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Der Jüdische Arbeiter · 1931-02-27 · Heft 3 (27.2.1931) · page 4

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
8 (1931)
Issue
Heft 3 (27.2.1931)
Date
1931-02-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Der jüdisch? Arbeitet Seite 3. er moderne aushalt >rdert den iaswarm wasserbereiter tändige Ausstellunsen: VIII., Josefstädterstraße 10 XII., Theresienbadgasse 3 XX., Denisgasse 39 8 bis 18 Uhr Teilzahlungen Äert! Jedoch1 trotz ihrer Kleinheit sinid die Arbeiterparteien noch« die einzigen, die etwas für Jiddisch1 :isten. Was läßit sich' angesichts eines solchen! traurigen ustandes machen:? Wenn wir annehmen sollten, daß ie politisch-gesellschafatlichen Verhältnisse auch weithin umgeändert bleiben werden, könnte man nicht Lei erhoffen. Das wird aber nicht der Fall sein. )ie Frage fist nur, in1 welcher Richtung die Aenderung rfolgen wird. Um sich darüber klar zu werden1, muß mn vor allem1 wissen, daß die kompakte Mehrheit ii Galizien die Ukrainer bilden. Früher oder später: ie Ukrainer werden ihre Unabhängigkeit doch erämpfen. Und im diesem Moment wird der polnische issimilationsprozeß abbrechen1, es wird derselbe Zutand sein! wie im Jahre der ukrainischen Regierung;, ur noch1 viel schärfer. Was auch kommen: mag, eines;t gewiß: Es wird dann der Moment für das Auf- Iühen der jiddischen Kulturbewegung gekommen iin! Die Intelligenz assimiliert sich immer an das egierende Volk — von einer polnischen1 Assimilation anm dann keine Rede sein. Auch an die Ukrainer drd man sich nicht assimilieren1, weil dazu die psybologische Vorbereitung fehlt. Das wird eben die!eit sein, im der man eigene jiddisch'e Schulen und : 'ulturinstitutionen wird ausbauen können — jene Potionen, die einei freie nationale Entwicklung auch er jüdischem Minderheit garantieren. Gewiß werden ie Aussichten! bei. einem sozialistischen Regime viel ünstiger sein:. Wie es sich auch gestalten mag — Iiddisch' hat im Galizien eine große Zukunft. Darus resultiert aber nicht, daß man' jetzt ruhig die lande in dem Schoß legen und warten; soll... Jetzt nuß schon alles von' denen vorbereitet werdem, die lafür Verständnis! haben. Das Feld ist noch un'berünrt ind daher jede Leistung von Bedeutung. Unsere Schar 5t so klein, daß alle für diesem Moment tatbereit sehr nüssen und vorderhand das machen sollen; was nöglieh' ist Vor allem ist es Aufgabe der jiddischen Schriftsteller Galiziens, die bessere Zukunft vorzubeeiten, E9 wäre ein Verbrechen, wenm sich jemand ronj ih'men gegenwärtig in sein Zimmerchen' abschließen vürde, ohne aktive Beziehung zur Sprache und Kultur :u wecken, für welche er schreibt. Die Aufgaben1 Ines galizischLjiddischem Schriftstellers sind gegenwärtig so mannigfaltig, daß er für uns wertlos ist, vzrm er am gesellschaftlichen Leben keinem aktivem Vnteil nimmt. Er gibt bestenfalls nur einen Bruchteil ron dem, was er geben' muß. Ich betone: Jiddisch' l'at am Galizien eine große Zukunft im Zusammenhang nit der ukrainischen Frage, infolgedessen muß schon' etzt eim zumindest geistiger Kontakt mit dem Ukranerm geschaffen! werden. Der Weg dazu ist die Kennfus der ukrainischem Literatur und Kultur und der mderen ukrainischen Fragen1 und — der Kontakt nit den Vertretern1 der jungen ukrainischen Literatur. )aß für uns nur die progressiven Gruppen im Bedacht kommen, ist selbstverständlich. Diese Orienierung wird' ums den . Glauben an unsere Sache geben. Jnsere sämtlichem Unternehmungen müssen von der Jeberzeugumg getragen sein, daß Jiddisch in Galizien1 loch eine große Zukunft hat. (Aus dem jiddischem Manuskript vom S. D.) Das Problem der Assimilation. Vom Klara Blum. Zwei Dinge' simd es, von denen1 man sich freihalten muß, wenn man die Judenfrage sachlich, geecht, sozialistisch beurteilen will: auf der eimen Seite 'ow einer Verquickung der jüdischen Lage mit religiös-nationalistischer Romantik, mit der mystischen, aber billigem Trostphantasie, eim auserwähltes Volk zu sein und auf der anderen Seite von' der vernunftlosem Nervosität einer blinden Flucht vor dem Judentum, eimer mutlosem Vogel-Strauß-Politik gegenüber bestehendem Tatsachen, wie sie die jüdische Not und das jüdische Schicksal nun einmal sind. Es ist festzuhalten, daß die Judenfrage nichts anderes ist als die Frage einer unterdrücktem und im unerträgliche Ausnahmestellung gedrängten Gruppe, ähnlich wie die Neger- oder die Armemierfrage. Daß für sie eine Fassade der religiösen; Mystik und nationalistischem Romantik nicht nur unnötig, sondern irreführend und kompromittierend ist. Daß sie aber bei ihrer Beurteilung auf das gleiche soziale Gefühl, auf das gleiche Gerechtigkeits- und Solidaritätsgefühl Anspruch hat, wie jede Frage einer unterdrückten Gruppe. Gerade das jüdische Seelenleben ist oft so geartet, daß sich! bei ihm einer klarem Erkenntnis dieser Probleme immer wieder Schwierigkeiten im den Weg stellen. Es ist mit seiner starren, wirklichkeitsfremden und unerträglichen Spannung zwischen jüdischem Minderwertigkeitsgefühl und gleichzeitigem; jüdischem Ueberlegemheitsgefühl eine Widerspiegelung der abseitigen und bei gleichzeitig hochfliegendem Erfolgen' doch haltlosen Stellung des Judentums in Wirtschaft und Gesellschaft. Der gewaltsamem Absperrung des Ostjuden von der produktiven Arbeit irm Wirtsch'aftsprozeß entspricht seine innere Absperrung in eim sonderbares kleinbürgerliches Standesbewußtsein, in alte erstarrte Riten und Gebräuche, im dem Aberglauben von der geistigem Ueberlegemheit des Juden über den1 Nichtjuden. Dem1 gesellschaftlichem Antisemitismus, dem der Westjude im seimem feigstem und verlogenstem Formern kennenlernt, entspricht sein ängstliches Bemühen, jede angeborene Eigenart abzustreifen1, sich vom dem Härten und Nöten der jüdischen Schicksalsgemeinschäft zu drückem, die Masse, die himter ihm steht, das Ostjudentum, mit der gleichem, genau imitierten Geste abzulehnen, mit welcher ihn der Arier abzulehnen droht. Der Aberglaube am die jüdische Auserwähltheit und die Entwertung alles Jüdischen durch den Assimilationsjuden, diese schlappe und zuvorkommende Verbeugung, die er vor dem Antisemitismus macht, simd so eng benachbart, wie es eben Uebeiiegemheitsphantasien und Minderwertigkeitsgefühle im' menschlichem Seelenleben sind. Sie vereinigem sich im der Einstellung: „Ich ducke mich vor dir, aber im stillem weiß ich doch, daß ich der Gescheitere bim" — in; dieser Einstellung, welche der grundlegende Irrtum und die grundlegende Neurose der jüdischem Seele ist. Sie ist eim Irrtum und eine Neurose aus dem eiamfach'em Grunde, weil sie im ihrem beiden Formern dem' Gesetzen der Gemeinschaft 'und der Solidarität widerspricht. Man kann also, wenn man das Problem' der Assimilation entscheiden will, sie weder bejahen, noch ihr veraltete religiöse Tradition oder nationalen Hochmut entgegenhalten, beides Erscheinungen, die bei jedem Volk, also auch bei dem Juden, als reaktionär abgelehnt werden müssen. Die abseitige Stellung des Juden in Wirtschaftend Gesellschaft, das aufgezwungene äußere und innere Hausierertum hat ihm ja tatsächlich zum Teil einen kleinbürgerlichen Ghettocharakter gegeben, der seiner Fähigkeit zum proletarischen Klassenkampf hinderlich sein kann. Es ist ohne weiteres klar, daß ebenso wie die wirtschaftliche Umschichtung der Juden zu produktiver Arbeit auch in menschlicher Hinsicht seine Normalisierung, die Abstreifung seines Sonderlingscharakters notwendig ist. Wer aber mit dieser Begründung die Assimilation verlangt, dem muß geantwortet werdem, daß es bisher noch am ehestem dem Ziomismus, dem proletarischem Zionismus, gelungen ist, die Erneuerung des jüdischen Menschen, seine Befreiung von dem Ghettomerkmalem durchzuführen. Und im Gegensatz dazu zeigt sich der grundlegende Irrtum1 der Assimilation: sie erstrebt das richtige Ziel der jüdischem Normalisierung mit falschen, wei 1 unsozialen Mitteln, mit den Mitteln des Individualismus und des Stolidaritätsbruches. Der Assimilant will die Judenfrage anstatt im Gemeinschaft mit seinen Mitjuden, für sich allein, für sich persönlich lösen. Der Widerstand, den er den nachdrängenden! ostjüdischem Massem entgegensetzt, entlarvt ihn und stellt ihn in eine Reihe mit dem Proletarier, der seinem persönlichen Aufstieg anstatt des Aufstiegs seiner Klasse anstrebt, mit dem . Mulatten oder Terzeronen (Negermischling zweitem und dritten Grades), der sich durch Verachtung seiner schwarzen Verwandtem dem Weißem' gleichsetzen möchte. Es soll hier nicht moralisch gewertet werden. Es soll nur festgestellt werdem, daß die Judenfrage nicht dadurch gelöst werden kann, daß man sich für seine Person einfach von ihr lossagt, sondern nur durch' Solidarität mit der jüdischen Mäasse, durch rückhaltsloses Bekenntnis, daß man als Jude genau so wie als Neger einer unterdrückten Gruppe angehört und darum erst recht hineingehört in1 die Front des proletarischen Klassenkampfes, des'Kampfes gegen jede Unterdrückung. Auf dieser neuen und richtigen Linie des jüdischen Selbstbewußtseins wird auch der Aberglaube vom der geistigem Unterlegenheit des Nichtjuden nicht mehr nötig sein und an seine Stelle wird die Unbefangenheit treten, die es allein1 möglich macht, dem nichtjüdischen Klassenkampfgenossen in allen seinen Qualitäten zu schätzen, ohne zu ihm hinauf- oder auf ihm hinabzusehen. Dieser Weg des jüdischem Seelemlebens aus der Spannung zwischen Minderwertigkeitsgefühl und Phantasievorstellung vom auserwählten Volk zu neuer Haltung und neuer Solidarität konnte hier nur kurz skizziert werden. Es wird die Aufgabe einer ausführlicherem Arbeit sein, ihm gründlich zu untersuchen1. Internationale sozialistische führende Persönlichkeiten zum Weißbuch der englischen Regierung. Der Brief Macdonalds hat das Weißbuch nicht aufgehoben; darum ist die folgende Kundgebung auch jetzt noch von größtem Interesse. Die Red. Nach der Rückkehr des Vorsitzenden der sozialistischen Arbeiterinternationale, Emile Vandervelde, von seiner viermonatigen Reise aus Rußland und China fand Mitte Dezember in Brüssel eine Sitzung des Büros des internationalen sozialistischen Komitees für das arbeitende Palästina, das während des internationalen sozialistischen Kongresses im Sommer 1928 gegründet wurde, statt Die Sitzung behandelte ausführlich die Erklärung, der englischen Arbeiterregierung vom 21. Oktober 1930 bezüglich ihrer Palästinapolitik. Einmütig wurde sowohl gegen den Ton des Weißbuches, als) auch gegenüber seinen Ausführungen Stellung genommen. Die Stellungnahme des sozialistischen Büros für das arbeitende Palästina wurde dann in der weiter folgenden Resolution zum Ausdruck gebracht. Es wurde beschlossen, die Resolution allen Mitgliedern des sozialistischen Komitees zur Unterschrift vorzulegen. Diese Resolution wurde bereits unter anderen von Emile Vandervelde, dem Vorsitzenden der sozialistischen Arbeiterinternationale, den deutschen Mitgliedern des Komitees Eduard Bernstein, Reichstagspräsident Paul Lobe, Dr. Oscar Cohn, den französischen Mitgliedern des Komitees Leon CBlum, Jean Longuet, Pierre Renaudel, den belgischen Mitgliedern Louis de Brouckere, Louis' Pierard, Leon Treclet, dem Veteran der italienischen Sozialisten Filippe Turati, dem' Präsidenten des tschechoslowakischen Senats1 Franz Soukup, unterzeichnet. I. Das Sozialistische Komitee für das arbeitende Palästina stellt fest, daß das Weißbuch dem Geiste und dem Wortlaut nach durch die vorgesehenen Maßnahmen und die einschneidenden Beschränkungen der jüdischen Einwanderung und der jüdischen Kolonisation in Palästina fast unüberwindliche Schwierigkeiten der Entwicklung in den Weg stellt. Das Komitee hat mit Genugtuung davon Kenntnis genommen, daß die englische Regierung im Einvernehmen mit der Jewish Agency ein Programm1 auszuarbeiten beabsichtigt, das im Einklang steht mit den Bestimmungen des Palästina- Mandates, mit den Richtlinien der Mandatskommission und der eigenen Resolution der englischen Arbeiterpartei. Diese Resolution wurde auf einer Konferenz im Oktober 1930 angenommen und geht dahin, daß die englische Regierung! bestrebt ist, mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mittelln. die Mandatspolitik zu erfüllen, d. h. alle wirtschaftlichen Möglichkeiten des ihr durch das Mandat an-yertrauten Gebiets zu entwickeln und die jüdische Einwanderung und!, Kolonisation zu fördern, soweit es die Fassungskraft des Landes irgendwie zuläßt. n-; Das Komitee unterstreicht die wesentlichen Bestimmungen des Mandats, besonders die Artikel 2 unidl 6 des Mandats, in denen die, durch das Mandat vprgezeichnete Politik besonders gekennzeichnet wird und die; besagp: Artikel 2. Die Mandatsmacht übernimmt die Verantwortung im LandeV einen politischen, ajdniinistratiyqn und ökonomischen Zustand zu schaffen, ch?r die Errichtung des nationalen Heims für das jüdische Volk, wie es in, der VPreambel vorgesehen ist, die Entwicklung der Institution^ der freien Selbstverwaltung, sowie die Durchführung ch?r bürgerlichen und religiösen Rechte alljqr palästinensiscfieii Bewohner sichern wird, gleichgültig, vyellcher Rasse und Religion sie angehören. Artikel 6. Die Verwaltung . Palästinas soll, indem sie sicherstellt, daß die Rechte und die Lage dler andern; Teile der Bevölkerung nicht, beeinträchtigt werden, die jüdische Einwanderung unter geeigneten Bedingungen erleichtern und in Zusammenarbeit mit der in Artikel 4 erwähnten jüdischen Vertretung die ge sch 1 p ss„e n e Aussiedelung von Juden auf dem Lande mit Einsqhluß djer, nicht für öffentliche Zwecke erforderlichen, Staat^liändereie^; und Brachländereien, begünstigen. Die Aufgabe, die der Mandatarmacht vom' Völkyer.b;und übertragen wurde, geh,t dahin, aktiv und. mit allen, zur; Verfügung stehenden Mitteln eine .große und intensive Ein-r Wanderung und jüdische Kolonisation zu unterstützen, um die jüdische Heimstätte so schnell wie möglich zu 'verwirklichen, zugleich der arabischen Bevölkerung zu helfen und ihren wirtschaftlichen, politischen und geistigen Standard zu heben. Die Tätigkeit der jüdischen Organisationen darf keinesfalls den arabischen Interessen schaden, im Gegenteil alle Bewohner des Landes müssen von der Entwicklung Nutzen ziehen. Das Komitee stellt mit Genugtuung fest, daß das jüdische Aufbauwerk sich auf friedlichem Wege voltzieht, ohne Benachteiligung anderer im Lande lebender Bevölkerung^ gruppen. Wenn Fehler begangen wurden, so lassen sie sich leicht wieder gut machen, da es der geschlossene WilKe der jüdischen Bevölkerung in Palästina ist, trotz der Ereignisse eine Politik der Verständigung und der Zusammenarbeit mit dem arabischen Volke fortzusetzen. III. Das Komitee ist der Auffassung, daß die Bestimmungen des Mandats zur Schaffung der jüdischen Heimstätte auf folgendem Wege verwirklicht werden können: 1. Einwanderung und Ansiedlung von Juden auf breiter Basis.!' ■

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