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Der Jüdische Arbeiter · 1930-11-21 · Heft 22 (21.11.1930) · page 4

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
7 (1930)
Issue
Heft 22 (21.11.1930)
Date
1930-11-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seife 4. Der jüdische Arbeiter England in Rückzug« Abschwächung des Weißbuches. Die jüdische Weltprotestbewegung gegen das Weißbuch der englischen Arbeiterregierung beginnt Früchte zu tragen. Als eine nicht unwichtige Wirkung'unseres Protestes muß die Bemühung Lord Passfields bezeichnet werden, die natürlich! richtigen: Folgerungen, die die zionistische Bewegung und; ihre' englischen Freunde aus dem Weißbuch' gezogen: haben, als übertrieben darzustellen. Wir bringen im Folgenden auszugsweise einen Brief Passfields an| die Times, in welchem 'die Tendenz das W e i ß b' u c h abzuschwächen, besonders deutlich zum Aus^ druck kommt! Passfteld schreibt: 1. „Die erste Folgerung wird aus Par. ^15 des Weißbuches gezogen, dessen Sinn von den Zionistenj wiedergegeben wird, daß es unmöglich sei, sogar unbesetzte Staatsb'öden für jüdische Kolonisation zur Verfügung zu stellen', angesichts der Wichtigkeit der Beschaffung zusätzlichen Bodens für die AnsiedlunlgJ arabischer Bauern,, 'die gegenwärtig landlos sind. Niemand, glaube ich, wurde aus den soeben; zitierten Worten ersehen, daßi in1 Par. 15 die einzige Efr wähnung vom unbesetzten' Staatslän'dereien In1 der Bemerkung besteht, daß das Ausmaß solchen Bodens* nicht erheblich ist. Es liegt kein erIeil Erklärung vor, daß es unm öglicff sei1, diese Ländereien für jüdische Kolonisati o n;sz,wecke verfügbar zu machen, noch ist erne so 1 che FoIgerung durch di'e tatsäch- 11ch' gebrauchten Worte irgendwie gerechtfertigt. 2. Die zweite Folgerung bezieht sich' auf Par. 19 bis 23 des Weißbuches. Dia Zionisten deuten diese Absätze so, als 10b der jetzigen Praxis der Jewish Agency bei ihren Unternehmungen jüdische Arbeiter zu beschäftigen und in ihren Pachtverträgen! die ausschließliche Benutzung jüdischer Arbeit zun Bedingung zu machen', „ein Ende gemacht werden! müsse". Die betreffenden Absätze enthalten derartige •Wiorte nicht, nioch kann; eine solche 'Absicht aus ihnen gefolgert werden. Es wird1 lediglich die Aufmerksamkeit auf diese Praxis gelenkt,, und diese der wohlwollenden' Haltung gegenüber dem' arabischen Volke, wie sie inder Erklärung des Zionistischen' Kongresses von1 1921 zum Ausdruck kam, entgegengestellt; ferner wird die von' den jüdischeri Führern selbst angeführte Rechtfertigung fün diese Politik zitiert und darauf aufmerksam gemacht, daß die! zu ihrer Unterstützung vorgebrachten! Argumente, die kraft Artikels 6 des Mandats bestehende VerpfItehtunig!,. rdie Rechte und die Lage anderer Teile der Bevölkerungj zu schützen, außer Acht lassen. 3. Die dritte Folgerung bezieht sich' auf Absatz 28 des Weißbuches, dessen Sinn so gedeutet wird: Keine weitere jüdische Einwanderung darf stattfinden, solange sie einen Araber hindern; könnte, Arbeit zu erhalten. Der Absatz lautet wörtlich wie folgt: Es ist klar, 'daß. wenn! infolge der Einwanderung! von Juden die arabische Bevölkerung gehindert} . wird1, die für ihren Lebensunterhalt notwendige Beschäftigung zu finden, oder jüdische Arbeitsiosig- . keit die allgemeine Lage des Arbeitsmarktes ungünstig; beeinflußt, es die Pflicht der Mandatarmacht ist, diese Einwanderung solange einzuschränken (oder! im Notfalle abzustellen, bis der unbeschäftigte teil der „anderen Bevölkerungsgruppen" wieder Beschäftigung finden "kann. Die Absicht des Weißbuches, die ich für. meinem Teil als völlig klar betrachte, war es, die Möglichkeit einer Suspendierung jüdischer Einwanderung vonl einer Arbeitslosigkeit abhängig zu machen1, deren; Ausmaß ernste Folgen für die Verhinderung der arabischen Bevölkerung der Beschaffung einer für ihren! Lebensunterhalt notwendigen Beschäftigung haben' würde. Es war natürlich keineswegs beabsichtigt, Inj Vorschlag zu bringen, daß; die Einwanderung solange suspendiert werden sollte, solange „ein! einziger Araber" arbeitslos bliebe. Zum Schlüsse möchte ich' mir einige allgemeiner Bemerkungen erlauben'. Es wird weder beabsichtigt; noch in. Vorschlag gebracht, daß( Staatslän'dereien oder andere Böden in Palästina, die durch Bewässerung! oder durch andere Mittel für Kolonisation verfügbar; gemacht werden können1, ausschließlich' für Araber reserviert werden sollen. Im Gegenteil, es besteht die Hoffnung, daß ein beträchtliches Ausmaß an; Boden' —• wieviel kann noch nicht vorausgesagt werden — in der Zukunft für jüdische Siedler zugänglich gemacht werden wird. Ferner: es wird im Weißbuch ausdrücklich betont, daß auf der großen noch un.be'- siedelten und unbebauten in jüdischem Besitz befindlichen Landreserve, Kolonisationstätigkeit „ohne Unterbrechung" fortgesetzt werden kann1. Ueberdies wird' kein Wort gesagt, aus dem der Schluß gezogen werden könnte, daß die Einwanderung irgend einer von' den" neun offiziellen' Kategorien von jüdischen Immigranten verboten oder gesperrt werden' solle. Nur einen 'dieser Kategorien ist überhaupt im Weißbuch' Erwähnung getan, nämlich der „Labour Schedule" (Lohnarbeiter), welche alle sechs Monate gemäß der jeweiligen1 „ökonomischen Aufnahmefähigkeit" des Landes festgesetzt wird. Der Apparat, mit Hilfe dessen diese „Aufnahmefähigkeit" genauer festgestellt werden soll, soll verbessert werden. In der Zwischenzeit wird die Labour Schedule gerade gegenwärtig für die nächsten1 6 Monate festgesetzt, unter gebührender Berücksichtigung der bestehenden Arbeitslosigkeit, aber auch' unter voller Bewertnug der künftigen1, sich aus der Erweiterung der Industrie ergebenden ArbeitsmöglichH keiten. England verhandelt mit den Juden. Die britische Regierung hat die Vertreter der Jüdischen Agentur eingeladen, mit ihr über die durch das jüngst ausgegebene Weißbuch betreffend! Palästina1 aufgeworfenen Fragen zu verhandeln. Debatte über Palästina. Im Unterhaus erklärte Lloyd-George bei der Eröffnung der Debatte über Palästina, das Weißbuch der Regierung sei gegenüber dem Arabern1 und den Juden ungerecht. Es stehe im Widerspruch zur Mandatsverpflichtung Englands unld habe bei den Juden Mißtrauen hervorgerufen. Der Unterstaatssekretär für die Kolonien, Shiels, bestritt im seiner Erwiderung entschieden, daß die Regierung die Absicht gehabt habe, das Mandat aufzugeben. Die Sperre der Arbeitereinwanderung aufgehoben. Wie das Kolonialamt in London/ der Jüdischen Telegraphen-Agentur mitteilt, hat die britische) Regierung den High-Commissioner für Palästina, Sir John Chan:- cellor, ermächtigt, 1500 Einwanderungszertifikate für jüdische Arbeiter freizugeben. Eine neue Infamie der Revisionisten! Die Verhandlungen; des Aktionskomitees haben; die breite Oeffentlichkeit mit der Vorgeschichte des Weißbuches bekannt gemacht. Eine überaus schändliche Rolle haben1 da insbesondere die Revisionisten! gespielt. Wie berichtet wurde, haben die Revisionisten! trotz des Appells Weizmanns, .Warb'urgs und Professor Frankfurter, ihr Statement nicht vorzeitig zu veröffentlichen, da noch' Hoffnung bestehe, daß die englische Regierungserklärung geändert werde, ihr Kommunique gegen dem Willem der Exekutive herausgegeben. Durch diesen Schritt war eine Verschiebung der Veröffentlichung des Weißbudh'es unld eine eventuelle Korrektur nicht zu erreichen. Dieser unerhörte Disziplinbruch liegt in der En'twicklungslinie des Revisionismus: die gegen den) Willen des ,Wad leumi veranstaltete Jerusalemer Demonstration am 9. Ab; durch1 welche die Revisionisten! an den blutigen; Ereignissen mitschuldig geworden! sind, die Prager Beschlüsse, welche; die Nichtbeachtung der zionistischen:. Organisation zum obersten; Prinzip des Revisionismus machen1, unld der neueste; von Herrn Großmann verübte schändliche Disziplinb'ruch, sind Merksteine dieser Entwicklung. Uns bleibt nur übrig, die Frage zu' stellen: Wann; wird endlich; die zionistische Organisation den Kampf gegen , diese Totengräber des Zionismus eröffnen, wann werdjen sich1 vor allem in Wien die lin'kenj Bünde zu einem unerbittlichen! Kampfe gegen diese faschistischen Disziplinb rech er und Katastrophenpolitiker aufraffen? Im Augustheft der „jungsozfalistisch'en Monatshefte" veröffentlicht K- Stechert einen Aufsatz über „ijungsozialismus in Palästina". Im Egyenlöseg (31) weist Leo Fellner nach', daß der nunmehr 10 Jahre währende Numerus Clausus Ungarn 26 Millionen Pengö gekostet hat. Der Autor macht die Zuwendungen des Hilfsvereines jüdischer Studenten zur Grundlage seiner Rechnung. Ring des „Jüd. Arbeiter". Moses Horowitz spendet S 2.-^ und ruft folgende Freunde und Genossen1 auf, denselben! Betrag zu spenden: Dr. J. Hellmann, Josef. Weidenfeld Singer, Dir. Spiegier, Mayer Henisch1, Karl Reiter, Dir. Friedrich Gruebl, Dr. Blauer, Siegmund Haber, David Wenkerf, Dr. Rybazesky, Dr. Finkelstein. — Dr. L. Ginsberg! spendet S 2.— und ruft zu weiterem Spenden) auf: Dr. Benedikt Berger, Adolf Ginsberg, Dr. David Lewinter, Dr. Julius Spiegier, Leo Gottfried', Dr. Josef. Drucker, Ing. Lazar Weintraub. — Gem. Ella Sorokini spendet S 2.— und ruft alle Frauen; der Parteigenossen! auf. — Gen. Dow Sorokin spendet S 2.— und ruft alle Kinder der Chawerim auf. •— Gem. Leo Selzer spendet S 2.— und ruft zu weiterem Spenden auf: Ferdinand Karoly S. Goldsand, Adolf Schwalb, Gustav Feigenbaum. — Dr. Rudolf Glanz spendet S 2.— und ruft zu weiteren Spendern auf:. H. L. Thau, Dr. Berger, Dr. J. Seiler, Siegmund Sch'apira. — Gem. Markus Leitner spendet S 2.— und1 ruft zu weiterem Spenden; auf: S. Rosenstrauch, Popik, Feldmann1. — Gen. Dri Gpldsetmidt spendet S 2.— und ruft zu weiterem Spenden auf: Dr. Harnik', Dr. Timberg. Die Sitzung des Aktionskomitees. Vom 4. bis '9. November fand in London die Sitzung des zion. Aktionskomitees statt, im welcher Weizmamm und Gem. Kaplansky die politischen Referate über die gegenwärtige Lage hielten. Anschliessend fand eine mehrtägige Debatte statt, in der vor allem die Opposition ihren Standpunkt zur Geltung brachte. Es wurde beschlossen, dem zionistischen Kongreß für -Februar einzuberufen. Zeitschriftenschau. Im Oktob'erheft der Sozialistischem. Monatshefte veröffentlicht Julrus Kalis kr einen! Aufsatz über die Z u k u n f t der jüdischen P a- 1 ä s t i n a a r b' e i t. Der antibritischen, kontinental-europäischen Einstellung dieser Zeitschrift entsprechen!^ fordert K. eine Abkehr des Zionismus vom England} und betont, daß die Verwirklichung des Zionismus! im Interesse aller sich um Frankreich' gruppierendem, europäischen Staaten liege. An einer Stelle akzeptiert! Genosse Kaliski revisionistische Auffassungen, so Tdaß| man bei der Lektüre der betreffendem Ausführung Kstellt die Auswanderung der Araber aus Palästina als politisch und moralisch möglich dar zu denken gezwungen ist: Gott schütze uns \ unseren Freunden! Auch1 im zweiten Teil seines im dem Kölner] Vierteljahrh'eften für Soziologie "(1930„ Heft 4) veröffentlichten Aufsatzes über die Einwanwan'derer in dem U. S. A. — über dem erstem Teilt haben wir bereits berichtet — kommt R. Heberle des öfteren auf Juden zu sprechen1. Heberle bespricht die tragische Seite der Assimilation der „zweitenf Generation" -und führt als Beispiel jene jüdischen] Einwanderer an, die sich im der jüdischen Zeitung „Vorwärts" darüber beklagen', „daß ihre Kinder sich weigern, mit ihnen Jiddisch zu sprechen', daßi sie ihre Eltern an der Ausübung der religiösem Riten; zu hindern suchen, etwa indem sie die Sabbatk'erzenf ausblasen öder daß sie sich1 schämen, im der, Oeffentlichkeit mit ihren Eltern aufzutreten'." Bei' der Beschreibung der nivellierendem Wirkung der 'Amerikanisierung auf die nationalem Sonderk'ulturem führt1 Heberle am, daß den Juden', die für sie charakteristische Freude an intellektuellem Dingen! verloren geht. Jüdische Sozialdemokratische Arbeiter- Organisation Poale Zion. Samstag, dem 29. November 1930, halb 8 Uhr abends, Wien, II., Blumauergasse 1, Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Die politische Lage im Zionismus iund in unserem Weltverband. 2. Rechenschaftsbericht. 3. Kassabericht. 4. Diskussion. 5. Wahlen der neuen Leitung. 6. Eventuelles. Verein der Freunde des arbeitenden Palästina. Jüd. soz. Arb. Org. Poale Zion. Mittwoch1, den 26. November 1930, 8 Uhr abends1, jüd. Künstlerspiele „Reklame", Wien, II., Praterstraße, Wilnaer Truppe Schatz, v. Pinsky. Karten Vorverkauf: II., Bliimauerg. 1. Die jüngeren Poaleziontetem veranstalten anfangs Dezember einen humoristischem Abend. Prompt. Künstlerische Aufnahmen' durch Gen. Wilhelm Smeliansky IL, Untere Augartenstraße 4. Billig. Lebens versieh er ungs*» Gesellschaft PHÖNIX Zentrale: Wien, I., Riemergasse Nr. 2 .Versicherungsbestand per Mitte 1930: 8 3,450,000.000*- Oarantlemlttel Ende 1929: H 300.000.000*— Prämien-undMinseneinnahmen im Jahre 1929: 8 i2*,ooo.OOO - Auszahlungen an die Versicherten im Jahie 1929: 8 30 SOO.OOO'— TÄTIGKEITSGEBIET: Oesterreich, Deutsches Reich, Frankreich, Belgien, Holland, Italien, Spanien, cechoslov. Republik, Polen, Ungarn, Jugoslavlen, Bulgarien,Griechenland,Türkei,Aegypten,Palä8tJna. Pensions-Versicherung NCU' mit Rentenansammlung (Rentenbezug beim 55., 60. oder 65. Lebensjahr oder bei früherer BERUFS-UNFÄHIGKEIT. Monatliche Prämie. Sofortige Unvei fallbarkeit.) gemeinschaftlich mit der Versicherüngs*Aktien* Gesellschaft früher PENSIONS-VEREIN für Handel, Industrie und Gewerbe Wien, I, Schellinggasse Nr. 1 Eigentümer, Verleger, Herausgeber u. verantwortl Redakteur: Franz Lustig, Elektrom'onteur/Wien, VI., Stiegeüg. 16.- — Druck: „Adria", Wien, II, Taborstr. 52bY

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