Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 8 (1931)
- Issue
- Heft 4 (13.3.1931)
- Date
- 1931-03-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Der jadische Arbeiter Seite 3. Wirtschaftliche Heißwasserbereitung für Küche w\d Bad mit dem Elektro-Heißwasserspelcher (Sonderausführung der Elektro-Küchenspeicher) betrieben mit ermäßigtem Nachtstrom. Seine Arbeitsweise ist hygienisch, bequem, sauber und gefahrlos» Besichtigen Sie die Musteranlagen in der vollständig umgestalteten S T E W E der ständigen Ausstellung der städt Elektrizitätswerke, Wien» IX., Marianneng* 4 Werktäglich geöffnet von 9 bis 17 Uhr, Telephon A-24-5-40. Bestellungen auf die Ausführung vollständiger Speicheranlagen — auch gegen Teilzahlungen — nehmen die für die Erricntung solcher Anlagen ermächtigten Installationsf irmen, wie auch die Direktion der städtischen Elektrizitätswerke entgegen. nacht vielmehr gleichzeitig bestehende Grund tatsach'en des gesellschaftlichen Lebens? Nur ein wirklichkeitsblinder, ungeschichtlich denkender Mensch kann an der Tatsache blind vorbeigehen, daß die Völker die Injdividuen der Menschheit sind, innerhalb welcher der Klassenkampf sich als geschichtsbildende Kraft auswirkt. An unseren kosmopolitischen Doktrinären ist nicht nur die Kulturgeschichte und politische Geschichte der Menschheit, sondern auch die Geschichte des Sozialismus spurlos vorbeigegangen, in deren Blättern sie wahrlich erschütternde Beweise der Macht des Volkstums hätten finden können. Denkt Genossen an die Geschichte der österreichischen Sozialdemokratie innerhalb der Monarchie: wie haben sich •da die sozialistischen Kosmopoliten gegen die Auswirkung der Tatsache des Volkstums, der spezifischen Lebensformen der verschiedenen Völker innerhalb der Arbeiterbewegung gewehrt, umsonst, der Separatismus hat gesiegt! Und noch vor dem staatlichen Zerfall des österreichischen Nationalitätenstaates hat das •nationale Organisatüonsprinzip innerhalb der politischen und gewerkschaftlichen Arbeiterbewegung gesiegt! Und kämpft nicht die belgische Sozialdemokratie heute mit demselben Problem? Setzt sich dort nicht heute auch innerhalb' des Staatswesens und innerhalb der Arbeiterbewegung das nationale Prinzip durch? Aber um auch ein Beispiel aus der jüdischen Vergangenheit ins Auge zu fassen: die Geschichte des „Bund", der großen jüdisch-sozialdemokratischen Arbeiterbewegung des Ostens ist vor allem als Weg von der kosmopolitischen zur nationalen Anschauung zu kennzeichnen. Der Weg des „Bund" von der technisch-agitatorischen Rechtfertigung seiner Existenz bis zum Kampf um die nationalkulturelle Autonomie, von seiner Leugnung der poalezionistilschen These vom1 all weltlichen Charakter der sozialen Frage der jüdischen Massen zur Teilnahme seiner hervorragenden Mitglieder an der allweltlichen jüdischen Sozialpolitik, diese Entwicklung bedeutet den Sieg der nationalen Realität über kosmopolitische Ideologie. Und nun, um noch' die Beweiskraft des größten Ereignisses unseres Zeitalters, der russischen Revolution heranzuziehen: die Nationalitätenpolitik Sowjetrußlands, die allen Völkern der Union die Möglichkeit zur Entwicklung ihrer nationalen Kultur gegeben hat, sie ist wahrhaft ein gewaltiges geschichtliches Beispiel des Sieges und der Macht der Tatsache des Volkstums! . Durch unmittelbares Erlebnis, aber auch aus der Geschichte lernend sind wir Poale-Zionisten zu unserem positiven Verhältnis zum' Volkstum im allgemeinen, zu unserem Volkstum im besonderen gekommen! Wir bejahen unser Volkstum wie es alle internationalen Sozialisten der anderen Völkern tun, aus •unserem Willen zum Dasein, als Menschen und Juden; wir machen es aber auch zur Grundlage [unserer politischen Aktion auf Grund unserer Erkenntnis, daß die Lage der proletarischen und jmuperisierten jüdischen Massen eine besondere, ihr angepaßte jüdische Sozialpolitik erforderte. Das bedeutet natürlich1 nicht, daß die jüdische Arbeiterschaft an dem1 Klassenkampf des Proletariats des Volkes, in dösten Mitte sie lebt, nicht teilnehmen solle: wir Poale-Zionisten Traben in allen Län,dern tausendfach durch unser Wirken bewiesen, daß wir die Schicksalsgemeinschaft der Proletarier aller Völker blutig ernst nehmen, und auch unser verbissenster Gegner wird uns nicht Drückebergerei im Klassenkampf vorwerfen können. In allen Ländern, wo es poalezionistische Grup pen gibt, haben wir .der sozialistischen Bewegung wesentliche Teile der jüdischen Bevölkerung zugeführt. Wir können uns aber mit dieser Teilnahme am Kampfe unserer nicht jüdischen Genossen' nicht begnügen: unser natürlicher, unbegründeter, weil grundsätzlich unbegründbarer Wille zur Erhaltung des jüdischen Volkes, unsere Erkenntnis von der Notwendigkeit einer besonderen, den Bedürfnissen der jüdischen'1 von) den rund 1 Million metrischen Dunam, die im Massen entsprechenden Sozialpolitik rechtfertigen eine Besitz jüdischer Kolonisationsanstalten sind, nur etwa besondere Organisationsform des jüdischen Proletadie Hälfte besiedelt ist. riats, den Poale-Zionismus. Die Erhaltung unseres' Wenn wir bei der Schätzung der Gesamt-Anbau- Volkstums erfordert eine spezifische jüdisch-proletarifläche West-Palästinas die Angaben der Regierung zusehe Kulturarbeit. Die sozialen und wirtschaftlichen gründe legen, so ergibt sich ein anbaufähiger Boden Interessen der jüdischen Massen erfordern die Einim Hügel- und Gebirgsteil Palästinas von rund 430.000 cp»f-7ltnrf iinoArw rvrrr'jnioiArtAn I^i-off -Pi'if <4?a Pw-irlnlrfJ_ Hf»lrt«Jr Ate olnA aUvm OA WTn Af\ r>~~_„-..i -i__f~\_t_;__ Setzung unserer organisierten Kraft für die Produktivierung derselben, für die Normalisierung der wirtschaftlichen Struktur des jüdischen Volkes, deren vollkommene Durchführung in einer volkserhaltenden 'Form nur in Erez Israel möglich1 ist. Niemals ist Wille zur nationalkulturellen Behauptung als unvereinbar mit der Idee des Sozialismus betrachtet worden; bei allen erwachenden Völkern hat das Proletariat im Befreiungskampfe die Führung gehabt. Sollen wir jüdischen Arbeiter und Angestellten der Paria innerhalb unseres um seine Erneuerung ringenden Volkes sein, soll es uns benommen sein1, innerhalb unseres' Volkes für das Ideal des Sozialismus zu kämpfen, sollen wir den Aufbau der jüdischen Gesellschaft in Palästina der jüdischen Bourgeoisie überlassen? Wir werden das nicht tun, weil wir es als unnatürlich und absurd empfinden, unseren Klassenkampf gerade dort zu unterbrechen, wo unsere ureigenste Basis für ihn beginnt, weil wir es als Verrat an der Internationale betrachten würden, wenn wir im; jüdischen gesellschaftlichen Leben kampflos die Hegemonie der sozial- und kulturreaktionären Kräfte anerkennen würden! (Schluß folgt.) M. P. Hektar, das sind etwa 30 bis 40 Prozent des Gebirgfclandes Palästinas, eine Schätzung, die viele Fachmänner in Palästina als sehr vorsichtig und bescheiden .betrachten. Weniger verläßliche Annahmen haben wir in Bezug auf Trans-Jordanien, müssen uns aber auf Schätzungen dort verlassen, die im Anbauland Westpalästinas gemacht wurden. Daraus ergibt sich, daß von den 150.000 Quadratkilometern etwa zwei Drittel, d. h1. 100.000 Quadratkilometer anbaufähig sind. Nach den jüngsten Untersuchungen der Experten der Jewish Agency kann man annehmen, daß davon 40.000 Hektar im Ost-Jordanland bewässerbarer Boden sind; der Rest ist unbewässerbares Getreide- und Pflanzungsland. So kommen wir zu dem Resultat, daß wir in! Palästina im Westen eine Anbaufläche von etwa 11.5 Millionen metrischen Dunam und im Ost-Jordanland 10 Millionen metrische Dunam besitzen, d. h. zusammen 21.5 Millionen metrische Dunam oder 2,150.000 Hektar. Es entsteht nun die Frage: wie errechnet man die Siedlungsfähigkeit einer solchen' Anbaufläche? Welche landwirtschaftliche Bevölkerung kann auf einer solchen Fläche angesiedelt werden? Wojtinsky hat unlängst gesagt, daß ein Betrieb' von 5—10 ha in Amerika als Zwergbetrieb* betrachtet wird, in Europa als Mittelbetrieb gilt und in Japan ein Großgut darstellt, das für mehrere Familien aufgeteilt werden könnte. Natürlich1 kann nicht überall .eine Familie von 5 ha existieren; das ist ein Durchschnattsmaß. Es gibt sowohl viel kleinere, als auch1 viel größere Betriebe. Es scheint aber, daß 'dieses Purchschnittsmaß in den meisten Ländern Europas mit den modernen Einrichtungen, der Bodenbewirtschaftung! bereits erreicht wird. Was Palästina betrifft, so ist die Bodennorm einer Fellachenwirtschaft auch heute 80—100 Dunam, d. s. 7—9 ha. Es gibt Gegenden, wo die Fellachen auch1 150 Dunam bearbeiten, dann aber noch einen fremden Arbeiter mitbeschäftigen. Wir haben' in einer Getreidezone, wo früher jüdische Kolonisten auf 200 bis 300 Dunam siedelten, durch1 den Ausbau des gemischten Wirtschaftstypus die Bodeneinheit auf 8 bis 12 ha herabgedrückt. In der bewässerten Zone der Küstenebene existieren schon heute Kolonien auf der Basis einer Bödennorm von 50 Dunam, 25 Dünam und 20 Dunam, d. h'. von 5—2 ha. Es handelt sich hier um Gebiete wie Magdiel, Herzliah, En Gänim, Nachlath Jehuda. Ich1 brauche nicht zu sagen, daß gerade die kli- S. Kaplansky: Die Aufnahmefähigkeit Palästinas; Das Problem der Bevölkerungskapazität Palästinas ist anläßlich desi Briefes Macdonalds und der besorgniserregenden arabischen Gegenkundgebungen von außerordentlicher Aktualität. D,'e Red. . Die Auseinandersetzung, über die Eignung Palästinas, „die -Heimat eines ansehnlichen Teiles des Judenvolkes" zu werden, ist so alt, wie der moderne, politische Zionismus und war stets besonders heftig innerhalb der jüdischen Arbeiterbewegung. Schon vor Jahren mußten wir uns gegen den Versuch unserer jüdischen Gegner wehren, „die Neubesiedlung Palästinas durch die Juden als eine Enteignung und Verdrängung der arabischen Fellachen, die' Zionismus als einen nationalistischen Eroberungszug hinzustellen". Denn wenn es richtig wäre, daß die Verwurzelung jüdischer Ansiedlermassen in Palästina nur durch die Entwurzelung arabischer Massen möglich wäre,' dann stünden wir vor einer moralisch', ebenso i wie politisch und ökonomisch unlösbaren Aufgabe, und es wäre müßig, über den geschichtlichen Wert manschen Bedingungen Palästinas in der'Küstenebene eines jüdischen Palästina zu streiten. und im Jordantal eine ^Intensivierung der Landwirt- Die Diskussion, insbesondere über diesen zweiten scna^ begünstigen. Aspekt des jüdischen Siedlungswerkes, ist im letzten L Es er^bt sic^ ,daßi wir auch in Palästina': mit Jahre von einer innerjüdischen zu einer internatio-1 d.er Arbeitsnorm von 5 ha Durchschnittsmaß als für ~* ~' * " ~eine Familie ausreichend rechnen dürfen. Auf der berechneten Anbaufläche können also etwa 437.000 nalen geworden. Die These, daß Palästina eigentlich ein dicht genug besetztes Land sei, und daß daher, .,. wr. , „ die Niederlassung von Juden zu einer Wirtschaft- Familien-Wirtschaften errichtet, d. h. 2,150.000 Seelen K~U^~, __u___,~ a —___'a__:~._________r->__ "Ii - prlnul+pn. w/*>rrlAni \Y/pnn wnr r\\r* hrnttA övic+ioranirtari' liehen Bedrohung der ansässigen arabischen Bevölkerung werde, fand die Anerkennung der Mehrheit der bekannten1 Shaw-Kommission, gegen; die abweichende Meinung von Harry Snell. Wollen wir also erneut untersuchen, ob unser Werk in Palästina Verdrängung oder Verdichtung der Bevölkerung bedeutet, Eroberung zwecks Ausbeutung oder Erschließung zwecks neuer Blüte und höheren Wohlstandes für beide Volksstämme im Lande Wir wollen die Kolonisationsmöglichkeiten Palästinas innerhalb der politischen Grenzen des Mandatsgebietes untersuchen. Innerhalb des Mandatsgebietes mache ich keinen Unterschied zwischen Westpalästina und dem Ostjordanlarid. Wenn wir von der wirtschaftlichen Fassun'gsfähigkeit dieses Landes sprechen, so gehe ich aus von der landwirtschaftlichen Kapazität; denn die Agrarbasis der jüdischen Kolonisation ist nach meiner Auffassung der primäre Faktor. Ich will das hier jetzt nicht näher begründen, nehme aber an, daß;Sie mit meiner Voraussetzung einverstanden sind. Handelt es sich aber um die landwirtschaftliche Ansiedlungskapazität, so müssen wir feststellen, welches die Anbaufläche Palästinas ist, sowie die Größe des kulturiähigen Bodens. — Darüber liegen Schätzungen der Palästina-Regierung vor. Sie wissen, daß die Palästina- Regierung auf eine Anfrage im1 House 6f Lords vor 5 Jahren erklärte, daß die Anbaufläche auf 12.5 Millionen metrische Dunam zu schätzen sei. Davon sind 1.5 Millionen Dunam im Besitz von Juden und Nichtarabern, . . 2.5 Millionen kulturfähig und unbebaut, 9 Millionen in arabischem Besitz, Von diesen 9 Millionen Dunam, die sich in arabischem Besitz befinden, sind 6 Millionen Dunam kultiviert, 3 Millionen liegen . brach. So schätzt die Palästina-Regierung, daß in Westpalästina nur etwa die Hälfte der anbaufähigen Fläche von arabischen Grundbesitzern und Fellachen bestellt wird; während 5.5 Millionen Dunam brachliegend oder unbebaut sind. Ich will dazu bemerken, daß auch erhalten werden. Wenn wir die heute existierenden arabischen und jüdischen Betriebe in Westpalästina und dem. Ostjordanland .zusammenzählen, .und wenn wir die Hälfte der Landwirtschaft treibenden Beduinen hinzurechnen, ergibt sich, daß es möglich ist, die Landwirtschaft treibende Bevölkerung zu verdreifachen, d. h. es ist Raum für 2,10Q.0Q0. Seelen. 1 Wenn wir in den bewässerten Zonen von einem, Durchschnitt von 2 ha ausgehen, -hingegen' in den un bewässerten Zonen von einem1 Durchschnitt von 10 Hektar, wenn wir in Gegenden, wo die Möglichkeiten noch nicht erforscht sind, von einer größer ren Einheit — von. 30 ha — ausgehen und so die landwirtschaftliche Fassungskraft der Küstenzone von heute berechnen, können wir auf Grund der erprobten Typen zu der Möglichkeit, in Palästina etwa 275.000—280.000 landwirtschaftliche Betriebe anzusetzen. Das heißt, es wäre als nächster Schritt bereits eine Verdoppelung der landwirtschaftlichen Bevölkerung Palästinas möglich. Wir kommen zu dem , Schluß, daß die landwirtschaftliche Kapazität Palästinas es uns ermöglicht, Hunderttausende von landwirtschaftlichen Betrieben zu errichten, ohne eine einzige Fellachenwirtschaft zu verdrängen oder zu enterben, d. h. es besteht die Möglichkeit einer. Verdoppelung und späterhin einer Verdreifachung der landwirtschaftlichen Bevölkerung. In Europa ernährt in den meistern Ländern' 1 Bauer 2 Städter. Das Verhältnis von 33 Prozent Landwirtschaft zu 66 Prozent Stadt ist in Europa sehr wohl bekannt. Wenn wir diesen Koeffizienten ansetzen, wird sich ergeben, daß, je nachdem ob die Landwirtschaft 30 oder 25 Prozent bildet, das heutige Mandatsgebiet eine Bevölkerung von 5—7 Millionen Seelen ernähren könnte. Ich glaube, mit ruhigem Gewissen ..auf Grund unvoreingenommener wirtschaftlicher Forschungen sagen zu können; Wir haben uns nicht getäuscht und keiner Illusion hingegeben, wenn wir sagten, daß Palästina nicht-nur als* Lösung der Judehfrage notwendig ist, sondern daß es auch1 imstande sein wirej,