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Der Jüdische Arbeiter · 1930-09-12 · Heft 18 (12.9.1930) · page 3

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
7 (1930)
Issue
Heft 18 (12.9.1930)
Date
1930-09-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Der jüdische Arbeiter Seite 1 i i die E der Gemeinde Wien M Die Gemeinde Wien haftet mit ihrem gesamten Vermögen für alle Einlagen in der Zen- - - - - tralsparkasse - - - - Tenuvah hat den Arbeiterwirtschaften neue Absatzmärkte in England und Aegypten geschaffen, der Maschbir hat seinen Umbau im Sinne der Rochdaleschen Prinzipien vollzogen, eine Reihe neuer Konsumvereine ist entstanden, neue städtische Produktivgenossenschaften wurden gegründet, die Histadruth hat von September bis März Regierungsarbeiten ium 27.000 Pfund übernommen. Die jüdische Arbeiterbewegung ist stärker geworden, von den 40.000 jüdischen Arbeitern sind 26.000 in der Histadruth organisiert, vor den blutigen Ereignissen waren es bloß 21.000. Nein, nein, Ihr Herren von Rechts und Links, die ihr schon zum Totenschmaus gerüstet habt, die ihr aus dem Blute unserer Märtyrer Argumente gegen uns geschöpft habt, Ihr, deren" innere Stimme Euch den Weg zur Bewegung fürs arbeitende Erez Israel weist, die Ihr aber aus lauter Vorsicht und Rücksicht die proletarische Solidarität dem so schwer um die Verwirklichung des Sozialismus ringenden, arbeitenden Palästina versagt, Ihr habt zu früh gejubelt: Erez Israel ovedet chaj, das arbeitende Palästina lebt und wächst! Daß aber auch die Zahl derer wächst, die. im Galut bereit sind, der jüdischen Arbeiterschaft in ihrem schweren Kampfe beizustehen, daß sich unser Werk der Sympathie der Führer des internationalen Sozialismus erfreut, das, Genossen und Genossinnen, wird der Berliner Kongreß! allen unseren Gegnern, aber auch der englischen Arbeiterregierung, die uns so schwer enttäuscht hat, zeigen. Aber nicht nur nach außen ist es notwendig, unsere Größe und Macht zu demonstrieren, das arbeitende Palästina bedarf werktätiger Hilfe auch gegen den inneren Feind, gegen' die Arbeiterfeinde im Zionismus. Die Zeit, da man geglaubt hat, mit Bibelsprüchen den Klassenkampf aus der zionistischen Bewegung aus Palästina zu bannen, ist endgültig vorbei: auch das jüdische Proletariat Palästinas muß sich seinen Anteil am Produktionsertrag erkämpfen, die Streikstatisti;k mit ihren 45 Streiks im Jahre 1929 spricht da eine beredte Sprache! Und auch an Intensität stehen die Kämpfe in Erez den europäischen Klassenkämpfen nicht nach: denkt nur an die monatelangen Streiks in der Zündholzfabrik in Akko, in der Wäschefabrik der Herren Edelstein und Friedmann! Aber der jüdische Arbeiter im Palästina muß nicht nur um seinen Arbeitsertrag kämpfen, er muß im jüdischen Nationalheim gegen den Wirtschaftsantisemitismus einer jüdischen Bourgeoisie, die jüdischen Arbeitern die Arbeit vorenthält, einen schweren Kampf führen. In der größten jüdischen Kolonie, in Petach-Tikwah, arbeiteten Ende Juni in 76 Orangengärten 209 arabische und kein einziger jüdischer Arbeiter! Die Zahl der jüdischen Arbeitslosen in den Kolonien wächst von Tag zu Tag, die nationalchauvinistische jüdische Bourgeoisie, die den Brit-Schalom diffamiert, die gegen das Einwanderungsverbot protestiert, kümmert sich einen Pfifferling! um die Not der jüdischen 'Arbeiterschaft! Der Kampf gegen die zionistische Bourgeoisie kann nicht nur in Palästina geführt werden, wenn es auch unsere Pflicht ist, die (gewerkschaftliche (Bewegung unserer Brüder nach Kräften zu unterstützen, dieser Kampf! muß mit politischen Mitteln innerhalb des Weltzionismus geführt werden. Der reaktionäre arbeiterfeindliche Teil der zionistischen Bewegung hat sich im Revisionismus, dessen sozialer Charakter nunmehr seit Prag feststeht, ein gefügiges Werkzeug geschaffen: gegen diese faschistische Partei, die beschlossen hat, gegen die organisierte jüdische Arbeiterschaft eine gelbe, streikbrecherische Gegenorganisation zu schaffen, deren Führer Jabotinsky die^ Chaluzische Jugend als sna- 'bistisch gekennzeichnet hat, deren Unterführer als Demonstration gegen England die jüdischen1 Schulen und Spitäler schließen wollen, gegen jene Nationalisten, die durch ihren Disziplinbruch' an dem Ausbruch der blutigen Ereignisse mitschuldig, geworden sind, muß ein energischer und rücksichtsloser Kampf eröffnet werden. Die Proklamierung dieses Kampfes urid seine Vorbereitung wird zu den wichtigsten Aufgaben 'des Berliner Kongresses gehören. Ueber diese allgemeinste politische und' organisatorische Zielsetzung hinaus wird sich unser Kongreß mit allen Problemen des jüdischen Massenlebens der Gegenwart zu befassen haben. Es zeugt von einem wahrhaft realpolitischen Blick der Führer der Histadrut,. daß sie die Notwendigkeit erkannt haben, auf diesem Kongreß für das arbeitende Palästina auch die Lage des Galuthjudentums in allen seinen Teilen auf die Tagesordnung zu stellen. Nicht nur deshalb, weil unsere Galutnöte die „Stellung Erez Israels im gesamtjüdischen Leben" bestimmen! Die jüdische Arbeiterschaft des Gallith steht vor der Notwendigkeit in den Ländern der Diaspora schwierige Probleme jüdischer Sozialpolitik zu lösen: mit der Einbeziehung dieser Fragen hat das arbeitende Palästina seine Bereitschaft zum Ausdruck gebracht, uns bei unserem schweren Kampfe helfend zur Seite zu stehen, es ruft uns aber auch auf, die Fragen Erez Israels — die ökonomischen und politischen nicht' als uns fremde, sondern als ureigenste zu betrachten. Gemeinsam mit den Vertretern des arbeitenden Palästina, begleitet von der Sympathie der gesamten sozialistischen Internationale, werden wir zionistische Sozialisten auf diesem Kongreß den Weg zum Aufbau einer sozialistischen Arbeitergemeinschaft in Palästina suchen. Die Verwirklichung dieses Zieles erfordert eine große Zahl von Maßnahmen, gliedert sich in eine Fülle von Arbeitszweigen, im Zentrum aber steht die Notwendigkeit der Verständigung des jüdischen Proletariates mit der arabischen Arbeiterschaft. Unser Wunsch an den allweltlichen Kongreß für das arbeitende Palästina ist: möge er sich - wie 'in allen Fragen — auch bei der Verhandlung über diese Grundfrage von den realen Notwendigkeiten unserer Aufbauarbeit und vom Geiste des internationalen Sozialismus leiten lassen, dann, aber nur dann, wird er eine wahrhaft neue Epoche unserer Bewegung eröffnen! M. P. Die Tagesordnung des Allweltlichen Kongresses. Die Tagesordnung des Kongresses wird sich in verschiedene Problemkreise gliedern: 1. Die Lage der Juden in der Gegenwart. Referate: Die soziale Struktur des jüdischen Volkes; die jüdische Arbeiterbewegung in der ganzen Welt; die jüdische Emigratio'nsbewegung; die jüdische Emigrationsnot; Probleme des Westjudentums. 2. Palästina im jüdischen-Leben. Referate: das jüdische Arbeiterwerk in Palästina; der jüdische Arbeiter im Zionismus; die Bevölkerungskapazität Palästinas; das jüdische Kolonisationswerk und die Araber; Völkerbund und Palästinamandat; Unsere Beziehungen zur Mandatannacht und zu den Arabern. 3. Die selbständige Arbeit der Arbeiterschaft; die Aufgaben der Ligen für das a. P.; die Arbeitsmethoden in den verschiedenen Ländern; die Jugendbewegung für das arbeitende Palästina. Letzte Berichte. P r o g r a in m des l< o n g r e s s e s. Kongreß wird am 27. d. M. im Sitzungspreußischen Herrenhauses um halb 8 Uhr werden und wird bis zum 30. d. M. tagen, d. M. findet eine internationale Kundgebung arbeitende Palästina statt. Vertrete r d es Internationalen Arbeitsamtes am Kon greß. Leiter des Arbeitsamtes, Gen. Thomas, hat die Einladung zum Kongreß angenommen1 und wird einen Delegierten entsenden. Sozialistische 'F ü h r e r a m K o n g r e ß. Der Generalsekretär der Gewerkschaftsinternationale, Gen. Sessenbach, wird am Kongreß teilnehmen un'd bei der Eröffnung des Kongresses das Wort ergreifen. Auch Gen. Toni Senders, die Führerin der (deutschen Linken, wird am Kongreß teilnehmen Dr. Soukup, der Führer der tschechischen SP., hat seine Beteiligung zugesagt. Dr. Artur Rupin — Referent des Kongresses. Dr. Artur Rupin wird am Kongreß, das Referat über die soziale Struktur des jüdischen Volkes referieren. Rupin bereitet über diese Frage ein großes Werk vor, für die Vorkriegszeit hat er dieses Thema in dem bekannten Buche „Die Juden der Gegenwart" behandelt. Der saal des eröffnet Am 29. für das ■ Ein Der Die linken Poale-Zion beteiligen sich am Allweltlichen Kongreß für das arbeitende Palästina. Die linken Poale-Zion haben jetzt beschlossen, sich am Allweltlichen Kongreß für das arbeitende Palästina, den die Histadruth in Palästina für den 27. September nach Berlin einberuft, zu beteiligen. Die linken Poale-Zion in Polen hatten sich an das Zentralbüro des Kongresses und an den Arbeitsausschuß der Histadruth mit der Forderung gewandt, die Grundsätze, die auf den Kongreßkarten aufgedruckt sind, abzuändern und die Kongreßkarten nicht in hebräisch und jiddisch, sondern nur in jiddisch auszugeben. Von der Erfüllung dieser Forderung haben die linken Poale-Zion ihre: Beteiligung am Kongreß abhängig gemacht. Diese Forderungen haben nicht erfüllt werden können, darum hatten die linken* Poale-Zion sich zunächst an den Vorbereitungsarbeiten für den Kongreß nicht beteiligt. Mitte August sind die Genossen Nir und Erem .nach Warschau gekommen, und nach diesem Besuch haben 'die linken Poale-Zion beschlossen, sich am Kongreß, den die Histadruth einberuft, mit denselben Pflichten und Rechten, wie alle anderen 'Gruppen, zu beteiligen. Die linken Poale-Zion beginnen jetzt mit intensiven Arbeiten für die Verbreitung! der Kongreßhallen, die bis jetzt nur von den Gruppen, die in der Liga für das arbeitende Palästina zusammengeschlossen sind, geleistet wurden. Die jüdischen Gewerkschaften in Amerika beteiligen sich offiziell am Allweltlichen Kongreß für das arbeitende Palästina. Wie die New-Yorker sozialistische Tageszeitung- ,„Vorwärts" meldet, ist auf einer Sondersitzung] der, Leitung der vereinigten jüdischen Gewerkschaften in Amerika die Frage des Allweltlichen Kongresses für, das arbeitende Palästina eingehend behandelt worden. Es wurde einstimmig beschlossen, die Wahl des Generalsekretärs der jüdischen Gewerkschaften, M. Finestone als Delegierten zum Kongreß, zu bestätigen. Sodann wurden die notwendigen Beschlüsse gefaßt, um ihm die Reise zu ermöglichen. Als Bevollmächtigter hat er die offiziellen Grüße der vereinigten jüdischen Gewerkschaften in Amerika zu überbringen. Gen. M. Finestone hat einen Brief von William Green, dem Präsidenten der amerikanischen Gewerkschaften erhalten, in welchem letzterer die herzlichsten Grüße und besten Wünsche an die jüdischen Arbeiter in Palästina und ihre Freunde ausspricht. William Green versichert, daß die „organisierte Arbeiterschaft in den Vereinigten Staaten von Amerika und in Canada die Bemühungen der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina mit Interesse und Sympathie verfolgt." Die Führer der jüdischen Arbeiter in Amerika an die jüdischen Arbeiter in Europa. Ein Teil der Delegierten der jüdischen Arbeiter, Amerikas befindet sich jetzt in Palästina, vou: dort ommen sie zum Kongreß nach Berlin. Dies sind die Genossen liamlin, Generalsekretär des Gewerkschaftscampain, der bekannte poalezionistische Führer M. Finestone, Generalsekretär der jüdischen Gewerkschaften in Amerika, und Abraham Shypliakoff, einer der populärsten sozialistischen Führer Amerikas. In diesen Tagen kommen nach Berlin: Genosse Meir Braun, Präsident des nationalen Arbeiterverbandes und Genossin Lea Braun, die die jüd.-sozialistische Frauenorganisation beim Allweltlichen Kongreß vertreten wird. Die Genossen: Josef Schloßberg, Generalsekretär der Amalgamated Gewerkschaft und Chaim Grünberg kommen erst im September. Die ersten der obengenannten Genossen wenden sich im Namen der Delegation in den nachstehenden Ausführungen an die jüdischen Arbeiter in Europa: Die jüdischen Arbeiter in Amerika werden auf dem ersten allweltlichen Kongreß für das arbeitende Palästina vertreten sein durch eine Delegation, die beauftragt ist von vielen zehntauseuden jüdischen Arbeitern in Amerika und Kanada, die sich in letzter Zeit so stark für unsere arbeitenden Genossen in Palästina eingesetzt haben. Tausende von unseren Freunden und' Genossen in ihren Verbänden, gewerkschaftlichen Organisationen und sozialistischen Parteien haberi in dem, was in Palästina geschaffen worden ist, etwas Großes erkannt, das ihnen allen lieb und teuer geworden! ist. Sie haben gesehen, wie durch Opferwilligkeit aind Flingabe das Fundament für eine gesunde sozialistische Welt gelegt worden ist. Sie haben in unsern Pionieren in Palästina die Künder und Vorkämpfer einer Zeit erkannt, in der unser unglückliches Volk seine Leiden .überwinden wird, in der es frei und selbständig sein wird, in der es einen geachteten Platz in der Familie der aufsteigenden Nationen einnehmen wird. Hieraus ist das Gefühl, das sich ins tausenden Herzen regt, zu erklären, das seinen Ausdruck gefunden hat in dem Gewerkschaftscampain, der mit so hervorragendem Erfolg innerhalb der vergangenen letzten 7 Jahre durchgeführt wurde. Wir kommen zum Kongreß, mit dem heißen Wunsch, unsere Verbindung mit der Histadruth noch enger und näher zu gestalten,, unsern Anteil an; der Arbeit noch zu verstärken. Wir kommen, um uns an die geeinigte Arbeiterfamilie anzuschließen, wir wollen an ihren Sorgen und Mühen beteiligt sein und wollen mit ihr den Aufbau der arbeitenden Gesellschaft in Palästina tragen un'd verwirklichen. Die jüdischen Arbeiter Amerikas haben,1 sich durch die Augustgeschehnisse und die politischen Sch'wie-

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