Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 7 (1930)
- Issue
- Heft 23 (6.12.1930)
- Date
- 1930-12-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Arbeiter Seite 3. faktische iasgeräte ti den i Ausstellungen; der lener städtischen Gaswerbe VIII., Josefstädterstraße 10 XII., Theresienbadgasse 3 XX., Denisgasse 39 8 bis 18 Uhr I Teilzahlungen Ebensowie die Deutschen nicht nur ihre Fememörder, sondern auch ihre gewaltigen Geistesheroen, hre Goethe und Beethoven, hervorgebracht haben, bensowie Britannien neben seinen Kolonialräubern itich Menschen der edelsten christlichem Traditionen liat, so hat auch' .das jüdische Volk nicht nur Schiebe^ Parasiten und Wucherer, sondern der Welt auch leinen Moses und seinen Marx geschenkt, und neben [len frommen Märtyrern des Mittelalters stehen die Ghaluzim eines neuen jüdischen Volkes. Darin eben liegt die Mission des Zionismus, den Mauschel, diesen Ikttler und Protz, zu entthronen und den Juden, den neuen Juden, an seine Stelle zu setzen, überall, wo es gilt zu handeln. Wie jede Bewegung, die das Häßliche, Schwarze bekämpft, um das Weiße, Gute zum Siege zu führen, ist der Zionismus eine Kulturbewegung, und diejenigen, die das Wort und den Begriff „Kulturzionismus" gebrauchen, verbinden damit einen Gedankengang, der aus dem Wesen einer Freiheitsbewegung zwangsläufig hervorgeht. Mit Recht haben die Revisionisten daher erkannt, daßi dieser Zionismus nicht der ihre ist, mit Unrecht glau- ' en Genossen der zionistischen Linken, er s<o z i a 1 i s t i s c h e Z i o n i s m u s und Kulturionism.us wären zwei verschiedene Dinge. Der zionistische Sozialismus kann icht anders sein als eine Kulturbewe ewegung. Ein Unfug, mit dem man end lieh1 aufhören sollte, hinter dem großen, feiten, reichen Begriff Kultur nichts anderes als eine Schulangelegenheit zu eh'en. Die so sprechen oind Boroch'ov nd Achad hiaam gegeneinander auszupielen vermeinen, haben, vom wahren Wollen un d Streben weden des einen noch "es anderen das Mindeste begriffen. Unter den jungen vorwärtsstrebenden Völkern, die ihren Freiheitsanspruch1 vor der Welt erhoben haben, gehören außer den: Juden auch die Araber. Es lie:gt eine tiefe Tragik darin, daßi diese beiden stammlich' verwandten Völker auf ihrem Lebenswege jetzt zusammengestoßen sind, die Juden, die viele Jahrhunderte in alle Winde zerstreut ein bitteres Golus jetragen haben, die Araber, die unter türkischem oche die letzten Jahrhunderte ein fast geschichtsloses dasein durchlebt haben. Fast unüberwindlich schwierig, aber für den, der neues Menschen- und Völkerrecht erstrebt, nicht unmöglich, erscheint der Weg der jüdisch-arabischen Verständigung, die längst als die Kernfrage, die Schicksalsfrage des Zionismus, ' hätte angesehen werden ollen. Es geht um die Verständigung zwischen! dem udischen und arabischen1 Volk, in erster Reihe mit den' palästinensischen Arabern1. Diese Frage geht lle Klassen beider Volksgruppen an, nd es ist un richtig, diese Aufgabe einzig ls Aufgabe der Arbeiterschaft anzliehen. Wenn wir auch' wissen, daßi überall die Ariiterschaft es ist, die die Haupjtträgerin der Veräridigungspolitik zwischen zwei Völkern zu sein 'legt — man denke an die von Rathenau und Streseann geführte und von; der deutschen1 Sozialdemokratie nachdrücklich unterstützte deutsche Außenpolitik gegenüber Frankreich — so ist die Arbeiterschaft nicht ihr einziger Träger. Warum a u c h sollen Teile des Bürgertums, der bürgerlichen zionistischen Intelligenz, diese ionistische Aufgabe, die jüdische Aufbauarbeit in Palästina, durch Abmachunigen mit dem arabischen Teil der palästinensischen Bevölkerung politisch stärker zu sichern, nicht ebenso als wichtig begreifen wie die jüdische Arbeiterschaft? Warum soll eine Organisation wie: die Gesellschaft Brith* Sch'alom, die soziale Demokraten, klerikale Demokraten, bürgerliche Demokraten umfaßt, etwas Unsozialistisches sein? Man1 hüt sich' vor dem Geb'rauchsmarxismus! Ma h'üte sich' davor, deshalb weil sich' unte den Wortf ührern der Araber Effendis befinden, die arabische Nationalbewegung m i t d i e s e n Effendis zu identifizieren, 'um sich so, durch eine verfälschte Sozialist" sehe Klassenideologie geschützt, v o wa hrhafter Sozialist i scher Handlung lo szukaufen! Die Balfourdeklaration, eines der herrlichsten und gerechtesten Dokumente der Weltgeschichte, erkennt das Recht der Juden auf Palästina an, sie erkennt ebenso das Recht der Einheimischen an. Diese Balfourdeklaration ist das Dokument eines binationalen Staates, beide Teile der Deklaration sollen erfüllt werden. Weizmann hat dies klar zum Ausdruck gebracht, als er jüngst sagte, „Wir haben ein Recht, und sie haben ein Recht." Ebenso klar ist, daß die Revisionisten die Balfourdeklaration bis heute nichts verstanden haben, die Forderung des Judenstaates ist unvereinbar mit dem Inhalt und dem Sinn der Deklaration. Die Bai fourdeklaration gilt es in ihren beiden Teilern zu erfüllen. Niemals können das die jüdischen oder arabi sehen Extremisten tun, weder der Mufti El Husseini, noch Jabotinsky können, ohne dem wahren Sinn der Balfourdeklaration gerecht zu werden, die Vertreter dieser beiden Völker sein. Darauf kommt es an, hinzuarbeiten, daß' eine breit. Schicht von Bürgern und Arbeitern' in' beiden Volksgruppen heranwächst, di den zionistischen Freiheitsgedanken ebenso begreift wie das Recht der pa lästinensisc hen Araber auf ihre Heimat. Verständigungspolitik ist, wie der Name sagt, eine Politik, die mit dem Verstand gemacht wird Eine Politik, die nicht mit, sondern gegen den Verstand gemacht wird, kann keine gute Politik sein', Mit Ghettogassendemagogie ist jüdischel Zukunft nicht zu erbauen, auch nicht mit der jüdischen: Legion. Einige, wie Ruppin, im Lager der zionistischen! Lirtken .wissen, worauf es ankommt; leider hat die Exekutive nicht verstanden, was sie in diesem Manne besitzt. Die historische Aufgabe des Aufbaues der jüdischen Heimat darf nicht in den Händen von Pfuschern und Feinden des Freiheitsgedankens liegen Die Frage des Parlamentes gehört nicht notwendigerweise hierzu. Ohne g e n> ü ge n> d e S i c h' errungen betreff s freier A Ii jah und Erleichterung des Boden kauf es und der An siedlung werden sich schwerlich1 irgendwelche jüdischen Gruppen für eine Beteiligung an einem Parlament aussprechen können. Wenn diese Voraussetzungen, also Donnerstag, den 11. Dezember 1930, um V28 Uhr abends im Bayrischen Hof, II, Taborstraße Volksprotest-Versammlung gegen das Weißbuch die Anerkennung, der Balfourdeklaration! durch den arabischen Bevölkerungsteil, gegeben sind, dürfte die Haltung der zionistischen Oeffentlichkeit zur Frage des Parlamentes sich ändern. In der Tat haben nur die Engländer kein wirkliches Interesse an einem Parlament, in dem Juden und Araber sachlich zusammenarbeiten können*. Die Justiz-, Zoll-, Steuer-, Schul-, Agrargesetzgebung Palästinas ist für keinen Teil der Bevölkerung gleichgültig. Wenn; die englischen Behörden die Achwath Poalim (Arabisch-jüdische Arbeiterorganisation, d. Red.) verbieten, so zeigt dies deutlicher als alle Worte, wo neben dem Mufti und Jabotinsky der Feind des palästinensischen Friedens steht. Welcher Zionist hat ein Interesse daran, daß in Palästina weiter eine so sträflich nachlässige Verwaltung herrscht, die keinen; der beiden Teile der Balfourdeklaration sich zu erfüllen bemüht? Gewiß liegen die Dinge nicht einfach, formale parlamentarische Demokratie ist nicht mit wirklicher Demokratie identisch. Die Majorität der Effendis und ihrer Helfer in einem solchen' Parlament könnte von der Histadruht eingebrachte sozialpolitische Gesetzentwürfe (Arbeitersch'utzgesetze etwa) sabotieren. Der Aufbau eines Selbstverwaltungskörpers müßte mit unendlichen Vorsicht progressiv durchgeführt werden. Magnes' Vorschlag, ein Oberhaus aus drei gleichen Teilen (Engländer, Juden, Araber) und ein demokratisches Untenhaus zu schaffen, wurde als Verrat am Zionismus gebrandmarkt, aber früher oder später werden ähnliche Vorschläge immer wieder auftauchen, und auch zionistische Gruppierungen1, die solchen Plänen heute nach diesem neuen' Weißbuch mit Recht schärf ablehnend gegenüberstehen, werden diese Frage sehr ernsthaft durchdenken müssen. Die europäischen Erfahrungen lehren auch, daß Parlamente immer ein ausgezeichnetes Instrument gewesen sind, die politische Differenzierung. zwischen den Klassen vorwärts zu treiben. Nichts kanrt der jüdischen Arbeiterschaft erwünschter sein, als den arabischen Klassengenossen gegenüber den1 Beweis über die sozialreaktionäre Haltung der Effendis im Parlament führen zu können1. Auen' von dieser Seite aus^ betrachtet verliert ein Parlament für einen' Sozialisten viel von seinem Schreck. Auch jetzt, wo wir in tiefer Empörung über das unsozialistische Schandmal einer Labourregierung, die ihre jüdischen Genossen schwer getroffen hat, vor der ganzen Welt unseren Protest und unsere Forderung auf die jüdische Heimstätte erheben, wollen wir nicht an das vergessen, was wir selbst zu tun haben. Aus unserer Bewegung. So fortigeAntwortdurchde Apolitische n Kampffonds. Die Erklärung der englischen Regierung vom 21. Oktober 1930 bedeutet einen schweren Angriff auf das jüdische Aufbauwerk in Palästina. Besonders schwer trifft dieser Angriff die Avantgarde des Palästinawerkes — die jüdische Arbeiterschaft, ihre .Einwanderungsmöglichkeiten, ihre Kolonisationsformen und ihr soziales Schaffen. Die allgemeine jüdische Arbeiterorganisation in Palästina (Histadruhth) und die Weltliga für das arbeitende Erez Israel haben beschlossen, alle Freunde des palästinensischen Arbeiterwerks zum Kampfe gegen diese Erklärung der englischen Regierung aufzurufen und für eine verstärkte Aufklärungs- und Organisationsarbeit unter den arabischen Arbeitern in Palästina einzutreten. Zu diesem Zwecke wurde der „Politische Kampffonds" geschaffen. Für (ihn wird eine Sammlung veranstaltet, in' einem Zeitraum von zwei Wochen in Palästina, und1 von einem Monat in den übrigen Ländern. Der politische K a m p f f o n d s ist eine einmalige! Einrichtung, um unsere dringenden! Aufgaben zu erfüllen; Es muß für. ihn gesammelt werden. Jede Stunde ist kostbar, jede Spende erwünscht. Das ist die sofortige Antwort des palästinensischen Arbeiters und seiner Verbündeten in der ganzen Welt auf den Angriff auf sein Werk der nationalem und sozialen Befreiung. 2000 Dollar haben die palästinensischen Arbeiter in den ersten 10 Tagen des politischen Kampffonds gesammelt. Die palästinensischen Arbeiter haben wieder eirttmal ein Beispiel an Opferbereitschaft und politischer Reife gegeben. Bald nach dem Bekanntwerden1 der englischen Regierungserklärung vom 21. Oktober hat der Waad Happel der Arbeiterorganisation, gemeinsam mit der Hauptleitung der Liga für das arbeitende Palästina die Parole zum politischen Kampffonds gegeben. Ein kurzer Aufruf im „Dawar" genügte, um* die Arbeiter mit Hingebung und Bereitwilligkeit reagieren zu lassen. 10 Tage nach dem Aufruf im „Dawar," war bereits eine Summe von 2000 Dollar gesammelt. Die Arbeiter opferten durchschnittlich mindestens einem Tagesverdienst, viele noch mehr. Die Spenden kamen1 aus Stadt und Dorf, aus Kwuzah und! Fabrik. Die bereits erwähnten 2000 Dollar kämem aus 24 verschiedenen Gebieten des Landes. Aus Tel-Aviv 144 Pfund, aus Jeruscholajim 58 Pfund, Haifa 60 Pfund1, Cheder 18 Pfund, Petach-Tikwa 8 Pfund, Raanäna 10 Pfund, Kfar Jecheskaiel 11 Pfund, Ein-Charod 10 Pfund, Tel-Josef 10 Pfund, Afule 7.50 Pfund1, Benjaminah 11 Pfund, Kwuzah! Ginigar 3 Pfunid, Mik- Israel 3.90 Pfund, Mischnar-Haemek 2 Pfund, Emek- Hajarden 5 Pfund, Migdal17.95 Pfund, Pardes Chäniab 2 Pfund, Karkur 7.90 Pfund, Kwuzath Gani Schmuel 3 Pfund, Kfar Sabah 2.35 Pfund usw. Die Aktion in Palästina wird durch ein; besonderes Komitee, bestehend aus den Chawerim: Ben- Gurion, Gorochowski, Dickenstein, Lubianiker, Nemirowski und AI. Kaplan geleitet. Energische Arbeit für den Politischen1 Kam pff'on'ds in! Deutschland. Die Liga für das arbeitende Erez Israel in Deutschland hat eine sehr energische Arbeit für den politischen Kampffonds und für den Volksprotest begonnen. Am Sonntag, den 16. November wurde in Berlin die erste Massensammlung durchgeführt. Am Montag, den 17. November fand im Logenhausi eine Veranstaltung für den politischen Kampffonds unter Beteiligung von: Ministerialdirektor Hermann: Bädt, Oscar Cohn, Fritz Naphtali, der sozialdemokratischen Abgeordneten Frau Tony Sender und dem bekannten Schriftsteiler Armin T. Wegner statt. Auch' in der Provinz wird die Arbeit mit aller Energie durchgeführt. Das Zentralkomitee der Liga für das aarbeitende Palästina steht mit über 100 Städten in Verbindung. Volksprotest. Die Weltliga für das arbeitende Erez Israel übernimmt jetzt in allen Ländern eine Sammlung von Unterschriften für die Protestaktion an; die englische und internationale Arbeiterbewegung. Hunderttausende jüdische Werktätige bekunden damit ihren Protest gegen die Handlungsweise der englischen Arb'eiterregierung und dokumentieren ihrem festen Willen, die Arbeit in Erez Israel trotz aller Hindernisse fortzuführen. Außer dem Protest, den wir untenstehend brlvh gen, enthält die Protestpetition die politische Reso. ution des ersten Kongresses für das arbeitende Palästina, auf dem 238.743 Arbeiter und Mitglieder von1* Jugendorganisationen aus 24 Ländern' vertreten waren',