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Der Jüdische Arbeiter · 1931-01-23 · Heft 1 (23.1.1931) · page 3

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
8 (1931)
Issue
Heft 1 (23.1.1931)
Date
1931-01-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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ml Praktische asgeräte in den Ausstellungen der SMenersfjjö^^ VIII., Josefstädterstraße 10 XU., Theresienbadgasse 3 XX., Denisgasse 39 8 bis 18 Uhr Teilzahlungen Arabern und Juden, er h'at die Zerstörung der jüdi sehen Arbeiterorganisation1, den Klassenkampf in seiner radikalsten faschistischen Form, die Vernichtung der wichtigsten Kraft nationalen Aufbaus auf sein Panier geschrieben. Friede und Aufbau, nur das arbeitende Palästina und die sich' um die jüdische Arbeiterpartei Palästinas sich' scharenden' zionistischen Gruppen, insbesondere aber die international gee richtete Poale Zion bürgen uns dafür, daß. sich der Zionistenkongreß diese Ziele setzen wird. Es muß unsere Aufgabe sein, dafür Sorge zu tragen, daß. der zionistische Sozialismus aus den Kongreßwahlen als mächtigster Faftor der zionistischen Bewegung hervorgehe. M. P. Die Wahlen zur Assefath Hanivcharim. Solange es in Palästina nicht eine unter natürlichen Bedingungen lebende, eine normale Struktur aufweisende jüdische Gesellschaft gab, konnte von unbedingten' Anhängern der Auserwähltheitsideöl'Ogie die Ansicht vertreten werden, daßi sich das jüdische Volksleben nicht nur durch' seine Voraussetzungen1, seine Daten, sondern auch1 durch seine innere Gesetzmäßigkeit von dem Leben der anderen Völker unterscheidet. Heute wissen wir — und der Ausgang der Wahlen in Palästina beweist es wieder — daß dem nicht so ist, daß sich vielmehr innerhalb der spezifischen Bedingungen des jüdischem Lebens die allgemein geltende gesellschaftliche Klassengesetzmäßigkeit bewährt. Bei allen Völkern können wir gegenwärtig eine Verschärfung der Klassengegensätze feststellen: auch1 im neugewählten: jüdischen Parlament stehen 34'Arbeiter Vertreter (31 Arbeiterpartei, 3 Linke Poale Ziön) 16 Faschisten (Revisionisten) gegenbüer, während sich die restlichen 21 Mandate auf 5 Splitterpartaeien (Seph'ardim 6, Misrachi 5, Allgemeine Zionisten 5, Jemeniten: 3, Frauenpartei 2) verteilen. Die Arbeiterpartei hat 22.336 Stimmen (46 Prozent) auf sich vereinigt, um1 3 Prozent mehr als im Jahre 1025, die allgemeinen Zionisten, die „Mitte" ist autgerieben. Einen1 außerordentlich starken Stimmenzuwachs — die Parallele mit dem Wahlerfolg der deutschen Hackenkreuzler vom 14. September drängt sich einem unwillkürlich auf — haben' die Revisionisten zu verzeichnen, sie sind die zweitstafkste Paf^ tet 'dfcr' Assetat;-*Märii^ch'äiiim.' Wir dürfen uns aber nicht damit begnügen', uns über die Tätsache zu freuen, daß Unsere BrUderpaf tei die stärkste in der Assefah sein wird, wir müssen aus dem Wahlergebnis ernste Lehren! ziehen. Die erste Lehre des Wahlausgangs ist, daß der nationale Chauvinismus und arbeiterfeindliche Faschismus einen nicht kleinem Teil des Jischuv erfaßt hat. Es wird unsere Aufgabe sein, dafür zu sorgen, daß die Olim eine solche Erziehung im Galut erfahren, daß sie für immer den Verlockungen des Revisionismus widerstehen können. Die zweite nicht minder wichtige Lehre der Wahlen zur Assefat hanivcharim haben wir aus der Tätsache zu folgern, daß die Arbeiterpartei zusammen mit den 2 Listen der linken Poale-Zion und dem Haschomer Hazair (Kibuz Arzi — der Kibuz meuchad ist Teil der Arbeiterpartei) 24.867 Stimmen, also mehr als 50 Prozent aller abgegebenen Stimmen erlangt hat. Eine einige jüdische Arbeiterschaft müßte im Stande sein, in Kürze die Führung des Jischuv zu übernehmen.' Auch daraus erwächst uns im Galuth eine wichtige Aufgabe: wir haben alle scheinradikalen Formen der chaluzischen Jugendbewegung aufs energischeste^ zu bekämpfen und dafür Sorge zu tragaen, daß unsere Olim in Palästina im Sinne der Einheit der Arbeiterbewegung wirken. Ernst Pollak. (Zu seinem zehnten Todestage.) In diesen Tagen, da die jüdische Arbeiterorganisation; Palästinas ihr zehnjähriges Jubiläum feiert, wollen wir eines imirfer hat er seiner tiefen Liebe zu seinen Elfern und 6*» s*hwistern Ausdruck gefebe«, fmirter hät et '« schffiäfzVdtt empfunden, daß sein Lebensweg ihn so früh vom- Elternhaus wegführte. , ,.; Die physische HachsdraralT hat unserem Ernst keine Schwierigkeiten geboten r er, der Sportler und Turner, ist spielend mit der Arbeit fertig geworden. Hebräisch lernte er intensiv. Seine ChSluziut war eine asketische: ünsef Ziel. — sagte er — ist, Bauern zu werden, wir müssen unseren, Intellekt verkümmern lassen. „Verbauern" war sein Lieb* lihgswort. Und welche Paradoxier in den herrlichen freien S;unden in Neuh'of, wenn wir durch die Felder, unsere Aufgaben besprechend, gingen, hat Ernst Pollak an jene These anknüpfend Schönstes und Tiefstes über Sinn und Ziel unserer Bewegung gesagt Alle Schwierigkeilen überwindend ist Ernst Pollak mit den ersten Chaluzim aus Wien nach Palästina. Unter den schwersten Bedingungen hat er — gerade d i e s e suchend — dort gearbeitet. Bis ihn uns eine tückische Krankheit entriß. Uns, seiner Familie den liebevollen Sohn und Bruder, dem Schreiber dieser Zeilen den Freund, dem jüdischen Volk dank der Begabung seines Geistes und Herzens eine große Hoffnung. Dr. Max P i 1 z e r. Palästinabrief. (Von unserem Berichterstatter) Vorfälle in Ness Zionah1 — Die Konferenz der landwirtschaftlichen Arbeiter. Es ist die Zeit des „Katif", — der Orangenernte, es ist die Zeit, mit der der jüdische Arbeiter m yt........ der Kolonie die Hoffnung auf Arbeit verbindet und ihrer erslen österreichischen Pioniere, unseres Freundes Er^st! die ihm jedesmal und jedes Jahr von neuem eine Pollak, gedenken. Möge es die zionis-tisch-sozialfistische |80 grausame Enttäuschung bringt. Zu der Empörung Jugend Oesterreichs erfahren, daß vor 10 Jahren im Lande der jüdischen Hoffnung ein Mensch starb, der in vollkommenster Unbedingtheit dem' Ideal des zionistischen Sozialismus gedient hat, der mit diesem Ideal den Sinn seines jungten Lebens verknüpft hat. Das war es, was unseren Ernst zum Zionismus geführt hat, was ihm den Weg zur Chaluziuth, nach Erez gewiesen: daß er im Zionismus einen Weg zur Verwirklichung seines Slrebens sah, seinem Leben einen .überindividuellen Inhalt zu geben, es in der Ewigkeit zu verankern und so die Sinnlosigkeit, die die Vergänglichkeit unserem Einzel'leben anhaftet, zu überwinden. Wenn Martin Buber — den er als den Führer der um ihr Judentum ringenden westjüdischen .'ugend mit der ganzen Leidenschaft seines ganzen Herzens verehrt hat — von der Judenfrage als der individuellsten Frage jedes einzelnen Juden spricht, Ernst Polfaks Zionismus war durch und durch subjektiv, er war Teil und Erfüllung seines persönlichsten Lebens. " ' ' " Wie sollte es auch anders! sein? Kam er doch zum Zionismus aus einem Milieu, das jener objektiven Bedingun gen, die sonst den Nährboden für die aufkeimende zionisti sehe Gesinnung bilden, völlig entbehrt. Salzburg war seine Jgeimat, dort, in dieser Perle des Alpen/andes, verbrachte er seine schöne Jugend. Seiner Begabung bedeutete das Gymnasialstudium eine nur nebenbei zu bewältigende Aufgabe: darüber hinaus versenkte er sich ganz in das Studium der Philosophie, hier nicht etwa ,fBildung", vielmehr die Antwort auf die Fragen, die ihn aufwühlten, suchend. Und er fand sie auch hier: Johann Gottfried Fichtes achte Rede an die deutsche Nation — jenes große Gedankenwerk, welchem die reinste und tiefste Auffassung des Volkstums niedergelegt ist, würde — wie er bekannt hat — sein Wegweiser: der Wegweiser zu seinem' Volke, zum Pioniertum für sein Volk. Er stand in der Blau-Weiß-Bewegung. Doch duldete es ihn nicht lange auf der Schulbank, und noch vor dem Abiturium verließ er sein Elternhaus und ging auf Hachscharah nach Neuhof. Es war damals üblich, daß die Jugend unter dem Eindrück der Lehre Wynekens ihren Gegensatz zum Elternhaus betont hat. Ernst Pollak hat sich dieser ,,Krücke" bei dem wichtigsten Schritte seines Lebens nicht bedient: nie hat er seine Chaluziut im Gegensatz zu seinem Leben in den Kreis seiner Familie gebracht, und Verbitterung ,die sich im jüdischen Arbeiter maßlos aufgehäuft hat, gesellt sich neuerdings die Schande von Neß—Zionah, Chedera und Petach Tikwah, wobei man nicht! glauben darf, daß diese nationale Schande nur auf diese 3 Kolonien beschränkt ist. Der jüdische Arbeiter in der Kolonie lebt in: der Hauptsache von der Arbeit im Pardes und immerhin ist die Orange heute noch der bedeutendste Exportartikel der aufblühenden', neuen Wirtschaft Palästinas. Während es nur bei der Anlage neuer Pardessim — die aber erst nach1 einigen1 Jahren Früchte tragen, — immer mehr selbstverständlicher wird, daß in einem immer größeren Maße der jüdische Arbeiter beschäftigt wird, ist es noch immer nicht gelungen, dieses Prinzip bei dem alten Pardessim durchzusetzen; der Kampf um diejüdische Arbeit hat auf diesem Gebiet trotz der traurigen Augustereignisse, trotz der furchtbaren Angriffe auf den Jischuw und den1 Zionismus im letzten Jahre nichts von seiner Schärfe eingebüßt. Es ist ein! Kampf um Leben und Bestand tausender jüdischer Arbeiter mit ihren! Familien, es ist ein Kampf um neue AI iah, es. ist ein Kamrif um den Zionismus und es ist nicht zuletzt ein; Kampf um den Fortschritt und die Verwirk1lichung wichtiger sozialistischer Prinzipien : ein Kampf um Achtstundentag und einen1 den Lebensbedingungen1 entsprechendem Minimalarbeitslohn. Was geschah in Neß-ZionaH? Nach der Zeit der Arbeitslosigkeit konnten die jüdischen Arbeiter hoffen1, nun in der Katif Arbeit zu finden.. Sie konnten umso eher diese Hoffnung haben, als sie sich doch immerhin! dem Glauben hingeben' konnten ,der jüdische Pardessant würde doch nicht ganz unberührt bleiben! von dem schweren Angriff auf das ganze jüdische Siedlungswerk in Palästina der letztens von1 der englischen Regierung in ihren Weißbüchern1 so schamtos und ohne jedes Bedenken unternommen! wurde; er, würde zumindestens eine bescheidene Antwort darauf geben, daß er mehr jüdische Arbeiter in seinen? Pardessim beschäftigen wird: Aber diese Hoffnung und dieser Glaube erwiesen sich1 als trügerisch.'Der. jüdische Pardessant ist sich gleichgeblieben', er ist scheidenem Augenaufschlag betonte, die driite durch familiäre, die vierte durch gesellschaftliche Verpflichtungen zu sehr belastet, keine fand sich qualifiziert und geneigt, die Arbeit oder selbst nur die teilweise Verantwortung auf sich zu nehmen. Am auffallendsten aber war die Armut dieser Damen. Man würde ja so gerne Mittel aufbringen, aber die Zeiten seien elend, man verfüge nicht über das Nötigste, man sei miltellos, ruiniert, außerstande, u. s. f. jeh konnte nicht umhin, meine Blicke vielsagend über den schweren und kostbaren Schmuck dieser geputzten Frauen hingleiten zu lassen. Dieser vielsagende Blick wurde überhört. Aber vielleicht war es doch diesem Bljick zuzuschreiben, daß sich schließlich einige Frauen zur Uebernahme der Arbeit bereit erklärten. Freilich1 dürfe man von ihnen keine Geldbeiträge erwarten, fürs erste wenigstens. Die Zeiten seien so katastrophal. Als ich endlich, viel später als ich gedacht, das prächtige Haus mit den großen französischen Fenstern verließ, um mich zum Bahnhofsplatz zu begeben, war mir das Herz so schwer, wie schon lange nicht Eine müde Hoffnungslosigkeit und tiefe Verzweiflung drückte mich nieder. Hiezu kam, daß die große, leuchtende Bahnhofsuhr mich lehrte, daß ich fast zwei Stunden verspätet sei und nun das junge Mädchen aus V. nicht mehr treffen würde, das ich zu einer Aussprache in das kleine Cafe am Bahnhofe gebeten hatte. V. ist eine große und berühmte Lehranstalt für Gartenbau und Obstkulturen in der Nähe der Stadt B. und von dort mit einer elektrischen Bahn in dreiviertel Stunden erreichbar. ]ch war von der Exekutive der W. J. Z. O. beauftragt, eine der Schülerinnen dieser Anstalt, die von der Weltorganisation zion. Frauen als künftige Lehrerin einer landwirtschaftlichen Schule dort ausgebildet wird, persönlich kennen zu lernen und mit ihr über den Fortgang ihrer Studien und ihre nachsteh' Absichten zu sprechen und die Exekutive zu informieren. Da ich annahm', daß es einer palästinensischen Arbeiterin — denn dieses dreiundzwanzigjährige Mädchen hatte schon fünf Jahre lang in Palästina gearbeitet — nicht angenehm sein würde, mich in dem reichen Hause der Mme. F. aufzusuchen. Deshalb hatte ich in jenem Bahnhofscafe* das Rendezvous vereinbart und dem Kellner für alle Fälle avisiert, daß ich abends herkommen würde. Nun aber war es fast zwei Stunden über die vereinbarte Zeit und ich' konnte nicht hoffen, die Arbeiterin noch vorzufinden. ]ch trat ein und fragte nach ihr. Ja, ein Fräulein aus V. sei dagewesen, habe nach mir gefragt — es sei zwei Stunden her — sie habe aber nicht im Kaffeehause Platz genommen, sondern vor der Türe gewartet — endlos lange — es habe geregnet — die Straßen seien ja noch immer ganz naß — sie habe wieder und wieder gefragt, ob ich noch nicht gekommen sei, ob ich vielleicht für sie telephoniert habe — endlich sei sie, erst vor wenigen Minuten^ zur Bahn gegangen und fortgefahren. Sie habe traurig ausgesehen. Nichts .schlimmeres hätte mir an jenem1 ohnehin hoffnungslosen Tage begegnen können, als daß ich das palästinensische Mädchen so sehr enttäuscht hatte. Ich malte mir ja aus, was sie gefühlt haben mochte: daß ich sie — eine Arbeiterin aus Erez Jsrael — so lange vergeblich warten ließ, mußte sie für Hochmut und Rücksichtslosigkeit sondergleichen ansehen. Und sie hatte nicht einmal im Kaffeehaus sitzen wollen — vielleicht auch kein Geld gehabt — sie hatte traurig ausgesehen. Fast zwei Stunden hatte sie im Regen gewartet. - Nachdem ich mir ihre genaue Beschreibung hatte geben lassen, lief ich zum Bahnhof und spähte jeder Mädchengcslalt im grauen Regenmantel nach, die ich nur erblicken konnte; einige sprach ich auch an. Nichts — es war alles nichts. Zu spät,, sie war heimgefahren. Sie hatte traurig ausgesehen ... Ich wartete eine Stunde und als ich annehmen durfte, daß sie angelangt sei, teleph'onierte ich nach V. Ja;' sie sei ganz durchnäßt und müde zurückgekehrt; nein, ich könne sie jetzt nicht sprechen, sie wohne nicht in der Anstalt, sondern weit draußen; sie komme um! 7 Uhr früh zur Arbeit. Andern morgens fuhr ich — obgleich auf meinem Reiseplan bereits die Rückfahrt nach London vorgesehen war, nach V. Dort trat mir die junge Arbeiterin entgegen; sie war verlegen, sie bat mich um Verzeihung, daß sie davongegangen sei. Aber natürlich war mir ebenso klar wie ihr, daß nicht an ihr die Reihe war, um Entsduik digung zu bitten, ich erklärte ihr den Grund meiner Ver» spätung. Gleichzeitig fragte ich sie, warum sie nicht wenigstens im Schutze des Kaffeehauses gewartet - habe. Sie, wich aus. Aber bald konnte ich es noch besser ver* stehen.

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