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Der Jüdische Arbeiter · 1931-02-27 · Heft 3 (27.2.1931) · page 2

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
8 (1931)
Issue
Heft 3 (27.2.1931)
Date
1931-02-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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serf* 2. Der jüdische Arbeite* Maro hält Jabotinsky, weil er eine vorzugliche Feder führt und ein großer Redner ist, für einen1 genialen Menschen überhaupt. Nur darauf ist es zurückzuführen, daßt diese mit der Wirklichkeit in; krassestem Gegensatze sich befindende „Ideologie" Anklang findet. Der gewandte Schriftsteller und Redner Jabotinsky, der der Vater dieser „Ideologie" ist, vermag seine Jünger, Leser und Hörer zu verwirren. Wie könnte man sonst der Torheit folgen', den Zionismus nach Ali der imperialistischen Mächte mit einer Armee ausstatten zu wollen? Begriffen die Menschen nicht, daß die Schaffung einer ausschließlichen jüdischen Armee die Schaffung einer rein arabischen Armee zur Folge h'abeni müßte? England würde dann erst recht nicht auf eine eigene Armee verzichten können!, konnten sie also nicht erfassen; welcher Wahnsinn daraus geworden, welche furchtbaren Gefahren heraufbeschworen! worden' wären, wenn' es jemals eine Möglichkeit gegeben hätte, diese Forderungen zu verwirklichen? Die jüdische Armee in Palästina würde bedeuten die offene Proklamierung des Kriegszustanmit den' Arabern. Wären wir in der Lage, inj einer solchen Atmosphäre das Aufbauwerk auch nur einzuleiten? Jabqtinsky und die, Revisionisten sahen1 diese Gefahren nicht, sie sehen auch nicht, daß nicht die geringsten Aussichten vorhanden sind, ihre Forderungen' bei der Mandatarmacht durchzusetzen und diese Forderungen daher nur den Haßi und die Erbitterung gegen die; Juden bei den Arabern vertiefen können; sie sahen das alles nicht, da sie von einer Kriegspsychose, besessen und bestrebt waren, diese Psychose unter den Zionisten hervorzurufen. Nur unter diesem Gesichtswinkel können wir es auch erklären, daß1 der Hyper-Patriot Jabotinsky mit den Generalen des Petljura, des! Chmieliiticki unserer Zeit, Verhandlungen über die Bildung einer jüdischen Legion, die gemeinsam mit ihren' Banden den Kampf gegen Sowjetrußland aufnehmen soll, geführt hat. Der wütende Verteidiger der „jüdischen Würde" an einem Verhandlungstisch' mit den von unschuldig vergossenem Judenblut triefenden Petljura-Generalen, diese Sinnlosigkeit, dieses verbrecherische Abenteurertum kann nur mit Kriegspsychose erklärt werden. Und die Wirkung dieses Versuches? Es ist nicht möglich1, hier darauf mehr einzugehen, aber jeder denkende Mensch konnte bereits' im ersten Abschnitte ihres Auftretens bei den Revisionisten die wichtigsten Merkmale der Hakenkreuzler und der österreichischen Heimwehr feststellen. Es folgte 'hierauf der Abschnitt des wütenden1 Kampfes der Revisionisten gegen! die Erweiterung der „Jewish! Agency". Auch1 hier fiel die Orientierung den Beobachtern und Gegnern nicht leicht. Galt dieser Kampf wirklich der Reinheit des Zionismus? Verteidigten: sie tatsächlich' den Herzl'schen Zionismus? Was verstanden sie unter Herzlichem Zionismus? Die Revisionisten haben1 nichts unterlassen, um ein Eingreifen der englischen Verwaltung in die inneren Angelegenheiten der Stadtverwaltung, von Tel- Aviv herbeizuführen. Warum haben sie sich an dieser allerwichtigsten Stelle .nicht gescheut, Hilfe von außen zu holen? Ist etwa der Beamte des Oberkommiss^rs eher berufen, in die Fragen des Aufbaues einzugreifen, als Warburg und Wassermann? Oder haben sie auch über die Reinheit des Zionismus gewacht, als ihr Gründer und Führer mit den Mordgeneralen des Petljura verhandelt hat? Als Wächter über die Reinheit des Zionismus, den sie beispielsweise nicht nur gegen1 die verantwortliche Leitung der zio-. nlistischen Weltbewegung, sondern auch gegen die jüdische Arbeiterschaft, (die der Grundpfeiler dieses Werkes ist, zu schützen haben, erscheinen uns, die Revisionisten als sehr fragliche Figuren. Das Motiv dieses heftigen Kampfes dürfte auf einer anderen Ebene zu finden sein. Das Leitmotiv der Befürworter der Erweiterung der „Jewish! Ägency" war: Im gegenwärtigen Zeitpunkte handelt es sich weniger um theoretische Auseinandersetzungen über den Zionismus, als um den Aufbau des jüdischen Palästina selbst, und für diese Aufgabe, deren; Erfüllung die Voraussetzung für jeden weiteren Fortschritt des Zionismus bildet, seien alle Juden und alle organisierten jüdischen Gruppen, die gewillt sind, mitzutun, zu gewinnen. Dfie Tat, der Aufbau Palästinas, stand und steht auch jetzt noch' der Mehrheit der zionistischen Weitbewegung im Vordergrund, während die Revisionisten die politische Tätigkeit als das primäre betrachten. In den verschiedensten Variationen verkünden sie: wir dürfen in Palästina unser Kapital investieren, solange wir nicht vollkommene politische Sicherheit besitzen. Daher ihre Forderung nach einem Boykott der Aufbauarbeit unter englischem Regime. Diese Einstellung ist in der Geschichte der zionistischen Idee und Bewegung nicht neu. Es ist der alte Kampf des politischen Zionismus gegen den Zionismus der Tat, der aufbauenden, schaffenden Tat. Seit ungefähr zwei Jahrzehnten beherrscht die zionistische Bewegung eine synthetische Auffassung des Zionismus, die die politische' Tätigkeit restlos bejaht, aber als wichtigste Voraussetzung für politische Erfolge die Fortschritte in der Ansiedlung in Palastina ansieht. Die Revisionisten wollten auch hier das Rad der Geschichte nach rückwärts drehen. Mehrere Jahre hindurch wetterten die Revisionisten gegen die sozialistischen Experimente der Kwuzotli und forderten die Ansiedlung des Mittelstandes. An die Spitze dieses Kampfes kommandierten sie ihren Agronom Soskin, Sie glaubten wohl, die Arbeiterschaft werde sich1 gegen die Versuche der Ansiedlung des Mittelstandes auflehnen. Sie hatten sich bitter getäuscht. Dia Arbeiterschaft betrachtete nie Palästina als ihr Monopol, sie stimmte natürlich zu, daß1 auch1 Mittelständler mit Hilfe der nationalen Fonds angesiedelt werden. Herr Soskin hätte nun die Möglichkeit, den „Kolonisationsplan" der Revisionisten durchzuführen. Das Resultat war völliges Versagen. Bald stellte sich' heraus, daß der Kolonisaüonsplan der Revisionisten nur ein Vorwand für ihrem Kampf gegen die Arbeiterschaft, gegen den demokratischen, sozial-progressiven Kurs in der zionistischen Bewegung war. Sie demaskierten sich' rasch. Sie proklamierten den. offenen Kampf gegen die allgemeine jüdische Arbeiterorganisation in Palästina und gründeten Streikbrecherorganisationen im1 Lande. Wir wiesen darauf hin, daß' der Versuch der Zertrümmerung der Arbeiterorganisation in Palästina gleichbedeutend ist mit einer empfindlichen Schwächung des gesamten jüdischen Jischuw, unseres Aufbauwerkes. Die jüdische: Arbeiterschaft ist nicht nur zahlenmäßig, sondern auch nach ihrer politischen: Schulung und organisatorischen Macht der stärkste Faktor des Jischuw, jeder Versuch' der Zersplitterung der jüdischen Arbeiterschaft, der Schwächung ihrer Organisation bedeutet die Gefährdung unserer Position in einem äußerst wichtigen Momente, Die Herren Revisionisten belieben es, sich als hundertprozentige Zionisten zu bezeichnen, was sie hier unternahmen, war nur Wasser auf die Mühlen unserer hartnäckigsten F e i n d ä i m e n g 1 i s c h e n und arabischen Lager. Die Kampfansage an die Arbeiterschaft bezeichneten wir als Symptom des Verrates der „Hundertprozentigen" an! der zionistischen Idee und Bewegung. Die Ereignisse der letzten Monate gaben uns Recht In der schwierigen Lage der zionistischen Bewegung, die durch das Weißbuch1 1930 entstanden ist, haben sich' die Revisionisten völlig demaskiert. Sie unterließen nichts, um die Situation katastrophal zu gestalten. Sieä entfalteten einerseits eine unerhörte Haß- Kampagne gegen die Arbeiterregierung und die Araber, sie arbeiteten mit verstärkter Energie auf die Schwächung und Spaltung der zionistischen Bewegung hin. Wir wollen uns mit dem kurzen: Hinweis lauf einige Tatsachen) der allerletzten Zeit begnügen. Als die gesamte zionistische Bewegung. SOS-Rufe an die zionistischen Massen um Beistellung von Geldmitteln für die Fortsetzung des Aufbauwerkes richtete, eröffneten die Revisionisten eine Sabotage-Kampagne, indem sie das Vertrauen der Leitung weiter zu untergraben versuchten und der Meinung Ausdruck gaben, man dürfe dieser Exekutive kein Geld anvertrauen. Stellten sie doch bereits auf ihrer Weltkonferenz in Prag die Gründung eigener Fonds in: Aussicht. In den Tagen, als in London darum gerungen wurde, die Auswirkungen! des Paßfieldischen Weißbuches hintanzuhalten, fielen die Revisionisten Palästinas den mit der Arbeiterregierung unterhandelnden zionistischen Führern in den Rücken, indem' sie erklärten, daß Weizmann nicht berechtigt sei, im Namen der zionistischen Weltbewegung Unterhandlungen! zu führen. Ist das nicht offener Verrat an' der zjonistüscWem Idee und Bewegung? Wir finden also bei den' Revisionisten: die wich'tigr sten Merkmale, die die reaktionären faschistischen Gruppierungen aller Völker kennzeichnen: Abenteurertum, Spiel mit dem Gedanken des Militarismus, übertriebener nationaler Patriotismus, Ar bei ter haß, Feindschaft gegen Sozialismus, Zerstörung der nationalen Geschlossenheit und dann offener nationaler Verrat. Das ist das; wahre Antlitz des Revisionismus. M. Singer, Jizchak Kanter. Die Perspektiven einer jiddischen Kulturbewegung in Galizien. Von allen Teilen Polens, in denen: Juden in kompakten Massen siedeln, ist Galizien derjenige, in dem das jiddische Kulturleben am schwächsten pulsiert. Es ist daher ganz natürlich, wenn dort die Assimilation ganz ungestört wütet. Das Verständnis für Jiddisch und jiddische Kultur ist hier bei der Intelligenz, ja . sogar beim primitiven Volksmenschen eine derart seltene Erscheinung, daß sie auch beim besten Willen vom Strom der sprachlichen und kulturellen Assimilation mitgerissen werden. Das Unnatürliche des Assimilationsprozesses in Ostgalizien wird noch dadurch gesteigert, daß< er sich nicht in der Richtung des ethnographisch verwurzelten Bevölkerungsteiles bewegt (Ukrainer), sondern in der, einer kleinen Minorität, die dort zeitweilig die regierende ist (Polen sind in Ostgalizien nur 10 Prozent der Bevölkerung). Welche sind also die objektiven Ursachen dieses Zustandes? Es ist nicht die „Minderwertigkeit" der Galizianer, wie manche Warschauer und Wilnaer Kulturführer annehmen. . . Auch nicht einmal die „Epidemie der galizischen Doktoren" ist die Ursache. Wir müssen, um dies zu begreifen, die Verhältnisse kennen lernen, in denen' Galizien von jeher gelebt hat und jetzt noch lebt und dazu ist eine historische Einleitung notwendig: Die jüdischen Massen Galiziens lebten Jahrhunderte hindurch isoliert von den jüdischen Massen. Rußlands, die vor ungefähr 70 bis 80 Jahren den Schwerpunkt des jüdischen Volkes bildeten. Die Haskala kam vorerst nach' Galizien, hier aber war die jüdische Masse zu klein, um sie zu verarbeiten und die Harmonie zwischen jüdischer und europäisch er. Kultur herzustellen, wie es schließlich jenseits der Grenze geschah. Die Haskala brachte bloß, die Assimilation nach Galizien und daher darf es auch nicht Wunder nehmen, daßi die Massen ihr mit blindem Haß entgegentraten, es war gewissermaßen ein gesunder Widerstand des jüdischen Volksorganismus' gegen die Assimilation. Von Galizien kam die Haskala in; jene Teile Rußlands, wo es jüdische Massensiedlungen gab'. Hier jedoch mußte die Haskala, infolge der sozial-ökonomischen und gesellschaftlichen: Bedingungen, in denen die jüdischen Massen in Rußland lebten, einen ganz, anderen Charakter annehmen. Vor allem war es den .Maskilim selbst nicht leicht, dem jüdischen Volke zu entfliehen, da ihnen die Türen der russischen Gesellschaft versperrt blieben. Es ist daher ganz natürlich, daß sie bei der jüdischen Masse blieben und hier ihre Arbeit begannen. Ich will hier nicht erörtern*,, inwiefern die Maskilim die Bedürfnisse der jüdischen Masse nicht verstanden haben, und wenn sie auch' die Wirklichkeit wie sie war nicht erfaßt haben, wurden sie doch dazu gezwungen, was zur Folge hatte, daß die assimilatorischen Maskilim sich, bemüßigt sahen jiddisch zu schreiben, obwohl sie dieser Sprache nur Haßi und Verachtung entgegenbrachten. Die Literatur der russischen Maskilim in Rußland hat wohl viele Mängel, sie bildet jedoch einen Anfang — und darin besteht ihr Hauptwert. Später kommt die Arbeiterbewegung und die nationale Renaissance des jüdischen Mittelstandes. Beide beziehen sich anfangs negativ zur Sprache der jüdischen Massen und hier sehen wir dieselbe Erscheinung wie bei den Maskilim: Die gegebenen Verhältnisse treiben sie zum jiddisch, weil sie anders zur jüdischen Masse nicht kommen können. Der bürgerliche Zionismus bleibt auch' tatsächlich bei seiner ursprünglichen Beziehung zu jiddisch, d. h. er bedient sich der jiddischen Sprache, wenn er sie zur Agitation notwendighat, hingegen wird die Arbeiterbewegung die Trägerin der modernen jiddischen Kultur. Das war aber nur dort möglich1, wo die jüdische Masse ein einheitliches Gepräge trug. Sämtliche grösseren Bewegungen, die das Erwachen der jüdischen. Massen hervorriefen, hatten einen großen. Resonnanzräum. In Galizien jedoch gab es keine jüdische Arbeiterbewegung größeren Maßstabes, die auf ihrer Fahne die Losung „jiddisch!" hätte schreiben können.. In Galizien wird der bürgerliche Zionismus verpflanzt mit seiner negativen Beziehung zu jiddisch, so daß, von diesen Bevölkerungsschichten keine sonderlichen Leistungen für jiddisch1 und jiddische 'Kultur, zu erwarten war. Und noch1 etwas: In Galizien gab es wohl kleine Gruppen, die für die wirtschaftliche Umschichtung in den gegebenen Wohnländern waren;, die Masse war aber zu klein, weshalb sie sich' zu keiner Partei entwickeln konnten, analog der volkistischen Partei in Rußland. Und außerdem hatten sie für ihren1 Kulturkampf keine Stütze anl der Arbeiterbewegung, wie es die Volkisten; hatten. Auch die Nähe der angesehenen deutschen Sprache und Literatur ließ das richtige Verständnis für Jiddisch als. die Sprache der neuen jüdischen Kultur nicht aufkommen. Die fatalste Zeit für jiddisch1 beginnt jedoch' nach dem Kriege. Anfangs ging es gut. Das Jahr der ukrainischen Regierung versetzte die jüdische Intelligenz in eine noch nicht dagewesene Lage. Sie sah sich gezwungen, sich der jiddischen Sprachae sowohl im' gesellschaftlichen Leben, das damals in Blüte war, wie auch im privaten zu bedienen. Deutscht verschwand von der Arena. Polnisch, das in den letzten Vorkriegsjahren Wurzel faßte, wurde verfolgt! Das Ukrainische beherrschte die Intelligenz nicht und dazu war es noch eine ebenso verachtenswerte Sprache wie das „Jargon". So kam man unter dem Druck der Verhältnisse zum Jiddischen. Dieser Zustand dauerte aber nur 9 Monate. Nachdem die polnische Herrschaft in Galizien sich endgültig festwurzelte, ging die Assimilatiaon mit Riesenschritten voran. Das polnische Schulwesen, das noch vor dem Kriege gut entwickelt war, wurde reorganisiert. Jiddische Schulen, die während der ukrainischen Regierungszeit entstanden, wurden aufgelöst. Die tonangebende zionistische Intelligenz wird der Vortrupp der polnischen Assimilation. Die „Chwila", die nur für eine Weile gegründet wird (um dann ins Hebräische zu übergehen), feiert ehrwürdig ihr 10 jähriges Jubiläum. Uebrigens ist die „Chwila" keine episodenhafte Erscheinung, sondern Ausdruck eines Prozesses, den sie aktiv unterstützt. Die Arbeiterbewegung ist immer noch schwach' und dazu zer-

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