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Der Jüdische Arbeiter · 1930-11-21 · Heft 22 (21.11.1930) · page 3

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
7 (1930)
Issue
Heft 22 (21.11.1930)
Date
1930-11-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Der jüdische Arbeiter Seite 3. DIE UMGESTALTETE S T E W E ZEIGT IN IHREN AUSSTELLUNGSRÄUMEN WIEN, IX., MARIANNENGASSE 4, geprüfte, den Sicherheitsvorschriften entsprechende Elektrogeräte für den gesamten Haushalt (kein Verkauf); HALT jeden Dienstag ab 15 Uhr Vorträge über die Verwendung der Elektrizität im Haushalt; EMPFIEHLT kostenlos die für jeden einzelnen Fall passenden elektrischen Geräte; VERMIETET Elektromotoren mit jederzeitigem Ankaufsrecht; FUHRT im Einvernehmen mit den hiezu berechtigten Installationsfirmen Elektro - Heißwasserspeicher - Anlagen — auch gegen Teilzahlungen — aus. FREIER EINTRITT! An Wochentagen von 8 Uhr vorm. bis 6 Uhr abends. Bidschän das Land für eine Kolonisation! ungeeignet! machen. Gegen diese Behauptung hat der. Sowjetgelehrte Prof. Sowitsch polemisiert, seine Aeußerungen' sind daher doppelt interessant In der 12. Nummer der „Tribüne" 1929 schreibt er folgendes: „Die negativen Seiten von Biro-Bidschän, die Larin hervorhebt, der ewig gefrorene Boden, Sümpfe, langandauernde Fröste bis 40 Grad, kulturelle Isolierung, sie sind für das ganze Territorium im fernen1 Osten' charakteristisch'. Aber diese Bedingungen machen) Biro-Bidschan nicht zu einer hoffnungslosen' Angelegenheit ... Abgesehen von allen ^ungünstigen Momenten hat Biro-Bidschan auch günstige Seiten! Die Landwirtschaft leidet unter keiner Trockenheit, man1 kann dort Tabak, und Reis pflanzen. Koräer und Chinesen ernähren! eine ganze Familie d urch1 Anbau von! einem Hektar Boden. Trotzdem muß gesagt werden', daß der ferne Osten trotz seiner gutem Seiten iundi großen Möglichkeiten ein Gebiet ist, welches sehr, schwer zu kolonisieren ist. Ich bin mit Larin! der Ansicht, daß, falls man das Land nicht meliorisierenj wird, es nicht in der Lage sein wird, jüdische Massen aufzunehmen." Folgendes schreibt der Leiter der Versuchsstation! in Biro-Bidschan, der Kommunist Jossefowitsch1 (Tribuna Nr. 17, 1929): „Solange Bino-Bidschan ir.ctit mehr erforscht ist, muß man daselbst zwei Teile unterscheiden: das nordwestliche Gebiet, das gebirgig ist, ein feuchtes und kaltes Klima hat und für Landwirtschaft ungeeignet ist, das südöstliche Gebiet, hügelig, wärmer, nicht sehr feucht und für Landwirtschaft geeignet. Der Grad der Fruchtbarkeit ist auch! •in diesem Gebiet gering. Sehr ungünstig] für die Landwirtschaft ist auch die unregelmäßige Verteilung! der Niederschläge: im Frühling regnet' es zu wenig, im Sommer macht der häufige Regen die Heuernte unmöglich... Auch die chemische Zusammensetzung) des Bodens ist ungünstig. Das ungünstigste Moment aber ist die niedrige Temperatur im Frühling, die die Entwicklung der Sprößilinge hintanhält." Immer wieder betont Josefowitsch die Ungunst des Klimas: „Der Regen — schreibt er in der Tribuna vom 15. September 1929 — hat bis Anfang September! gedauert und die Getreide-, Rüben, Zuckerrohr und' Kukuruzernte fast vernichtet. Die Getreideernte geht wegen des aufgeweichten Bodens überaus schwier vor sich. Diese Niederschlagsverhältnisse sind für ganz Biro-Bidschän charakteristisch. Diese Schwierigkeiten! werden durch die geringe Undurchlässigkeit des Bodens erhöht." Wie man sieht, ist es sehr schwer, diesen klimatischen und geographischen Schwierigkeiten bei'zukommen. Die Expedition des Prof. Bröks hat festgestellt, daß der Winter in Biro-Bidschan schneereicW ist. Spätere Untersuchungen haben gezeigt, daß dies nicht der Fall ist. „Der Winter ,in Biro-Bidschan', schreibt die Tribuna Nr. 15, 1929, ist fast oh'ne Schnee. Warum ist das schlecht? Weil dort, wo die Erde nicht mit Schnee bedeckt ist, sie tiefer durchfroren wird, was dann im Frühling das Keimen! der Saat schädigt. Man muß den Delegationen' des1 Ikor und Prokon auch1 vorwerfen, daß sie der in Biro-Bidschan nun allzu häufigen Ueb'erschwemmung keine Beachtung) geschenkt haben. Naclr der Tribuna' haben diese im Jahre 1927 im fernen Osten einen Schaden von1 11 Millionen Rubel, im Jahre 1928 von 30 Millionen! Rubel angerichtet. Der Sekretär des! Ikor hät in seinem» Bericht erzählt, daß sich' die Juden über diese Ueberschwemmngen niucht beklagt haben; offenbar wurde: es ihnen verboten: vernichten doch1 die Ueberschwemmungen die Siedlungen und verminen den Ackerboden. Eine besondere Plage stellen in Biro-Bidschän{ auch die Fliegen dar, und auch' dieses Ueb'el suchen! die Ikordelegierten zu verkleinern; hingegen schreibt Dr. Roch in der Tribuna (7) darüber: „Man kantil sich schwer die Schmerzen vorstellen, welche diej Fliegen den Menschen antun können. Der Biß allein) schmerzt nicht so sehr, die nachfolgende Geschwulst tut es um so mehr. Die Fliegen lassen einen bei Tag nicht arbeiten, bei Nacht nicht schlafen1. Die Arbeitsfähigkeit wird dadurch sehr vermindert. Die] Oset hat beschlossen, eine besondere Expedition zur Bekämpfung der Fl legen plage nach1 Biro-Bidschan zu schicken. Faßt man obiges zusammen, so erkennt' man; daß die Kolonisation in Biro-Bidschan außerordentlichen Schwierigkeiten begegnet. Die klimatischen! Verhältnisse sind ungünstig. Jedenfalls muß man bei der Auswahl der Kolonisten sehr vorsichtig sein. Alle Mitarbeiter des Komzet und Ozet haben erkannt, daßj die Kolonisten gesunde, energische, sehr widerstandsfähige Menschen sein müssen. Auf Grund des Fünfjahrplanes hat man die Absicht gehabt, in Biro-Bidschan in fünf Jahren 9000 Familien anzusiedeln, das heißt 1800 in einem Jahre. Und wieviel hat man wirklich1 in einem Jahr angesiedelt? Man hat 654 Seelen; hingebracht, 320 sind! zurückgewandert, 334 sind geblieben. Im Herbst 1928 hat man 300 Menschen auf Waldarbeit gebracht, davon sind 105 noch vor Beginn der Arbeit abgewandert. Ueber die Lebensverhältnisse der Zurückgebliebenen; schreibt die Tribuna: „Man lebt in schnell aufgebauten) löchrigen Häusern mit nnverwen'dbaren Oefen. Dia Männer können — weil ihnen das Geld fehlt — ihre Frauen und Kinder nicht mitbringen. Die sanitären! Verhältnisse sind in Biro-Bidschan so schlecht, daßi ein bekannter russischer Arzt in der Tribuna zu dem Ergebnis kommt: „Wenn wir nicht rasch' Maßnahmen treffen werden, besteht die Gefahr des Ausbruchs von Epidemien." Zum Schluß "kommt der Verfasser zu dem Ergebnis, daß die Massenkolonisation in Biro-Bidschan. unmöglich' ist. Das Weißbuch. Schluß. Gegen das Prinzip jüdischer Arbeit. Ueberdies ist die Wirkung jüdischer Kolonisation auf die bestehende Bevölkerung in äußerstem' Maße abhängig von den Bedingungen, unter denen die verschiedenen jüdischen Körperschaften; ihr Land5 in Besitz halten, ausnutzen und verpachten. Die Konstitution der erweiterten Jewish Agency, gezeichnet in Zürich am 14. August 1929 (Art. 3d-und' e) sieht vor, daß der von der Agency erworbene Boden „unveräußerliches Eigentum des. jüdischen Volkes" sein' soll 'und daß „bei allen Arbeiten „und .Unternehmungen, die von der Jewish Agency aufgeführt oder gefördert werden, es als ein Grundsatz gelten soll, daß jüdische Arbeiter beschäftigt werden sollen". Ueberdies verpflichtet sich der Pächter gemäß Art. 23 des Entwurfes eines Pachtvertrages, der auf alle Pachtländereien des Jüdischen Nationalfonds' Anwendung findenl soll, alle Arbeiten für cliet Kultivierung der Paehtländereien hur mit jüdischer Arbeit auszuführen. Strenge Verpflichtunegn sollen die Beobachtung dieser Zusage sicherstellen. v In dem' Vertrag über die Rückzahlung, von Krediten des Keren Hajessod ist eine strenge Verpflichtung für Siedler in den Kolonien der Küstenebene aufgenommen, nur jüdische Arbeiter zu1 beschäftigen, wann immer sie genötigt sind, Lohnarbeit in Anspruch zu nehmen. Eine ähnliche Bestimmung findet sich in den Verträgen für, die Emek-Ko.lonien. Diese strengen Verpflichtungen können schwer in Einklang gebracht werden mit der Erklärung des Zionistenkongresses vom Jahre 1921 über „den Wunsch1 des jüdischen Volkes, mit dem arabischen Volke in einem Verhältnis der Eintracht und der gegenseitigen/ Achtung zu leben Und im Bunde mit ihm' die gemeinsame Wonnstätte zu einem blühendein Gemeinwesen! zu machen, dessen Ausbau jedem seiner Völker eine ungestörte nationale Entwicklung sichert". Die jüdischen Führer haben sich' bei der Rechtfertigung dieser Politik in voller Freimütigkeit geäußert. Die Exekutive der jüdischen Arbeiterorganisa-, tion, die auf die Leitung zionistischer Politik einen sehr erheblichen Einfluß ausübt, hat behauptet, solche Beschränkungen seien notwendig, um das Maximum' an jüdischer Einwanderung zu ermöglichen und die Lebenshaltung der jüdischen Arbeiter vor der Gefahr zu bewahren, zu dem niedrigeren arabischen Standard' herabzusinken'. So logisch' diese Argumente atich' vom Gesiehtspunkt einer rein nationalen Bewegung! erscheinen mögen, so muß doch darauf hingewiesen werden1, daß* sie die Bestimmungen von Art. 6 des Mandates außer acht lassen, daß bei Förderung jüdischer Einwände^ rung und dichter Ansiedlung vort Juden' auf dem! Lande die Palästina-Regierung dafür zu sorgen hat, daß „die Rechte und die Lage anderer Bevölkerungs-' gruppen nicht beeinträchtigt werden. Kontrolle über alle Bodentransaktionen. Gemäß § 6 des Mandates hat die Palästina-Regierung die Stellung der „anderen Bevölkerungsgruppen" gegen Beeinträchtigung durch jüdische Immigration zu schützen. Ebenso ist sie gemäß dem Mandat verpflichtet, die dichte Ansiedlung der Juden auf' dem Lande, immer mit der vorerwähnten Einschränkung, zu fördern. I Auf Grund neuerlicher Untersuchungen ist die britische Regierung zu der Ueberzeugungf gelangt, daß zur Erreichung dieser Ziele eine mehr methodische? Entwicklung der Landwirtschaft zwecks besserer Bodenausnutzung erforderlich ist. Lediglich bei Anwendung einer solchen Politik wird eine weitere landwirtschaftliche jüdische Siedlungstätigkeit, die mit den im Art. 6 des Mandates! niedergelegten Bedingungen im Einklang steht, möglich sein. Das erstrebte Ziel wird nur in einer Arbeit! von Jahren erreicht werden können. Es ist daher ein Glück, daß sich die jüdischen Organisationen in dem Besitz umfangreicher Bodenreserven' befinden, die) noch nicht besiedelt oder entwickelt sind. Ihre Bewirtschaftung kann ohne Unterbrechung; fortschreiten, während gleichzeitig mehr allgemeine Entwicklungsmaßnahmen, die Juden und Arabern zugleich zugute kommen können, zur Wirksamkeit geh bracht werden. Während dieser Periode aber muß die für die Entwicklungsmaßnahmen verantwortliche Behörde notwendigerweise die Kontrolle über alle Boden transaktionen in ihrer Hand behalten. Bodenübertragungen werden nur insoweit zulässig sein, als sie in die Pläne dieser Behörde nicht eingreifen. Auswahl der Einwanderer durch die Regierung. Bei der Nachprüfung des Immigrationssystems anläßlich' der Suspendierung der Arbeiter-Immigrä-? tionszertifikate im' Mai dieses Jahres sind verschiedene Mängel zutage getreten. In vielen Fällen haben Personen Zutritt erhalten, die keine Visen hätten erhalten dürfen, wenn alle tatsächlichen Momente bekannt gewesen wären. Die Regierung übt keine wirkungsvolle Kontrolle über die Auswahl von Immigranten aus* so daß gegen Unregelmäßigkeiten bei der Ausgabe von Zertifikaten und gegen die Einwanderung vom unerwünschten Elementen keine angemessenen Sicherheitsmaßnahmen getroffen werden können. Störend: ist auch die große Anzahl von Reisenden, die ohne Erlaubnis in Palästina verbleiben. Eine weitere ernste Erscheinung bildet die Zahl von Personen, die sich* der Grenzkontrolle entziehen.; Also spricht eine Arbeiterregierung! '; Der Einfluß der Allgemeinen Arbeiterorganisation; ist weitreichend und ihre Aktionen sind von vielfältiger Art. Die Arbeiterorganisation hat ihre eigenen Gerichte erster und zweiter Instanz und ihr. Arbeiter,- Obergericht, an welches Appelle gegen Urteile niedriger Instanzen gelangen. Die Allgemeine Arbeiten^? ganisation hat eine Politik zur Anwendung gebracht, die unter anderem in Palästina eine „neue soziale) Ordnung" einführen will, aufgebaut auf Gemeinr schaftssiedlungen und auf dem Grundsatz der Selbsfärbeit (d. h1. jeder Mann soll für sich1 selbst arbeiten! und die Beschäftigung von Lohnarbeitern! vermeiden). Wo Selbstarb'eit unmöglich' ist, besteht die Arbeiterorganisation auf der ausschließlichen Beschäftigung jüdischer Arbeiter durch alle jüdischen Arbeitgeber. Im Hinblick auf ihre Mandatsverpflichtungen' muß die Palästina-Regierung als Vertreter der Mandatarmacht die ausschlaggebende Instanz für alle Fragen! der Immigration bilden, wobei insbesondere auf ihre enge Verknüpfung mit dem Problem der Arbeitslosigkeit und der Politik zu achten ist. Eine Verbesserung der bestehenden Maschinerie ist nur möglich, wenn' zwischen der Regierung auf der einen Seite und der Jewish Agency auf der anderen Seite ein . modus vivendi gefunden wird, in der, Regelung ihrer beiderseitigen Funktionen, und es muß hierbei der Einfluß, der Allgemeinen Arbeiterorganisation auf die Agency. voll in Betracht gezogen werden. Einwanderung nur nach Behebung der arabischen1 Arbeitslosigkeit. Zurzeit besteht eine ernste arabisch'e Arbeitslosigkeit ebenso wie jüdische Arbeitslosigkeit, die als sehn unbefriedigend bezeichnet werden muß. Es kann als klar erwiesen gelten, daß die Aufstellung der Arbeiter-Einwanderungsliste abhängig sein muß von der Feststellung der Zahl aller Arbeitslosen in Palästina, Diese Zahl muß daher genau festgestellt! werden. Die ökonomische Aufnahmefähigkeit des Landes für neue Einwanderer muß unter Berücksichtigung) der Lage Palästinas als einer Einheit im Hinbliek 1 auf Arbeitslosigkeit beurteilt werden. Bei Bestimmung'! dieser ökonomischen Aufnahmefähigkeit muß auch! Sorgfalt ausgeübt werden, um einen Bedarf an Arbeitern, die infolge vermehrter Geldzirkulation bei! Ausgaben für Aufbauzwecke oder aus anderen Gründen als von lediglich temporärem Charakter anzusehen ist, entsprechend zu würdigen. Jede übereilte Entscheidung in bezug auf eins weniger eingeschränkte jüdische Einwanderung istl entschieden nicht empfehlenswert, nicht nur vom Standpunkte der Interessen der Palästina-Bevölkerung als1 eines Ganzen, sondern auch von dem' speziellen Ge-! Sichtspunkt der jüdischen Gemeinschaft aus. Solange? in weiten Kreisen der arabischen) Bevölkerung ein Verdacht besteht, und er besteht tatsächlich1, daß die ökonomische Depression, unter der sie gegenwärtigzweifellos leidet, zu einem erheblichen Teil eine Folget übermäßiger jüdischer Einwanderung ist, und solange einige Gründe existieren, auf Grund derer die Berechtigung dieses Verdachtes in plausibler Weise 'dargestellt werden kann, besteht wenig Hoffnung! füii eine Verbesserung, der Beziehungen der beiden Rassen} zueinander. ■; , ... i ifc» •■■..... - . ..... . .. :

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