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Der Jüdische Arbeiter · 1930-08-15 · Heft 16 (15.8.1930) · page 3

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
7 (1930)
Issue
Heft 16 (15.8.1930)
Date
1930-08-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Der jüdische Arbeiter Seite 3> Die Gemeinde Wien haftet mit ihrem gesamten Vermögen für alle Einlagen in der Zen- - - - - tralsparkasse - - - - K. Rost: Zur Lage der Juden in Rußtand. In der Lage der sowjetrussisch'en Juden' scheint ein entscheidender Wendepunkt eingetreten zu Sein. Einer, im Winnipeger zionistisch-orthodoxen „Jüdischen Wort" vom 4. VII. veröffentlichten Korrespondenz zufolge erh'olt sich das jüdische Städtchen zusehends. B. Smoliar, der Verfasser dieser Korrespondenz, tler einzige Vertreter der I. T. A. in der Sowjetunion, absolvierte eine längere Reise durch1 die verarmten Städtchen Weißrußlands, die bekanntlich vom größten Elend heimgesucht waren und zusammenasssfelnd beurteilt er die Lage äußerst optimistisch'. Er fügt gleichzeitig hinzu, daß er ansonsten; bezüglich der Lage der russischen Juden nicht zu den Optimisten zähle, aber das Bild, das sich ihm dar- 'bot, berechtigt zu den optimistischsten Prognosen. Nach :und nach werden die Judeni zu produktiven Arbeiten in der Industrie, Landwirtschaft und! Baufynbeit herangezogen und in' kjurzer Zeit wird die Arbeitslosigkeit vollständig überwunden sein. Demgemäß hat sich auch die Stimmung der Juden gehoben: Die Juden, ehemalige Kaufleute und Deklassierte, fühlen, daß sie nicht mehr, mißachtete, jedem Schimpf ausgesetzte Wesen seien, sondern vollwertige Bürger, Mitglieder einer großen Klasse sind, Mitschöpfer'des großen Aufbauwerkes. Soweit B. Smoiar. Andere Mitteilungen der I. T. A., die in verschiedenen jüdischen Zeitungen erschienen, besagen, d'aß sich diese Tendenz auf der, ganzen Linie und mit Volldampf vollzieht. Die Regierung legt bezüglich der Lage der Juden großes Interesse an den Tag, läßt die Nöte und Wünsche der jüdischen Bevölkerung erforschen und ergreift entsprechende Maßnahmen, In der Krim wurden neuerlich 100.000 Hektar Boden jüdischen Kolonisationszwecken zugewendet, ferner wurden 16.000 jüdische Familien; im fJaufe des Frühlings 1030 in der Umgebung der jüdischen Städtchen angesiedelt. Die heurige Ernte der jüdischen1 Kolonien ist überaus gut, in der Ukraine sogar hervorragend. Große Kader jüdischer Einwohner der kleinen Städte wurden zur Erntebeschäffung in die jüdischen Kolonien befördert und üh'nen ein Teil des Ertrages zugebilligt. Bezeichnend ist es auch, d'aß die Mehrzahl der jüdischen Kolonien bereits kollektivisiert und traktorisiert sind, was auch bedeutend zur musterhaften Prosperität der jüdischen ipandwirtschaft beiträgt. Die I. T. A. versendet genaue Berichte über die Umschichtungen, die im Laufe eines Jahres im dem jüdischen Städtchen sich vollzogen. Zur Charakteristik der neuen Lage illustriert der, I.-T.-A.-jBericht die Läge einiger Städtchen. Newel (Kreis Witebsk) mit einer 7000köpfigen jüdischen Bevölkerung zählte im Jahre 1929 297 jüdische Arbeiter, 161 jüdische Angestellte und Regierungsbeamte, 68 jüdische kooperierte Handwerker und 260 'unorganisierte Handwerker, 191 Händler und 5 Landarbeiter. Im Jahre 1930 hingegen wurden 140 neue Menschen zur Industrie- und Bauarbeit herangezogen, neue 200 Handwerker schlössen sich dem Artel an, 2 neue Kollektivwirtschaften mit 43 jüdischen Familien wurden gegründet und 20 neue,Angestellte wurden dem :kqnsurngenossenschaftlichen Dienst einverleibt. Von den 191 Händlern blieb ein einziger. 663 Seelen wanderten aus, teils nach Moskau, Leningrad', Nischni- Nowgorod und teils in andere Städte, wo sie sich in der Landwirtschaft einordnen, oder sie vollziehen ihre Umschichtung, in den technischen: Fortbildungskursen des Jojnt und Ozet, deren; Netz immer dichter wird. Ein anderes Städtchen -— Pustaschki —- 832 jüdische Seelen. 1929 — 45 jüdische Angestellte, jetzt 58. Landwirte 9, jetzt 32, Bauarbeiter 0, jetzt 16 Juden, Händler 16, jetzt kein, einziger. 'Bezüglich der Konzentration der jüdischen Siedlungen wird vieles getan, aber die Sachlage, die direkte Not, 'die einer rapiden Lösung bedarf, wirkt hemmend. Biro-Bidschan hat ein wenig enttäuscht, dennoch wird der Plan nicht aufgegeben-und verspricht noch vieles. Hingegen wird das Augenmerk der Rayonierung der jüdischen Siedlungen zugewendet. Die gegenwärtige sowjetistische Verfassung hat die Rayons zur Grundlage der Staatsverwaltung gemacht und ihr Wirkungskreis ist außerordentlich groß. Gegenwärtig bestehen 3 jüdische Rayons mit einer Gesamtbevölkerung von 75.000 Seelen, von welchen ca. 70 Prozent Juden, 20 Prozent Ukrainer und ca. 10 Prozent Deutsche sind. Für die nächste Zeit sind wieder einige Rayons als jüdische administrative Einheiten vorgeschlagen. Die Amtssprache ist jiddisch. In diesen Rayons werden Zementfabriken, Sägen und Mühlen gebaut. * Freilich ist die Lage der Juden noch nicht glänzend, aber sowohl der gute Wille der Regierung, wie auch die steigernde Initiative der, Juden der Union selbst und die großzügige Unterstützung seitens der ausländischen Juden gewährleisten eine'restlöse Ueberwindung aller Schwierigkeiten und Hindernisse. Tatsächlich lebt schon jetzt nach der Zählung des bekannten jüdischen Statistikers I. Koralnik die überwiegende Mehrheit aller ökonomisc'h-aktiven Juden von der Lohnarbeit. In der. Ukraine sind, im den Großstädten 95 Prozent aller ökonomisch-aktiven Juden Lohnarbeiter, in Moskau und Leningrad 70 .bis 80 Prozent. Diese Erscheinung zeugt vom j Gesunden der jüdischen Massen in der Sowjet-Union. Palästina auf der Labour- Reichskönfefenz. Bei' der britischen Labour-Reichskonferenz, die unter Beteiligung von Vertretern aus den Dominien, Kolonien und Mandatsgebieten; in der vergangenen Woche in London abgehalten wurde, war, bei einer Gesamtbeteiligung von 30 Delegierten, Palästina durch drei Delegierte, den Vorsitzenden der Jüdischem Arbeiterpartei in Palästina, Ben Gurion, Dov Hos und Golda Meyerson vertreten. Alle drei palästinensischen Delegierten kamen zu Worte. In längeren Ausführungen über die politische Gesamtsituätion Palästinas im gegenwärtigen; Augenblick sagte Ben Gurion u. a.: Es versteht sich von selbst, d'aß das .Grundproblem des Nationalheims Einwanderung ist.' Söll aas Jüdische Nationalheim wiederefrichtet werden, dann wird das nicht durch die 170.000 gegenwärtig, in Palästina ansässigen Juden erreicht werden, sondern durch1 die Einwanderung jüdischer Massen. Die jüldische Einwanderung nach Palästina unterscheidet sich weitgehend von der Einwanderung in andere Länder. Die jüdische Einwanderung hat die Steigerung der Einnahmen der Regierung sowohl, wie auch die allgemeine Prosperität des Landes verursacht. Die jUjdisch'e Einwanderung ist es, auf welche die Steigerung des Lebensstandards aller Teile der palästinensischen Bevölkerung zurückzuführen ist. Ein Vergleich macht das klar: Palästina ist entgegen allen wirtschaftlichen und historischen Erwägungen künstlich in zwei Teile, Westpalästina und1 Transjordanien, geteilt worden. Die jüdische Einwanderung hat sich1 bisher ausschließlich im westlichen Palästina konzenr triert. Nun sind im westlichen Palästina die Regjieriungsausgaben für die arabische Erziehung — die jüdische Erziehung wird fast ausschließlich von den Jiulden selbst bestritten — pro Kopf der Bevölkerung dreimal höher als die entsprechenden Aufwendungen in Transjordanien. Die Aufwendungen für Gesundheitswesen sind fünfmal höher als in Transjordanien, wobei ebenfalls die Juden ihr eigenes Gesundheitswesen erhalten. Es ist uns gelungen, nach den Unruhen dem Frieden im Lande wiederherzustellen und die Beziehungen zwischen den beiden Völkern verbessern1 sich zunehmend. Auch die wirtschaftlichen Verhältnisse verbessern sich schnell. Die Suspendierung der Einwanderung hat im Lande eine lastende Ungewißheit erzeugt, sie stärkt jene Elemente, die auf den Konfekt der beiden Völker hinarbeiten und sie hatte feinen sehr ungünstigen Einfluß auf die wirtschaftliche Entwicklung. Infolge der Immigrationssperre sind viele Pläne wirtschaftlicher Neugrün'dungen zurückgestellt worden und es ist durchaus möglich, daß ielne künstliche Arbeitslosigkeit entsteht. Es ist für iu|ns besonders peinvoll, daß diese Maßnahme, die im besonderen den organisierten Arbeiter trifft, unter einer Arbeiterregierung getroffen wurde, deren Mitglieder immer eine positive und freundschaftliche Haltung gegenüber unserem Siedlungswerk und der Arbeiterbewegung in Palästina bekannt haben" umd, wie ich denke, noch jetzt bekennen. Wir wissen und haben es immer gewußt, daß von; allen politischem Parteien in England, die alle die Mandatspolitik gefördert haben, keine mehr Gerechtigkeit und faire Handlungsweise erwarten lassen kann, als die Arbeiterpartei iiind die Arbeiterregierung. Ich1 begreife, daß eine Arbeiterregierung wie jede menschliche Körperschaft Fehler machen kann. Im Auftrage der palästinensischen Arbeiterbewegung bringe ich 'unseren ernsten Wunsch zum Ausdruck, daß dieser Fehler sobald und so vollständig als möglich richtiggestellt wird. Das Man'dat und das Jüdische Nationalheim haben ohne ununterbrochene und im Rahmen der vollen ökonomischen Aufnahmefähigkeit des durch' jüdische (Anstrengungen fortschrittlich1 entwickelten Landes stetig ansteigende Einwanderung keine Bedeutung. ■ .' " Golda Meyerson schilderte den durch die Suspendierung der jüdischen Einwänderung und die anderen unrechten Handlungen gegen die Judeni seit dem August vergangenen Jahres entstandenen ungünstigen Eindrück. Dov Hos sprach über die Ar-: beitergesetzgebung Palästinas und trat den unbegründeten Anklagen gegen die jüdischen Arbeitereinwanderer entgegen. Die Mehrheit der Konferenz: nahm die Argumente der palästinensischen Delegierten mit viel Sympathie auf. Der Alltag unserer Chaluzim in Rischon. (Aus einem Brief.) ... Wie Du weißt, sind wir in Rischon. Rischon ist ist eine der ältesten Moschawot und besteht schon mehr , als 35 Jahre. Es ist eine schöne, in orien-alischem Stil gebaute Siedlung, die nur von Juden bewohnt wird, die . größtenteils 30 und mehr Jahie hier leben. Also gibt es hier, wie Du Dir vorstellen kannst, viele Sabris (im Lande Gebürtige). Rischon ist einer der gesündeten Punkte Palästinas. Fieber, geschweige denn Malaria kennt man hier überhaupt nicht. Während unseres Aufenthaltes ist es mir nicht zu Ohren gekommen, daß jemand an Malaria erkrankt wäre. Unsere Moschawah ist zwei Gehstunden vom Meere entfernt, was für mich direkt ein Hießen ist, denn ich gehe an jedem freien Tag baden. Der ganze Ort ist von Orangenplantagen, Weingärten »inet YUndeltuumgärten umgeben. Getreide wird in unseier Umgebung sehr wenig angebaut und in kurzer Zeit diirfie man hier überhaupt kein Getreidefeld mehr finden. Ein jedes freies Stückchen Boden, das noch nicht in einen Pardeß verwandelt wurde, wird in Kürze in einen Orangenpardeß verwandelt Grund? Der Boden ist sehr geeignet dazu, das richtige Klima und viel Wasser ist hier vorhanden. Arbeitsverhältnisse: Unsere Plugah besteht aus 22 Leuten. Von diesen 22 Leuten haben ungefähr acht oder neun feste Arbeitsplätze, die anderen arbeiten immer kurze Zeit in einem Pardeß. Wenn nun für einige Leute für den nächsten Tag keine Arbeit vorhanden ist, begibt sich ein Chawer der Sidur Avodah in die Lischkah (Arbeitsnachweis der Histadruthj, um Arbeit für diese Leute anzufordern. Jetzt (Mitte Mai. — Die Red.) bekommt man noch Arbeit zugewiesen, denn es wird noch gepflanzt (ungefähr bis Pfingsten). Später beginnen alle möglichen anderen Arbeiten. Auf eine freue ich mich schon jetzt, und zwar auf das Traubenpflücken. In vier bis fünf .Wochen werden sie schon reif sein und da kann inan's angehen. Die Arbeitslage m Rischon ist günstig, so daß wir nicht viel unter Arbeitslosigkeit zu leiden haben werden. Wir rechnen, daß 70 bis 80 Prozent der Leute auch während der arbeitslosen Zeit arbeiten werden. Das kommt daher, daß wir als gute und verläßliche Arbeiter bekannt sind. Sobald man die Arbeitsplätze zugewiesen bekommen hat, beginnt die Arbeit der Sidur Avodah, die die Aufgabe hat, die Leute je nach Fähigkeit auf zu besetzende Arbeitsplätze zu schicken. Es ist selbstverständlich, daß jeder Genosse ohne jedes Murren hingeht, mag , ihm der Arbeitsplatz auch gar nicht behagen; Es ist ein ziemlich undankbares Geschäft, denn die Einteilung soll doch so geschehen, daß die Leute zufrieden sind. Beim Abendessen wird dein einzelnen bekanntgegeben, wohin er zu gehen hat und nun kann es am nächsten Tag in der Früh losgehen. Um V2§ Uhr wird man aufgeweckt,, ißt und geht zur Arbeit. Gearbeitet wird acht Stunden täglich. Begonnen wird um 7 Uhr früh, man macht zu Mittag eine Stunde Pause und um vier. Ulir wird normal Schluß gemacht, wenn man nicht Ueberstunden machen muß, was jetzt sehr oft der Fall ist, denn wir befinden uns ja mitten in der Pflanzungszeit und die beste Zeit zum Pflanzen ist in der Früh und am späten Nachmittag. Die Arbeit ist nicht sehr schwer, es ist eine ausgesprochene Gärtenarbeit und Leute, die jemals in einer Baumschule gearbeitet haben, haben es natürlich noch leichter. Arbelten, die wir machen: Löcher, Wasserrinnen, tellerartige Oeffnungen für Bewässerung, Umsetzen und alle möglichen, anderen Arbeiten, die zur Pflanzung gehören. Selbstverständlich übernehmen wir auch alle anderen Arbeiten, die wir erhalten können, und zwar Brunnenarbeit, Tischlerei, Schlosserarbeiten usw., so z. B. arbeite ich jetzt in einer Korkwarenfabrik, wo ich die Maschinen zu bedienen habe. Lebensverhältnisse; Alle Arbeiten im Pardeß, die in Tagesarbeit übernommen werden, bezahlt man mit 20 Grusch-Piaster,, .Facharbeiten 25; bis 30 Grusch. Alles pro Tag. Es sind ziemlich gute Löhne, denn die Konkurrenz der Araber' ist ungeheuer groß. Sie begnügen sich mit 8 bis 10 Piaster. Es ist daher leicht verständlich, daß die Herren Unternehmer sehr gern, mit Arabern arbeiten. Außerdem ist in Jehuda immer eine sehr große Zahl von jüdischen Arbeitern. Wohnungsverhältnisse: Die WohnungsVerhältnisse sind bei uns sehr günstig. Wir haben zwei Steinhäuser und fünf Zelte. Ein Steinhaus wird als.Küche und Eßsaal verwendet und das andere als Schlafzimmer für die alten Leute; auch zwei Genossen von uns schlafen dort, Wir alle anderen bewohnen die Zelte, und zwar wohnen-in einem Zelt drei Leute oder ein Ehepaar. Ein . Zeit wird für die Arbeitsgeräte und Werkzeuge verwendet. Die

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