Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 8 (1931)
- Issue
- Heft 1 (23.1.1931)
- Date
- 1931-01-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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6*fe4, Dif JttHttfce Affrettef tiläiselbtä geblfebetf der er war: auf seinen Oewintf tmd seilt kleinliches Prestige bedacht, er ist — um «s Viel einfacher zu sagen — der gleiche Kapitalist, wrie sein Berufs- und Gesinnungsgenosse in Europa 'ttrtd in aller Welt, dem nationale Gefühle, nur so viel »yert sind, als sie sich in Pfund- oder andere Noten umsetzen lassen, dem nationale Ehre nur bis zum Rechenstift heranreicht, der ihm vorrechnet, wieviel sie ihn zu kosten hat und der in dem Arbeiter, der Arbeit bei ihm sucht, vor allem ein Objekt der Ausbeutung sieht und- — instinktmäßig — wohl auch den Klassengener, vor dem es sich' zu schützen gilt. O, wie wohltätig, sind doch englische Bajonette! Die Arbeiter von Neß^Zionah' haben all das in 'diesen Tagen bitter am eigenen Leib spüren müssen. „Und die Lage ist unverändert in den< Kibuzim herrscht bereits bedrohliche Enge", — so kannst du täglich in der Zeitung lesen. Ja, die Kibuzim, — gegen die 'haben es die Ikarim besonders abgesehen. Gegen sie führen sie einen stillen, verbitterten Kampf, indem sie gerade und besonders sie von der Arbeit ausschließenK /nicht, weil ihre Arbeit schlechter ist, o, •nein, — weil ihnen ihr Instinkt sagt: hier, im Kollektiv haben wir ein ausgeprägteres Klassenbewußtsein zu erwarten. Lüge — es sollen es nur alle wissen! — Lüge ist alles, was über die Unwirtschaftlich keit der Kibuzim von dem verschiedenen „Fachmännern" geschrieben und gesprochen' wird; es ist einfach ein Klassenstandpunkt, der hier dem Kibuz gegenüber eingenommen wird und es wäre ehrlicher, man würde das zugeben. Die Arbeiter von N e ß - Z i o n a h' nun (und im im gleichen Maße von Petach-Tikwah) denen man 'die ganze Zeit hindurch von nationaler Disziplin und von der Notwendigkeit der Einheit des ganzen Jischuw gesprochen hat, und! die sich nun um ihr Rech t auf Arbeit betrogen gesehen haben — welcher andere Weg blieb ihnen, als der, der den Arbeitern aller Länder gegeben ist: „auf die Straße" zu gehen. Und sie gingen auf die Straße, demonstrierten, riefen;: „Arbeit und Brot!" Was glaubt ihr nun geschieht, wenn1 Arbeiter demonstrieren und nach' Arbeit rufen und nach Brot schreien? Sieht sich etwa der jüdische Pardessant veranlaßt, seinen Standpunkt aufzugeben! oder^ zumindest: ein Kompromiss vorzuschlagen. Nein, nichts von alldem! Er tut das, was in solchen Fällen auch anderswo zu geschehen 'pflegt: er ruft nach der Polizei. Und die Polizei? Sagt sie etwa: Das geht uns nichts an, das ist ein innerer Streit, den zu schlichten der Waad Haleumi berufen ist? Nein, nichts von alldem! Das ist „Aufwiegelung", das ist Bedrohung der Rechte der besitzenden Klasse, das ist geeignet, den arabischen Fellachen auch auf seinen Effendi aufmerksam zu machen . . . das ist zu bestrafen. Verhaftungen, Schüsse in1 die Luft, Flugzeuggeschwader, In-Ketten-Legen ... Dabei muß noch1 festgehalten werden: der Kampf der Arbeiter von Neß^Ziona ist nicht ihr Kampf allein: und der Kampf geht nicht nur um irgendwelche revolutionäre Forderungen; um etwas sehr Einfaches geht ihr Kampf: um ihr Recht zu arbeiten. Nicht gegen dem ständigen arabischen Arbeiter ist er gerichtet, sondern'gegen die Beschäftigun g kleiner, minderjähriger Kinder, gegen die Beschäftigung von Beduinen, die von fernher geholt werden und gegen einen „Lohn" von1 einigen Grusen' verdingen, wo am Ort hundert'e jüdischer Arbeiter nach Arbeit verlangen.. . Wird sich1 jedes Jahr von neuem dieses tragische Schauspiel wiederholen? Das Ereignis von Neß-Ziona beleuchtet blitzüchtartig die Lage eines großen Teiles der jüdischen Arbeiter in den) Kolonien, die nur geändert und gebessert werden kann, (das sei nebenbei gesagt) durch1 eine tteue gr üße Alijah', das ist durch* eine Festigung der Gesamtarbeiterschäft, die immer im Zuge einer neuen Alijäh1 eintritt. Indessen befinden sich schon heute an 10.000 jüdischer Arbeiter in den Moschawoth', weshalb sie zu einem sehr wesentlichen Faktor in der 'Gesamtarbeiterschaft geworden sind. Mit Recht erwartet man daher, daß bei der demnächst stattfindenden Weidah: chaklait die Fragen der Koloniearbeiter den breitesten Raum einnehmen wird. Es sollen nun einige Worte über diese Weidah', über die jetzt in allen Ortsgruppen der „Vereinigten Arbeiterschaft" (Mifloget Poale E. I.), in allen Kibuzim, sowie in allen sonstigen Gruppierungen diskutiert wird, gesagt werden. Es gibt die „Histadruth1 hachaklait", d. i. die Organisation aller Arbeiter, die auf dem Lande leben, also: vor allem alle selbständigen Arbeiterwirtschaften (Kwuzot, Kibuzim, Moschwei-owdim), aber auch alle Arbeiter in dem Moschawot, die im Taglohn stehen, aller Arbeiter, die in ländwirtschaftlichen) Betrieben als Maschinisten, Mechaniker, Traktorführer tätig sind usw. Diese „Histadruth1 Hachaklait" ist ein Teil der „Histadruth1 Haowdim haklalit", — der allgem. jüd. Arbeiterorganisation )kurz: Histadruth), aber, da die Histadrut als ihre wesentliche Aufgabe „Hitjaschwuth"-Kolonisation ansieht, ihr wesentlichster Teil. Was ist deshalb begreiflicher, als die Tatsache, daß die größte Aufmerksamkeit der kommenden Weidah zugewendet wird, die zum ersten Mal nach den Augustereignissen, nach' allem, was seither über die zionistische Organisation; den 'Jischuw, die Arbeiterschaft hinweggegangen ist, zusammentritt? In der Histadruth1 chaklait bzw. im „Merkas chaklai", ihrer Exekutive/ spiegelt sich1 die Stärke und die Schwäche der H,istadriith,daran, in welchem Maße sie ihren Aufgaben gerecht werden kann, kann man ermessen, wie es um die Stärke der zionistischen Organisation und ihrer Finanz- und Kolonisationsin!- strumente bestellt ist. Noch ist die Diskussion über die „Kolonisation1 der Tausend" nicht vergessen, die hätte einsetzen sollen nach1 einer langen Zeit völligen Stillstandes und diel heute zusammengeschrumpft ist auf eine Kolonisation von 400 Familien, wobei noch' nicht feststeht, wie dies und. jenes gemacht werden wird usw. Es soll vielleicht in einem zweiten Artikel noch' näher auf die einzelnen' besonderen Probleme dieser' Weidah eingegangen werden, aber in dem Zusammenhange sei nur nochmals wiederholt: die Fragen der „Poale Mosch;awoth"(Koloniearbeiten) werden hier den breitesten Raum ini der Erörterung einnehmen und möglicherweise — man spricht allerdings auch von mehreren Kompromissanträgen — zu einer Spaltung der Histadruth1 chaklait in zwei Organisationen führen: in die der Arbeiter in den Moschawot und in die der selbständigen1 Arbeiterwirtschaften1. Rischbn Lezion, 16. XII. 1930. Jakow Sarnau Borochowabend. Unser Borochov-Abend am 22. Dezember hat einen außerordentlich schönen Verlauf genommen. Der Festredner, Gen. Dr. Sokal, hat eine seiner besten Reden gehalten, ]m künstlerischen Teil des Abends haben sich Herr Robert Spitz (Klavier), Herr Israel Brandmann (Violine) und Herr Buchwald (Rezitation) reichen Beifall geholt. Den Höhepunkt der künstlerischen Darbietungen bildete die Gesangskunst der Frau Maria Bernay, die das Kadisch von Ravel, jüdische und hebräische Volkslieder und ein Lied von Gustav Mahler zum Vortrag brachte; der verehrten Künstlerin sei auch an dieser Stelle der Dank unserer Organisation ausgesprochen. Frau Bernay wurde verständnisvoll von Herrn E. Eisenstädter begleitet. Eine Feier der Hitachduth. Anläßlich des zehnjährigen Jubiläums! der Hisitadrüth veranstaltete die Hitachduth am 18. d. M. eilte außerordentlich schöne Feier. Die Festrede hielt Herr Dr. Goldhämmer. Wir bringen diese an leitender Steife unseres Blattes. Ausdem reichhaltigen künstlerischen Programm sind besonders hervorzuheben die Gesangsvorträge des Herrn Oberkantor Margulies, die Vorträge des; Frl. Löwensohn und des Herrn Schigorin. Der Sprechchor der Gordonia hielt sich sehr brav. Alles in allem: es war ein s-eh'r schöner Nachmittag! R. F. Liga für das arbeitende Palästina, Neue Adresse: Wien, IL, Czerningasse 4t 4. Stiege, Tiür 50. Tel. R.44-9-52. Bürostunden von 9—12 Uhr. Die Konstituierung der Liga für das arbeitende Palästina in Oesterreich findet Donnerstag, den 29. Jänner, in einer öffentlichen Versammlung im Hotel' Post statt. Die Rednerliste und das Präsidium der Liga wird noch bekanntgegeben werden. Die Liga hat bereits mit dem Vertrieb von Palästinaprodukten begonnen. Zum Verkauf gelangen zunächst: Orangen, Grape fruits, Olivenöl, Seifen und Weine. Bestellungen telephonisch oder durch unsere Vertrauensleute. Ring des „Jüd. Arbeiter". Herr Direktor S. Altmann beantwortet die Aufforderung des Gen. T. Kantor und spendet S 5f—. Gen. Gerth'a Toch beantwortet die Aufforderung des Gen. Welt und spendet S 2.-—. Gen. Ing. Weintraub Lazar beantwortet die Aufforderung des Gen. Dr. Ginsberg, spendet S 2 — und ruft zu weiteren Spenden auf: ' Gen. Dr. Braunstein beantwortete die Aufforderung des Gen. Goldstaub, spendet S 2.— und ruft zu weiteren Spenden auf: Dr. Jakob Lechner, Dr. Julius Rößler, Dr. M. Oberwerger, Dr. Robert Keßler, Dr. Felix Keßler, Dr. Bronislav Bardasch1, Dr. A. Schapira, Dr. Isi- Dr. Bronislav Bardasch', Dr. A. Schapira, Dr. Isidor Körner, Dr. M. Schlaffer, Dr. M. Stein, Dr. B. Ziemand, Dr. Kaiman Elias Parnas, Dr. David Lewinter, Dr. Th1. Feder, Dr. M. Feilhaber. Samuel Schwager, Osias Sigal, Dr. Julius.Spiegier, Samuel Weintraub. i Lebensversicherungs^Gesellschaft PHÖNIX Zentrale: Wien, I., Riemergasse Nr. 2 Verslcherungsbcatand per Mitte 1930: 8 «,450,000.000*- Garantlemlttel Ende 1929: » 300,000,000'- Präraien- und Zinsen einnahmen im Jahre 1929 ■ H 2 «,000.000 - Auszahlungen an die Versicherten Im Jahte 1929: 8 30 500.000 — TÄTIGKEITSGEBIET: Oesterreich, Deutsches Reich, Frankreich, Belgien, Holland, Italien, Spanien, öechoslov. Republik, Polen, Ungarn, Jugoslavien, Bulgarien.Grtei henland Türkei.Aegypten, Palästina. Pensions-Versicherung ||g||« mit Rentenansammlung (Rentenbezug beim 55., 60. oder 65. Lebensjahr oder bei früherer BERUFS-UNFÄHIGKEIT. Monatliche Prämie. Sofortige Unveifallbarkeit.) gemeinschaftlich mit der Versicherurigs*» Aktien* Gesell schah früher PENSIONS-VEREIN für Handel, Industrie und Gewerbe Wien, I, Schellinggasse Nr. 1 Voll eines glücklich leuchtenden Stolzes und einer tief inneren Arbeitsfreude führte sie mich dann durch die Lehranstalt und zeigte mir die Glashäuser, die Baumschulen und Obstkulturen, den Weingarten und die Blumenbeete. Bei allem und jedem besprach sie sachlich und fachmännisch die Unterschiede und Aehnlichkeiten zwischen hiesigem Gartenbau und dem in Erez ]srael, zog aus allem die Nutzanwendung für Palästina, dessen Bedürfnisse und Möglichkeiten sie zwar weniger in der Theorie, jedoch desto mehr in der Praxis kennen gelernt hatte. Wir begegneten einem ihrer Lehrer, sie stellte mich vor. Er erklärte, daß sie'und ihre Kameradin Riwka die hingehendsten und tüchtigsten Arbeiterinnen der Anstalt seien. Er war voll desi Lobes -übet die Palästinenserinnen. Auch die theoretischen Prüfungen habe meine Begleiterin glänzend bestanden, sie habe einen ganzen Jahrgang überspringen dürfen und auch ihre,so rasch erworbenen Sprachkenntnisse seien bewundernswert. Nur möge sie mehr auf ihre Gesundheit und ihre Ernährung achten. Das gelte noch mehr für Riwka,. die heute krank gemeldet sei. Riwka? ]ch sah das junge Mädchen erstaunt an. Nie hatte ich von der Existenz einer zweiten palästinensischen Arbeiterin an dieser Lehranstalt gehört. Aber meine Begleiterin nickte ernst und blickte mir prüfend in die Augen. Nachdem wir nun alle Fragen, die mir zur Erledigung übertragen waren, durchgesprochen und das an jenem leuchtenden Frühlingstage blühende, duftende Gelände mehrmals durchquert. hatten, lud ich meine Begejterin zu gemeinsame!^ Mittagmahle ein. Sie aber bat mich, mit ihr nach Hause zu gehen. Sie bat so dringend, daß ich es nicht abschlagen konnte, obgleich die Bemerkung des Lehrers mir Sorge machte, ob ich3ihr nicht zur Last fallen würde. Zwar erhielt sie ein regelmäßiges Monatsbudget von der W. ]. Z. O. — aber war dieses nicht zu karg angesichts! der schweren Arbeit und der teuren Lehrbücher dieser Arbeiter-Studentin? ' Wir kamen zu ihrem Quartier. Ein nettes Häuschen auf staubiger Landstraße, blanke Fensterscheiben, gescheuerter Fußboden. ]n ihrem Zimmer sitzt, mit sehr bleichen Wangen, das aschblonde Haar feuöht um die Stirne geringelc, eine zweite Studentin auf Kissen gestützt, den heißen Kopf über große botanische Tafeln gebeugt. Riwka... ]ch erfahre nun, daß Riwka das Studium angetreten habe, ehe ihr das Budget seitens der Frauenorganisalion definitiv bewilligt worden sei. Die Verhandlungen darüber hatten bereits vor einem Jahre begonnen, längst vor meiner Zeit; die Aussichten auf Zustimmung der Organisation standen mehr als günstig, das Schuljahr begann, und wenn sie es nicht verlieren wollte, so mußte sie sofort reisen. Das Land verlangte dringend geschulte Vorarbeiterinnen und Lehrerinnen; sie besaß sechsjährige Praxis in Judäa, aber keinerlei theoretische Kenntnisse. Man wünschte sie dringend zur Lehrerin, man riet ihr zu, man machte ihr Hoffnung; sie fuhr. Als sie gefahren war, zerschlugen sich die Verhandlungen und das. Budget wurde abgelehnt. Sie besaß nur einige Pfund Ersparnisse. Einige weitere Pfunde schickten ihr die Kameradinnen aus Palästina; das Mädchen aus V. half ihr mit ihrem1 eigenen knappen Budget aus. Und so darbte sie, hungerte, studierte. Sie wollte keinem zur Last fallen, keinen ängstigen, keinem Vorwürfe machen. Alles ging igut bis jetzt. Aber vor der Prüfung versagten ihr die Kräfte. Seit einigen Tagen war sie schwach, elend, bettlägerig. Aber jetzt noch nützte sie jede schmerzlose Minute zur Arbeit, damit sie die Prüfung bestehe und dem Lande keine Zeit, keine Kraft, keinen Pulsschlag schuldig bleibe. So 'sagte ihr Ausdruck mehr als ihre Worte. So sagte ihre glücklichere Kameradin in V. Als ich an jenem Abend — zwölf Stunden später als mein Reiseplan es vorgesehen — die Rückreise wieder nach London antrat, wußte ich, warum mein Weg mich nach V. >und von V. wieder nach London geführt hatte. Auch um wessentwillen jede Mühe und jeder Dienst sich lohnte, wußte ich wieder einmal, so wie ich es seit jenen Tagen im1 Galit und im Emek, in den Arbeitersiedlungen von Judäa und von Samaria im Tiefsten gewußt hatte. ]ch hatte den quälenden Alpdrück und die hoffnungslose Verzweiflung überwunden, die mich seit jenem totgeborenen Komitee der juwelengeschmückten'Damen in B. gewürgt. ]ch ha;te meine Kameradinnen, meine Genossinnen aus Palästina wiedergefunden. Es war wie ein Flug vom Golus nach Erez Jsrael, jene kleine Bahnfahrt von B. nach V. Eine Woche später war ich in der glücklichen Lage, der Studentin und Arbeiterin Riwka ihr Jahresbudget namens der Weltorganisation zionistischer Frauen zu überweisen. Eigentumer, Verleger, Herausgeber u. verantwortl. Redakteur: Franz Lustig, Elektromonteur, Wien, VI., Stiegeng. 16. ~ Druck: „Adria", Wien, II., Taborstr. 52b.