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Der Jüdische Arbeiter · 1931-02-13 · Heft 2 (13.2.1931) · page 3

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
8 (1931)
Issue
Heft 2 (13.2.1931)
Date
1931-02-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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j i j e 1 r 1 i i Dtt jMKMk« AHAMtif Sitte 8. Juden, Sozialisten! Arbeitende Juden! Wir wenden uns an «alle jene arbeitenden Menschen, die sich' der jüdischen' Gemeinschaft zugehörig betrachten, sich' offen und mutig zu ihr bekennen, die sich: aber dagegen wehren, daß man ihre Zugehörigkeit zur jüdischen Gemeinschaft in einen Widerspruch bringt mit ihrer Zugehörigkeit zur Arbeiterschaft, mit ihrer sozialistischen Gesinnung. Unsere Worte richten sich an alle bewußten sozialistischen Juden, die seelisch darunter leiden, daß sie bei Erfüllung ihrer Pflichten der sozialdemokratischen Partei gegenüber, der Tatsache ihrer Zugehörigkeit zur jüdischen Gemeinschaft nicht genügen können: Unser Ruf ergeht endlich auch an jene, die die nationale und sozialistische Bedeutung des arbeitenden Palästina nur ahnen oder auch erkennen, aber noch immer den richtigen Weg nicht gefunden haben, um der Verpflichtung, die ihnen diese Erkenntnis auferlegt, voll und ganz zu entsprechen. Wir sagen ihnen: Des modernen Menschen und insbesondere des sozialistischen Menschen ist es unwürdig, seine Zugehörigkeit zu seiner Volksgemeinschaft zu verleugnen. Es ist eines denkenden Menschen unwürdig, durch' äußere Anpassung an seine Umgebung sich und den anderen Menschen die Ausmerzung seiner Volkszugehörigkeit vorzutäuschen. Denkende, kämpfende Menschen weichen dem Weg des geringsten Widerstandes aus, bleiben sich' und ihrer Volksgemeinschaft treu. befinden uns gegenwärtig in eitlem Stadium der Umschichtung, da den sehr zahlreichen kleinen selbständigen Elementen die Existenzmöglichkeit genommen wird und sie gezwungen werden, den Weg der Proletarisierung zu "beschreiten. Jede Minderheit ist Angriffen und Verfolgungen ausgesetzt, wir müssen deshalb uns wehrhaft erhalten. Die steten Wanderungen der jüdischen Massen machen ein organisiertes Eingreifen zur unbedingten Notwendigkeit, um die Neuansiedlung der Juden gesund und produktiv zu gestalten. Die Proletärisienirtg breiter Schichten des jüdischen Mittelstandes, der zahlreichsten Gruppe jeder jüdischen Ganeinschaft, macht es uns zur Pflicht, der Jugend den Weg zu bahnen, ihr behilflich zu sein bei ihren Bemühungen, in Berufe einzudringen, in denen es noch bis jetzt fast keine Juden gibt. Auch' die Pflege des Zusammengehörigkeitsgefühls mit der jüdischen Gemeinschaft gehört zu den ihren besonderen' Aufgaben. All diese und noch' viele andere Aufgaben mit sozialistischem Geist zu erfüllen, sie im vollen Einvernehmen mit der s oziaIdem okra11schen Ärb'ei terscIiaft des Landes zu erfüllen, soll die Aufgabe aller Juden, die Sozialisten sind, sein. Eine Feuersäule auf diesem gewiß nicht leichten Wege möge uns die jüdische Arbeiterschaft Palästinas Vom 14. Februar bis 28. Märi sind die Werbewochen! •ti m i* *o»— i .i i« ■H» Hl . I «I I N Denkende, kampfende Jude u bleiben' sich' und ihrer jüdischen Gemeinschaft *r£3Jl?kennen sich' mu t i g zu ihr, verteicfigen sie gegen alle Feinsde und wirken mit für ihre Renaissance, für, ihren Aufstieg. Juden, die Feinde der Demokratie, des Fortschrittes, der Arbeiterschaft und des Sozialismus sind, haben es 'sich zur Aufgabe gesetzt, eine Kluft, zwischen aufrechtem Judentum und Sozialismus zu errichten. Diese Bestrebungen haben vielfach' dazu beigetragen, die Vorurteile und Mißverständnisse, die unter dein Nichtjuden über Juden und Judentum seit Jahrzehnten verbreitet sind, auch unter den sozialistischen nichtjüdischen Arbeitern vielfach1 zu erhalten. Viele Juden-Sozialisten1 glaubten nun der Gefahr der Verdächtigung einer Identifizierung von! Juden mit Arbeiterfeindschaft am besten zu entgehen, indem sie den Juden, die sich1 zu ihrer Gemeinschaft!bekennen, den Rücken kehrten und sich' ganz in den Dienst der Sozialdemokratie stellten. Ihr Schritt bewirkte das Gegenteil: Je mehr die sozialistischen Juden den ihrer Gemeinschaft treu gebliebenen Juden den Rücken kehrten, desto stärker wurde nach1 außen hin die Position der arbeiterfeindlichen nationalen Juden, da für die jüdische Gemeinschaft oft und am lautesten jene das Wort ergreifen, die alles Jüdische in einen Gegensatz mit klassenbewußter Arbeiterschaft und Sozialismus bringen wollen. Jene Juden-Sozialisten, die den arsein. Durch1 ihr Leben und Wirken erbrachte und erbringt sie täglich1 wieder den Beweis, daß die Gesundung des jüdischen Lebens, die Rückkehr der Juden zur Natur, zur Urproduktion, zur Arbeit überhaupt im Einklänge mit der Schaffung sozialistischer Wirtschaftsformen vor sich1 geht. Die Mitwirkung an dem Aufbau des arbeiJenden Palästina, das die u neinges c h rä n k t "e Anerkennung u n: d ~B e w u n d e - rung der bedeutendstem Führe r des Weltproletariats gefunden h'at, gib't unserem Wirken neuen, wertvol lenTlnh'a lf, erleichtert uns unseren Kampf für di e jüdisch'e Gemeinschaft im Geiste des schaffenden So zia 1 is m u s erfio 1 greich zu führen. Ein Teil den arbeitenden Juden Deutschösterreichs hat diesen, unserer Ueb'erzeugung nach', einzigen richtigen Weg gefunden. Seit Jahren besteht in Wien eine „Jüdisch'e sozialdemokratische Arbeiterorganisation Poale Zion", die in allen landespolitischen Fragen an den Aktionen der sozialdemokratischen Partei teilnimmt, in jüdischen Fragen gemeinsam mit dem Verbände der Poale-Zion-Parteien aller ÖiaÄL»i&5fMSt^^ beiterfeind liehen, chauvi nistischen Naionaljuden das Feld der Vertretung der besonderen Interessen der j ü di sc Iren Massen überließen, leisteten der ar beienden j ü d ischen Bevö 1 keru ng und dem Sozialismus einen schlechten Dienst. Den ersteren, da sie sich1 den reaktionären, vom Haß zur Arbeiterschaft und zum Sozialismus erfüllten ilementen auslieferten, dem Sozialismus, da sie den Vorurteilen und Mißverständnissen, die über Juden verbreitet und dem Sozialismus hinderlich sind, den Nährböden erhielten. Was sollten die Juden-Sozialisten denn tun? D ie Jude n - S ozia 1 is te n sollen be i aller Bekundung, der Solidarität mit der Hassen bewu ßten Ar beiterschaf t d es Landes, beivollerBet ei ligungan dem Kampfe der Sozialdemokratie, sich' als Angehörige der jüdischen Gemeinschaft be kennen — und diesem Bekenntnis eine organisatorische Form verleihen, um die besonderen Interessen der arbeitenden Juden wahren zu können. Für die Werbewochen 1. Mendel Singer: Der Weg des jüdischen Arbeiters zum Sozialismus Preis S 2.— 2. Dia blutigen Ereignisse in Palästina u. der internationale Sozialismus Preis S 1.50 Länder, im Einvernehmen mit der organisierten jüdischen Arbeiterschaft Palästinas vorgeht. Die Organisation Poale Zion in Wien h'at im' Laufe der letzten 10 Jahre ihre politische Schulung und Verläßlichkeit bewiesen, sie hat sich das volle Vertrauen bei der sozialdemokratischen Partei und bei weiten Kreisen der jüdischen Bevölkerung erworben. Diese Organisation ist nur noch1 zahlenmäßig nicht stark genug, um ihre Aufgabe voll erfüllen zu können. Es ergeht deshalb der Ruf an alle Juden-Sozialisten, an alle arbeitenden Juden, an alle wahrhaften Freunde des arbeitenden Palästina: Sehließt euch der „Poale Zion" an! Leitsätze dir jfldlschen ÄoiUldemokrttüchen Arbeiterorganisation Poale Zion, Wien. I. Die jüdische sozialdemokratische Arbeiterorganisation Poale Zion Wien gehört dem Weltverr bände jüdischer sozialistischer Arbeiter Poale Zion an, welcher aus Parteien verschiedener Länder zusammengesetzt und der Sozialistischen Arbeiter-Internationale angeschlossen ist. II. In allgemeinen Fragen der Landespolitik solidarisiert sich grundsätzlich' die jüdische sozialdemokratische Arbeiterorganisation Poale Zion mit der sozialdemokratischen Arbeiterpartei Deutschösterreichs. Es wird als Pflicht -aller Genossen erklärt, Mitglieder der sozialdemokratischen Arbeiterpartei Deutschösterreichs zu sein und alle Aktionen der Partei zu unterstützen. III. In den Fragen des innern jüdischen Lebens entfaltet die jüdisch'e sozialdemokratische Arbeiterorganisation Poale Zion ihre Tätigkeit in Uebereinstimmung mit den Richtlinien und Beschlüssen des Weltverbandes jüdischer sozialistischer Arbeiter Poale Zion. IV. Die Tätigkeit der jüdischen sozialdemokratischen Arbeiterorganisation Poale Zion auf dem Gebiete des jüdischen Lebens erstreckt sich insbesondere auf folgende Gebiete: . 1. Initiative und Förderung der Bemühungen zur Umschichtung von Juden in manuelle und produktive Berufe, insbesondere im Hinblick' auf Palästina. 2. Pflege der jüdischen Kultur und des Zusammenhanges mit allen Teilen des jüdischen Proletariats und insbesondere mit der Weltbewegung Poale Zion'. 3. Demokratisierung und Verweltlich'ung der jüdischen Institutionen, insbesondere der Kultusgemeinde und ihre Ausgestaltung im sozialistischen Sinne. 4. Werbung für das Palästina-Aufbauwerk (Keren Hajessod, Keren Kajemeth1 usw.), insbesondere für das arbeitende Palästina und die Förderung der Institutionen der jüdische« Arbeiterschaft Palästinas. Die Weltbewegung Poale Zion. Die Bewegung der Poale Zion datiert seit dem Jahre 1898. In diesem Jahre erscheint in Wien >,Der jüdisch'e Arbeiter" als Organ der Arbeiter-Zionisten). Organisationen der Poale Zion bestehen in fast allen Ländern, wo Juden! leben. Die Poale Zion aller Länder sind in einem Weltverbände vereinigt. Der Weltverband Poale-Zion ist seit dem Kriege der sozialistischen Internationale angeschlossen. Unter dem Einflüsse des Weltverbandes Poale Zion steht ein Weltverbanld der jüdischen Arbeiterjugend, der sich' als sein Nachwuchs betrachtet und der sozialistischen Jugendinternationale artgeschlossen ist. Unter Mitwirkung der Poale Zion ist in den letzten Jahren eine Weltorganisation der Freunde des arbeitenden Palästina ins Leben gerufen worden, die zehntausen'de Mitglieder zählt. Auf Initiative der Poale Ziom und unter ihrer Leitung ist im' Jahre 1929 ein internationales sozialistisches Komitee für das arbeitende Palästina gegründet worden, an dessen Spitze Emile V a n d e r v e 1 d e, Leon Blum, Paul Lobe, Eduard Bernstein, Artur Henderson und noch andere Führer des Weltproletariats stehen. Jüdische sozial demokratische Arbeiterorganisation Poale Zion IL, Taborstraße 44 (Ecke Blumauergasse). Beitrittserklärung Schließt euch unserem Kampfe für den Sozialismus und die "gerechte jüdische Sache an! Arbeitende Juden, bekennet euch1 zur Sozialdemokratie! J u de n- Soziai dem o kraten, bekennet euch1 zur jüdischen Gemeinschaft, zum sozialistischen Zionismus! Dann könnten wir mit Erfolg den arbeiterfeindicken Elementen in der jüdischen Gemeinschaft den toden entziehen und den über Juden auch unter der sozialistischen Arbeiterschaft verbreiteten Vorurteilen und Mißverständnissen erfolgreich1 entgegentreten. Nun könnte man ja uns; fragen: Hat denn die üdisch'e Gemeinschaft besondere Interessen? Die Juden bilden in allen Ländern der Welt eine Minderheit, wir sind das. klassische Wandervolk, wir Tr ete t i n M asse n der j üdisc ben sozi a 1d e m o krat i seh e n A r b e 11 ei r o r ganis a t i o n Poale-Zion bei! Vor- und Zuname: Beruf: Adresse: im: Geboren am: Spulst gewerkschaftlich1 organisiert: Ist politisch' organisiert? Eingezahlt Einschreibigeführ S Mitgliedsbeitrag S Wien, am 193 Eigenhändige Unterschrift: In den WerDewodien Ist es Pfifft jeöes Genossen, zümiRöesl ein neaes Mitglieö zu werben!

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