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Der Jüdische Arbeiter · 1931-03-13 · Heft 4 (13.3.1931) · page 4

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
8 (1931)
Issue
Heft 4 (13.3.1931)
Date
1931-03-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seife 4. Der jüdische Arbeiter idie wirtschaftliche Not der jüdischen* Massen, ihren Drang nach' Arbeit und wirtschaftlicher und sozialer .Erneuerung tu befriedigen. Wir können unseren Kampf mit ruhigem Gewissen fortsetzen: diese -Verwurzelung bedeutet nicht eine Verdrängung, Enterbung oder Bedrohung der ansässigen, arabischen Bevölkerung, sondern eine Verdichtung, eine Erhebung zu höherem, gemeinsamen Wohlstand beider Völker im' Lande. Die Verletzung der religiösen Gefühle und die Neutralität des Keren Kajemeth. ' * Am 16. Februar fand in Wien eine von der gesamten zionistischen Jugend veranstaltete Akademie zugunsten des „Keren-Kajemeth'' statt. Unter anderem wurde ein Sprechchor „Drei Geschlechter" aufgeführt. In; diesem Sprechchor gibt es eine Stelle, die eine Auseinandersetzung von Chaluzim rrtft den vor der Klagemauer betenden Juden enthält. Die Chaluzim vertreten den Standpunkt der nationalen: Tat, die zur Renaissance des jüdischen Volkes führt, während die Klagemauer-Juden auf Gott allein vertrauen, daß er den. Meschiach senden werde. Das Problem ist nicht neu, die Form der Diskussion loyal. Die „Misrachi-Jugend" fühlte sich aber trotzdem in ihren religiösen; Gefühlen verletzt. Die Ueberempfirtdlich'keit der Religiösen ist immer ein Zeichen, daß ihre Religiosität nicht ganz Test sitzt, aber schließlich 'kann auch1 die Misrachi-Jugend dagegen nur seTir wenig erreichen. Wichtiger ist für uns, daß die Wiener Leitung des „Keren-Kajemeth" es für notwendig gefunden hat, sich bei der Misrachi-Jugend für diesen „Vorfall'' zu entschuldigen und zu beteuern, daß sie darüber wachen wird, daß sich solche Vorfälle nicht mehr ereignen. Hat die Leitung des „Keren» Kajemeth" diesen „Vorfall" untersucht? Hat man in der Auseinandersetzung eine Verletzung der religiösen Gefühle festgestellt?, Wenn ja, ersuchen wir, den Nachweis dafür zu liefern. Sollte aber für die Leitung des „Keren! Kajemeth" eine Verletzung der religiösen Gefühle vorliegen, wenn) die Misrachi-Jugend eine Stelle als solche empfindet, dann müßten wir uns dagegen verfahren. Das. wäre ein sehr bedenkliches Präjudiz. Verletzen kann man schließlich' nicht nur die religiösen Gefühle, sondern z. B. auch die Gefühle der revisionistischen': Rasse, um mit Jabotinsky zu sprechen. Wie kann der;,Keren-Kajemeth" dem vorbeugen? Die Neutralität,(des K. K.. darf ja schließlich' niclrt so gedeutet; werden1, daß die Gruppe „Gdud Zeirim'' ihre Anschauungen vor denen der Misrachi zurückstellen muß. Die Leitung des K. K. muß neutral, in dem $hme neutral sein, daß für sie nicht die Weltanschauung, nicht die politische Orientierung, sondern nur der Wille und1 die Entschlossenheit ihrer Mitarbeiter, den K. K. zu fördern, maßgebend sein darf. Im Erfüllung ihrer,Neutralitätspflicht hat sie den verschiedenen Gruppierungen beizubringen, daß ihr alle willkommen sind, alle Gruppierungen im Geiste der gegenseitigen Toleranz zu erziehen. Sie darf aber keiner Gruppe das Recht einräumen, die Einstellung der anderen Gruppe ausschalten zu können. Die Sitten der reaktionären Feinde des pazifistischen Remarque-Films dürfen sich in unseren Reihen, und insbesondere beim „Keren-Kajemeth", nicht einbürgern. M. S. Genosse juris in Wi\ n. Unser Freund und Genosse Juris' (Palästina) ist soeben in Wjen eingelangt. Genosse Juris war in der Kriegszeit in unserer Organisation führend tätig, und hat in den Vorpostengefechten der österreichischen Revolution (Jännerstreik) entscheidende Funktionen ausgeübt. Wir begrüßen Gen. Juris aufs herzlichste! Aus unserer We'tbewegung. Poale-Zcon und Bund foe| der Sitzung! der Exekutive der Sozialistischen Internationale- Bei der am 21. und 22. Februar in Zürich stattgefundenen Sitzung der Exekutive der Internationale war unser Verband durch Gen. Jahrblum, der Bund zum ersten Male durch Gen. Alter vertreten. Im Bericht des Sekretariats hat Gen. Adler über den Protest der jüdischen Arbeiterpartei Palästinas gegen das Weißbuch und ihren Sieg bei den Wahlen 2Ur Nationalversammlung gesprochen. Genosse Alter hat in der ersten Sitzung eine zionismusfeindliche Erklärung abgegeben: für die jüdischen Massen gebe es nur einen Weg, den gemeinsamen Kampf mjt den Proletariern der anderen Nationalität, und deshalb bekämpfe der Bund die nationalistische Utopie des Zionismus, der ein bürgerliches Ideal sei. Im Verlaufe der Diskussion sprach Gen. Jahrblum, der die Ausführungen des Gen. Alter dahin richtigstellte, daß an der Protestbewegung große Massen jüdischer Arbeiter insbesondere in Amerika teilgenommen haben, jüdische Arbeitermassen, die außerhalb der zionistischen Organisation stehen: das ist der beste Beweis, wie unrichtig die Behauptung des Gen. Alter sei, daß der Zionismus ein rein bürgerliches Ideal ist. Gen. Jahrblum dankte der Labourparty, insbesondere den Gen, Henderson und Gillies, für ihre Anteilnahme an Unserem Kampfe. Wir haben, sagte Jahrblum, auch in der schwersten Stunde unser Vertrauen zur englischen Arbeiterpartei nicht verloren, und sind im Wahlkampf in Whitechapel für ihren Kandidaten eingetreten. Jahrblum spricht von dem schweren Wahlkampf der palästinensischen Partei, die, von Faschisten und Kommunisten heftig bekämpft, einen großen Sieg errungen hat. Schließlich kommt Gen. Jahrblum1 auf die Lage in Polen zu sprechen : „Ich bedaure, daß es zu keinem einheitlichen sozialistischen Block gekommen ist. Ich will die Politik der P. P. S. nicht verurteilen — vielleicht war ihre Taktik die bestmögliche im Kampfe gegen die Diktatur, aber es ist doch Tatsache, daß sich die P. P. S. mit nationalistischen, antisemitischen Parteien vereinigt hat, mit welchen die jüdischen sozialistischen Parteien niemals gehen können, und dies hat zu einem besonderen Block dreier sozialistischer Parteien geführt. Wir sind mit dem Bund gegangen, trotz seiner antizionistischen Stellung, weil es sich um die maximale Nutzbarmachung unserer Kräfte gehandelt hat. Ich hoffe aber, daß es schließlich doch1 gelingen wird, einen einheitlichen sozialistischen Block zu schaffen. Gen. Gillies von der englischen Arbeiterpartei gab seiner Freude über die Rede Jahrblums Ausdruck: die Arbeiterpartei habe das Weißbuch immer so verstanden, wie es Macdonald jetzt interpretiert habe. Er werde der Arbeiterpartei die Enklärung Jahrblums überbringen und hoffe, daß nunmehr alle Mißverständnisfse beseitigt seien. Die Scheke!aktion> Es kann — wie das Vefbandsbureau in einem Bulletin berichtet — festgestellt werden, daß alle Parteien unseres Weltverbandes die Schekelaktion mit größter Energie durchführen. Besonders hervorzuheben ist dje energische Tätigkeit unserer Genossen in Bessarabien, auf diesem Gebiete, wo wir bis in die letzte Zeit nur schwache Organisationen gehabt haben, die aber trotzdem eine außerordentlich breite Schekelaktion durchgeführt haben. Dasselbe gilt auch von unseren Organisationen in der Bukowina, so daß wir alle Aussicht haben, in Neurumänien ein Mandat zu erobern. Eine starke Schekelaktion hat auch' die litauische Partei durchgeführt, die hofft zwei Mandate zu erkämpfen. Zu den Parteien, die auf dem Gebiete der Schekelpropaganda eine besonders intensive Aktivität entwickeln, gehört auch Belgien. Alles in allem kann gesagt werden: hätten die Kongreßwahlen jetzt stattgefunden, hätten wir nicht nur keinen Mandatsverhist erlitten, wir hätten vielmehr zumindest drei Mandate gewonnen. Der Wiahiblock. Die Verhandlungen wegen der Schaffung eines Wahlblocks mit der Hitachdut und deml Schomer gestalten sich ziemlich schwierig, doch' kann mit einem1 endlichen Erfolg gerechnet werden. Lettland. ' In Lettland hat die' Vereinigung unserer Partei mit der dortigen, dem Weltverband Hitachdut angehörenden Zeire Zion stattgefunden. Aus' den Rundschreiben der neuen Partei ist zu ersehen, daß sie auf eine eigene politische Tätigkeit Wert legt und ihren Organisationen jedes Bündnis mit bürgerlichen Gruppen verbietet. Ohne Zweifel werden unsere lettländischen Genossen sich ihrer proletarischen, Pflicht bewußt bleiben und die Bedeutung des Weltverbandes Poale-Zion als der führenden Kraft im Kampfe um; die Ziele des proletarischen Zionismus anerkennen. Polen. Unsere polnische Bruderpartei hat eine breite und intensive Offensive gegen den Revisionismus eröffnet. Kürzlich hat in Warschau eine große Kundgebung in Form eines öffentlichen Gerichtes gegen den Revisionismus stattgefunden, die glänzend gelungen ist. Es werden ähnliche Veranstaltungen in der Provinz stattfinden. Wie bekannt — der „jüd. Arbeiter" hat darüber berichtet — ist unsere Partei aus der zentralen jiddischen Schulorganisation ausgetreten, und ist der zweiten Organisation des Schulkult beigetreten, die in ihren Schulen auch' der hebräischen Sprache den gebührenden Platz einräumt. Der Schulkult zahlt heute 32 Schulen, davon sind 27 von unserer Partei gegründet. Von diesen Erziehungsanstalten sind 15 Kindergärten und 17 Schulen. Außerdem sind dem Schulkult 60 Bibliotheken angeschlossen, von welchen die Mehrheit Parteibibliotheken sind. Ate besonderer Erfolg unserer Arbeit darf die Gründung unserer Schule in Warschau auf den Namen Schalom Aschfs bewertet werden! Die jetzige ökonomische Lage hat aber den Schulkult in eine schwierige Lage gebracht, und hat sein Schulwesen in größte Gefahr gebracht. Der jüdisch-nationale Arbeiterverband in Amerika ist jetzt dem' Schulwesen zu Hilfe gekommen, leider ist aber seine materielle Hilfe nicht genügend groß. Der Schulkult bereitet gegenwärtig eine Auslandsaktion vor. Das politische Prestige unserer Partei ist gewachsen. Insbesondere ist unsere Warschauer Organisation gewachsen, sie ist im Begriffe, sich ein neues großes Heim zu schaffen. Wien. ProipAgiaindawochen. Den Höhepunkt der bisherigen Veranstaltungen bildete der Vortrag des Prof.- Theodor Lessing über Sozialismus und Zionismus, der einen Massenbesuch aufwies. Den Vorsitz führte Gen. Dr. Bernay. Die zentrale Frage unserer Situation sei, führte Prof. Lessing aus, ob beide Ideenkreise vereinbar sind oder einen Gegensatz bilden. Herzls Politik war eine solche mit bürgerlichen Mitteln, und auch heute besteht die Gefahr der Verbürgerlichung für den Zionismus; demgegenüber negiere Marx die Arteigenheit des Judentums1, das er nur als eine mjt dem Kapitalismus schicksalsmäßig verbundene Fortschrittsklasse betrachtet. Auf dem Boden des Nationalismus gibt es für die Judenfragc keine Lösung, weil es auf diesem Boden überhaupt keine Lösung, sondern nur Krieg geben kann. Andererseits ist die Assimilation eine Utopie, Judentum' ist mehr als Konfession. Wir bejahen die Erhaltung des Judentums, weil wir nötig sind, weil wir nur als Juden wahrhaft Träger der sozialistischen Idee sein können. In der Debatte wurde Tatsächliches berichtigt und Einwendungen gegen die Methode des Vortrages und die neue Konzeption des Missionsgedankens erhoben, worauf Prof. Lessing ein Schlußwort hielt. Auch die unter Vorsitz des Gen. Dr. Berney stattgefundene Anklageversammlung gegen die Revisionisten war sehr gut besucht. Die Revisionisten waren zu feig, um ihre Politik vor der Oeffentlichkeit zu verteidigen. Die Anklage wurde von Gen. Singer begründet, als Sachverständige fungierten die Gen. Chaim Hofmann und Ing. Krämer. In einer mehr überheblichen als sachlichen Rede verteidigte ein Herr Lustig die revisionistische Politik. Nach einer Schlußrede des Gen. Singer hat die Versammlung fast einstimmig die Revisionisten des nationalen Verrates schuldig gesprochen. Aiftdts'ge'mfcinslchaft dar Jtmg Po|a(lö Zion. Zu Beginn des Arbeitssemesters gründete, wie wir bereits berichteten, die Jugendgruppe der Poale Zion eine Arbeitsgemeinschaft mit dem Bestreben, durch Referate, Diskussionen und Presseberichte in ständigem' Kontakt mit den aktuellen Geschehnissen in der zionistischen Welt zu stehen. Dieselbe findet unter Leitung des Gen. Mendel Singer jeden Freitag abends im' Heim der Poale Zion, Blumauergasse 1, statt. Die momentane Lage im Zionismus, die Stellung der Poale Zion zu den durch das Weißbuch hervorgerufenen Komplikationen sowie der kommende XVII. Zionistenkqngreft bildeten bis jetzt den Gegenstand eingehendster Erörterungen und Diskussionen in der Arbeitsgemeinschaft. Im Rahmen dieser Arbeitsgemeinschaft der Jung Poale Zion wiederholte Gen. TJr. Peller seinen vor kurzem im Hotel Post gehaltenen Vortrag (der J. A. hat darüber einen ausführlichen Bericht gebracht) über die Lage der Juden in der Sowjetunion. In der anschließenden Diskussion vertraten — neben anderen Rednern — die Gen. M. Singer und Ch. Hoffmann den Standpunkt der Poale Zion, der die Bestrebungen der russischen Regierung zur Lösung der Judenfrage in der Sowjetunion anerkennt und begrüßt, jedoch den Versuch der Regierung, den zionistischen Arbeitergedanken zu unterdrücken, aufs Schärfste m i ß b i 11 i g t In seiner Replik ging' Gen. Dr. Peller auf die näheren Fragen ein und damit schloß diese wichtige Veranstaltung, die einem sehr starken Interesse begegnete. Am Freitag, r den 21. y. M. sprach Genosse Glanz über die neue jüdische Enzyklopädie und Genosse Pilzer "über den Macdonald-Brief. Mi F i s c h h e i m e r. JüdWdhle Anbe^elrjugend. Unter diesem Titel gibt die J. S. A. J. eine überaus lesenswerte Monatsschrift heraus. Ring des „Jüd. Arbeiter". Gen. U. Tischler beantwortet die Aufforderung des Gen. Horowitz, spendet S 2— und ruft zu weiteren Spenden auf: Oskar Laufer, Josef Locker, Adolf Locker, Zipkin, Spatz, Jakob Starer, Leo Prostak,. Czaczkes, Dr. Karl Hahn, Habermann, Salomon Lau- Cfer und Leib Einfeld. Gen. Jakob Berger beantwortet die Aufforderung; des Gen. Karl Lederer und spendet S 2.— und ruft zu weiteren Spenden auf: M. Weinraub, Bela Földes, Samuel'Scboenbergy Möschen Horowitz, Max Fischer, Klara Frostig, Robert Grad, Jehoschuah Imber, Kaiman Retter und Karl Friedmann. Dr. Spitzer beantwortet die Aufforderung des Gen. Dr. Bernay und spendet S 2.—. Lebensvers icherungs^Gesellschart PHÖNIX Zentrale: Wien, I., Kiemergasse Nr. 2 Veraicherungsbeatand per Mitte 1930: H 1,430,000 OOO Qarantlemlttel Ende 1929: t* 30O.00o.O00-- Prämlen undZinstnrinnahn en im Jahn-1929 m 2 .000.000- Au8Z<blungen an die Versicherten im Jah e 1921: 8 30 Süo.OOO'— TÄTIGKEITSGEBlfcT: Oes erreich, Deuthchet» Reich, F ankreich, Belgien, Holland, Italien Spanien, cechoslov. Repuoltk, Polen, Ungarn, Jur siavien, Bulgarien.Grie henland Türkei,Aegypten, Palästina. Pensions-Versicherung Neu« mit Rentenansamm,ung (Rentenbezug beim 55., 60 oder 65. Lebensjahr oder bei frühe, er BERUFS-UNFÄH»OKFIT Monatliche Prämie. Sofonige Unveifenbarkeit.) gemeinschaftlich mit der Versicherungs*AkMen* Gesell schalt früher PENSIONS-VEREIN für Handel, Industrie und Gewerbe Wien« I» Schellinggasse Nr. 1 m&mwx-. lugentUroer, Verleger, Herausgeber u. verantwortl. Redakteur: Franz Lustig, Elektromonteur, Wim, VI, Stiegeng, 16. — Druck: „Adria", Wien, II., Taborstr. 52b.

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