Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 7 (1930)
- Issue
- Heft 24 (19.12.1930)
- Date
- 1930-12-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2641551-2641599-2641623--388-2642351- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Riga 1× ep/1000826
OCR text
Der jflditttt* Attoittt Stttt I, DIE 8TBWB Prüf- und Beratungsstelle zeigt in ihrer vollständig umgestalteten Ausstellung Wien, IX., Marianneng. 4 Elektro - Heißwasserspeicher für Küche, Brause und Bad Die Ausführung von Speicheranlagen auch gegen Teilzahlungen übernehmen die für die Errichtung solcher Anlagen ermächtigen Installationsfirmen sowie auch die Direktion der städtischen Elektrizitätswerke keine zufällige: sie ist von den Faschisten! importiert. Von den Kommunisten haben) die Revisionisten die Methode, Organisationen unter falscher Firma zu gründen, übernommen; so war auch' die „sep.h ardische Jugendorganisation", die die unglückselige Klagemauerdemonstration veranstaltet hat, in Wahrheit eine revisionistische Organisation, und es ist bezeichnend für den Mut diesen nationalen Helden; daß) sie mit Verleumdungen aller Art sich' vom der Verantwortung für ihre Mitschuld an den blutigen Ereignisseni befreien wollen." So charakterisiert der „Vorwärts" die revisionistische Bewegung; wir haben dieser Charakteristik nichts hinzuzufügen, und wollen nur feststellen, daß jedes Wort den Nagel am Kopf trifft. Aus unserer Weltbewegung. Verstärkte Tätigkeit der Liga für das ar b'eitende Palästina in England. Kurz nach1 dem Weltkongreß für das arbeitende Palästina wurde die Liga für das arbeitende Palästina in England reorganisiert. Als Vorsitzender wurde Gen. Morris Mayer, der Redakteur der „Zeit", gewählt, als Vertreter Gen. Iserski. Die Versammlung der Berichterstattung über den Kongreß verlief mit großem Erfolg. Es wurde beschlossen, im Jahre 1 Million Penny für den Palästina-Arbeiter-Fonds aufzubringen. Ch'awer Berl Kaznelson, der Redakteur des „Dawar", in Litauen und Lettland, Am 10. und 11. November fand in Kowno die Landeskonferenz für das arbeitende Erez Israel statt. Es beteiligten sich1 70 Delegierte aus 33 Orten. Als Vertreter der Histadruth nahm Berl Kaznelson' an der Konferenz teil. Die Konferenz übernahm .es im Jahre 100.0.— Pfund für den Palästina-Arbeiter-Fonds aufzubringen. Von Litauen fuhr Berl Kaznelson nach' Rigä, wo er sich' an der Landeskonferenz für das 'arbeitende Erez Israel im Lettland beteiligte. Die Arb'eitergartensiedlungs-Aktion in Belgien. Die diesjährige Aktion für den Palästina-Arbeiter- Fonds führte die Liga für das arbeitende Erez Israel in.Belgien im der Zeit vom 15. Oktober bis 15. November mit der Losung „1000 Pfund für die Arbeitersiedlung". Der Anfang der Aktion fiel in: eine schwere ■politische Situation des Zionismus. Die Liga nützte diese Aktion zu ausgedehnter Aufklärungsarbeit aus. Außer einer Anzahl Besprechungen und Beratungen in Antwerpen, am denen Ch'awer J. Sprinzak teilnahm, fanden in Antwerpen; und Brüssel große öffentliche Versammlungen statt, am denen! sich Chawrim;J. Sprinzak und M. Neustadt beteiligten. Chawer Neustadt hielt ebenfalls im Ch'arleroi ein Referat. In Antwerpen fand auch ein Teeabend statt, am dem sich' der sozialistische Deputierte Trocle beteiligte._ Wahlsieg in Sokolow Bei den Gemeinderatswahlen in Sokolow hat wispere Partei mit . 350 Stimmern (+ 200) 2 Mandate ,B- 1) erobert. Die Mandate teilen sich auf.: Linke P. Z. 2, Bund' 1, Kommunisten 1, Agud'ah 4, der jüdische Block (Zionisten, Misrachi, Unparteiische, Chässidim und H i ta c h d u t (!) 3. jubelnummur des „Jüdischen: Arbeiters" iin Amerika. Anläßlich des 25jährigen Jubiläums unserer Bruderpartei wurde eine 100. Seiten starke Nummer des „jüdischen Arbeiters" herausgegeben. Unter den Begrüßungen finden wir solche .Leon Blums, Longuets und De Brouckere. Das Heft ist überaus inhaltsreich',"'ein prächtiges Ergebnis der musterhaftem Redaktion des Genossen Berl Locker. 'S. Drechsler jiddische Literatur in Palästina Die Einwanderung, größerer, jüdischer Massen aus fcfem Ostern nach Palästina, die nach dem Kriege einsetzte, brachte auch eine größere Anzahl vom jungen literarisch begabtem Leuten ins Land, die ideologisch im Jiddischlistmus wurzelten und ihm auch im Palästina zum Leben verhelfen, wollten. Andererseits entwickelte sich in Palästina selbst eine kleine Gruppe junger jiddischer Schriftsteller1, die sich aus ideologischen, sprachlichen .oder anderen Gründen der hebräischem Umgebung nicht assimilieren wollten oder konnten und auch dort das jiddische Wort miti Liebe und Ausdauer pflegten. Versuche, dem palästinensischem Leser politische Arbeiterliteratur in jiddischer Sprache darzubieten', wurden schön des öfteren unternommen. Der erste Versuch dieser Art reicht bis ins Jahr 1907 zurück, in dem der „Anfang", das erste jiddische Sammelheft in Palästina erschien. Und was der „Anfang" für die politische Literatur, das hätte der „Anhojb" — ein belletristisches Sammelheft, das im August 1928 in Jerusalem erschien — für die schöngeistige Literatur Palästinas sein sollen: eim erster Versuch, ein Impuls, dem andere folgen, sollten. Trotz aller Anstrengungen waren die Ergebnisse sehr dürftig. Man vermochte kaum drei Sammelhefte herauszugeben, die „Eins", ,,Zwei" und „Zwischen zwei und( drei" benannt waren'. Literarisch sind sie von keiner besonderen Bedeutung und ihre Popularität verdanken sie einzig und allein ihrer palästinensischen Abstammung. ,» Aufmerksamkeit verdienen der Lyriker J. Papier nikow, von dem inzwischen' im Warschau zwei Gedichtbände erschienen sind :> „I n s u n:i ke n L a n d (Palästinalieder) und „Rojt of schwarz" und der Prosaiker S c h. I s b a n, von dem ebenfalls im Warschau ein großer Roman „Massem" und eine Samm lung von Erzählungen „Nuchn Sturm" veröffentlicht worden sind. Die meisten Gedichte in dem gesammeltem Sam melschriften gehen über dem Durchschnitt nicht hinaus.- Manche erreichen: auch den Durchschnitt nicht Sie sind von unechtem Pathos getränkt (Stal), verschwommen, blaß und bildarm. Etwas besser steht es mit der Prosa. Der Gnoßr teil versucht palästinensische Wirklichkeit zu erfassen fund zu schildern. Es sind Versuche, in denen hie und da gut gesehene Momente aufblitzen, interessante Episoden und Situationen rnit künstlerischem Ernst und Willeni gezeichnet werden. Die Erzählungen von A. Blei sind wie viele andere vom ihm aus dem arabischen Leben gegriffen. Hier wie auch' im der jungen hebräischem Literatur Palästinas fällt uns das starke Interesse für arabische Motive; auf. Und hier wie dort drängt sich die Frage auf: Woher die Vorliebe für das Arabische? Ist es Folge eines seelischen Näherkommens und Verstehens? Oder vielleicht ein zielbewußtes Streben arabische Eigenart dem jüdischen Publikum näher zu bringen? Ich glaube nicht fehl zu gehen, wenn ich' dies für einen« großem Teil dieser Erzähler verneine. Die Ursache liegt viel tiefer. Erstens im Objekt, in der palästinensischen Wirklichkeit und zweitens im Subjekt im künstlerischen Können des Schriftstellers. " Das jüdische Leben Palästinas ist gegenwärtig nicht dazu angetan, dem Erzähler als Objekt seines Schaffens dienern zu können. Gute realistische Prosa erfordert eine stabilisierte Lebensform, die auf alter, sicherer Grundlage ruht, wo das soziale, geistige und kulturelle Gesicht der Gesellschaft eine feste bestimmte Form angenommen, hat. Für künstlerische Prosa ist eim Sein Vorbedingung und Palästina ist ein Werden. Nichts steht dort fest, nichts hat endgültige Form angemommem; alles f ließt; ein fortwährendes Geschehen und Werden. Im solchem Verhältnissem blüht das lyrische Gedicht, dem auch eim Gefühlston, eine zarte Seelemschwimgumg, das Ereignis einer Sekunde als reale Grundlage vollständig genügt. Es kannl sich auch1 die Skizze und die kurze Novelle entwickeln, keinesfalls aber der Roman oder die große realistische Erzählung. Daher fehlt uns noch heute, trotz! mancher Ansätze, der große Paläfetiinarojman oder die nicht romantische und nicht sentimentale realistische Erzählung. Wir sehen daher einem großem Teil der palästinensischem Schriftsteller als Objekte ihres Schaffens das jüdische Leben im Galuth, oder das arabische Leben nehmen. Die zweite subjektive Ursache ist d'as literarische Können des Schriftstellers selbst. Das arabische Leben ist ein äußerst dankbares Motiv: es ermöglicht eim Maximum vom schriftstellerischem Lorbeeren bei einem Minimum vom Talent. Für den Außenstehendem ist es vom Romantik und Erotik umhüllt; man sieht nicht im das Innere hinein', in die täglichen, gewiß sehr banalem1, sehr grauen und gar nicht romantischem Freuden und Leiden1, sondern man erblickt die äußere Hülle, das rein Dekorative und Außergewöhnliche, das gleich in' die Augen fällt, ohne besondere Beobachtungs- und Einfühlungsfähigkeit haben zu müssen. Hauptsache ist, daß einige allgemeine Züge gezeichnet, sie in wildes1, exotisches und abenteuerliches Milieu versetzt werden-, und wir haben „arabisches Leben" und „arabische Ei&enart". Ring des „Jüd. Arbeiter". Geh. Gorenstein beantwortet die Aufforderung der Gen. R. Katz, spendet S 2.-— und ruft zu weiteten Spenden auf: Dr. Hauslich, Dr. Dullberg, Dr. Selzimger, Dr. Stern, M. Lewin. Ing. Kurt Deutsch beantwortet die Aufforderung des Gen. E. Welt, spendet S 2.— und ruft zu weiteren Spenden auf: Edith Ormsteim (Salzburg), L Ehrenfeld, Ing. F. Kaminka, Leop. Glaser, Ing» Ert- Gen. Immergut beantwortet die Aufforderung des G. Nimmhäuser, spendet S 2.— und ruft zu weiteren Spendern auf: K. Immergut, M. Landesberg.1 Dr. Goldapper beantwortet die Aufforderurig des Gem. Goldstaub, spendet S 2.— und ruft zu weiteren Spenden auf: Dr. I. Blatt, Dr. Alfred Rosner, Dr. Ch. Bernstein, Leon Schräge, Dr. A. Lichtblau. Dr. Rybaczewsky beantwortet die Aufforderung des Gen. M. Horöwitz und spendet S 2.—. Dr. Finkelstein beantwortet die Aufforderung des Gem. M. Horowitz und spendet S 2.-« Frau Stella Hochstimm beantwortet die Aufforderung des Gen. Sorokin und spendet S 2.—-.; Herr Norbert Hochstimm beantwortet die Aufforderung des Gen. Sorokin und spendet S 2.—. Dr. S. Merecky beantwortet die Aufforderung des Gen. Goldstaub und spendet S 2.—. Herr Robert Winter beantwortet die Aufforderung. des Gen. Eck und spendet S 2.—. Daher muß es verdächtig wirken, wenn jurige Leute, die erst einige Jahre in Palästina leben1, zu arabischen Motiven greifen, ohne früher durch andere belletristische Arbeitern ihr literarisches Können dokuemntiert zu haben. * Wie schon erwähnt, sind die zwei bedeutendsten der palästinensischen Gruppe J. Papiernikow und Seh. Isban. Papiernikow ist der jiddische Troubadour des Chäluzleb'ens in Palästina. Er ist durchglüht von Palästinasonne und Palästinaleben und sein Werk glänzt in ihrem hellen Farben. Aus Armut, Umteridrückumg und Elend im Galuth ist er nach Palästina gekommen und — es wurde ihm zum Erlebnis! Die wandelnde, neuschaffende Kraft Palästinas wurde ihm ein Quell von berauschenden!, beglückenden, verjüngenden, freudesprühenden Erlebnissen. Im Palästina ist er aufgetaut, Lebens- und Freudequellem von nieversiegender. Kraft hat er im sich verspürt und er quillt und er sprudelt . . . Seime Freude ist jedoch auch hier nicht voll: „Meine mir zige Trauer hier ist, daß ich nicht als Kind noch hergekommen bin", sagt er im einem seiner Gedichte, Er wandert wie ein Zigeuner über Berg und Tal Palästinas, denm „die Schönheit der neuem Heimat im Ostern hat mich umzaubert" und segnend möchte er ihre Erde küssen. Vogelfrei ist er, und dieses Gefühl durchbraust seine breite, sonn verbrammte Brust, daß sie zu zerschellen droht. „Wir sind frei hier, frei wie das Meer!" das isti die Grundstimmung, das entscheidende Gefühl, das seine Füße zum Wandern beflügelt und die Lippen zfum Singen bewegt. Es ist die innere Freiheit, die im Bewußtsein des Schaffens und Bauens wurzelt. Seine Lieder aus dieser Periode der Begeisterung sind von gewaltiger dynamischer Kraft und deren Rhythmus — eine Horrah! Wild, entfesselt, vom Begeisterungssturm aufgepeitscht und entzündet, Himmel, Erde umd der singende jauchzende Chäluz! Seine Pallete hat fast nur helle, lebendige vom Kraft und Freude strotzende Farben. Er hat ein; Auge für plastisch-landschaftliche Schönheiten wie nur wenige (der jungem Generation'. Die Beobachtung — tiefdringend und die Bilder — wuchtig und kühn. Seine Freude ist eine donnernde, das Lachen — eim schmetterndes, wie eim riesiges, primitiv-naives Urwaldkind, das plötzlich, aus irgend einer Ursache im zügelloser Freude aufjauchzt.. Papiernikow ist mit der jüdischem Arbeitermasse nnig verbunden, er hat seinen Schmerz im dem y,Schmerz meiner Brüder ertranken", während sie „besorgt die Augen gern Himmel hebern im Angst um Mangel an Brot." Aber auch im Freuden: ist er mit ihnen verbunden: Ich habe meine Freude im der meiner Brüder ertrunken, während satte Felder Ueberfluß tragen und die Ernte erwarten; während Stahlsensen klirren und Brudergesang - erschallt. Weg im die goldne, sonnige Ferne, der ichals Geschenk meine Lieder bringe! Papiernikow kennt auch1 die sozialen Leiden, Freu-; den umd Kämpfe umd diese kommen im seinem Buche „rojt of schwarz" zum Ausdruck. Dort ist er Revolutionär, der Mensch' des Kampfes, der weder Bettelm noch Beten kennt, sonderm sein Recht als Arbeiter fordert. Papiernikow ist ein kräftiges Talent mit starkem dichterischem Potenzen, vom dem noch so manches Schöne zu erwarten ist. Ein viel umstritteneres Talent ist Sch, Isbanj. Sejm Roman „Massen" hat eine heftige Polemik h'err