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Der Jüdische Arbeiter · 1930-09-12 · Heft 18 (12.9.1930) · page 4

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
7 (1930)
Issue
Heft 18 (12.9.1930)
Date
1930-09-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seit« 4. rigkeiten nicht abschrecken lassen. Im Gegenteil, die Steine, die uns in den Weg geworfen wurden, haben in uns den. Glauben und' die Entschlossenheit noch verstärkt. Diese Entschlossenheit soll der Allweltliclie, Arbeiterkongreß dartun. Freunde und Feinde sollen sehen und fühlen, 'daß die Histadruth getragen: ist von dem gemeinsamen Willen und der festen Kraft 'der jüdischen Arbeitermassen, und daß kein Sturm, keine böswilligen oder wohlgemeinten Angriffe uns von dem Weg, den die Geschichte uns geführt hat, abbringen können. Wir wollen uns auf dein Kongreß mit den Vertretern der palästinensischen jüdischen Arbeiterschaft treffen, mit unseren mitarbeitenden Genossen in Ostun'd Westeuropa und mit unseren Freunden in der internationalen, .sozialistischen Welt. Mit ihnen zusammen sind wir bereit unsere) Pflicht zu erfüllen, 'Uii'd eine Vereinigung, aller Arbeitskräfte, für das arbeitende Palästina zu schaffen, in dem Amerika einen angesehenen Platz einnehmen wird,, durch' die große Zahl organisierter jüdischer Arbeiter und durch wirkliche Taten der Solidarität. » *T^^^2S5?Bl^*Mft^5y, -•- *<*u<ui*\jrtxs..r* M 4" »T*—-«""•W.C-ÄVIC"« Abraham Shypliakoff. M. Finestone. A. Hamlin. Biro-Bidschan wird ein jüdischer Rayon. Moskau, den 18. August. (J. T. A.) Das Präsidium des Zentralexekutivkomitees der Sowjet-Union hat in seiner am 16. August im Moskauer Kreml abgehaltenen Sitzung beschlossen, Biro-Bidschan im Fernen Osten als jüdischen Ansiedlungs-Rayon mit 'dem Zentrum in Tichonkoje zii erklären. Die Durchführung dieses Beschlusses darf nicht' länger als bis zum 1. Oktober 1930 hinausgezögert werden. Bekanntlich' sollen gemäß dem' Fünfjahrplan 50.000 Juden innerhalb fünf Jahren in Biro-Bidschan angesiedelt werden. „Emes'"' kommentiert diesen Beschluß dahin, daß die Schaffung einer national-territorialen Vereinigung nicht Selbstzweck sei, Hauptziel' sei die Einfügung "der jüdischen Massen in die Front der Produktion. Am 1. Oktober wird in Tichonkoje, dem zukünftigen Hauptort von Biro-Bidschan, eine Berufsschule für die Kinder der jüdischen Neusiedler eröffnet werden. Eine Kommission des staatlichen Konserventrusts weilt gegenwärtig in Biro-Bidschan zur Vorbereitung "der Errichtung einer großen Konservenfabrik. - Die Kosten des Fabrikbaues werden fünfeinhalb Millionen Rubel betragen, die Fabrik soll jährlich 100 Millionen Büchsen Tomaten und Fleischkonserven produzieren. Ozet in Moskau erhielt aus Chararowsk ein Telegramm des staatlichen Getreidetrusts mit dem Ersuchen, 800 jüdische Schneider und Schuh'mac'her nach Biro-Bidschan zur Anfertigung von Kleidern u'n'd Schuhen für die Kolonisten zu schicken. Der Trust übernahm die Verpflichtung, den1 Handwerkern, die in Kooperationen zusammengeschlossen sein werden, die notwendigen Rohstoffe zur Verfügung zu stellen. Der Führer der Abordnung des amerikanischen „Icor", der gegenwärtig in Rußland' weilt, Flerr Epstein, erklärte, „Icor" werde in Biro-Bidschan eine Musterkolonie für 1000 Familien sowie zwei große elektrische Kraftstationen aus eigenen Mitteln errichten. Wahlrecht für Deklassierte. Berlin, 12. August. (J. T. A.) Wie erinnerlich, haben die Vertreter der Zentral-Verwaltung des Ort- Verbandes, die Herren Dr. A. Singalowski und Agr. J. Zegelnitzki seinerzeit der Sowjetregierung ein Memorandum unterbreitet, in dem die äußerst kritischen und anormalen Verhältnisse, in denen sich ein beträchtlicher Teil der deklassierten jüdischen Bevölkerung infolge ihrer Wahlrechtslosigkeit befindet, erörtert worden waren. Es wurde u. a. darauf hingewiesen, daß infolge der formellen Einschränkung der Arbeitsmöglichkeit der Deklassierten (zum größten Teil ehemaliger Händler und Kleinunternehmer) erhebliche Schwierigkeiten für die jüdische Aufbauarbeit, entstanden sind, Anfang 1030 wurden dann von der Sowjet-Regierung und den zentralen Organen der russischen Genossenschaften verschiedene Verordnungen herausgegeben, die Zeugnis davon ablegen, daß die Sowjet-Regierung dem Schicksal der Deklassierten ihr lebhaftes Interesse zugewandt und ■»'ünstigere Bedingungen für einen bedeutenden Teil ihrer Masse geschaffen hat. In der Juli-Nummer der „Ort-Jediotli'* (Nachrichtenblatt des Ort-Verbandes) wird nun der Wortlaut der Antwort der Sowjetregierung auf das erwähnte Memorandum veröffentlicht. Die Antwort ist •vom Geschäftsführer des Rates der Volkskommissäre (Sownarkom) und des Rates für Arbeit und Verteidigung (STO), Gorbunow, gezeichnet und lautet: „Auf Veranlassung des Vice-Vorsitzenden des Sownarkow der UdSSR., Gen. W. Schmidt, wird Ihnen hierdurch mitgeteilt, daß die Fragen, die in ihrem Schreiben au Gen. Schmidt vom 7. Januar dieses Jahres angeschnitten worden waren, in einer Reihe Verordnungen der Regierung der Sowjet-Union und Regierungen der Verbandsrepubliken ihre" Lösung gefunden haben. Auf Grundlage dieser Verordnungen werden jetzt die Listen1 derjenigen, denen, infolge ihrer ehemaligen Beschäftigungen das Wahlrecht entzogen worden war, einer eingehenden Prü-, fung unterzogen. Besondere Aufmerksamkeit wird dabei der Jugend zugewandt. Den: Informationen der Weißrussischen Regierung gemäß sind dort beträchtliche Teile der deklassierten jüdischen Armen in ihr Wahlrecht bereits wiedereingesetzt worden. Dadurch sind die formellen Schwierigkeiten für die Einschichtung dieser Bevölkerung in die Industrie und ihre Vorbereitung durch die verschiedenen berufstechnischen Kurse des (Zit) (Zentrales Arbeits-Institut) beseitigt." ] Reiche Obsternte in den jüdischen Kolonien der Ukraine. Moskau, 18. August. (J. T. A.) Die Obst-, Gemüse- und Weinernte in den jüdischen' Dörfern des Rayons Kalinindorf ist in diesem Jahre eine außergewöhnlich gute; der Ertrag ist rund' 400 Pud per Hektar. Die mit Hilfe von Agro-Joint vor vier — vor fünf Jahren im Rayonhauptort Kalinindorf gepflanzteu 40.000 Weinstöcke liefern in diesem Jahre schätzungsweise über 3000 Pud Weintrauben, von denen 60 Prozent laut Vertrag mit der Regierung dem Staate abgeliefert werden müssen. «Moskau» zum Thema hat, erwarten und sollte auch er so gelingen wie Warschau, dann kann man die Trilogie als die Epopeedes jüdischen Lebens im Europa der letzten zwei Jahrzehnte betrachten. Drechsler. Jüdische Sendestunden in Paris Wie die sozialistischen Monatshefte in der von Felix Stößinger redigierten Rubrik über Vortragskunst berichten, hat das Radio Paris eine allwöchentliche Send'esttmde, La voir d'Israel, eingerichtet. Diese Sendungen bringen jüdische lithurgische Musik, Dichtung und Wissenschaft. Bücher. Schaiom Asch: «Von der Sintflut.» Eine Roman -Trilogie. I. Roman: Petersburg; II. Roman: Warschau. (Paul-Zsolnny-Verlag, Wien.) In dieser Trilogie offenbart sich am deutlichsten ein Hauptmerkmal Schaiom Aschs, das viel dazu beigetragen hat, daß der bedeutendste jiddische Dichter der Gegenwart, auch im westeuropäischen Kulturkreis Anerkennung gefunden hat. Es ist sein Zug ins Große, der diese Werke besonders charakterisiert. Schaiom Asch hat längst schon das patriarchalische «Städtchen» überwun den, das enge Milieu eines Kleinbürger-Daseins inter essiert ihn nicht mehr. Als Dichter großen Formats sucht er das vielfarbige jüdische Leben» in seiner Ganz h e i t zu erfaßen und es künstlerisch zu gestalten. Das jüdische Leben hat im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte Aenderungen erfahren, die tief in seine seelische und so ziale Struktur einschnitten. Assimilation, Judenverfolgun gen, Sozialismus, Zionismus, Revolution, Klassenbewußt sein und nationale Renaissance sind Probleme, die am jüdischen Horizont aufgetaucht sind und die jüdischen Massen wachgerüttelt haben. Es ist die Zeit um 1905, die Schaiom Asch als Hintergrund für seine Trilogie wählte. Im Roman «Peters b u r g» führt uns der Dich ter in den Kreis der jüdischen Großburgeoisie und Be rufsintelligenz ein. In großen Strichen zeichnet er mei Bterhaft das Bild der jüdischen Großbourgeoisie mit ihrer ganzen Inhaltsleere und Lebensunfähigkeit. Es ist wahrlich ein Jammer, zu sehen, wie Mirkin, der Hauptheld, ein Erbe eines ungeheuren Vermögens, bleich und zitternd vor dem Leben steht und als erwachsener Mann noch immer hilflos wie ein Kind dasteht, bis er sich nach vielen Wandlungen von seiner Klasse, der Besitzenden losgesagt hat und den Weg zur arbeitenden Masse iindet und innerlich gereift und gestärkt, sogar den Versuch' unternimmt, d i e j ü d i s c h e Wirtschaft umzuschichten und Fabriken, speziell für jüdische Arbeiter erbauen will. Während wir in «Petersburg» in der Kanzlei des jüdischen Advokaten das jüdische Elend nur reflexartig sehen, führt uns «Warschau» ins Zentrum des jüdischen Lebens und der jüdischen Not ein. Warschau ist der Brennpunkt des jüdischen Lebens und Schaiom Asch zeigt es in meisterhafter Schilderung in all seinen Farben und Nuancen. In diesem Buch hat Schaiom Asch Szenen und Kapitel, die zu den besten gehören, was er je geschaffen hat. Besonders gelungen sind die Massenszenen. Dort zeigt sich der Meister auf der Höhe seines Könnens. Künstlerisch steht «Warschau» viel höher als «Petersburg», das Massenleben und die einzelnen Charaktere sind hier viel sicherer und wirklichkeitstreuer als in «Petersburg». Das letzte ist dem Dichter noch immer fremd und. entfernt, während er aber in «Warschau» ganz in seinem Fahrwasser ist. Mit Spannung dürfen wir den dritten Roman, der M. Beer: Allgemeine Geschichte des Sozialismus und der sozialen Kämpfe. (Neuer Deutscher Verlag, Ber lin). 6. Auflage, 1929. Das glänzend bewährte Buch Beers ist nun in einer wohlfeilen einbändigen Ausgabe im genannten Verlag erschienen und es ist somit jedem Arbeiter die Möglich keit geboten, sich dieses Volksbuch ohne große Opfer erwerben zu können. Was den jüdischen Arbeiter an diesem Buche besonders interessiert, ist das glänzend geschriebene Kapitel über d'ie sozialen Kämpfe und Gegensätze im alten Palästina. Mit viel Sachverständnis untersucht Beer den sozialen Gih.ilt der Prophetie und der Religion. Sehr fein ist die soziologische Gegenüberstellung des Wüstengottes Jahwe und des Baals des Bacchus der Palästinenser. Interessant ist das Kapitel über die Essäer — die Verwirklicher des Kommunismus im alten Palästina. Auch im Kapitel «Urchristentu m» wird der jüdische Leser so manches Interessante und Aufschlußreiche über das soziale und geistige Getriebe in Palästina finden. In großen Zügen zeichnet der Autor das Bild des jüdischen Lebens in den zwei Jahrhunderten v. Chr. Wir erleben wieder die Kämpfe, Spannungen und Gegensätze jener Zeit, sehen die soziale Differenzierung des Volkes, die Unterjochung unter den Römern und das langsame Entstehen und Wachsen einer starken Messias-Bewegung, die in Jesu von Nazareth, ihren größten Verkünder hatte. «Nach außen und innen», sagt Beer über jene Zeit, «war Judäa ein Schmelzofen, in dem die erhabensten nationalen «'und sozialen Leidenschaften lohten.» Auch sonst in allen anderen Teilen ist das Buch lesenswert und es ist daher sehr zu bedauern, daß sich der Verlag dazu verleiten ließ, in den letzten 30 Seiten vom Kapitel Lenin und der Leninismus, die infolge Erkrankung des Autors von Dr. Duncker geschrieben sind, kommunistische Propaganda zu treiben und dadurch den objektiven, wissenschaftlichen Wert des Buches um Vieles zu verringern. Wie weit parteipolitische Stellungnahme der wissenschaftlichen Arbeit schädlich werden kann, zeigt die kuriose Tatsache, daß Troizki — der doch von der russischen Revolution Revolution gar nicht wegzudenken ist — nicht ein einziges Mal erwähnt ist. Drechsler. Samu Ii alpern Berty Ii a 1 p e r n, geb. Eisen empfehlen sich als Vermählte. Wir beglückwünschen unsere Genossen Halpern, Lindenfeld und Dr. Rost zu ihrer Vermählung. Die Organisationsleitung. Abrechnung der Wahlkarten Samstag, den 13. September, II. Blumatiergasse 1 Lebensvers icherungs^Gesellschaft PHÖNIX Zentrale: Wien, I., Riemergasse Nr. 2 Versicherungsbestand per Mitte 1930: 8 2,430,000.000*- Garantiemittel Ende 1929: 8 300,000.000'- Prämien-und Zinsen einnahmen im Jahre 1929: s 125,000.000 - Auazahlungen an die Versicherten im Jahie 1929: 8 30 5OO.O0O— TÄTIGKEITSGEBIET: Oesterreich, Deutsches Reich, Frankreich, Belgien, Holland, Italien, Spanien, cechoslov. Republik, Polen, Ungarn, Jugoslavien, Bulgarien.Grlechenland.Türkel, Aegypten, Palästina. Pensions-Versicherung mit Rentenansammlung (Rentenbezug beim 55., 60. oder 65. Lebensjahr oder bei früheier BERUFS-UNFÄHIGKEIT. Monatliche Prämie. Sofortige Unveifallbarkelt.) gemeinschaftlich mit der VersicherüngSÄ'Akt ien* Gesell schah früher PENSIONS-VEREIN für Handel, Industrie und Gewerbe Wien, I, Schellinggasse Nr. 1 Eigentümer, Verleger, Herausgeber und verantwortl. Redakteur: Markus Lachs, Angestellter, Wien, II., Gr. Sperlgasse 19. — Druck: «Adria», Wien, II., Taborstraße 52 b.

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