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Der Jüdische Arbeiter · 1931-04-13 · Heft 6 (13.4.1931) · page 3

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
8 (1931)
Issue
Heft 6 (13.4.1931)
Date
1931-04-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Bef Jtdische Arbeit« Selki. i Jahre 1930 erzielen; daher müssen' wir schließen1 aß auch1 zur Aufrechterhaltung des Niveaus der eistungen im abgelaufenen Jahre eine Steigerung nserer Einnahmen notwendig ist. Wir dürfen uns so mit dem Rückgänge unserer Einnahmen auf iinen Fall glatt abfinden. Was können! wir nun lachen, um ein Sinken unserer Einnahmen: zu verindem? Zunächst muß eine Einhebung eines Zu :hlages zur Kultussteuer der Bestsituierten' erwogen erden. Wir müssen unseren bestsituierten Mitglieern die Lage der Gemeinde, die ungeheuere Not er jüdischen Bevölkerung, im richtigen Lichte schil ern, um ihnen diese Maßnahme plausibel zu machen, h kann den Einwänden der Mehrheit des Kultus srstandes, daß wir zu einer solchen! Maßnahme die ustimmung der Regierung benötigen, nicht bei immen. Ich kann mir nicht vorstellen', daß die Reierung angesichts dieser Notlage gesetzliche Schwie gkeiten für die Durchführung dieser Maßnahme ereiten würde. Sollte es aber dennoch' der Fall sein, eibt uns noch immer der Weg offen, von diesen Krei- :rt der Mitglieder durch öffentlichem und (persönlichen ppell die freiwillige Leistung eines Notopfers zu erlangen. Weiters müßte die Aktion um die Erlangung des undesbeitrages mit anderen Mitteln fortgesetzt weren. Wir haben bereits im vorigen Jahre gewarnt or der Methode des ausschließlichen1 Verhandeins ü den Ministerzimmern. Wir haben darauf hingeiesen, daß die Aktion nur dann; von Erfolg sein mn, wenn sie vom organisierten Willen der jüdi :hen Bevölkerung getragen wird. Die Leitung der ultusgemeinde hat nun ein weiteres Jahr, ihre Verandlungsmethode angewendet, und das Resultat ist, aß man uns abermals nichtssagende Versprechungen lachte. Die Mehrheit der Kultusgemeinde hat eine uffallende Scheu vor jedem unmittelbaren Kontakt lit der jüdischen Bevölkerung, sie wird aber ohne Mobilisierung der öffentlichen jüdischen Meinung n greifbares Resultat bei der Bundesregierung! nicht rreichen. Im Hinblick auf die wirtschaftliche Notge konnten wir zweifellos Verständnis und Interesse, jwoh'l bei den Juden, als auch bei den anderen ürgern, für unsere gerechte Forderung finden'. Die eschieunigte Einleitung einer öffentlichen Aktion onnte imns die Erlangung des Bundeszusch'usses! in er mächsten Zeit ermöglichen und eine Erleichterung nserer Gebarung herbeiführen. 'Das Rezept, daß uns die Leitung durch die chaffung einer Ersparungskommission vorgeschlagen at, scheint uns kaum diesen Zweck! ernstlich erfüllen u können. Die Personalaufgaben können kaum; reduert werden, die Ersparungen! können sich' also auf ürsorge .und Unterricht erstrecken. Ich' habe bereits er vorgehoben, daß gerade auf diesem Gebiete mehr ieldmittel aufgewendet werden müssen, um relativ leiche Leistungen wie im Vorjahre vollbringen zu önnen. Die Formel der Ersparungskommission, die uns ier vorgeschlagen wurde, würde nur bewirken,, daß as Plenum fast zur Gänze von' der Beeinflussung er Geschäftsführung der Gemeinde ausgeschaltet erde. Zu diesem undemokratischen Schritte können1 rir unsere Zustimmung nicht geben. Der Herr Regent meinte, die Vorgänge im deutschen Reichstage lüßten auch uns zu einer ähnlichenl Maßnahme vernlassen. Ich1 will ihnen bei dieser Gelegenheit eine inekdote erzählen, die eine gute Jllustrationi zu dem ^geführten Gleichnis darstellt. In einem' Städtchen es zaristischen) Rußland ist ein neuer Gouverneur ekommen. Zu seiner Begrüßung erschien auch1 eine )eputation der jüdischen Bevölkerung. Der Gouerneur war sehr unfreundlich1 mit den Juden und ündigte ihnen ein strenges Regime an. Er werde, einte er, der zweite Haman; sein, worauf ein Mitied der jüdischen Deputation höhnisch meinte: wir ehen nicht „die Glicken", die der erste Haman gelacht hat. Das gilt auch mit dem Vergleich mit Jeutschland. Es ist absolut keine Veranlassung] voranden, die Beratung von Ersparnissen, die Einsetzung einer Ersparungskommission mit der Auschließung des Plenums in Verbindung, zu bringen; Vir sind für die Erörterung von Ersparnissen, wir iud bereit, alle Vorschläge für Ersparungen anzuören, aber ihre Durchführung kann und darf nur lit Zustimmung, des Plenums gestattet werden. Ich' habe bereits von der Schern der Mehrheit des ultusvorstandes vor jedem unmittelbaren Kontakt iit der jüdischen Bevölkerung gesprochen. Diese ch'eu tritt auch in ihrem Verhalten zu der Forerung des allgemeinen Wahlrechtes zu Tage. BeauerUcherweise sind wir schutzlos gegen einen Ob~ latin, der eine Kommission nicht einberufen will, s genügt also, daß der Obmann der Statutenkomnission keine Sitzung einberuft, um die Erörterung er Frage des allgemeinen Wahlrechts von der Tages- »rdnung abzusetzen. Wir werden doch1 noch1 Wege |nd Mittel suchen müssen, um uns gegen eine solche »abotage schützen zu können. Die Frage des allgemeinen! Wahlrechts wird von der Mehrheit des (ultusvorstandes, ähnlich wie unsere gesamte Tätiget, nur als eine Angelegenheit einer Geldleistung ehandelt. Es ist eine Entstellung, wenn behauptet rird, daß das allgemeine Wahlrecht ausschließlich uf der Gleichheit in der SteuerleistungJ aller Bürger ußt. Vielmehr war für die Einführung des allgemeinen Wahlrechts die Einstellung! maßgebend, daß alle Staatsbürger Recht und Anspruch' haben, auf die Verwaltung ihrer Gemeinschaft Einfluß zu nehmen. Die Herren der Mehrheit, die im allgemeinen Leben sich als bedingungslose Demokraten deklarieren, kopieren aus Bequemlichkeit die Haltung unserer alten Maskilim, auch1 jene beschränkten ihr Judentum auf den häuslichen Gebrauch, draußen wollten sie lediglich als Menschen gelten. Die Herren der Mehrheit wollen draußen im allgemeinen Leben als Demokraten gelten, im jüdischen Leben verleugnen sie diesen Grundsatz. Die Parole} für unsere Forderung des allgemeinen Wahlrechts in der jüdischen Gemeinde lautet: Alle Juden, die sich zu unserer Gemeinschaft bekennen, haben Recht und Anspruch auf Einfluß auf die Führung und Verwaltung unseres Gemeinwesens. Schluß folgt. „Grundsätzliches zur Politik der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina*. Vortrag von Prof. Dr. Salomen Goldelman. Uebcr dieses Thema hielt am 27. v. M. Genosse Prof. Dr. Salomon Ooldelman (Prag) einen Vortrag in Wien im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung der Liga für das arbeitende Palästina in Oesterreich. Der Vortrag, obwohl den brennendsten und stets umstrittenen Problemen des palästinensisthen Aufbauwerkes gewidmet, wurde auf wissenschaftlicher, soziologisch-theoretischer Grundlage aufgebaut. Wir lassen hier eine kurze Wiedergabe der Oedankengänge des1 Vortrages! folgen: 1. Für das jüdische Proletariat ist der Zionismus der historisch-unvermeidliche um mit Marx zu sprechen — historisch notwendige objektive Prozeß des Territorialwerdens des jüdischen Volkes, von den zwangsläufigen Gegebenheiten der jüdischen diasporalen Wirtschaft getragen, eine unumgängliche Stufe auf seinem Wege 2um Soziaiiismus. Die Hauptmerkmale der jüdischen diasporalen Wirtschaft sind: wirtschaftliche und soziale Rückständigkeit; einseitiger sozialer Bau. Der Gang des Industrialisierung»- und Konzentrationsprozesses der modernen Wirtschaft wird je weiter desto mehr „judenreiner". Die jüdische Wirtschaftsverfassung in der Diaspora, in allen Ländern fast gleichartig, befindet sich stets in einer ^umgekehrten Abhängigkeit" von der Wirtschaftsentwicklung und den Gesetzmäßigkeiten derselben bei den nichtjüdischen Wirtsvölkern. Die Folge davon: das Abstoßen und Verdrängen der Juden aus den volkswirtschaftlichen Hauptstraßen der Welt. D i e jüdischen W a n d e ru n g en w u r d e n zur Funktion der jüdischen W i r t s!ch a f t s ver f a ss1 u n g. Somit entsteht das nationale Problem des jüdischen Proletariats, als Konflikt zwischen der Notwendigkeit der Entfaltung seiner produktiven Kräfte und der Ungenügsamkeit der gegebenen Produktionsbedingungen des jü dischen Volkes1. (Borochow.) Somit wird der Weg der Lösung dieses Konfliktes im Prozesse des Territorialwerdens des jüdischen Volkes in Palästina gegeben. Von dieser grundlegenden Erkenntnis; wird die Politik des jüdischen Proletariats in und für Palästina getragen, von dieser Lichtsäule geführt. 2. Der Zionismus1 bedeutet primär eine sozialökonomische Umwälzung im' Leben und Ges.taltw erden des jüdischen Volkes, eine Revolution, die sich in Jahrzehnten, wie alle anderen revolutionären Prozesse (von 1789, 1848, 1905, 1917- 18) vollzieht. Diese jüdische Revolution, genau wie die ost- und mitteleuropäischen Revolutionen von 1917—-1918, vollzieht sich in einer Periode des bereits! fortschreitenden Sozialismus, was Führ er rolle für das Proletariat in der Revolution bedeutet und folglich nicht nur eine politisch-befreiende, sondern vielmehr eine sozialökonomisch schöpferisch-aufbauende Aufgabe der Arbeiterklasse auferlegt. Möge auch ein teilweiser und gewiß peinlicher sozialrevolutionärer Rückschiagg kommen (wie es* in den mitteleuropäischen Nachkriegsrevolutionen, geschieht), doch darf und kann das jüdische Proletariat dieser seiner führenden Rolle und sozialökonomisch schöpferischen Aufgabe im Prozesse des Territoriahverdens des jüdischen Volkes nicht entbehren. Beide sind ein objektives! „Muß" der historischen Notwendigkeit, von den Gegebenheiten der Aera der Verwirklichung des Sozialismus aufgezwungen. Daher die zahlenmäßige Stärke der jüdischen Arbeiterschaft im neuen Jischuw, daher die noch bedeutendere Stärke seiner sozialen und politischen Stellung in der Politik des Jischuv und des Zionismus. Die beste Illustration dafür haben die Wahlen zur Assefath Hanivcharim1 geliefert, die auch die Politik der palästinensischen Arbeiterpartei in dieser nationalen Selbstverwaltungskörperschaft selbst der Welt das hohe Muß des Verantwortungsbewußtseins des jüdischen Proletariats Palästinas für das Wohl des Aufbauwerkens (von seiner Führerrolle in dem letzten verursacht) bekundet hat. 3. Wirtschaftsdemokratie bedeutet steigenden Anteil der Arbeitenden an der Leitung der Volkswirtschaft; das Durchdringen der Wirtschaft von selbstverwaltenden, genossenschaftlichen, öffentlichen Elementen — den Zellen der zukünftigen sozialen Ordnung. Das zionistische Aufbauwerk — das Territorialwerden des jüdischen Volkes — Wird im Prozesse des Entstehens einer modernen Volkswirtschaft in Palästina, getragen von den jüdischen produktiven Kräften, verkörpert. Der Gestaltung dieser aufkommenden modernen Volkswirtschaft stehen verhältnismäßig viel weniger sozial rückständige Stö» rungen im Wege, im Vergleich zu denen, die den Gang Heißes Wasser liefert vollkommen selbsttätig der Elektro - Heißwasserspeicher betrieben mit ermäßigtem Nachtstrom für alle Koch', Reinigungs- und Badezwecke Im Haushalt, Gewerbe und in der Industrie. Seine Anbringung ist überall leicht möglich» seine Arbeitsweise hygienisch, bequem und gefahrlos, sein Aussehen ist sauber und Besichtigen Sie die Musteranlagen In der „S T E W E" der ständigen Ausstellung der städtischen Elektrizitätswerke Wien, IXM Marianneng. 4 Bestellungen auf die Ausführung vollständiger Speicheranlagen — auch gegen Teilzahlungen — nehmen die für die Errichtung solcher Anlagen ermächtigten Installationsfirmen, wie auch die Direktion der städtischen Elektrizitätswerke entgegen. Werktäglich geöffnet von 9 bis 17 Uhr! Eintritt! frei aHBnaaUHBHHnMHBHBHnBSaHBHBBMaBBBaH der Wirtschaftsdemokratie in den Ländern der alten Welt Lh indem. Darin wie auch in der Stellung der Arbeiterschaft in der jüdischen Revolution ist das Ausmaß der Entfaltung» der Formen der Wirtschaftsdemokratie in Palästina begründet — die 46 Arbeitersiedlungen auf genossenschaftlicher Qrundlage, die allumfassende schöpferische Tätigkeit der gewerkschaftlichen Organisation, soziale Errungenschaften, die Ausschaltung der Bodenspekulation u. a. m. sind Zeugnisse der Machtposition des jüdischen Proletariats. Gewiß bringt die Industrie und die Plantagenwirtschaft kapitalistische Elemente ins Aufbauwerk hinein und mit ihnen kommt die Verstärkung der reaktionären Ideengänge innerhalb der zionistischen Bewegung. Die Jewish Agency in ihrer Mehrheit ist ja soziologisch betrachtet als der Ausfluß der Reife Palästinas zur rentablen Investierung von jüdischem Privatkapital zu werten. Auch bei der größten Hochschätzung der subjektiv-ideellen Mission vieler ihrer Führerelemente. Andererseits darf nicht die Tatsache der Entfaltung einer scharfmacherischen, sozialreaktionären und radikalnationalistischen Strömung im' Zionismus — im heutigen Revisionismus verkörpert — im Rahmen unserer Betrachtung unerwähnt bleiben. Sie paßt sich in die Kräfteverhältnisse der Entwicklung des Aufbauwerkes recht gut hinein, im' logischen Kontraste zu der schöpferischen sozialbefreienden Aufgabe der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina: die palästinensische Arbeiterschaft symbolisiert in ihrer Stellung, Politik und Taktik das höchste Interesse der Nation, die „nationale Opposition'' unserer Radikalen von Rechts — das ansteigende klassenmäßige Interesse des jüdischen Bürgertums am Aufbauwerk der Nation. 4. Davon ist auch die vers'chiedentliche Stellung zum Problem der arabisch-jüdischen Beziehungen abzuleiten. Das jüdische Proletariat sieht diese Beziehungen im Lichte eines regelrechten nationalen Problems an. Dieses Problem1 wird überall in der Ebene zweier Interessensphären ausgekämpft: der nationalen Ausbeutung und der nationalen Konkurrenz', die letzten Endes alle Nationalitätenbeziehungen umfassen und beherrschen. Beide dieser. Interessensphären behalten ihre Wirksamkeit ausschließlich im Nationalitäten-, kämpf, also, nur solange die beiden nationalen Gruppen sich das Ziel des Beherrsch ens stellen. Die jüdische Arbeiterschaft weigert sich entschieden, sich dieses Ziel zu eigen zu machen. Deshalb ist ihre Politik auf rigoroser Ausschaltung jeglicher Möglichkeit des Aufkommens der Elemente von nationaler Ausbeutung und nationaler Konkurrenz in Palästina gerichtet. 1 Daher auch das Ideal der „Kibusch Avoda" — weil Beschäftigung arabischer Arbeiter in der jüdischen Wirtschaft die schlimmste und verhängnisvollste Form nationaler Ausbeutung aufkommen läßt, die die Nationalitätenbeziehungen unvermeidlich für immer und heillos vergiften müßte. Dieses Problem „der jüdischen Arbeit in der jüdischen Wirtschaft" vom Standpunkt nationaler Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt zu betrachten, hätte bedeutet, die Frage auf den Kopf stellen wollen, denn in Palästina geht es um Erkämpfung eines höheren Standard of Life für die Arbeitnehmerschaft überhaupt, um den Schutz des bereits höheren Lebensstandards der jüdischen Arbeiterseihaft gegen Unterbietung durch billige arabische Arbeit. Dieses! Ziel, das, parallel mit der Ausschaltung nationaler Ausbeutung, grundlegend in der Arbeiterpolitik ist, entspricht der Stellung des internationalen Proletariats überall in seinem Kampfe für ein hohes Lebensniveau und für den Sozia« lismus. In derselben Ebene ist die Frage der einheitlichen gewerkschaftlichen Organisation zu beurteilen. In Palästina, mit seiner regelrechten nationalen Frage und tiefen Unter-, schieden im kulturellen Niveau, der Sprache, dem. Klassenbewußtsein und den Bedürfnissen der Arbeiter beider Völker, die Organisierung aller Arbeitnehmer in einer einheit- - liehen Gewerkschaft zu fordern, hätte die völlig verkehrte Stellung des Gedankens der internationalen Solidarität b€- . deutet. Zwischen den zwei Extremen: einer einheitlichen internationalen Gewerkschaft einerseits und separaten nationalen Gewerkschaften andererseits, verspricht nur ein einziger Ausweg Erfolg im Sinne der Ausschaltung nationaler Zwistigkeifen und Vermeidung nationaler Unterdrückung —

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