung entspricht unserer Auffassung nicht. Wir werden daher gegen das Budget stimmen. Die jüdischen «Gemeindewählen in Polen. (Von unserem Korrespondenten N—dtt) Die revolutionäre Stimmung im Europa der Nachkriegszeit hat sich auch in Polen ausgewirkt und hat auch dasl jüdische Leben nicht unberührt sein lassen. Die erste Koalitionsregierung, angeführt von Daszinsky, dem alten Führer der polnischen Sozialdemokraten in Oesterreich, hat die Forderung nach Reorganisierung der jüdischen Gemeinden erhoben auf der Grundlage des gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts!, mit der Begrenzung, daß hier nur Männer vom 25. Lebensjahr das aktive Wahlrecht haben sollten, während in den Gemeinden und im Staate Männer und F,r a u e n vom 21. Lebensjahr an wählen können. Das passive Wahlrecht haben in der jüdischen Gemeinde Männer vom 30. Lebensjahr angefangen. Zuers* hatte das Gesetz nur für einen Teil, Polens Geltung, heute erstreckt sich sein Geltungsbereich auf das 'ganze Staatsgebiet. Diese Reorganisation hatte außerordentlich günstige Folgen im jüdischen Gemeindelcben. In der jüdischen Gesellschaft ist das Interesse an der jüdischen Gemeinde ungeiheuer gewachsen. Selbst der Bund, der durch Jahrzehnte die Beteiligung an der jüdischen Gemeinde negiert hafy weil eine solche Aktivität der poalczionistischen Idee vom Aufbau der nationalen Autonomie zu nahegekommen wäre, hat sich an den Wahlkämpfen zur jüdischen Gemeinde beteiligt und eine große Zahl von Mandaten erobert,. Wenm er nunmehr beschlossen hat,, wieder in seine alte Passivität' zurückzufallen, so ist dies nur damit zu erklären, daß ihn bei seiner Arbeit keine weiten Perspektiven geleitet haben, daß er nur aus „budgetären]] Gründen an der Gemeinde^ arbeit teilnahm, d. h. um für seine Institutionen Subventionen 2u erlangen. Die jüdischen Gemeinden, die einen religiösen Charak1ter hatten und die beherrscht wurden von einer klerikalen: Majorität — der Agudah und dem1 Mis'rachi,. gestützt voml klerikalen Flügel der allgemeinen Zionisten, sind fortschrittlichen Gedankengängen zugänglich gemacht worden,. Die Vertreter der jüdischen Arbeiterschaft haben es verstanden, mit Hilfe der jüdischen progressiven Intelligenz der Arbeit der jüdischen Gemeinde soziale Richtung zu verleihen. Diese Arbeit hat bei den Massen Verständnis für die jüdische Gemeinde sowohl während der Wahlen als auch in der Arbeits!- periode geweckt. Eine große .Zahl der Gemeinden wurde von zionistischen Mehrheiten beherrscht^ und als' im Jahre 1929 eine Konferenz der jüdischen Gemeinden zum' Zwecke des Protestes gegen das Weißbuch veranstaltet wurde, haben an ihr trotz der Gegenaktion desi Bundes und der Agudah' 80 Prozent der größten Gemeinden, fast 400 an der Zahl,, teilgenommen. Die meisten Gemeinden subventionieren den Keren Kajemet und den Keren Hajessod, soweit die .betreffenden Posten des Budgets nicht von den kontrollierenden Aufsichtsorganen gestrichen wurden. Die Warschauer! Gemeinde hat mit ihren Beiträgen zur Emigrationshilfe die Finanzierung der Alijah gefördert. Auch dem jüdisch-weit^ j liehen Schulwesen, insbesondere dem' mit hebräischer Unter-J richtssprache, wurde finanzielle Hilfe gewährt. Unsere Partei« hat 54 Vertreter in 51 Gemeinde^. II Der Sieg des Faschismus in Polen durch1 die Erricfo-,B tung der Pilsudskydiktatur hat nach der Faschisierung. des™ polnischen Lebenis auch zum Versuch geführt das Leben der nationalen Minderheiten zu faschisieren. Die Min(on> täten, bilden in Polen bekanntlich nicht weniger als ein Drittel der Gesamtbevölkerimg, und es ist klar, daß man keine Diktatur ausüben 'kann, wenn mau auf sie keinen Einfluß ausübt. 1 Vor kurzem hat eine Konferenz der deutschen Nationalisten stattgefunden, die sich bereit erklärten, das Pilsudskyregime zu unterstützen; man führt auch Verhandlungen mit ukrainischen Politikern., die sich in Gegensatz zu den ukrainischen Massen stellen. So sucht man denn auch Herrschaft über die jüdischen Massen zu gewinnen, die immerhin in Polen 3 Millionen zählen. Schon während der letzten Wahlen zum Sejm hat das Pilstidskyregime des öfteren zu Gunsten seiner Anhänger in der jüdischen Gasse interveniert. Niemals wären die jüdischen Abgeordneten,- die am .Pilsudskyblock teilnehmen oder ihm nahestehen, die .Agufdisten also, gewählt'worden, wenn nur der Wille der Wähler maßgebend gewesen wäre. Ein weiterer Schritt auf diesem Wege der faschistischen Beherrschung der jüdischen Massen soll der Uebergang der Herrschaft in den jüdischen Gemeinden in die Hände der jüdischen Pils'udskyanhänger sein. Es ist ein wahrhafter Treppenwitz der Geschichte, daß die ehemaligen Fortschrittsfreunde und Revolutionäre innerhalb des polnischen Das Gefängnis in Akko. Vom Dr. Martha Hof mann1. Zwei Gefängnisse sah ich in Palästina; das eine an der Bahnstrecke, zwischen Chederah und Denjaminah — langgestreckte ebenerdige Betonzellen, glatt getüncht, vergittert. Ich sah es nur von außen, im Vorübergleiten1 des Zug]es. Das zweite lernte ich näher kennen. Arabische Jungen reiten auf schlanken Pferden tief in 'dias Meerwasser der Bucht von Akko und tummelni iaiorH;ih're jungen Tiere. Freudiges Wiehern schnaubt durch die Luft. Die heißen1 Tiere beglückt das Bad. Dattelpalmen: ragen aus der versandeten, versumpften KisCh'on-Mündung. Herrliche, hohe Stämme, wie 'die der Sinai-Halbinsel, so stehen sie hier in dichten Gruppen, Oasen ähnlich. ,; Wir sind dicht vor der Stadt. Ein1 gewaltiges steinernes Tor, mittelalterlicher Bau aus der Zeit der Kreuzz^e, öffnet sich gegen Osten1. Doppelmauern umschließen stark und deichartig gegen das Meer absteigend die arabische Festung. Unten imj Hafen Gewühl von Fischerbooten, weiße Segel wie Mittagjsfalter auf der tiefblauen Bucht, an deren Gegenküste das langgestreckte, silbernverdämmernde Haifa liegt, .überragt vom waldigen Haupte des Karmel. Jenseits des Tores empfängt dich der bunte, wimmelnde triebhafte Menschenhaufe der Araberstadt. Die Häuser, sonst eng gereiht, basarhaft überwölbt,, treten auseinander, ein Platz öffnet sich geräumig, das arabische Cafe erfüllt ihn zur Hälfte, Dutzende von geflochtenen Tabouretts auf der Straße,, darauf sitzend arabische Herren .im roten Tarbusch, die Beine gekreuzt, das metallgetriebene Mokkatäßchem in der Hanld balancierend. Meist steht die Nargileh auf dem Boden daneben. Glückhaftes Versunkensein ist in den Mienen der schweigend Rauchenden. Wir verlassen den Wagen an diesem! Platz, denn nun geht es durch ein Gewirr von Gassen und Gläßh chen, Basaren und Winkeln, an! der fherrliche^ Aloschee Dschezar Paschas vorbei, über die sich schlanke Palmwipfel wiegen, von Minaretts flankiert. Glühender Mittag. Kein Hauch in der Luft. Selbst Chamsin schiene Erlösung. Wir steigen einen Feldweg mählich bergauf, wieder uns nähernd der bogenförmig} rückkeh'renden steinernen Mauer. Ein junger Mann zwischen zwei Polizisten, ockerfarbene Haut, diel Augen trotzig geschlossen, dichte dunkle Brauen drohend darüber. Der weiße Burnus und diel Kofija umhüllen den schmalen Jungen. Widerwillig trabt er zwischen den arabischen Polizisten, die Knüttel in; den Händen halten. Ein Gefangener, jedenfalls frisch eingeliefert. Wieder und wieder begegnet uns dieses Bild. Und (dann — ein Hof tut sich auf, niedere Betanizellen ringsum, ein steinernes Hauptgebäude mit vielen Zimmern' und Kammern. Wir sind zur Stelle. Während wir Zivilpersonen warten — der Gendarmeriekommandant hat sich längst in sein,, Amtslokal begeben — wird wieder und wieder ein Einzelner,, ein Paar, ein: kleiner Trupp Gefangener eingeliefert. Arabisches Proletariat zumeist, der eine wegen Brotdiebstahl, der andere wegen Gewalttat, ein paar räuberische Beduinen, die ein jüdisches Gehöft überfielen, jein schreiender Halbwüchsiger, der seinen Lehrherrn und Liebhaber tödlich verletzt hat. Ein zerlumptes, weinendes Weib, irgendwo aufgelesen. Bilder, wie jede Wachstube sie kennt, doch irgendwie greller, krasser — und malerischer. Ich blicke durch die geöffnete Tür der Wachstube in den Hof. Und da] sieht mein Auge ein Bild, das es nie zu sehen gewünscht und davon das. Herz mir fast stockte. Ein Appell der Gefangenen, die zur Zwangsarbeit beim Straßenbau geführt werden. Hier eine Riege Araber in Gefangenentracht, und dort — auf der Gegenseite — jüdische Arbeiter, gleichfalls in den Kitteln! Chaluzim1 — unverkennbare Chaluzim,. jüdische Burschen und Mädchen, wieman sie überall im Lande bei ihrer autonomen Arbeit findet. Hier aber, angeherrscht und unter der Knüttelaufsicht der Polizisten. Es sind sogenannte „Mopsim" —> bolschewistische Elemente, oder solche, die von der, Regierung] dafür gehalten werden. Man säumt nicht lange mit Ider Arretierung, man kennt kein Packeln. Es war ja damals am 1. Mai — so fällt mir ein — bei den

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