Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 8 (1931)
- Issue
- Heft 3 (27.2.1931)
- Date
- 1931-02-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Sonderabdruck aus „Per Jüdische Arbeiter" Nr. 2 Juden, Sozialisten! Arbeitende Juden! Wir wenden uns an alle jene arbeitenden Menschen, die sich der jüdischen Gemeinschaft zugehörig betrachten, sich* offen und mutig zu ihr bekennen, die sich' aber dagegen wehren, daß man ihre Zugehörigkeit zur jüdischen Gemeinschaft in eine« •Widerspruch' bringt mit ihrer Zugehörigkeit zur Ar- . beiterschaft, mit ihrer sozialistische Gesinnung. Unsere Worte richten: sich an alle bewußten sozialistischen Juden, die seelisch darunter leiden, daß; sie bei Erfüllung ihrer Pflichten der sozialdemokratischen Partei gegenüber, der Tatsache ihrer Zugehörigkeit zur jüdischen Gemeinschaft nicht genügen können. Unser Ruf ergeht endlich auch an jene, die die nationale und sozialistische Bedeutung des arbeitenden Palästina nur ahnen oder auch erkennen, aber noch' immer den richtigen Weg nicht gefunden haben, um der Verpflichtung, die ihnen diese Erkenntnis auferlegt, voll und ganz zu entsprechen. Wir sagen ihnen: Des modernen Menschen und insbesondere des sozialistischen Menschen ist es unwürdig, seine Zugehörigkeit zu seiner Volksgemeinschaft zu verleugnen. Es ist eines denkenden Menschen unwürdig, durch äußere Anpassung an seine Umgebung sich und den anderen Menschen die Ausmerzung seiner Volkszugehörigkeit vorzutäuschen. Denkende, kämpfende Menschen; weichen dem Weg des geringsten Widerstandes aus, bleiben sich1 ,tmd ihrer Volksgemeinschaft treu. befinden uns gegenwärtig in einem Stadium der Umschichtung, da den sehr zahlreichen kleinen selbständigen Elementen die Existenzmöglichkeit genommeil wird und sie gezwungen werden, den Weg, der Proletarisierung zu beschreiten. Jede Minderheit ist Angriffen und Verfolgungen ausgesetzt, wir müssen deshalb uns wehrhaft erhalten. Die steten Wanderungen der jüdischen» Massen machen ein organisiertes Eingreifen zur unbedingten Notwendigkeit, um die Neuansiedi ung der Juden gesund und produktiv zu gestalten. Die Proletarisierung breiter Schichten des jüdischen Mittelstandes, der zahlreichsten Gruppe jeder jüdischen Gemeinschaft, macht es uns zur Pflicht, der Jugend den Weg zu bahnen, ihr behilflich zu sein bei ihren Bemühungen, in Berufe einzudringen, in denen es noch' bis jetzt fast keine Juden gibt. Aucli die Pflege des Zusammengehörigkeitsgefühls mit der jüdischen Gemeinschaft gehört zu den ihren besonderen Aufgaben. AU dtc se u n d noch' viele andere Aufgaben mit sozialistischem Geist zu er-!illll£lLJl5ÜilLlgJI^ILj^i-ft-Y.6VPe h'm en m i t ^er soziafdemokrails che n Ar b e ft e r s c ha ft des Landes zu erfüllen, soll die Aufgabe aller Juden, die Sozialisten sin: d, sein. Eine Feuersäule auf diesem' gewiß nicht leichten Wege mög;e uns die jüdische Arbeiterschaft Palästinas Vom 14. Februar bis 28. März sind die Werbewochen! Denkende, kämpfende Jude n bleiben1 sich1 und ihrer jüdischem Gemeinschaft t r eu, bekennen sich' mutig zu ih'r, vertei- B"igen sie gegen alle Feinde und wirken mit für ihre Renaissance, für ih'reni Aufstieg, Juden, die Feinde der Demokratie, des Fortschrittes, der Arbeiterschaft und des Sozialismus sind, 'haben es sich zur Aufgabe gesetzt, eine Kluft zwischen aufrechtem Judentum und Sozialismüs zu errichten. Diese Bestrebungen haben vielfach' dazu beigetragen, die Vorurteile und Mißverständnisse, die lunter den Niehtjuden über Juden und Judentum seit (Jahrzehnten verbreitet sind, auch' unter dem sozialistischen nichtjüdischen Arbeitern vielfach zu erhalten Viele Juden-Sozialisten glaubten nun' der Gefah'r der Verdächtigung einer Identifizierung vom Juden mit Arbeiterfeindschaft am besten zu entgehen, indem sie den Juden; die sich1 zu ihrer Gemeinschaft bekennen, den Rücken kehrten und sich' ganz in den Dienst der Sozialdemokratie stellten. Ihr Schritt bewirkte das Gegenteil: Je mehr die sozialistischen Juden den ihrer Gemeinschaft treu gebliebenen Juden den Rücken kehrten, desto stärker wurde nach außen hin die Position der arbeiterfeindlichen nationalen Ja den, da für die jüdische Gemeinschaft oft und am lautesten jene das Wort ergreifen, die alles Jüdische in einen Gegensatz mit klassenbewußter Arbeiterschaft und Sozialismus bringen wollen. Jene Juden-Sozialisten, die den ar beiterfeind lich'en, ch'au vi nistischen National juden das Feld der Vertretung der besonderen In teressen der j ü disch'en Massen überließen, leisteten der arbeitenden jüdischen Bevölkern ng) und dem Sozialismus einen schlechten Dienst. Den ersteren, da sie sich den reaktionären, vom Haß zur Arbeiterschaft und zum Sozialismus erfüllten Elementen auslieferten', dem Sozialismus, da sie den Vorurteilen und Mißverständnissen, die über Juden verbreitet und dem' Sozialismus hinderlich sind, den Nährboden erhielten. Was sollten die! Juden-Sozialisten denn tun? Die J u den - Sozia listen sollen bei aller Bekundung der Solidarität mit der klassen bew u ß teu Arbeitersch'aftdesLandes, bei voller Beteiligungan dem Kampfe der Sozialdemokratie, sich als Angehörige der jüdischen Gemeinschaft be kennen — und diesem' Bekenntnis eine organisatorische Form verleihen, um die besonderen Interessen der arbeitenden Juden wahren zu kön n en. Dann könnten wir mit Erfolg den arbeiterfeindlichen Elementen in der jüdischen Gemeinschaft den Boden entziehen und den; über Juden auch unter der sozialistischen Arbeiterschaft verbreiteten Vorurteilen und Mißverständnissen erfolgreich entgegentreten. Nun könnte man ja uns fragen: Hat denn die jüdische Gemeinschaft besondere Interessen? Die Juden bilden in allen Ländern der Welt eine •Minderheit, wir sind das klassische Wandervolk, wir sein. Durch1 ihr Leben und Wirken erbrachte und erbringt sie täglich' wieder den Beweis, daßi d4e Gesundung des jüdischen Lebens, die Rückkehr der Juden zur Natur, zur Urproduktion, zur Arbeit überhaupt im: Einklänge mit der Schaffung sozialistischer Wirtschaftsformen' vor sich geht. Die Mitwirkung, an dem Aufbau des arbeitenden Palästina, das die uneingf schränkte Anerkennung und Bewunde rung der bedeutend st enf<Führe r des Weltproletariats gefunden hat, gibt unserem Wirken neuen, wertvollen In:h'a lt, erleich' tert uns unseren Kampf für di e jüdische Gemeinschaft im Geiste des schaffenden Sozialismus erfolgreich zu führen. Ein Teil der arbeiten den Juden Deutschösterreichs hat diesen, unserer Ueb'erzeugung nach, einzigen richtigen Weg gefunden'. Seit Jahren besteht in Wien eine „Jüdische sozialdemokratische Arbeiterorganisation Poale Zion", die in allen landespolitischeni Fragen an den Aktionen1 der s o z i a 1 d e m o k r a t i s c h e n P a rtei teilnimmt, in jüdischen Fragen gemeinsam mit dem V e r b' a*n d e der P o a 1 e - Z i o n - Parteien aller Für die Werbewochen 1. Mendel Singer: Der Weg des jüdischen Arbeiters zum Sozialismus Preis S 2.— 2. $3« bSuftigon Srelgnisse in Palästina u. der internationale Sozialismus Preis S 1.50 Länder, im Einvernehmen mit der organisierte n' jüdischen Arbeiterschaft Palästinas vorgeht. Die Organisation1 Poale Zion in Wien' hat im' Laufe der letzten 10 Jahre ihre politische Schulung und Verläßlichkeit bewiesen, sie hat sich das volle Vertrauen bei der sozialdemokratischen Partei ün'd bei weiten Kreisen der jüdischen Bevölkerung: erworben. Diese Organisation ist nur noch' zahlenmäßig nicht stark genug, u m ihre Aufgabe voll e r f ü111 e n zu können. Es ergeht deshalb der Ruf an alle Juden-Sozialisten, an alle arbeitenden Juden, an alle wahrhaften' Freunde des arbeitenden Palästina: Schließt euch der „Poale Zion" an! Schließt euch unserem Kampfe für den Leitsätze der jüdischen sozialdemokratischen Arbeiterorganisation Poale Zion, Wien. I. Die jüdische sozialdemokratische Arbeiterorganisation Poale Zion Wien gehört 'dem .Weltverbande jüdischer sozialistischer Arbeiter Poale Zion äff, welcher aus Parteien verschiedener Länder zusammengesetzt und der Sozialistischen Arbeiter-Internationale angeschlossen ist. II. In allgemeinen Fragen der Landespolitik solidarisiert sich grundsätzlich die jüdische sozialdemokratische Arbeiterorganisation Poale Zion mit der sozialdemokratischen Arbeiterpartei Deutschösterreichs. Es wird als Pflicht aller Genossen erklärt, Mitglieder der sozialdemokratischen Arbeiterpartei Deutschösterreichs zu sein und alle Aktionen der, Partei zu unterstützen. III. In den Fragen des innern jüdischen Lebens entfaltet die jüdische sozialdemokratische Arbeiterorganisation Poale Zion ihre Tätigkeit in Uebereirt- Stimmung mit den Richtlinien und Beschlüssen des Weltverbandes jüdischer sozialistischer Arbeiter Poale" Zion. IV. Die Tätigkeit der jüdischen sozialdemokratischen Arbeiterorganisation Poale Zion auf dem Gebiete des jüdischen Lebens erstreckt sich insbesondere auf folgende Gebiete: 1. Initiative und Förderung der Bemühungen fcur Umschichtung von Juden in manuelle und produktive Berufe, insbesondere im Hinblick auf Palästina, 2. Pflege der jüdischen Kultur und des Zusam-. menhanges mit allen Teilen des jüdischen' Proletariats , und insbesondere mit der Weltbewegung Poale Zion1. 3. Demokratisierung, und Verweltlichung der jüdischen Institutionen, insbesondere der Kultus^ gemeinde und ihre Ausgestaltung! im sozialistischen Sinne. 4. Werbung, für das Palästina-Aufbauwerk (Kerefl Hajessod, Keren Kajemeth usw.), insbesondere für das arbeitende Palästina und die Förderung der Institutionen 'der jüdischen! Arbeiterschaft Palästinas. Die Weltbewegung Poale Zion. Die Bewegung der Poale Zion datiert seit' dem* Jahre 1898. In diesem Jahre erscheint in Wien „Der, jüdische Arbeiter" als Organ der Arbeiter-Zionisten!. Organisationen der Poale Zion bestehen in fast aller» Ländern, wo Juden! leben. Die Poale Zion! aller Länder sind in einem Weltverbande vereinigt. Der Welfverband Poale^Zion ist seit dem Kriege der sozialistischen Internationale angeschlossen. Unter dem Einflüsse des Weltverbandes Poate Zion steht ein Weltverband der jüdischen' Arbeiterjugend, der sich als sein Nachwuchs betrachtet und der sozialistischen Jugendinternationäle angeschlossen' ist. Unter Mitwirkung der Poale Zion ist in deri letzten Jahren eine Weltorganisation der Freunde des arbeitenden Palästina ins Leben1 gerufen worden, die zeh'ntausende Mitglieder zählt. Auf Initiative der Poale Zion und unter ihrer ' Leitung ist im1 Jahre 1929 ein internationales sozialistisches Komitee für das arbeitende Palästina gegründet worden, an dessen Spitze Emile Vandervelde, Leon Blum, Paul Löbe, Eduard Bernstein!, Artur Henderson und noch andere Führer des' Weltproletariats stehen. jüdische sozia 1 demokratische Arb'eit'erorganisatio n Poale Zion' IL, Taborstraße #4 (Ecke Blumauergasse). Beitrittserklärung Vor- und Zunamfe: Beruf: Geboren am: Adresse: in: Sozialismus und die "gerechte jüdische Sache an! Arbeitende Juden, bekennet euch zur Sozialdemokratie! Ju d e n - Sozia 1 dem!o kr aten, bekennet euch zur jüdiselfen Gemeinschaft, zum s o z i a 1 i s ti s c he n Zionismus! Tretet in Massen der jüdischen' sozialdemokr a tische n Ä r b' e 11 e r iq r g a n i s a 11 o tt Poale-Zion bei! Ist gewerkschaftlich organisiert: Ist politisch organisiert? Eingezahlt Einschreibgefünr S Mitgliedsbeitrag S Wien, am ' 1.93 agentfändfeeynterschW; In den Werbewodien ist es Pllidii jedes Genossen, zumindest ein neues MfglieO zu wertem Eiffejitümer, Verleger, Hera^gete u. veran*brortK Redakteur: Frana Uistig, Elekfc^^