Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 7 (1930)
- Issue
- Heft 17 (1.9.1930)
- Date
- 1930-09-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2641551-2641599-2641616--352-2642308- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seit« 2. Der jüdische Arbeiter wird, und ebenso von jener verblendeten anti-britischen Katastrophenpolitik der Revisionisten, so wird es doch sehr bitter empfunden, daß eine englische Laböur-Regierüflg es war, die die jüdische Arbeiterimmigration nach Palästina drosselte, und Oskar Cohns Wort «Ich rufe Genossen Macdonald zur sozialistischen Gesinnung» gab nur zu gut die Gefühle wieder, die in poale-zionistischen Kreisen zu Englands Verhalten herrschten. Ueberau in den Reihen der Freunde des arbeitenden Palästina wird dafür gearbeitet, daß diese Konferenz zu einem wirklich großartigen Forum des sozialistisch-zionistischen Gedankens wird, die Hechaluzorganisation eben so wie die Parteien und die Jugendbünde werden auch mit ihren Kräften dazu beitragen, daß die Weltöffentlichkeit sich ihrer Pflichten einem Volke gegenüber besinnt, das mit einem allzugroßen arbeitslosen Proletariat gesegnet, die Qualen der Heimatlosigkeit durch den Aufbau einer wahrhaft gerechten produktiven jüdischen Siedlung in Palästina zu mildern versucht. In diesem Zusammenhange soll auch das zehnjährig;; Bestehen des Jungjüdischen Wanderbundes erwähnt werden, der im Rahmen der jüdischen Jugendbewegung eine immer größere Rolle zu spielen begann. Ursprünglich ein radikaler Flügel des neutralen Jüdischen Jugendverbandes, hat der J. J. W. B. durch Verschinlezung mit dem Brith-Haolim, einem Chaluzbund, der aus einer sozialistischen und jüdischen Gegnerschaft zum reaktionär erstarrenden Blau-Weiß herausgewachsen war, im Lauf der Jahre mehr und mehr eine Entwicklung zum sozialistischen Zionismus, zur Chaluziuth find zur jüdischen Volksarbeit mitgemacht, und heute befinden sich fast alle Aelteren des J. J. W. B. auch in den Reihen der Poale-Zion, an deren Leben sie Anteil nehmen. Der J. J. W. B. hat eine Anzahl ausgezeichneter Menschen, seine Erziehungsarbeit ist auf die Chaluzbewegung, deren größtes Kontingentierungsfeld er für Deutschland bedeutet, eingestellt, eine stattliche Anzahl seiner Menschen arbeitet im Emek, auch für die Galutharbeit hat er viele tüchtige Menschen abgegeben, weder durch kommunistische Oppositionsarbeit noch durch andere Dinge läßt er sich von seinem klar erkannten Wege abbringen. Wir wünschen dem J. J. W. B. für seine weitere Arbeit allen Erfolg. Der Kampf um den Brith-Schalom. Die Ereignisse in Palästina haben in Deutschland die stärkste Aufmerksamkeit hervorgerufen, in Dutzenden von Versammlungen gab der deutsche Zionismus ohne Unterschied der Parteirichtung seiner Empörung über das schändliche Massaker, das ein mohammedanischer Geistlicher durch die Verbreitung von Lügen in einer unwissenden Menge inszeniert hatte, Ausdruck. Doch fanden sich im deutschen Zionismus, der auf Grund seiner soziologischen Struktur nicht wie anderswo ein Spielball reaktionär-demagogischer Elemente gewesen war, Menschen, die diese Ereignisse als Zeichen einer durch und durch fehlerhaften zionistischen Außenpolitik ansahen. Besonders Dr. Robert Weltsch, ein Mann von tiefstem zionistischen Verantwortungsbewußtsein und demokratischer Grundsatzfestigkeit — übrigens Mitglied des Hapoel Hazair — nahm als Chefredakteur der Jüdischen Rundschau Gelegenheit, sich gegen jede Art v.on Katastrophenpolitik gegenüber dem revisionistischen und halbrevisionistischen Treiben auszusprechen. Die Tatsache, daß die zionistische Bewegung bis heute noch keine Fühlung mit der palästinensisch-arabischen Bewegung gefunden hätte, wäre ein schlimmer politischer Ünterlassungsfehler gewesen, nur so hätte das Divide lmpera^Bestreben einer antijüdischen englischen Beamtenherrschaft so gefährliche und blutige Folgen gehabt. Mit dem arabischen Teil der palästinensischen Bevölkerung müsse der jüdische Jischuw viele Jahrhunderte zusammenleben, Lebensinteresse der zionistischen Bewegung wäre ein Zustand friedlicher Zusammenarbeit. Die revisionistische Idee eines englischen Koolnialregimes, das ausschließlich zu Gunsten eines jüdischen Staatswesens zu arbeiten habe, wäre nicht nur unsinnig, da England daran kein Interesse hätte, sie wäre vom jüdischen Standpunkt als einseitig englisch orientiert denkbar kurzsichtig, und außerdem widerspräche sie vollkommen dem Ideenkreis einer fortschrittlich gerichteten Bewegung wie der zionistischen, zumal die Juden im Galuth als Minderheitsvolk selbst genügend unter dem imperialistischen Staatsbegriff zu leiden gehabt hätten, und die Sympathie der Weltöffentlichkeit, ebenso wie die Anziehungskraft der zionistischen Bewegung für die revolutionär denkende jüdische Jugend aller Länder gerade auf dem freiheitlichen, anti-imperialistischen Charakter der jüdischen Nationalbewegung beruhte. Die Gedankengänge des Brith-Schalom, dessen Interpreten zu einem großen Teile deutsche Zionistcn aus Jerusalem wurden, ehemals bürgerliche Radikale, von denen einige auch Mitglieder der Histadrüth und der Vereinigten Arbeiterpartei Palästinas sind, fanden in Deutschland, in den Reihen der Zionistischen Vereinigung für Deutschland und in den Kreisen der Freunde des arbeitenden Palästina Resonanz. Einmal war in Deutschland die Balfour-Erklärung im Gegensatz zu anderen Ländern, in denen bürgerliche zionistische Führer den Ge.ula-Enthtisiasmus von 1917 nie ganz durch eine nüchterne reale Auffassung der zionistischen Gesamtsituation zu ersetzen gewußt hatten, immer in ihren beiden Teilen gelesen worden, zum anderen hatten die traurigen Erfahrungen des Weltkrieges auch die deutschen Juden zu kritisch gegenüber dem Gedanken des Burgfriedens gemacht als daß der deutsche Zionismus in das Horn der Revisionisten gestoßen hätte. Es war nur erklärlich, daß die Genossen Dr. Cohn von der Poale-Zion, Naftali von der Liga für das arbeitende Palästina, zusammen mit anderen jüdischen Sozialisten, gegen die Vollstreckung der Todesurteile in Palästina aufstanden. Die von der Histadrüth seit langem erkannte Notwendigkeit der gewerkschaftlichen Organisierung der arabischen Arbeiter fand in Deutschland volles Verständnis, und mit Unmut wurde das Verbot der Achwath-Poalim aufgenommen. Erwähnt zu werden verdient die Tatsache, daß die Z. V. f. D. auf schärfste alle Versuche, die Mitglieder des Brith-Schalom wegen ihrer Gesinnung zu diffamieren, verurteilt. Zweifellos dürfte die neuerdings in revisionistischen Kreisen beliebte Ketzerriecherei der zionistischen Bewegung sehr schaden, umsomehr, als gerade das fortschrittliche England wie das Beispiel des Genossen Snell von der Labour- Party gezeigt hat, mit warmer Sympathie denjenigen Kräften in der zionistischen Bewegung gegenübersteht, die für den Aufbau des jüdischen Palästinas ein wahrhaft soziales, dem arabischen Bevölkerungsteil ebenso wie dem Alijahstreben der jüdischen Massen gerechtwerdendes weitsichtiges Programm als die wichtigste politische Tat der zionistischen Bewegung, ansehen. Der allweltliche Kongreß für das arbeitende Palästina. Aufruf an die Freunde des arbeitenden Palästina, Die Exekutive der allgemeinen jüdischen Arbeiterorganisation in Palästina (Histadrüth) hat beschlossen, den Weltkongreß für das arbeitene Palästina für Ende .September d. J. nach Berlin einzuberufen. Die schwere politische Lage, die Erschütterungen, denen unser Werk in den letzten Monaten ausgesetzt war, der Drang nach Befestigung der bereits erzielten Errungenschaften im Lande, sowie die grenzenlose Not der jüdischen Massen in der Diaspora, die eine Masseneinwanderung fordert, dies alles macht den Zusammenschluß aller Kräfte, die dem arbeitenden Palästina nahestehen, notwendig. Alle unsere Gesinnungsgenossen und Freunde müssen sich um diesen Weltkongreß konzentrieren und in den Dienst der jüdischen Arbeiterschaft Erez Jisraels stellen. Unsere Aufgabe ist es, für den Kongreß eine starke Vertretung aus Oesterreich zu erreichen. Alle Juden, die sich mft den Grundsätzen des arbeitenden Palästina einverstanden erklären, sollen durch den Kauf einer Wahlkarte ihr Interesse am Weltkongreß bekunden. Um weiten Kreisen die Möglichkeit zum Ankauf der Kongreßkarten zu geben, ist ihr Preis auf 50 Groschen festgesetzt worden. Die Stärke der österreichischen Delegation hängt von der Zahl der verkauften Karten ab. Da nur noch sehr wenig Zeit zur Versügung steht, fordern wir alle Freunde des arbeitenden Palästina auf, durch sofortigen Kauf einer Kongreßkatte. ihre Verbundenheit mit dem Werke der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas zu bekunden. Die Karten sind im Chaluzverband, l, Kärntnerstraße Nr. 28, und bei den Organisationen Gordonia, Hitachduth, J. S. A. J., Mischmar Ovdim, Poale Zion und Schomer- Hazair-Blau-Weiß erhältlich. Verein der Freunde des arbeitenden Palästina. Hechaluz, österreichischer Landesverband. Jean Longuet, der Führer der französischen Sozialisten, beteiligt sich am Weltkongreß für das arbeitende Palästina. Unter den Führern der sozialistischen Parteien verschiedener Länder, die am Weltkongreß für das arbeitende Palästina, der am 27. September in Berlin eröffnet wird, teilnehmen, befindet sich auch Jean Longuet, einer der bedeutendsten Führer der sozialistischen Partei Frankreichs, der auch in der internationalen sozialistischen Bewegung eine bedeutende Rolle spielt. Genosse Longuet hätte über die Angelegenheiten' des Kongresses eine ausführliche Unterhaltung mit Genossen Jahrblum, dem Sekretär des internationalen, sozialistischen Komitees für das arbeitende Palästina, in der er sich über das Programm des Kongresses informierte. Auf Grund dieser Informationen über die Aufgaben des Kongresses hat er dem Kongreßkomitee seine endgültige Zusage zur Teilnahme am Kongreß in Berlin gegeben. Iean Longuet wird in seiner Rede auf dem Kongreß den jüdischen Arbeitern der ganzen Welt, insbesondere Palästina, die Grüße der französischen Arbeiterschaft überbringen und aufs neue seine Stellung und die seiner Freunde zum Arbeiter werk in Palästina darlegen. Der Nestor der sozialistischen Arbeiterbewegung Eduard Bernstein beteiligt sich am Kongreß für das arbeitende Palästina. Ein Vertreter des Zentralbüros des Weltkongresses für das arbeitende Palästina hat kurz nach dem die jüdische Arbeiterschaft Palästinas ihren Beschluß zur Ver^ anstaltung des Weltkongresses gefaßt hatte, den Veteranen der sozialistischen Bewegung Genossen Bernstein, der schon so oft seine Freundschaft für das arbeitende Palästina bekundet hat, besucht und ihn zür Teilr nähme am Kongreß eingeladen. Genosse Bernstein ist auch darum gebeten worden, in der Eröffnungssitzung des Kongresses das Wort zu nehmen. Dem Zentralbüro des Kongresses ist nunmehr eine besonders herzliche Zusage des Genossen Bernstein zugegangen. Die jüdischen Arbe4jterdelegierten der ganzen Welt, die sich am Kongreß für das arbeitende Palästina beteiligen, werden mit besonderer Freude die Teilnahme des greisen sozialistischen Kämpfers und Lehrers begrüßen. Der sozialistische Abgeordnete Louis Pierard wird auf dem Weltkongreß für das arbeitende Palästina ein Referat über Palästina-Mandat und Völkerbund erstatten. Es ist bereits mitgeteilt worden, daß das internationale sozialistische Komitee für das arbeitende Palästina auf seiner Sitzung, die am 1. August unter dem Vorsitz von Emile Vandervelde stattgefunden hat, seinen Generalsekretär, den belgischen sozialistischen Abgeordneten Louis Pierard zum Weltkongreß für das arbeitende Palästina delegiert hat. Genosse Pierard hat die Delegation angenommen und wird zur Eröffnung des Weltkongresses am 27. September in Berlin eintreffen. Genosse Pierard hat auch die Einladung des Zentralkomitees des Kongresses, das Referat -über Paiästina-Mandat und Völkerbund zu erstatten, angenommen. Internationale {'sozialistische Führer begrüßen die Delegierten der jüdischen Arbeiterschaft Amerikas zum Weltkongreß für, das arbeitende Paläsjtina. Ein Teil der Delegierten der jüdischen Arbeiterschaft Amerikas zum Weltkongreß für das arbeitende Palästina, die Genossen A. Shipliakow, M. Finestone, und A. Hamlin haben sich auf dem Wege nach Palästina wenige Tage in Paris aufgehalten. Am 11. August fand dort eine freundschaftliche Zusammenkunft mit den bekannten Führern des internationalen Sozialismus Turati, Modigliani, Jean Longuet u. a. statt. Die sozialistischen Führer begrüßten auf das herzlichste die Vertreter der jüdischen Arbeiterschaft Amerikas und wünschten ihnen Erfolg für ihre Reise nach Palästina, sowie für ihre Tätigkeit auf dem Weltkongreß für das arbeitende Palästina. Die oben erwähnten Genossen der amerikanischen Delgation bleiben in Palästina bis zum 15. September und begeben sich von dort aus zum Kongreß nach Berlin, wo sie voraussichtlich am 22. oder 23. September eintreffen. Der andere Teil der amerikanischen Delegation begibt sich direkt von Newyork aus nach Berlin. Günstige Vorbereitungen zum Weltkongreß für das arbeitende Palästina in der Tschechoslowakei. Das Zentralkomitee der Liga für das arbeitende Palästina in der Tschechoslowakei widmet sich mit besonderer Energie den Vorbereitungen zum Weltkongreß für das arbeitende Palästina/Die Arbeit wird auch in der. Slowakei und in Karparthorußland durchgeführt. Bis nun sind vom Zentralkomitee der Liga bereits 7000Kongreßkarten zum Versand gebracht worden, die in 30 Städten an Freunde des arbeitenden Palästinas verkauft werden. In den nächsten Tagen werden Delegierte ider palästinensischen Arbeiterorganisation, die Genossen Schub und Mosche Schapira, mehrere Städte in der Tschechoslowakei und in Karpathorußland besuchen, um auch in den Orten, in denen die Idee des arbeitenden Palästina noch nicht feste Wurzeln geschlagen hat, die arbeitenden Massen für sie zu gewinnen, insbesondere soll die arbeitende, jüdische Jugend dieser Städte für das Arbeiterwerk in Palästina interessiert werden. Mehr als 100 aktive Freunde des arbeitenden Palästina in Polen rüsten zur Teilnahme am Weltkongreß. In Polen wird die Vorbereitungsarbeit zum Weltkongreß für das arbeitende Palästina erfolgreich durchgeführt. Es ist heute bereits klar, daß zehntausend^ Kongreßkarjten verkauft und Tausende neuer Freunde gewonnen werden. In 500 Städten Polens werden die Kongreßkarten an die Arbeitermassen, die mit Begeisterung die Losung der Histadrüth für den . Kongreß aufgenommen haben, verkauft. Das Zentralkomitee der Liga für das arbeitende Palästina in Polen ist ^besonders lintensiv an den Vorbereitungsarbeiten beteiligt. Am 13. August fand in Warschau eine Pressekonferenz statt, in der die Mitglieder des zentralen Organisationsbüros die Genossen Dr. A. Tartakower und Ing. Reiß über die Bedeutung des Weltkongresses für das arbeitende Palästina, der am 27. September in Berlin stattfindet, referiert haben. Außer den gewählten Delegierten, bereiten sich auch zahlreiche Freunde des arbeitenden Palästina zur Teilnahme am Kongreß in Berlijn vor. Bis jetzt sind dem Zentralkomitee der Liga in Warschau bereits mehr als 100 Personen gemeldet, die als Gäste am ersten Weltkongreß für das arbeitende Palästina teilnehmen wollen. Der Verein der Freunde des arbeitenden Palästina (Palästina-Arbeiter-Fonds), hat sein Büro von IL, Tandelmarktgasse 10, nach Wien, IX., Währingerstraße 15, verlegt.