Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 8 (1931)
- Issue
- Heft 5 (27.3.1931)
- Date
- 1931-03-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jidltcfet Affettttr MM. faktische ■ lashaus- ■ altgeräte | in den Ausstellungen der Nciir stüötisflien Gaswerk VI»., Josef Städterstraße 10 XII., Theresienbadgasse 3 XX., Denisgasse 39 8 bis 18 Uhr Teilzahlungen He Wiener judische Gemeinde in der Revolution von 1848. Zum 83. Male jährt sichin1 diesen1 Tagen der Ausbruch' der Wiener Revolution1, deren radikaler Flügel von der Reaktion1 als jüdisch' hingestellt wurde. Folgende „Erklärung" hat die Kultusgemeinde gegen diese Behauptung gerichtet; sie ist oer Flugschriftensammlungi der National- » bibliöthek entnommen1 und mit 24. Juli datiert. Vgl. auch': Jüd. Volkszeitung 1929, Jüd. Arbeiter 1929, 1930. M. P. Anschuldigungen und 'Aufreizungen der gehässigsten Art werden seit einiger Zeit in' Wien/gegen ie Juden verbreitet; in1 Plakaten und auf sonstige Ceise ihnen unwürdige Bestrebungen zur Last gelegt, ae dem Judentume überhaupt, so wie dem Charakter [er hiesigen israelitischen; Gemeinde stets fern gelegen, (eine-Gesamtheit vermag, in der jetzigen' so bewegten leit entscheidenden Einfluß, auf die Geistesrichtung!er einzelnen! auszuüben; es erscheint daher als ein chreiehdes Unrecht als Ueberbleib'sel einer finsteren forzeit, gerade der jüdischen1 Bevölkerung solche olidarisch'e Verantwortlichkeit zumuten1 zu wollen. )er gesunde Sinn dieser humanen und intelligenten Residenz erkennt es gewiß, daß die israelitischen Glaubensgenossen von keinem anderen1 Streben beseelt sind ils das Wohl der konstitutionellen Monarchie im nnigsten Einverständnis mit ihren christlichen Brülern fördern zu helfen, und mit Gut und Blut dafür reudig, einzustehen. Solcher Würdigung fest vertrauend, weisen sie edö Verdächtigung der rechtlichen1 und loyalen Geannung der hiesigen Gemeinde mit Entschiedenheit :urück. Der Vorstand im Namen und Auftrag der hiesigen Kultusgemeinfde. Borochows Werk und des Westjudentum. Ein! Komitee bestehen'd aus Dr. Goldham- Gen. Singer un'd Dr. Waldmann' bereitet die Herausgabe der Werke Boroch'ows in deutscher Sprache vor; der erste Band, das grundlegende Werk „Unsere Plattform" wird noch' irn Sommer erscheinen. In welch1 Hohem Maßel dieser Herausgabe der Schriften Borochows den Bedürfnissen der Gegenwart entspricht, zeigen die folgenden Bemerkungen' eines Führers des größten zionistisch-sozialistischen Jugendbundes in Wien', die ganz ohne Kenntnis des Planes der Herausgabe geschrieben sind. (Die Redaktion.) Wenn man' mit sozialistischen Zionisten des Westens über die Theorie des Zionismus spricht, mußi man feststellen, daß diese zwar über Zionismus und Sozialismus: 'unterrichtet sind, leider aber keine richtige Synthese zwischen1 Zionismus und Sozialismus gefunden! haben; wir müssen; feststellen, daß! ihr zionistischer Sozialismus eine unorganische .Verbindung zwischen1 Marx und Herzl, zwischen1 „Judenstaat" und „Kapital0 ist (vgl. Lessin'gs Vortrag! Die Red.) Das Interesse für die kausale Erklärung des Zionismus ist im Westen gering. Mann darf sich' nun nicht der Illusion hingeben, daß eine Bewegung nur auf der,:Ausstrahlung eines Werkes begründet werden, könne; die Erkenntnis des Arbeiterztönismus katin nicht nur aus der palästinensische« Wirklichkeit abgeleitet werden. Es fehlt uns im Westen das grundlegende Werk, es fehlen uns Boroc h'o v s Schriften. Während es eine außerordentlich reiche allgemeine und sozialistische Palästinaliteratur in deutscher Sprache gibt, ist bis heute nach mehr als einem Vierteljahrhundert poalezionistischer Bewegung das grundlegende Werk Borochows, die Plattform in deutscher Sprache nicht erschienen, jen'es Werk, das den Markstein für die Entwicklung des Zionismus von der Utopie zur Wissenschaft darstellt. Das Fehlen des Borochowschen Werkes fügt unserer Bewegung großen' Schaden zu; während unser Wollen auf einer wissenschaftlich' begründeten Theorie beruht, werden wir in der sozialistischen Oeffentlichkeit als Utopisten bezeichnet. Wie viele zionistische Jugendliche sind durch die Beschäftigung mit dem Marxismus von Zionismus abgekommen, weil sie infolge der Unkenntnis von Borochows synthetischer Lehre den Zionismus als etwas Utopisches ansehen zu müssen glaubten. Wenn wir von roter Assimilation sprechen, so sollen wir wissen, daft wir an dem' Tage, an dem Borochows Werk in deutscher Sprache erscheinen wird, den Grundstein für die Vollentwicklung des Arbeiterzionismus und somit für die Verringerung der Assimilation gelegt haben werden. Zionisten-Sozialisten, Poalezionisten, im Namen der Jugend1 fordern wir Euch auf, das Werk' Borochovs der westjüdischen Jugend zugänglich zu machen! Jizch'ak Fertiger. Die produktive Fürsorge der jüdischen Gemeinde in Berlin. Die Fürsorgearb'eif der jüdischen Gemeinde in Berlin erstreckt sich auf Rechtsschutz, Wirtschaftsberatung, Arbeitsnachweis, Berufsberatung, Kleiderfürsroge, Obdachlosen-, DurchWanderer- und Strafentlassenenfürsorge. Besondere Bedeutung kommt der Wirf Schaftsberatung zu, mit deren' Hilfe mitunterWia Liquidierung aussichtslos gewordener Kleinunternehmungen und die Neubegründung von Existenzen durchgeführt wird. Die Rechtschutzabteilung steht Erwerbslosen)' bei der Durchsetzung ihrer Rechtsansprüche an die öffentlichen Wohlfahrtinstitutionen zur Seite. '. .. Besondere Bedeutun'g kommt angesichts des Anwachsens der Arbeitslosigkeit dem Arbeitsnachweis der jüdischen Gemeinde zu. Einerseits macht sich in! kaufmännischen Betrieben immer mehr eine all'gegemeine Altersgrenze von etwa 35 Jahren für die Aufnahme von' Angestellten geltend, andererseits stößt die Unterbringunig jüdischer Arbeitsuchender auf besondere Schwierigkeiten, die noch dadurch1 erhöht werden1, daß' immer mehr Unternehmungen! die Aufnahme von Juden grundsätzlich' abnehmen. Trotzdem ist es dem Arbeitsamt gelungen, eine verhältnismäßig große Anzahl von Stellensuchenden unterzubringen. Das Arbeitsamt ist bemüht, möglichst viele Arbeitsuchende heanzuziehen, um die Bedürfnisse der Arbeitgeber durch entsprechende Auswahimöglichkeit auch^qualitativ in hohem Maße befriedigen zu können. Die fortschreitende Verarmung bisher begüterter Schichten des Berliner Judentums hat die Errichtung einer eigenen Abteilung für Arbeitsuchende höherer Angestelltenkategorien notwendig gemacht, die anfangs des nächsten Jahres eröffnet werden wird. Auch die Berufsberatung, durch deren vorbeugende Fürsorge das weitere einströmen von Juden in überfüllte Berufe verhindert werden soll, hat sich veranlaßt gesellten, neben ihrer Hauptstelle in der Auguststraße im Berliner Norden in der Fasanenstraße eine Nebenstelle für die westlichen Bezirke zu errichten', die steigende Frequenz zeigt. Die Berufsberatung hat im Jahre 1926: 603; 1927: 919; 1928: 951; 1929 : 968; bis 30. September 1930: 882, insgesamt 4323 Kinder in Lehrstellen untergebracht und ihre Ausbildung überwacht. — Die Berufsberatung der Jüdischen Gemeinde steht in dauernder Verbindung mit den städtischen Berufseignungsprüfungsstellen. Die produktive Fürsorge der Gemeinde wird durch Notstandsarbeiten ei-gänzt.' So wurden in dem Sommermonaten am jüdischen Friedhof in Weißensee 180 bis 200 jüdische Arbeiter herangezogen' und in der Kleiderkammer, die für den1 Bedarf der vom Wohlfahrtsamt betreuten! Personen an Kieidungs- und Möbelstücken! zu sorgen h'a.tj werden-. 30 Personen täglich mit der Herrieftturfg alter Kleider und Möbel beschäftigt Der Kleiderkammer sind Schneider-, Schuhmacher-, Polster- und Tischlerwerkstätten angegliedert. Ferner besteht eine Nähstube, in der jüdische Frauen zum selbständigen Erwerb durch' Näharbeiten geschult werden. Die Obdachlosenfürsorge betreut monatlich etwa 200 jüdische Obachlose. Die Strafentdlassenenfürsorge ist bestrebt, dem entlassenen Strafgefangenen den Uebergang ins Leben zu erleichtern. Sie verschafft ihm! Wohnung, macht ihn also seßhaft und verhilft ihm wieder zu einem Erwerb, sei es zu einer Arbeitsstelle oder zu selbständiger Tätigkeit. Eine eigene Herberge der Jüdischen Gemeinde ist im Bau. Eine besondere Stellung nimmt die jüdische Waroderfürsorge dn. Deutschland ist einerseits Durchzugsgebiet für ausländische Juden', die aus dem Osten nach Uebersee auswandern, andererseits findet eine Abwanderung deutscher Juden ans den Kleinstädten in die Großstädte statt. In neuerer Zeit ist auch1 eine Auswanderung deutscher Juden nach Uebersee zu konstatieren. Die Wanderfürsorge hat im abgelaufenen Jahre durch Ausgabe von etwa 2000 Fahrkarten: einen wesentlichen Beitrag zu den Reisekosten der Durch- und Auswanderer geleistet. Schließlich' ist die Gemeinde stark auf der jüdischen Darlehenskasse G. m. b. H. beteiligt, die Darlehen nach kaufmännischen Gesichtspunkten gewährt. Die Kasse hat i. J. 1928: 194.000, 1929: 198.000 und 1930: 210.000 Mark Darlehen ausgegeben. Die Rückzahlungsummen betrugen 1928: 183.000, 1929: 182000 und 1930 trotz der verschräften Wirtschaftskrise 160.000 Mark. Für diese umfangreiche Fürsorgetätigkeit reichen die eigenen Mittel der Gemeinde nicht aus. Es ist dringend notwendig, da ßdie Wohlfahrtsarbeit der Gemeinde in weit höherem Maße als bisher von privater Seite gefördert werde. Vortrag Goldelmann. Unter dem Vorsitz des Herrn Pr. Goldhammer, veranstaltet die Liga für das arbeitende Palästina einen1 Vortrag des Gen. Prof. Goldelmann' über jüdische Arbeiterpolitik in Palästina. Wir werden auf diesen Vortrag noch zurückkommen/ Ring des „Jüd. Arbeiter". Gen. Paul Rohrlich1 spenjdef S 2.— und ruft' zu weiteren Spenden auf: Dr. Stefan Arttol, Norbert Popjk, Josef Schuler, Nathan Kohl, Leopold Finsterbusch1, Dr. Simon Berger, Ing. Baumanni, Dr. Wolf Herzberg, Dr. Leo Alsen, Dr. Egon Rohrlich1, Herman Fuchs, /ilng. Adolf Faber, Dr. Karl Schärf, Abr. Schapira, Krasnowelsky, Bazar Wien1. Gen. P. Silberherz spenjdet S 2.— und ruftizu weiteren Spenden auf: Abr. Bloch, Zwi Kanner Josef Kohn, Dr. Steinberg. * ist Ätoiati '»tkriörcr t> 2.— Weltbewegung. Polen. Die Partei bereitet jetzt die Kultusgemeindewahlen vor, an welchen der „Bund" nicht mehr teilnehmen wird. Die .Wahlen werden Ende April stattfinden, es' wird in allen Gemeinden Kongreßpolens neu gewählt werden. Die Hauptkämpfe werden in Warschau, Lublfn, Pietrikov und Ploz'k ausgefochten werden. Eme Schwierigkeit ergibt sieft durch das Zusammenfallen von Gemeinde- und Kongreß wählen. Die Agudah wird auch bei dem Gemeindewahlkampf von der Regierung unterstützt werden. Schon jetzt wirkt sich das Bündnis zwischen Pibudskys Blutregime und der Aguda aus, indem eine Verordnung der Regierung bestimmt, daß denjenigen das Wahlrecht genommen werden könne, der gegen die Religion aufgetreten ist; so kann jeder, der nicht der Agudah oder der Misrachi angehört, um' sein Wahlrecht kommen. Unter der Leitung des Genossen Neustadt wird eine P.-A.-F.-Aktion vorbereitet. Unter dem Druck der wirtschaftlichen Verhältnisse mußte die Partei das Erscheinen ihres Organs1, der ^Befreiung", zeitweilig! «insteilen. Nunmehr erscheint die Zeitung aber wieder. Litauen. Außer der Parteipropagandä führt unsere Organisation energisch die Schekelaktiön, die Pafaktion und die Arbeit für den politischen Fonds durch. Die politischen Verhältnisse im Lande legen ihrer Arbeit große Hindernisse in den Weg, es ist ihr unmöglich, eine legale politische Tätigkeit zu betreiben. Sowohl die Partei, als auch die Jugendorganisation ist stark gewachsen. Seit kurzem gibt die Partei «in Zweiwochenblatt heraus. Ungarn. Vorläufig besteht eine Organisation in Budapest, die sich außerordentlich gut entwickelt. Die Vorträge — zwek mal in der Woche — werden sehr gut besucht. An der §cheke!aktio.n;hat dje Partei» stärksten Anteil .genommen,