Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 7 (1930)
- Issue
- Heft 19 (1.10.1930)
- Date
- 1930-10-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2. Der jüdische Arbeiter her am Ausbau der großen proletarischen Partei tatkräftig mitarbeiten. * Der Bericht-der Mandatskommission, in welchem der zionistische Standpunkt fast vollständig zur Geltung kam, wurde vor der Verhandlung der Palästinaffage im Volkerbundrat gewissen Veränderungen'unterzogen, die eth Kompromiß zwisdhen dem Vertreter der Mandatskommission und Englands Außeinminister Henderson darstellen. Das neue in dem vom Völkerbundrat einstimmig zur Kenntnis genommenen Bericht ist 'die Hervorhebung der Schwierigkeiten der englischen Regierung bei der Erfüllung ihrer Aufgabe in Palästina. Aus der Debatte sind insbesondere zwei Momente als ganz besonders wesentlich hervorzuheben. Hen'derson hat festgestellt, daß) die Man- 'dätsmacht den "Frieden im Lande nicht herstellen wird können, wenn nicht d ie i>eid en Völker Palästinas ihr dazu helfen; werden. Andererseits kam die a 11 m ö h a m e d a n i s c h e Solidarität klar zum Ausdruck, als der persische Delegierte Khan Ala für die Rechte der Araber eintrat. Eine reale Politik des Zionismus wird sowohl die Einstellung des englischen Außenministers, der die Lösung der politischen Fragen im . Lande zum großen Teil den Bewohnern selbst überlassen will, als auch jene weltumspannende Solidarität der mohammedanischen Völker ihre Voraussetzngen erkennen müssen. * Leider muß festgestellt werden, daß der Verständigungsgedanke im arabischen Lager keine Fortschritte macht. Der „,Carmel" stellt als Erwiderung auf die - Vorschläge des Brit-Schalom u. a. folgende Vorbedingungen für/deren Erwägung: Verpflichtung, auch nicht einen Fellachen zu entlassen; Verzicht auf Konkurrenz mit arabischen Beamten und Arbeitern; Beschäftigung von: 80 Prozent Arabern in1 jüdischen Unternehmungen. Und der Feiestin antwortet auf Welzin an ns Rede: „Palästina ist ein arabisches Land, wir fordern einen arabischen, nicht aber einen jüdischarabischen Staat." Man würde es kaum für möglich halten, aber es ist trotzdem wahr: die verblendeten nationalen Chauvinisten im Zionismus können! ihre Genugtuung über 'diese Haltung der; arabischen Presse ^nicht unterdrücken iund mit unverhohlener Schadenfreude weisen sie die für, Verständigung und Frieden kämpfenden Gruppen auf dieZweCklosigkeit ihres Tuns hin, das auf der anderen Seite doch keinen Widerhall findet Gemach, Ihr Herren — ist unsere Antwort —, Ihr folgert zu schnell! Ihr vergesset, daßi wie jede politische Willensbildung auch der Wille zum Frieden •Ergebnis jener . Gesamtheit der Bedingungen politischen Handelns ist, die wir als politische Konstellation •bezeichnen. Auch die jüdische Verständigngsbereitschaft war nicht immer so. unumstritten gegeben, wie sie es heute unzweifelhaft ist. Ein Rufen zur Verständigung, wie es — um nur einem zu' nennen — unser Genosse Kaplansky war — der immer wieder forderte, daß die zionistische Organisation die Initiative in der Frage der Verfassungsreform ergreife, •blieb ein Rufer in der Wüste. Im Jahre. 1924 wurden von der. arabischen Seite Friedensfühler ausgestreckt, sie blieben auf der zionistischen Seite unbeachtet. Die politische Konstellation hat sich geändert, die Ereignisse dieses unglückseligen Jahres haben die Araber (unversöhnlich und. die zionistische Bewegung verständigungsbereit gemacht. Die Bedingungen des politischen Wirkens sind dem Wandel der Geschichte unterworfen. Das Jahr 5690, das wohl zu1 dem schwärzesten der Geschichte der jüdischen Renaissancebew^giung gehört/ geht zü Ende; und schon sehen! wir Anzeichen einer Besserung unserer politischen! Situation: der Sieg des zionistischen Standpunktes vor dem Völkerbund ist der Beginn der Wandlung zu lunseren Güsten. Wir" hoffen, nein, wir sind! überzeugt, daß die verantwortlichen Männer nserer Bewegung die Erfahrungen des letzten Jahres auch1 in besseren Zeiten nicht vergessen werden; - die Araber werden aber erkennen müssen — erkennen' aus der neugeschaffenen politischen Konstellation,;aber auch aus der gesteigerten jüdischen Aufbauarbeit, daß, auch sie ein Interesse an einer Verständigung haben. In beiden Völkern muß sich die Erkenntnis durchsetzen, daß bloß die Methode der Gewalt hundertprozentige Realisierung eines politischen Zieles verbürgt, der demokratische Weg der Verständigung, führt nur über ein Kompromiß zum Ziele. Möge uns das kommende jähr diesem .Kompromiß näher bringen, um unseres Werkes willen, aber auch zum Heile des arabischen Volkes! * Wir sind zwar überzeugt, daß alle unsere Genossen und Genossinnen das Volksbegehren unterzeichnet haben, wir müssen ihnen aber ins Bewußtsein rufen, daß diese selbstverständliche Erfüllung der Parteipflicht in diesem Augenblicke keineswegs •genügt. Und wahrlich, an Antrieben, in dieser Sache den ganzen Mann zu stellen', fehlt es* in dieseim. 'Augenblick nicht. Wir wagen es nicht, ein Staatswesen näher zu charakterisieren, das den Arbeitslosen ihre kärgliche Unterstützung verkürzen, den ■Arbeitsveteranen eine kärgliche Pension versagen: will, 'dessen wichtigster Betrieb aber für. die sportlichen Bedürfnisse hoher Funktionäre sehr großes materielles Verständnis gezeigt hat: man braucht sich diesen Kontrast nur so recht konkret vorstellen, um die Fäuste zu ballen und1 sich m sagen, daßidies so weiter nicht geht. Wir, das Proletariat, haben! nicht die Möglichkeit, unseren arbeitslosen Genossen, ui> seren Alten aus Geheimfonds Remunerationen zu geben: darum wollen! wir werbend für das Volksbegehrenunserer Partei eintreten, damit sich der Staat nicht nur der Günter und Konsorten, sondern auch der Arbeitslosen und Arbeitsunfähigen annehme! M. Pilzer. Die Rede des Gen. Kaplansky im A. C. Wir haben ein schweres Jahr hinter uns. Nach den vergangenen 10 Jahren haben wir nicht nur abzurechnen, sondern müssen die ganze Lage untersuchen. Unsere Mißerfolge gehen schon auf das Jahr 1921 zurück, sie beginnen mit der Abtrennung Transjordaniens. Man hat für unsere Mißerfolge drei Gründe angegeben: 1. die schiechte Leitung, 2. die zu breite Zielsetzung, 3. die Aenderung der Zie|e der Mandatarmacht. Die wenigsten haben auf die tatsächlichen Ursachen unserer Lage hingewiesen, und dasjsind — die Ar ab er. Wir haben .sicher eine Reihe von Fehlern gemacht, vor allem haben wir bis heute keim genaues Arbeitsprogramm ausgearbeitet und der Regierung keinen genauen Plan vorgelegt. Wenn man jetzt innerhalb den Bewegung einen Burgfrieden schaffen will, muß man erst beweisen, daß die Zusammenarbeit mit jenen möglich ist, die Schritte zu1 einer Politik unternehmen, die im Gegensatz zu den Intentionen der Leitung und der Majorität der Bewegung steht. E.ine Zusammenarbeit von Arbeitern wn-'d. Revisionisten ist unmögr lieh. Bezüglich der geplanten Reform der Leitung m'uß erst festgestellt werden, zu welchem Zweck sie vorgenommen werden soll. Es muß ein Aktionsprogramm geschaffen werden, daß alle befriedigt. Es 'muß ein Ende dem1 Wirrwarr gemacht werden, der bei uns herrscht. Ich verstehe die Revisionisten, ich1 verstehe aber nicht Grünbaum, der zugibt, daß die Revisionisten eine, falsche Politik treiben. Als Theodor Herzl seinen Juden-Staat geschrieben hat, hielt er Palästina für ein leeres Land1, nachdem er aber im Lande gewesen ist, sprach er schon von einer ö f f e n 11 i c h - r e c h 11 i c h g e s i c he r t e n H e i m - s tä11e u n d hat sei n B as 1 er Programm aufgestellt. Glaubt, man wirklich, daß wir größere Erfolge haben werden, wenn wir unsere Forderungen auf dem politischen Gebiet überspannen werden? Man . kann der Exekutive nicht vorwerfen, daß sie im Kampfe mit der Regierung nicht genügend Mut gezeigthat, aber wenn man einen Kampf führt, muß man auch das Ziel des Kampfes kennen. Wenn wir immer wieder behaupten, daßi uns England verraten hat, werden! die Massen; uns die Frage, einer neuen Mandatmacht vorlegen, und das ist in! der heutigen Lage gleichbedeutend mit der Revision des Mandats. Wenn wir das nicht wollen, dürfen! wir die Frage nicht auf werfen. Wir haben der Regierung ein Memorandum vorgelegt, in welchem unsere Forderungen; niedergelegt sind, jund wir müssen uns nun zu den Verhandlimgen bereit halten, die nach dem »Bericht Simpsons kommen werden. Wir müssen uns aber darüber klär sein, daßfäucn die beste Formel die Araber aus Palästina nicht entfernen wird, daß wir immer mit der Tatsache der arabischen Siedlung rechnen müssen. Unsere Verband lunge n wegen Palästina können kein Dialog zwischen uns und England bleiben, wir müssen die Araber ei n bezie h'en. Wir w er'd e n. England dazu ni ch t br i ng e n, di e F ord eru ngen d er Ar aber nicht zu beachten, und wir müssen bereit sein, uns über die Verwaltungsreform im Lande .zu verständigen. Schon im Jahre 1924 habe ich1 am Parteitag} der palästinensischen Arbeiterpartei Vorschläge gemacht, und noch früher im Aktionskomitee. Damals sind1 meine Vorschläge abgelehnt worden, heute müssen; wir damit rechnen, daß sie von der Regierung ausgehen werden. Es muß ausgesprochen werden,, daß auf diesem Gebiete eine geistige Umstellung notwendig ist! Die Erklärung der Arbeiterpartei. Die Erklärung, die während1 der von1 uns1 bereits geschilderten Krise im zionistischen! A.-C. von dem Vertreter der Arbeiterpartei, Ben Gurion, abgegeben wurde, wird jetzt im! vollen Wortlaut der Presse übergeben. Sie lautet: Im Namen des Arbeiter-Flügels gebe ich dem Bedauern darüber Ausdruck, daß sich an die Rede Dr. Weizmanns eine Diskussion dieser Art knüpfen konnte — wenn wir auch nicht mit allem, was Weizmann gesagt hat, übereinstimmen. Die jüdische Arbeiterschaft in Palästina und mit ihr die gesamte zionistische Arbeiterbewegung, die sich nach wie vor der vollständigen Verwirklichung des Zionismus •widmet, haben 'den festen und durch nichts zu erschütternden Glauben an den: Willem und die historische Bedingtheit des jüdischen Volkes, ini sein Land zurückzukehren und dort ein wirtschaftlich, sozial, kulturell und staatlich selbständiges Leben* aufzubauen,, als freie Nation, von keinem' Volke beherrscht und kein anderes Volk beherrschend. In dem ehrlichen und treuen Bestreben, Beziehungen der Freundschaft, Solidarität und Zusammenarbeit zwischen uns und dem arabischen Volke zu schaffen, sind wir überzeugt, daß es möglich ist, in Palästina Millionen Ju^ den anzusiedeln, ohne irgendwie diel Rechte, die Interessen und1 die nationale Selbständigkeit der arabischen Bevölkerung des Landes anzutasten. Wir bekämpfen jede Tendenz, die darauf hinzielt, der Hoffnung des jüdischen Volkes auf Wiederauflebüng und Befreiung in Palästina herabzumindern. Ebenso bekämpfen wir den schädlichen Versuch, unsere unaufhörliche Tätigkeit zur Verstärkung der Ausdehnung unserer Positionen in Palästina1 durch fruchtlose und inhaltlose Debatten üben politische Formte lierungen und Terminologien, die inl dem Baseler Programm gar nicht enthalten sind, jenem Programm, das seit Bestehen der zionistischen Bewegung als ihr offizieller Ausdruck anerkannt .ist,. zu fälschen. In der Heraufbeschwörung eines solchen Wettstreits er-, blicken wir eine moralische und! politische Schädigung der Bewegung und einen Vorwänd,~die schwere Last des Aufbauwerkes im JLande von! sich abzuwälzen.' Der wirkliche zionistische Wille muß sich vor allem erproben in einer ununterbrochenen Anstrengung, den Aufbau des. Landes zu beschleunigen, die Positionen des Jisch'uw zu vergrößern' und unsere politischen Rechte zu verteidigen. Einzig diese} Anstrengung bildet die wirkliche Garantie für eine vollständige Verwirklichung des Zionismus. Die neue Executive der Jewish Agency. Die Mitglieder der Arbeiterparteien im Zionistischen Aktions-Comitee und im Administrative Committee der Jewish Agency erlassen] die folgende Erklärung: x Nachdem die Tagung des Administrative Committee der Jewish Agency in' Berlin beendet wurde, bei Annahme eines Bu'd'gets, für das die Arbeiterfraktion nicht stimmte, und unter Schaffung einer Leitung, an der die Arbeiter nicht beteiligt sind1, hält es die Arb'eiterfraktion für ihre Pflicht, folgendes zu erklären: Wir haben unter gewissen Bedingungen uns für die •Errichtung der erweiterten! Jewish Agency eingesetzt 'und werden auch in Zukunft zu. ihrer Erweiterung und ihrem Ausbau helfen. Das Versagen der Jewish Agency in diesem' Jahr der Katastrophen: berechtigi: jedoch nicht dazu, diesen ernsten Versuch der zionistischen Bewegung zur Erweiterung des Kreises der für das Aufbauwerk Verantwortlichen zu verurteilen, doch sind die negativen Bestrebungen,, die in der Leitung de« Jewish Agency .schon in diesem Jahre zum Ausdruck kamen, nicht zu übersehen: dem Aufbauwerk in Erez Israel philantropischen und bureaukratischen Charakter zu verleihen, ungenügende Sorge um die Nöte des Aufbaus. In der Berliner Sitzung, zeigte sich nicht der Wille, diese Dinge zu bessern, ja, sie brachte nicht einmal 'die Gewähr für die Konsolidierungen der .landwirtschaftlichen Siedlungen. In dieser durch die Tagung geschaffenen Lage behält sich die Arbeiterfraktion ihre Aktionsfreiheit vor. Bei der gegenwärtigen schweren Situation der Bewegung erachten wir es als unsere Pflicht, auch auch außerhalb der Leitung stehend mit allen; unseren Kräften der Jewish Agency in all denjenigen Bestrebnu'gen zu helfen, die darauf gerichtet sind, unsere politische Stellung zu stärken, den Jjschuw zu festigen, die Möglichkeit der Einwanderung, iund!3er Kolonisation zu vergrößern und die Jewish Agency zu demokratisieren. Doch werden wir mit aller Energie gegen diephilantropischen iund büreaukratischen Neigungen, kämpfen, die in einflußreichen Kreisen! der Jewish Agency zum Ausdruck kommen', und in voller Rüstung werden wir auf der Wacht stehen' für die Erhaltung der politischen und kolonisatorischen Werte und Errungenschaften der zionistischen' Bewegung und' des Arbeiterwerkes in Erez. Israel. „Zwischen Brith-Schalom und Revisionismus". Unter diesem Titel hat Gen'osse Mendel Singer eine Ausfatzreihe geschrieben. Aus technischen Gründen werden wir erst in' der nächsten Nummer (unseres Blattes mit der Veröffentlichung| derselben beginnen können, , Die1 Redaktion, Ein neuer autonomer jüdischer Rayon in der Krim. Im Zusammenhäng mit der bevorstehenden Neiiorgänisierung der Verwaltungsbezirke in der Krim wird die Errichtung eines neuen autonomen! jüdischen Verwaltungsrayons geplant. Der neue Rayon, wird eine größere Anzahl jüdischer Kolonien der jetzigen Distrikte Dzankoj und Eupatoria vereinigen.