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Der Jüdische Arbeiter · 1931-02-13 · Heft 2 (13.2.1931) · page 4

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
8 (1931)
Issue
Heft 2 (13.2.1931)
Date
1931-02-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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fette 4. Der j Mische Arbeiten Bewegung den Eindruck! zu erwecken, daß sie nicht mehr als ein; Objekt in den Händen der palästmertsischen Arbeiterschaft ist, daß sie nur die Beschlüsse derselben auszuführen hat, und kein selbständiger, Faktor ist. Es ist(daher ein Fehler, daß man beschlossen hat, den Sitz der Leitung der Liga nach Palästina zu verlegen, und es besteht die Gefahr, daß' der Versuch', diesen Fehler durch die Errichtung eines provisorischen Sekretariats fn Europa gutzumachen, nicht realisiert werden wird. Wer die Bedingungen1 der Arbeit unserer führen den Genossen in Palästina kennt, wer die Last der tagtäglichen Sorgen in Palästina kennt, dem ist klar, daß es im Lande keine . Körperschaft gibt, die. imstande wäre, Zeit und Energie einer Arbeit zu widmen, die nicht mit den! dringendsten, tagtäglichen Nöten: der paäsltrnensischen1 Arbeiterschaft selbst verbunden ist. Das ist natürlich kein Vorwurf, weil ein Streit in Petach'-Tikwah1, ein Konflikt in einer Fabrik in' Haifa, eine Schwierigkeit im Emek durch die Menschen, die in Palästina leben und die Verantwortung für/die Arbeit im Lande zu tragen haben1, zuerst behandelt werden müssen1. Die Arbeit der Weltliga aber fordert, daß die Leitung der Arbeit in den1 Händen1 solcher Menschen' liegen muß, bei weichen diese Arbeit die Hauptsorge bildet. Durch' die Verlegung des Zentrums der Weltliga für das arbeitende Palästina nach5 Erez Israel befreien wir die führenden Genossen von der Verantwortung für unsere Bewegung. Sie brauchen nicht mehr initiativ zu sein, sie warten auf Instruktionen. Wir sind aber an' der Stärkung der Initiative unserer Genossen im Gallith interessiert. Wir wollen führende Menschen gewinnen und zum Teil ist es uns gelungen. Glaubt aber jemand ernsthaft, daß man dazu diese führenden Menschen braucht, damit diese Menschen an unsere Bewegung bindern kann? Wir. Waben ein Interesse, die Autwort unseres Hinterlandes zu hören, zu wissen, wie unser Lager im Gallith" reagiert. Und es ist für uns wichtiger, daß die se Antwort der eigenen Initiative entspringt urtd nicht immer bloß das Echo der in Palästina gefaßten Beschlüsse darstellt. Es ist möglich1, daß man im Galutft einmal artdere Arbeitsmethoden anwenden, daß dort eine andere Sprache gesprochen, eine andere Terminologie verwendet werden wird, als wir in Palästina es wünschen'. Wir müssen aber mit den spezifischen1 Verhältnissen/ irr den Galuthlän'dern rechnen: Es besteht wahrlich' keine Gefahr, daß der Geist der Arbeit ein anderer sein wird, als wir es wollen, wenir die Leitung, der Weltliga im Gallith ihren Sitz haben wird; dajsi wurde doch1 durch die Bestimmung unserer Statuten1, wonach1 die Hälfte der Mitglieder der Leitung vom Vorstand der jüdischen Frb'eiterorganisationen Palästinas nominiert wird, verhindert! ■ Wir leben in dauernden Geldsorgen1. Die Veranstaltung des Weltkongresses hat von der Hestadruth' ohne Zweifel Opfer gefordert. Es wäre aber unökonomisch', nunmehr nicht jene Mitteln bereitzustellen, die notwendig sind, um jene Bewegung auszubauen, die das Ergebnis eines Kongresses ist. Wir müssen endlich lernen, zu Ende zu denken1 und tun1. Unser Leben in1 Palästina ist schwer. Die Sorge für unser Werk' bedrängt uns stündlich'. Wir könnet! uns keine langfristigen Investitionen erlauben. Wir leben von der Hand in den Mund, und mit Reicht fragen wir uns vor jeder Unternehmung: was wird sie uns sofort bringen'? Was werden wir dank ihrer Früchte neu bauen können? Trotz alledem müssen' wir mit unseren1 Investitionen fortsetzen'. Wir haben eine große Chance,. die nicht vertan werden darf. Unsere Investitionen*-werden vielfachem Nutzen bringen, vielleicht sogarv sofort. Aber oh'ne umfassende Arbeit, oh'ne gewisse Konzessionen an die Eigenart der Bewegnug im Gallith1, ohne Investitionen werden wir nichts erreichen. Dann hatte unsere Diskussion) über die Eroberung der jüdischen Massen1 einen' reirr akademischen Wert. Noch' vor dem Kongreß haben' wir geschrieben:: „Es ist nur von uns abhängig, ob der Kongreß bloß eine einmalige große Demonstration sein wird, oder der Auftakt zur Gründung einer großen Massenorganisation". Heute, in dieser Stunde ist es noch möglich', die durch den Kongreß geweckten Energien dauernd an 'unsere Bewegung zu binden. Es * liegt nur an uns. Morgen wird es wahrscheinlich nicht an uns bloß liegen. Wir werden einem neuen Kongreß oder eine andere Form der Aufrüttelung der Massen brauchten. Und wird eine solche möglich sein, wenn wir die erste; Chance, die uns gegeben war, vertan haben werden? Die Juden in Sowjetrußland. Kürzlich hielt Dr. Pel^er im Rahmen des Vereine;» der Förderung der jüdischen Kolonisation in. Rußland" einen Vortrag über die Lage der Juden in der Sowjetunion.. Der Vortragende war sechs Wochen in Rußland un;d hat sich in dieser relativ kurzen Zeit auch dem Studium der jüdischen Sozialpolitik der Sowjetunion gewidmet Zwei Organisationen dienen in Rußland der jüdischen Sozialpolitik: die Ozet (300.000 Mitglieder, 20 Prozent Nichtjuden, ein Fünftel Kommunisten), eine freiwillige Organisation, zur Unterstützung der Regierung in ihrer jüd. Sozial Politik, die Konuets, Regierwigsofgane, denen ausschließlich die Arbeit unter den Juden obliegt. Ursprünglich setzte sich die jüdische Kolonisation weitgehende Aufgaben - 100.000 Juden sollten jährlich angesiedelt werden — tatsächlich wird nur ein Bruchteil davon verwirklicht. Im Fünfjahrplan ist neben der Kolonisation auch die Eingliederung der Juden in die Industrie vorgesehen. Bis zum Jahre 1928 waren die Ukraine und die Krim die einzigen Kolonisationsgebiete. Hier ist die Errichtung der extensive Landwirtschaft betreibenden Siedlungen von jenen zu unterscheiden, die in der Nähe der Städte errichtet werden und dank der Marktnähe in dfer Lage sind, in tensive Landwirtschaft zu betreiben. Während die Koloni satiön in diesem Oebiete als erfolgreich betrachtet werden darf, kann dies - wie Dr. Peller betont — von der im Jahre 1928 in Biro-Bidschan aus politischen Gründen in Angriff genommene Kolonisation nicht behauptet werden Von den 600 Einwanderern des ersten Jahres hat die Hälfte Biro Bidschan verlassen. Diese Kolonisation im asiatischen Teil Sowi.etrußlands hat innerhaljb des russischen Judentums] scharfe Kritik erfahren, diese hat jedoch die Regierung von ihrem Plan nicht abbringen können: die Kolonisation jn Biro-Bidschan bleibt neben der in der Krim und d|er Ukraine und neben dem Plan der Eingliederung d)er jüdischen Massen in die Jndustrie Bestandteil der jüdischen Sozialpolitik Sowjetrußlands. Was den Erfolg der Berufsunischichtung der Juden anbelangt, so haben die Juden in der extensiven Landwirtschaft die Produktionsraten der Russen nicht erreicht, in der intensiven landwirtschaftlichen Produktion haben sie? die Russen überflügelt. Es ist bezeichnend, daß die Kollektivierung der Landwirtschaft, wie sie gegenwärtig von der Sowjetregierung betrieben wird, bei den Juden auf geinigeren Widerstand stößt als bei den Russen. In den Kolchos ■•- landwirtschaftWche Genossenschaften mit getrennter Wirtschaft und staatlichem Bodeneigentum, aufgebaut auf dem Prinzip der Eigenarbeit (ähnlich wie Moschav-Ovdim) — sind oft Juden und Russen vereinigt, womit man gute und schlechte Erfolge gezeitigt hat. Bei detn Juden ist vielfach die Tendenz vorhanden, Lohnarbeiter anzustellen. Die Regierung laßt das in der ersten Zeit zu, später verbietet sie es. In Biro-Bidschan wurden die Sov* chos, die staatlichen Agrarfabriken, Plantagen, errichtet. Die Kvvuzahform ist, wie er, Pellcrf der Palästina kennt, betont, in Rußland nicht so entwickelt wie in Ercz, sie unterscheidet sich auch von der palästinensischen dadurch, daß die Familienerziehung und Hauswirtschaft beibehalten wird. Der Vortragende kam hierauf auf die allgemeine Judenfrage in Rußland zu sprechen, die Werturteile, die er hier fällte, waren der Anlaß zu den späteren stürmischen Auftritten, die erst dank des Eingreifens Adolf Böhms beigelegt wurden. Die russische Regierung betrachtet den Antisemitismus als konterrevolutionäre Gesinnung und bekämpft ihn aufs schärfste. Der Antisemitismus der Massen wird durch Aufklärung seitens der Qzet bekämpft, die Zellen gründet, welche Hauptträger der Aufklärungsarbeit in Stadt und Land sind. Die Ozet veranstalten auch Besuche der jüdischen Kolonien durch russische Arbeiter. Der Antisemitismus der Intellektuellen wird seitens der Regierung mit den Mitteln der Staatsgewalt niedergehalten. Die jüdische Religion wird bekämpft, aber nicht als jüdische Religion, sondern als Religion an sich, wie eben alle Religionen. Die russische Regierung fördert die jüdische Kultur (Jiddische Literatur,' Schulen) außerordentlich — was ihr Dr. Peller zum Vorwurf macht, da er darin eine Konzession an eine bürgerliche Ideologie sieht. In der Diskussion bringt Dr. Peller Zahlenmaterial, für dessen Richtigkeit er aber, keine Garantie übernehmen will. Man kann — schließt der Vortragende seine Ausführungen — Zionist sein, und trotzdem die jüdische Sozialpolitik Sowjetrußlands begrüßen und fördern. Wir stimmen diesem Satz des Vortragenden voll und ganz zu. x. r. liehe Einführung der türkischen Sprache als Unterricht» spräche in allen Minderheitsschulen; die Untersagung jede religiösen Unterrichts, selbst in den türkischen Schulen die Einführung des numerus clausus auf wirtschaftlichem Gebiet: die Unterdrückung jeder zielbewußten Tätigkeit der Minoritäten; die Verhinderung irgendeiner Organisation de Minoritäten, selbst der Kultusgemeinde — dies sind Teile eines gesetzlich sanktionierten gegen die Minoritäten ge richteten Kurses, der bei der praktischen Ausübung sich aufs schärf?te auswirkt. 50 Prozent aller Beamten und Angestellter öffentlicher Gesellschaften, Banken u. dergh müssen Türken sein. Die jüdischen Institute für soziale Fürsorge werden des öfteren selbstverständlich inoffiziell, daran erinnert, daß die Re gierung es nicht gern sieht, wenn sie Hilfe von außen erhalten. Dasselbe gilt auch für die Schulen. Somit befinden sich die Institutionen für soziale Fürsorge und auch die Schulen in einer unerträglich finanzieren Lage, die nur dadurch überwunden werden kann, daß ihre Leistungen bis zu einqm nur denkbaren Mindestmaß herabgedrückt werden. Eine Gesamtorganisation der einzelnen Gemeinden ist Unter.-agt, und die Regierung steht in Konstantinopel selbst in Verbindung mit einem halben Dutzend von Ge meinden. Dje Statuten der jüdischen Gemeinden warten schon jahrelang auf die Bestätigung seitens der National Versammlung. Der türkischen Judenheit droht auch der religiöse Niedergang. Von 8000 schulpflichtigen Kindern besuchen un gefähr 0000 die Schulen. Ein Drittel davon besucht die Missionsschulen und geht in jeder Beziehung für das Juden tum verloren. Ein kleiner Bruchteil, von den übrigen 4000 besucht andere Minoritätenschulen, und der Rest von etwa 3500 besucht die jüdischen Schulen. Sie erhalten zwei bis drei Stunden wöchentlich hebräischen Unterricht, völlig sy sternlos.1 Ein Ausländer darf nicht Lehrer sein, und ge schulte hebräische Lehrer türkischer Staatsangehörigkeit können Schwei ausfindig gemacht werden. Dazu kommt noch die schlimme finanzielle Lage. In den jüdischen Schulen lernen die Kinder wenig, und die Eltern, die sie ausgebildet sehen wollen, schicken sie zur Mission. Der Drang zur Auswanderung legt Zeugnis von der wirtschaftlichen Not der türkischen Judenheit ab. Die junge Republik proklamiert nicht die Losung: ^Unterdrückung der Minoritäten'f, sondern versprach Freiheit, Gleichheit und Verbrüderung. Dies schuf in den letzten Jahren fast' allgemein eine Atmosphäre des Vertrauens gegenüber der neuen Regierung. Von den Minoritäten wurde eine Erklärung verlangt, daß sie freiwillig auf alle möglichen Rechte verzichten, mit der Begründung, daß die Minoritäten auch ohne den Besitz dieser Rechte menschÜcfh behandelt . werden. Die Regierung gebrauchte dies als eine rechtliche Waffe, um späterhin alle Ansprüche und international anerkannten Rechte der Minoritäten abschlägig zu bescheiden. Es sei hier bemerkt, daß. die jüdische Minorität die erste war, die bereitwilligst diese Erklärung abgegeben hat. Dienstag, den 17. Februar 1931, im Cafe „Jägerh'of", XX., Gausplatz-, 8 Uhr abends. Versammlung T Ii e m a: Die gegenwärtigem Aufgaben der Poale-Zion in Wien. Referent: Mendel Singer. Ring des „Jüd. Arbeiter". Gen. S. Weiner beantwortet die Aufforderung des Gen. R. Katz, spendet S 2.— und ruft zu weiteren Spenden auf: Dr. Alfred Löwy, Chaim Kupfer, Ch'. Salitry, Paul Rohrlich, Dr.- Klaber. Gen. Karl Lederer beantwortet die Aufforderung des Gen. Welt, spendet S 2.-~ und ruft zu weiteren Spenden auf: Silberherz P. Margalith Klein1, Jakob Berger, Paul Ungar, Otto Menzel, Galiii. Dr. M. Schjäffer beantwortet die Aufforderung des Gen. Goldstaub und spendet S 2.—-. Dir, Hellmann beantwortet die Aufforderung des Gen. M. Horowitz und spendet S 2.—. Dr. Weihtraub beantwortet die Aufforderung des G. Goldstaub und spendet S 2.--. Dr. Karpeles beantwortet die . Aufforderung des Gen. Welt und spendet S 2.—. Wir gratulieren unserem Genossen Willy Rosmart aufs herzlichste zur Vermählung. Die Organisationsleitun'g, I Jakob Jungermann agsjSflBa^^ Nach' einer kurzen tückischen Krankheit verschied Genosse Jakob Jungermann. Jungerm'ann. gehörte seit Jahrzehnten; unserer Bewegung an. Er nahm an unserer Arbeit aktiv teil un;d erfreute sich einer großen Popularität. An dem Leichenbegängnisse nahmen viele Genossen und Freun'de teil. Namens der P. Z.'iu'ndl des Sportklub „Ch'eiot" sprach' an der Bahre Gen. Tischler. Wir werden ihm ein treues Andenken bewahren! Die Lage der Juden in der Türkei (Mitgeteilt vom Hilfsverein der deutschen Juden.) Zwei Grundgedanken leiten die türkische Politik: Das Bestreben der Türkifizierung des öffentlichen. Lebefes in allen seinen Abzweigungen und der Wunsch der Türkifizierung der Minoritäten im besonderen. Diese Grundgedanken lassen sich in der ganzen türkischen Gesetzgebung seit der Revolution deutlich erkennen. Die gesetz- Lebensversi eher ungs**Ges ellschaft PHÖNIX Zentrale: Wien, I., Rieniergasse Nr. 2 Veraicherungsbesiand oer Mitte 1930: S S,4*0,000.000 - Garantiemlttel Ende 1929: » 300,000,000'- Prämleu- und Zinsen einnahmen im Jahre 1929? H '2^,000,000- Ausz-hlungea an die Versicherten im Jah'C 1920: S 30 500.000 — TÄTIGKEITSGEBIET: Oesterreich, Deutsches Reich, Frankreich, Belgien, Holland, Italien, Spanien, cechoslov. Republik, Polen, Ungarn, Jugoslawien, Bulgarjen,Griechenland.Türkei, Aegypten, Palästina. Pensions- Versicherung NCU' m** Rentenansammlung (Rentenbezug beim 55., 60. oder 65. Lebensjahr oder bei früherer BERUFS-UNFÄHIGKEIT. Monatliche Prämie. Sofortige Unverfallbarkeit.) gemeinschaftlich mit der Versicherüngs* Aktien** Gesellschaft früher PENSIONS-VEREIN für Handel, Industrie und Gewerbe Wien, I, Schellinggasse Nr. 1 Eigentümer, Verleger, Herausgeber u. verantworte Redakteur: Frana Lustig» Etektromönteur, Wien, VI., Stfegeng. 16. — Druck: „Adria", Wien, II., Taborstr. 52b\

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