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Der Jüdische Arbeiter · 1930-12-06 · Heft 23 (6.12.1930) · page 4

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
7 (1930)
Issue
Heft 23 (6.12.1930)
Date
1930-12-06
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4. Der jüdische Arbeiter An die englische und die internationale Arbeiterbewegung. Wir verwerfen aufs entschiedenste die am 21. Oktober veröffentlichte Erklärung der englischen Regierung über die neuen Richtlinien ihrer Palästinapolitik. Diese Erklärung steht im Gegensatz zu der Verpflichtung, die England dem jüdischen Volke gegenüber übernommen hat, im Widerspruch' zu den Versicherungen, die die Führer der Labour Party widerholt auf ihren Parteitagen, vor dem englischen Parlament, vor internationalen sozialistischen Tagungen und vor dem Völkerbund abgegeben haben. Die Erklärung stützt sich auf die Irreführung der Mehrheit der Shaw-Kommission, ohne die wohlbegründeten und aufrichtigen Vorbehalte des Lab'mir- Mitgliedes Harry Snell zu beachten. Sie ist getragen von einem Geiste der Feindschaft, gegen die palästinensische Arbeiterschaft, ihre Organisation und ihre sozialen Schöpfungen. Sie versucht, die EinwanderungJ jüdischer Arbeiter und die Ansiedlung jüdischer Massen zu unterbinden, die mit der Rückkehr in ihre alte Heimat um schöpschen Arbeiters auf Arbeit. ferische Tätigkeit und Freiheit, um Arbeit und innere Erneuerung ringen; sie schmälert das Recht des jüdi- Sie bekämoft den Kauf1 von Boden1 als Gemeingut des jüdisrHftn Volkes. Sie richtet sich damit gegen den Judiechen Nationalfonds, der den Fluch der Bodenrente autiiebt, von vornherein! Bodenspekulation unmöglich triacnt, den Besitz des Bodens demjenigen sichert, der ihn bearbeitet und damit eines der hohen Ideale der Internationalen Arbeiterbewegung erfüllt. In ihrer angeblichen Rücksicht auf die Interessen der arabischen Fellachen und Arbeiter weiß' die Erklärung keinen anderen Weg als den Kampf gegen die jüdische Ansiedlung; sie wirbt um die Freundschaft der Effendis, dia das Volk aussaugen und jedem Fortschritt feind sind. Wir schließen uns den Forderungen des I. Kon gresses für das arbeitende Palästina an' und erklären gemeinsam mit den jüdischen Arbeitern in Palästina Ohne Einwanderung und Ansiedlung kein nationales Heim. Ohne jüdische Einwanderung und Ansiedlung — keinen Aufschwung für das Land und' seine Bewohner! Es ist eine Arbeiterregierung, die diesen: Schlag gegen uns geführt hat. Das verpflichtet uns doppelt, in aller Offenheit zu erklären, daß: unsere1 Freiheitsbewegung hier in ihrem Kern getroffen ist und daß wir nicht aufhören werden, für unser Werk und unsere Zunkunft zu kämpfen. Wir werden Mittel und Wege zur Einwanderung iitnd Ansiedlung finden! Die jüdische Arbeiterschaft in Palästina vollbringt ihr Werk offen vor den Augen der sozialistischen Welt; sie will Arbeit und Freiheit und den Bruderbund mit dem arabischen Arbeiter. Wir appellieren daher an die englische undin ternationale Arbeiterbewegung. Tretet solidarisch und mutig für das Werk des jüdischen Arbeiters in Palästina ein, das Werk der Befreiung und des Friedens. Kämpft mit uns für die Abwendung der aus dieser Erklärung drohenden Politik! Dr.'Martha Hoff mann — Mitglied der Poale Zion. Wie das Sekretariat der Wiener Poale Zion mitteilt, ist die bekannte! Führerin der Hitachduth und der Weltorganisation zionistischer Frauen (Wizo), Doktor Generalversammlung der Poale Zlon Wien. Beim Eintritt in das Versammlungslokal drängt sich einem unwillkürlich die Frage auf: Warum ist alles, was wir unternehmen, mit dem Fluche der Selbstverhöhnung belastet? Warum kann nichts in Ordnung vor sich gehen, mag! man auch das Best'e und Edelste wollen? Erster Eindruck: Disziplinlosigkeit. Lange nach der festgesetzten Zeit stehen noch Gruppen und Grüppchen in lebhafter Unterhaltung beisammen. Endlich gelang es der Stimme des Vorsitzenden, sich durchzuringen. Tä t i g k e i t s b e r i c h t des Ch. Vorsitzenden Dr. Bernai: Er führt aus, daß das vergangene Jahr ein recht bewegtes gewesen sei. Beginn: Augustunruhen, Ende: Herausgabe des Weißbuches. Die Zusammensetzung der abtretenden Leitung sei nicht sehr glücklich gewesen. Für die kommende Arbeitsperiode sei unbedingt ein Obmann und eine kleinere, Leitung zu wählen. Für die nächste Zeit seien folgende Aktionen in Angriff zu nehmen: 1. Schekelaktion. 2. Aktion der Liga für das arbeitende Palästina, u. zw. Kampffonds, dann Volksprotest an die englische und internationale Arbeiterbewegung. Leider ist die Anbahnung einer Koope- Samstag, den 6. Dezember 1930, um 8 Uhr abends, II, Blumauergasse 1 Humoristischer Abend Martha Hoffmann, der Poale Zion beigetreten. Die Genossin Martha Hoffmann istf seit jeher auf der Basis des arbeitenden Palästina gestanden und wurde 1929 auf einer gemeinsamen Liste der Hitacduth und Poale- Zion zum Kongreß gewählt. Genossin Hoffmartn hat innerhalb der W. J. Z. O. immer den Standpunkt der Arbeiterinnen »vertreten und hat die engere Verbindung der W. J. Z. O. mit der Mowzah Hapoalot (Arbeiterorganisation) wesentlich gefördert. Die Wahlen in Polen. Die Ergebnisse der Wahlen) in Polen sind unseren Lesern aus der Tagespresse bekannt. Daß in diesen Terrorwahlen, aus welchen die gesamte Linke dezimiert hervorging, der gemeinsamen Liste des Bund und unserer Bruderpartei kein Erfolg beschieden war, wird. niemanden wundern. Aber trotzdem kann der 16. November 1930 ein bedeutungsvolles Datum für die judische Arbeiterbewegung werden: wenn nämlich der gemeinsame Kampf eine Atmosphäre geschaffen hat, in der der gehässige Bruderkrieg zwischen 'den beiden wichtigsten jüdisch-sozialdemokratischen Arbeiterparteien unmöglich sein wird. Ring des „Jüd. Arbeiter". Gen. Dr. Kantor spendet S 2— und ruft auf: Ing. Baumann, Abraham Singer, Otto Menzel, M. Ewinger, Dr. Berger, Dr. Leonhard Eckstein, Otto Manheimer, Dir. Altmann, Dr. M. Payes, Oskar Feller, Isak Engelberg, Hirsch, Ing. Freundlich; Karl riirschfeld, M. Schreier, 'Karl Fränkl. — Gen. Erni Welt spendet S 2.— und ruft auf: Dr. M. Pilzer, Dr. Karpeles, Ing. Krämer, E. Bierer, Karl Lederer, Ing. Kurt Deutsch, Trude Freund, Oskar Laufer, Fritz Pollak, Toch Berta, Ing. Mahrer, Dr. Schory Bernhard Sch'nittlich, Dr. Sophie Paporisch, M. Horowitz. — Gen. Okin spendet S 2.— und ruft auf: Dr. Hahn, Dr. Schächter, Körner, Abiv Rappaport, Czazkes. — Gen. Friedrich Gruebl spendet S 10.—. — Dr. BirnsteSn spendet S 2.—. —■ David Wenkert spendet S 2.—. — Jakob Färber spendet S 2.—. Gen. Dr. Schäfler spendet S 2.—. aus: Unsere Aufgabe in Wien besteht in der Ver tretung der Interessen der jüdischen Masse. Manchj Chawerim fassen die Bewegung als Weekendbelüsti gung auf. Unsere Führer haben weder Vertrauen 21 sich selbst, noch zur Idee, so wird nichts getan um unsere Positionen -gehen verloren. Mendel Singer ver wahrt sich dagegen. Teitelbäum soll beweisen, dai P. Z. die Massen im Stich gelassen; h'at. Es ist leich zu kritisieren. Wenn wir nichts getan hätten, so hättet wir auch keine Fehler gemacht. Chawerim, die irgend wo anders arbeiten, sind bei uns auch1 tätig. Teitel bäum: Meine Ansicht ist, daß man vom jüd. Lebei zu wenig weift. Ch. Singer wirft uns Untätigkeit vor, zeigt uns aber kein Programm und keinen Weg Die älteren Chawerim sollen uns helfen. Wah'len' Vorschlag: Elfköpfige Leitung, Vertrauensmänner zui Entlastung des Sekretärs. Angenommen. Obmann: Dr, Bernay. Stellvertreter: Ing. Krämer. Sekretär: Welt, Kassa:. Herschkowitz. Jugendreferat: Singer. Veranstaltungen: Horowitz. Presse: Dr. Pilzer. Kulturreferat Klara Blum, Schönberg Weisbrod. Bernay schlängt ^Entsendung von Delegierten in verschiedene Institutionen vor. Angenommen. Die Diskussion betreffend den Antrag Ch. Horowitz' wird für eine Plenarversammlung am 13. Dezember vertagt. Zuletzt erinnert Ch. Lustig an den Hausbaufonds „Markus Lachs" des Kibuz Rischon le Zion, der 100 Pfund bereitstellen soll. Renee Fürst. ration mit der Hitachdut, angeregt durch die Vereinigung der Arbeiterparteien in E. I., resultatlos geblieben. Zu allen Ereignissen wurde sowohl in Ver-t Sammlungen als auch" "in der Presse Stellung ge-j nommen. Eine Broschüre, in der die Meinung prominenter Sozialisten zum Problem Palästina wiedergegeben wurde, wurde herausgegeben. Leider h'att man zu wenig für Verbreitung gesorgt. Stellung1 zur' sozialdemokratischen Partei: Keine Äenderungr Der Gegenartikel zu Kautskys Palästinaartikel konnte in die A. Z. „aus Platzmangel" nicht aufgenommen werden. Vielleicht wäre es doch möglich, durch1 numerische Vergrößerung einiges Ansehen zu gewinnen. Eine Annäherung an das Landeskomitee durch den Vorschlag des Territorialverbändes wurde versucht. Fortschritte im regelmäßigen Erscheinen und im Niveau unseres Blattes sind zu verzeichnen. Kassaberich't: Statt des im Vorjahre übernommenen Defizites von 1500 S schneide man diesmal mit einem Defizit von nur 545 S ab. Ueber die einzelnen Referate ist folgendes zu berichten. Jugendreferat. Referenten M. Singer und Teitelbäum. Kontakt mit linken Jugendb'ün'den. Versuch, das Linkskartell zu reorganisieren1. Versorgung der 18 Olim (zwei schöne Abschiedsabende). Arbeits'gem. von 22 Jugendgenossen. Pa- Iästinareferat..Referenten Schuler und Sch'apira. Son'dersämmlung K. K. L. Entsendung von Vertretern in alle zion. Institutionen1. Gesells^chaftsleben. Lesehalle, Diskussionsabende. Leider nur geringe Frequenz. 12.-Novemb'erfeier, Borochovfeier und zwei Abende bei der Wilnaer Truppe. Schwierigkeit der Arbeit im 20. Bezirk, da kein Heim. Teilnahme an der Weltkonferenz der P. Z. Verkauf von 500 Wahlkarfen für die P.-A.-F.-Konferenz. Gen, Dr. Martha Hoffmann ist unserer Organisation! beigetreten. Dr. Bernai schließt mit einigen warmen Worten zum Gedenken unseres verstorbenen Gen. Markus Lachs. — Diskussion. Ing. Krämer meint, die P. Z. sollte mehr Anteil an der jüdisc'h'en Gemeinde nehmen. Hier liegt ein Arbeitsfeld und eine Propagandamöglichk'eit für uns. Auch1 unser Organ, für dessen Redaktion1 der Redner überaus anerkennende Worte findet, sollte sich mehr mit diesen Problemen beschäftigen1, nicht es anderen Blättern überlassen, uns zu informieren.. Chawer Horowitz berührt eine „Hauptkränk" unserer Bewegung: Es gibt bei uns 'Leute, die einmal werktätige Juden, einmal was anderes und manchmal auch Poale-Zionisten sind. Um zu einer Einigung zu kommen, sollte die Generalversammlung den Beschluß fassen^ daß Mitglieder der P. Z; keiner anderen Organisation angehören dürfen. Ch. Rottenstreich' wendet sich dagegen. .Er erinnert an einen früheren Beschluß, daß jeder Chawer als Poale-Zionist anderswo arbeiten darf. Wir sind auf Sympathiker angewiesen, sollen uns gegen niemanden versperren. Noch nie hat sich' die Mehrzahl zu einem Beschluß wie dem von Chawer Horowitz entschlossen. Teitelbäum führt Der Prozeß Hauptmann Dreyfus, Von Dr. Bruno Weil (VerL Dr. Walter Rothschild, Berlin-Grunewald.) Wir erleben letztens die Auferstehung der Dreyfus-Affäre; diesmal aber nicht im Gerichissaal, sondern auf der Bühne, in der Presse und in Büchern. Eine literarische Auferstehung! Auf der deutschen Bühne hat das Stück „Die Affäre Dreyf us" viel Erfolg, in Frankreich tobt noch1 immer der Kampf um die Aufführung des durch1 den berüh'mteni Schwarzbärt-Verteidiger Torres inszenierten Dreyfus- Prozesses, der Komponist Milhaud hat eine Dreyfus- Oper angekündigt, und die vor kurzem erfolgte Veröffentlichung der Akten des „Deutschen Auswärmen! Amtes" haf berechtigtes Aufsehen erregt, da man1 hiedurch Einblick bekommt in die Werkstatt bürgerlicher Weltgeschichte; man sieht, wie Weltgeschichte fabriziert w i r d! Ein entscheidendes "Wort, eine offene, unzweideutige Erklärung seitens Deutschlands hätte genügt, diese Affäre, die. eine Welt in Aufruhr brachte und ein Land (Frankreich) für Jahre in zwei feindliche, sich gegenseitig aufreibende Lager geteilt hat, rasch1 und eindeutig aufzuklären. Im Buche Dr. Weils wird der ganze Prozeß und alle in ihm und um' ihn handelnde Personen; wieder! lebendig. Er führt uns in die Hinterk'ulissen'welt den französisch-deutschen Diplomatie ein und wir sehen1 das Spionagenetz, das beide Staaten gegeneinander weben und in das schließlich' auch1 Dreyfus "hineingewebt wird. Man erlebt nochmals den dramatischen! Kampf zuerst um einen unschuldigen Menschen und dann — wenn dieser Mensch1 zum Symbol und» Begriff wird, um ein P r i n z i p, um ein I d e a I, für dessen Sieg die edelsten Geister jener Zeit aufopfernd kämpfen. Man denke ja nicht, daß diese Affaire nicht mehr interessant und aktuell ist, da gegenwärtig! solches nicht mehr passieren kann. Man muß nur versuchen, die Affäre in ihrem Prinzip zu erfassen: Die Verdächtigungeines Menschen, weil e r J u d e i s t, und deiiKamp.f der Bürokratie g e g e n d i e G e r e c h t ig keit, nurum der Welt kein Feh 1 urteil'e 1 ngestefren zu müssen' — betrachten wir es genau und die Affäre bleibt aktuell, sehr aktuell... Drechsler. ■ Lebensvers icherungs^Geseüschaft PHÖNIX Zentrale: Wien, I., Riemergasse Nr. 2 Versicherungsbestand Der Mitte 1930: 8 2,450,000,000'- Garantiemittel Ende 1929; S 300,000,000'- Prämien-und Zinsen einnahmen im Jahre 1929: 8 12 a ,000.000- Auszbhlungen an die Versicherten im Jan e 1923: 8 30 5OO.O0O — TÄTIGKEITSGEBIET: Oesterreich, Deutsches Reich, Frankreich, Belgien, Holland, Italien, Spanien, cechoslov. Republik, Polen, Ungarn, Jugoslavien, Bulgarien,Grlechenland,Türkei, Aegypten, Palästina, Pensions-Versicherung {Jgymit Rentenansammlung (Rentenbezug beim 55., 60. oder 65. Lebensjahr oder bei früherer BERUFS-UNFÄHIGKEIT. Monatliche Prämie. Sofortige Unveifallbarkeit.) gemeinschaftlich mit der Versicherungs**Akt ien** Gesell sch ah früher PEN5IONS-VEREIN für Handel, Industrie und Gewerbe Wien, I, Schellinggasse Nr, 1 Eigentümer, Verleger, Herausgeber u. verantworte Redakteur: Franz Lustig, Elektromonteur, Wien, VI.,.Stiegeng, 16. -Druck: „Adria", Wien, II, Taborstr. 52bV

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